Frankfurter Gemeine Zeitung

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Wider die perfekte Welle- ein Modell gegen den Ausverkauf von Stadtteilen

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Die SPD hat die Idee in ihr gerade veröffentlichtes Kommunalwahlprogramm aufgenommen- natürlich erst nachdem die LINKE vor ein paar Wochen einen dementsprechenden Antrag gestellt hat: Nach Münchner Vorbild könnte auch in Frankfurt ein stadtplanerisches Instrument geschaffen werden, um Wohngebäude in attraktiven Lagen vor dem Verkauf an profitorientierte Immobilienfirmen zu bewahren. Ermöglicht wird dies in München durch einen genossenschaftlichen Dachverband, die GIMA, die den Übergang (Erwerb) des Wohnraums auf einzelne Genossenschaften organisiert. Diese erhalten die Gebäude entweder direkt von den Hausbesitzern oder (2 Jahre) nach Ausübung eines Vorkaufsrechts von der Stadt

Die perfekte Umwandlungswelle
Seit Mitte der siebziger Jahre erlebt Frankfurt am Main Tsunamihafte Umwandlungswellen. Längst haben sie große Wohnungen in guten Lagen verschlungen. Immer weniger Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen können in Frankfurt wohnen bleiben oder gar eine Wohnung finden. Die aktuelle Umwandlungswelle erfasst die übrig gebliebenen, weniger attraktiven Wohnungen, z.B. solche an verkehrsreichen Straßen.

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25.8.: Der verwundete Bahnhof

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Unangekündigt und überraschend wurde heute am Mittwoch der Nordflügel des demkmalgeschützten Stuttgarter Bahnhofes eingerissen. Noch am Wochenende hatten 30 000 in Stuttgart gegen den Abriß  und das Monsterprojekt “Stuttgart 21″ demonstriert. Einer der “Schöpfer” des Projektes, Stararchitekt  Frei Otto warnt in einem morgen erscheinenden STERN-Interview vor den vehementen Sicherheitsrisiken des Projektes, immensen Kosten und geringem Nutzen. Zu dem gleichen Ergebnis kommen zahlreiche offizielle Studien. Mitarchitekt Christoph Ingenhoven verteidigt das Projekt weiterhin energisch, ebenso eine große Koalition von SPD-, CDU- und FDP-Politikern. (vgl. dazu den nebenstehenden Artikel: “Stuttgart 21 und der Joghurt des Architekten”.) Ein starkes Polizeiaufgebot tat, was es immer tut: es schützte die Bagger. Dieser Livestream zeigt die Ereignisse am Bahnhof.


Kreuzberg Boulevard

Kreuzberg Boulevard: Die Wandzeitung für Interaktive Realitäten

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Mit einer Beobachtung zu einer Kreuzberger Wandzeitung meldet sich die ehemalige Frankfurt, oder!- Korrespondentin aus Berlin zurück.
Ausgabe eins und Ausgabe zwei habe ich quasi gleichzeitig entdeckt: Auf Elektrokästen in meinem Kiez schreien mich weiße, schwarz bedruckte DIN-A-4-Zettel an: “Kreuzberg Boulevard” ruft es: “Die Wandzeitung für Interaktive Realitäten – Im Zweifel für Zerwürfnisse – Unter dem Pflaster liegt der Strand”. Kein einziges Bild ziert die Wandzeitung, allein die groß gesetzten Zwischentitel laden zum Lesen ein: “Das Casting für eine bessere Revolution hat begonnen! Bewirb dich!”

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Wappen für das Nordend

Durch ein Mitglied unserer Redaktion wurde ich aufmerksam auf das Stadtteilmagazin “NORDend”, welches “ein hochwertig gestaltetes Magazin zum Lesen und Schauen“ sein soll, mit hübschen Fotos und allerlei Geseiere von Wohlfühl(ex)linken wie dem Grünen-Stadtrat Lutz Sikorski.

Es wird herausgegeben im Stile eines Hochglanzmagazins und in der Presseerklärung heißt es ganz unbescheiden „somit hat NORDend beste Chancen, zum Sammelobjekt zu werden“.

Naja… jeder Mensch braucht ein Hobby und vielleicht gibt es ja irgendwo einen Messie mit ausreichendem Sammlertrieb.

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Erkunden

Frankfurter Sensorium – Bilder (2)

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Städtisches Biotop

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Östlich von Naxos

“Anarchie auf Naxos? Ein Frankfurter Industriegelände erfindet sich neu” hieß das Wochenendfeature, das der nimmermüde, erkundende und kartografierende Deutschlandfunk zu einem beliebten Stück Industriemuseum am Samstagmorgen ausstrahlte.
Naxoshalle
Bemerkenswerte Eigenschaften zeichnen die Naxos gerade in Frankfurt aus: eine Industriebrache mit richtigen Backsteinen und Fertigungshallen mitten in der glattgeputzten Finanzstadt; gar noch an der Schnittlinie der hippen Stadtteile Nordend, Bornheim und Ostend; es beheimatet in seinen Hallen nicht ganz so gebügelte Künstlerinitiativen mit Projekten gewisser Strahlkraft; ihre Zukunft ist umstritten zwischen drohendem Abriß, Kommerzialisierungsvarianten, Kulturstätte und neuem Wohnen; sie wurde errichtet vor weit über 100 Jahren von einem jüdischen Industriellen, dessen Familie im Konzentrationslager endete. Eine Menge an Geschichten, zumindest hier in Frankfurt. Und Hoffnung auf eine gute Mischung: neues Wohnen, eingebettetes Museum und engagierte kulturelle Produktion, zusammen wirksam. Am Rande sei ein zugehörige kulturhistorische Episode erwähnt, die kaum jemand mehr kennt: diese Metallfabrik unterhielt bis vor ca. 20 Jahren noch eine der besten öffentlichen Fachbibliotheken unserer “Metropolenregion”, einfach so für die Bewohner an der Wittelsbacher drum herum benutzbar – man stelle sich dagegen die Bitte um Einlaß wegen guter öffentlicher Bildungsangebote in der feisten Commerzbankzentrale Frankfurt-Innenstadt vor. Anfang der 90er war mit all dem Schluß im Ostend.

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Frankfurter Sensorium – Bilder (1)

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Job-Flop

computerarbeitsplatz
Die engagierte Bewerberin für einen Ausbildungsplatz als Mediendesignerin (ich) informiert sich am Vorabend ihres Vorstellunsgespräches / Probearbeitstages bei Google Maps über den genauen Standort des anvisierten Unternehmens, stellt fest, dass dieser nur 15 Gehminuten entfernt liegt und geht beruhigt ins Bett …

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Sublimieren

Der gute Fürst (3)

Die dunkle Seite

Alles okay, wer spenden will, soll dies auch tun und reichlich. Die Ahnentafel ist ihm/ihr sicher und die Saga von dem wundersamen Wirken.

Es ist hier nicht der Platz über individuelle Motive (Psychopathologie) zu spekulieren oder in eine Diskussion über Ehrenhaftigkeit oder nicht (Verschwörungstheorien) einzusteigen, es geht vielmehr darum, aufzuzeigen, wie die unreflektierte Begeisterung zu voreiligen Schlüssen führen kann. Es wird zu vieles in einen Topf geworfen, zu kräftig umgerührt und schliesslich zu heiss gegessen, um noch bekömmlich zu sein.
du-bist-deutschland

Die Logen der feinen Gesellschaft

Die entscheidenden Gremien einer Stiftung sind ihre Vorstände und Beiräte. Vor allem Letztere sind (aus)gewählt, zunächst vom Stifter, dann von seinen Nachfolgern: nehmen wir einmal Bertelsmann (man erinnere sich noch an: „Wir sind Deutschland“, peinlich, peinlich). Dieser Unternehmung des Patriarchen wurden 77 % des Aktienpaketes der AG übereignet und sie zieht weitere Spenden an. Im Vorstand sitzt die Familie und die Leitung der Bertelsmann AG. Sie ist weitgehend mit anderen Stiftungen vernetzt, von denen als reichste hier nur die Robert Bosch Stiftung erwähnt sei.

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Der gute Fürst (2)

Die Institutionen der “Spendergesellschaft”

Der Vorstoss von Gates bringt eine nicht gekannte Dimension ins Spiel, dabei ist es nicht die Stiftung selbst, sondern das, was diese Stiftung absichert. Unbemerkt von der Öffentlichkeit ist hinter der philanthropischen Fassade der Bill & Melinda Gates Foundation ein Trust entstanden, der zu den mächtigsten Vereinigungen dieser Welt gehört und mit weiteren Spenden bald an die erste Stelle rücken wird. Nutzniesser dieses Trusts ist allein die Stiftung, die Forderungen bis zum Gesamtwert des Trusts stellen kann, die bedient werden müssen. Die Schätzungen variieren, doch dürften dort mittlerweile mehrere hundert Milliarden Dollar gebündelt sein. Vergleicht man die Staatshaushalte in Afrika mit diesen Beträgen, so wird schnell klar, welches Potenzial hier entstanden ist. Die Firmen, die dem Trust gehören oder an denen er beteiligt ist, machen natürlich Business-as-usual, und je mehr Profit sie auspressen, umso besser steht der Trust da – und genau das ist die Aufgabe. (So kann denn auch die Meldung nicht sonderlich verwundern, dass sich der Trust gerade bei Goldman-Sachs eingekauft hat, letzte machten gerade 1 Milliarde Gewinn durch Spekulation auf Lebensmittel. Bei Monsanto haben sie sich auch beteiligt.)
Stiftungsübersicht

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Trendiges Durchwurschteln

Glaubwürdige Vorhersagen akzeptieren wir nur noch selten, vielleicht von Physikern, manchmal von anderen Naturforschern. „Zukunftsforschung“, bis in die 70er Jahre das ernsthafte Hobby von Architekten oder Ingenieuren, die uns die glänzende Zukunft in Raumstationen oder hybriden Häusern prophezeiten ist verschwunden.

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Nicht ganz, sie hat sich in verschiedene Nischen verfeinert, die das Bild der wunderbaren, gerade existierenden menschlichen Konstruktionen jeweils anders unters Volk bringen. Am bekanntesten sind wissenschaftliche Wahrsager des Typs Hans-Werner Sinn, dem gleich ein ganzes Forschungsinstitut staatlich finanziert wird, damit er seine immer gleichen Tiraden des Aufschwungs durch Verzicht, Steuersenkung und Staatsabbau mit ökonomischer „Wissenschaft“ legitimieren kann – egal wie simpel seine Theorien und falsch seine Vorhersagen sind. Dann die Techno-Propheten mit naturwissenschaftlicher Vision und die mit ökonomischer, der Art des Weltenerlöser Steve Jobs. Eine Mischvariante, die direkter auf persönliche Versorgung der Prediger abzielt ist die „Trendforschung“, die im Stile einer Politikberatung light uns alle bewegende Fragen über direkt vor uns liegende Zeitabschnitte verständlich beantworten möchte.

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Die Vergewaltiger sind los!

Deutschland ist in Angst! Mal wieder. Eigentlich ist das auch nichts Neues, sondern eher ein Dauerzustand. Gequält stöhnt der aufgeklärtere Zeitgenosse da: „Warum denn jetzt schon wieder?“

Und mit panikgeweiteten Augen antwortet ihm der Bildleser: „Ja liest Du denn keine Zeitung? Jetzt gehen doch die Vergewaltiger um!“

Darauf würde ihm der aufgeklärtere Zeitgenosse antworten: „Und was soll daran schlimm sein? Die gehen doch immer um. Es gibt halt Verrückte und daran kann niemand etwas ändern.“

Aber diesmal ist die Situation anders: Immerhin sind es da um die 300 die da freigelassen werden sollen.

Naja, kann man sich auch denken. Wenn jeder von diesen Leuten innerhalb eines Jahres einmal rückfällig würde (was eher unwahrscheinlich ist), dann gäbe es 300 Opfer.

Die gleiche Zahl an Menschen dürfte innerhalb dieses Jahres auch ihrer Heuallergie erliegen.

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