Frankfurter Gemeine Zeitung

Missbrauch von Hartz IV 2009 enttäuschend gering gestiegen

Der Missbrauch von Hartz IV ist letztes Jahr nach der Aussage der Bundesagentur für Arbeit von 1,8 auf 1,9 Prozent gestiegen. Also um 0,1 Prozent. Kurz nachdem die Süddeutsche Zeitung am 2.2. unter der Überschrift: „Missbrauch von Hartz IV nimmt zu“ über diese skandalöse Entwicklung berichtete, nahmen sich das Oberpfalz-Radio »Ramasuri« (»Missbrauch von Hartz-IV-Leistungen zugenommen«) , das Kirchenportal evangelisch.de (»Missbrauch bei Hartz IV steigt leicht«), die Internetseiten von Focus (»Mehr Missbrauch als letztes Jahr«), Spiegel (»Falsche Angaben«) und Bild (»Immer mehr Hartz-IV-Betrüger«) u. etliche andere Medien der Sache an. (vgl. http://www.jungewelt.de/2010/02-03/062.php?sstr=hartz%7CIV). Vorausgegangen waren strenge Erwägungen von Roland Koch, sowie Enthüllungen der BILD über „Deutschlands faulsten Arbeitslosen“. Aber auch die Feingeister von der FAZ hatten in der Sonntagsfaz vom 24.1. alleinerziehende Mütter, die von Hartz IV leben als die „Hätschelkinder der Nation“ entdeckt, die dumm wären, wenn sie sich eine Arbeit suchen. In der Tat ist die Missbrauchszahl von 1,9 menschlich enttäuschend. Denn sie besagt ja offenkundig, dass sich 98,1 Prozent der „Leistungsempfänger“ mit einem System abfinden, dass ihnen zumutet, in einem der reichsten Länder der Welt von 11 Euro am Tag zu leben und, wenn sie das nicht verlieren wollen, für 1 Euro pro Stunde zu arbeiten. Hey, das macht selbst der Chinese nicht mehr lange mit! Von diesen 98,1 Prozent Erfüllungs-, oder sagen wir DamitAbfindungsquote konnte selbst die DDR nur träumen… Was ist los mit Euch, Jungs und Mädels? Warum macht ihr es Euch nicht in der sozialen Hängematte ein bisschen bequemer, so wie unsere Banker und Manager? Denn: wir haben ja die sogenannte Finanzkrise hinter uns oder vor uns oder sind noch mittendrin, in der die Gesamtgesellschaft weltweit und hierzulande einer winzigen Gruppe von Reichen den Arsch gerettet hat. Die Leistungsträger haben letztes Jahr Milliarden Leistungen erhalten, die sie jetzt wieder in Form von Boni an sich selbst auszahlen. Was ist dagegen eine läppische Steigerung um 1 Promille? Die Medien sind von Euch andere Promillezahlen gewohnt! Und würde man einen SZ- oder FAZ-Redakteur zwingen, eine Woche lang vom HartzIV-Satz zu leben, würde er sofort einem Schreibkrampf anheim fallen. Eigentlich sollte also jeder HartzIV-Empfänger, der irgendwo in Frankfurt einem Banker oder Journalisten begegnet -zum Beispiel Mittags beim Thai zum günstigen Lunch- zu ihm den altdeutschen Klassiker sagen: „Suchen Sie sich doch besser mal eine anständige Arbeit.“ Lassen wir mal die berüchtigte Schweizer CD beiseite, von der sich die Bundesregierung bei nur 1300 Daten 400 00 Millionen Euro an hinterzogenen Steuern erhofft, also mehr als 300 000 Euro pro Kopf. Halten wir uns einfach an den Namensgeber der permanent missbrauchten Reform: Peter Hartz. Am 17. Januar 2007 wurde der Ex-Manager in Braunschweig wegen Untreue in 44 Fällen verurteilt. Gesamtschaden der Schmiergeld-Affäre: 2,6 Millionen Euro. Also, liebe HatzIV-Empfänger: dieses Jahr bitte mehr Eigenaktivität im Geist von Peter Hartz!


Schicksals-Mächte: Lokales und Web

Sicher möchte die FGZ nicht schlicht den Prophezeiungen des Gurus Peter Sloterdijks folgen, der das Lokale gegen die Allmacht Internet in seiner Schrift “Weltinnenraum des Kapitals” anrief. Dazu tönt sie doch zu sehr nach den Freiheitsrufen der FDP.

Aber mit der Wochenzeitung “Freitag” vermuten auch wir, dass für den Trend einiges spricht. Gegen eine Tendenz zum Bratwurstjournalismus in geläufigen Printmedien hat sie ein paar Highlights im Web als “local blogs” ausgemacht, die dem Zeitungssterben etwas Einhalt bieten sollen. Besonders der “Heddesheimblog” scheint Furore zu machen.

Die “Ruhrbarone” liefern ähnliches im Ruhrgebiet, eine Darstellung des Chefredakteurs – alles “Profi-Journalisten” – ist als Video in Alexander Kluges (ja der) toller Fernsehstation dctp zu sehen.

Wie alles Gute kommt “localizing web” aus den USA und ist nur gelegentlich berührt von politischen Ambitionen abseits des Mainstreams. Sicher kann man zunächst nicht mehr erwarten. Ob´s aber nur die Suche nach neuen Einkunftsmöglichkeiten ist ? Wie vermeldet bringt es Axel Springer auch schon – und verlangt für echtes lokales Know How echtes Geld.

Die FGZ wird interessnte local blogs in einer nach oben offenen Link-Liste verzeichnen.


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