Frankfurter Gemeine Zeitung

Banken, Stadt und Finanzkrise: neue Auswege?

Man glaubt es nicht, aber in Brooklyn, New York unweit der Wall Street also erscheint ein “Left Business Observer”, ein linksgerichtetes Blatt für Wirtschaftanalyse. Vertrieben über das Web und mit scharfem Blick auf ökonomische Irrlichter. Ein zweites Web-Blatt politisch-kritischem Zuschnitts ist die mittlerweile weltbekannte “Huffington Post”. Diese gab kürzlich ihren Lesern die Empfehlung, ihre Bankkonten von finanzmarktgetriebenen Großbanken zu kleinen  zu verlagern. (”Move Your Money”) Möglichst noch lokal stuierten Häusern. Nach dem Motto: virtuelles Kapital hat uns in die Enge getrieben, jetzt kommen wir dem realen  wieder näher, das ist ja gewöhlich lokalisiert.

Doug Henwood, der LBO-Herausgeber erkennt darin aber einen naiven Populismus. Diese vermeintlich harmlosen Kleinbanken haben oft Geld bis zum Abwinken , und das möchte lohnend investiert werden. Auch und gerade in der “Real-Wirtschaft”. (wer denkt denn da nicht an die Taunus-Sparkasse, Bad Homburg, Kronberg etc ?)

Dabei findet Henwood einen anderen lokalen Aufhänger, nämlich die Finanzierung solcher braven Institute für Gentrifizierungs-Projekte, Gated Communities und ähnlichem. Da stecken sie gerne mal ihr Geld rein, oder das anderer. Wir kennen hier so etwas auch aus dem Wandel von Miet- in Eigentumswohnungen. Das sind die ganzen Orte, die viele nicht mehr betreten dürfen.

Na gut, das bringts auch nicht so mit dem Konto, dann kann man doch gleich in der Schloßallee bleiben. Aber was sagen wir dazu in unserer Bankenstadt? Wenn gibts denn hier ? Und welche Bank setzt nicht auf Expansion, Umzug in den Osten oder betreibt mehr als eine Fassade in der Stadt ? Und wer hat genügend Geld, das auf Banken zu verteilen ?

Aber nicht zu eng gesehen: wir könnten uns den Überlegungen für ein christliches Finanzsystem zuwenden, das jetzt eine Konkurrenz zu bereits realisierten Ideen von islamischer Seite aufmachen soll (“Koran-Kapitalismus“). Wir kriegen dann aber für unsere Penunzen gar keine Zinsen mehr.

Deshalb meine Frage: gibt´s denn bei den tausenden von Bankern hier in Frankfurt keine, die ausser der Erfindung von “innovativen Finanzprodukten” einige wirklich innovative Ideen in der Richtung haben – und uns nicht gleich in die nächste Krise, Pleite oder das was wir eh schon nicht haben treiben ? Oder so ähnlich.

(tschoepe.de)


Die Geburt des Handkäses aus dem Geiste Groß-Geraus

Die Anfänge des Handkäses muss man nicht in Frankfurt suchen, sondern in Mainz, bzw. Groß-Gerau.

Michaele Scherenberg und Karl-Heinz Stier, die in Ihrem Buch „Handkäs mit Musik“ über 80 Handkäserezepte zusammengetragen haben, glauben die historische Geburtsstunde des Handkäses exakt bestimmen zu können. Sie kolportieren die Geschichte der „rührigen alten Frau Kaul, der „Kaulen“ aus de Schorneck, dem Haberrers Georg seu Ahnfrau-,“ die 1813 den ersten selbstgefertigten Handkäse im Tragekorb von Groß-Gerau nach Mainz auf den Markt getragen haben soll. Damit wäre „dem Haberrers Georg seu Ahnfrau“ auch so etwas wie die Ahnfrau des Handkäses. Wer die alte Frau auf dem Weg gesehen hat, teilen uns die beiden Autoren leider nicht mit.

Mitte des 19. Jahrhunderts zeigten sich viele Groß-Gerauer noch rühriger; aus dem schlichten Tragekorb wurden Hand- und Schubkarren, auf denen der Handkäse nach Mainz geschafft wurde, um damit vornehmlich Handwerkermägen zu füllen.

Wieder eine Generation später sagten sich die Handkäsmacher, dass es eigentlich keinen Grund gab, sich auf Mainz zu beschränken; hungrige Handwerker gab es schließlich überall. Und so kam der Handkäse nach, man könnte auch sagen: über Frankfurt.

Nach der Reichsgründung schritt in Deutschland die lange versäumte Industrialisierung kräftig voran. Ab 1870 wurden Überlegungen zur Automatisierung der Handkäseproduktion angestellt. 1880 vermelden die Chroniken die erste Käse-Knetmaschine in Groß-Gerau.

In den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts war es so weit: der Handkäse trat endgültig in das Stadium seiner technischen Reproduzierbarkeit ein. Der Gastwirt Peter Traiser II. erhielt von den Vertretern seiner Majestät Kaiser Wilhelm II. das Reichspatent für eine Käsemaschine, die die märchenhafte Zahl von 4900 Stück Handkäse in einer Stunde herstellen konnte.

Dankbare Groß-Gerauer dichteten einen Lobgesang auf den technisch versierten Gastwirt und seine Erfindung, dessen letzte beiden Strophen lauten:

Chinesen und Tscherkessen/

Der Hottentott dazu

Können alle Handkäs essen

Wir liefern sie im Nu.

Ein Frühstück für die halbe Welt

ist augenblicklich hergestellt

Durch Traisers Käsmaschin.

Drum windet Lorbeerreiser

dem Mann, der sie erbaut,

es lebe Peter Traiser,

auf den die Welt heut schaut.

Den Mann von Praxis und Genie

verherrlicht heut die Poesie

Mit seiner Käsmaschin.“

40 Fabriken mit einer Jahresproduktion von 10 Millionen Handkäse wurden in Groß-Gerau und Umgebung aus dem Boden gestampft. Zwar zeigten sich die Chinesen, Tscherkessen und Hottentotten trotz des großherzigen Angebotes der Groß-Gerauer beim Handkäsekonsum weiterhin zurückhaltend, aber nach Amerika wurde fleißig exportiert. Wir wollen hier keine Spekulationen darüber anstellen, in welchem Zustand der Handkäse angesichts der damaligen langen Reisewege nach Übersee dort ankam.


Die Wahrheit über das Königsbrünnchen im Stadtwald

Nachdem Ludwig der Deutsche zusammen mit seinen Brüdern versucht hatte, seinen Vater zu ermorden, ging er auf die Jagd.

Der König, die Lippen blau von Brombeeren, war verwundert an diesem Morgen den eigenen Atem zu sehen. Zögernd ließ er seinen Lieblingsfalken aufsteigen in den Dreieichenhain, aber statt auf den Nebelschwarm der Gänse hinabzustoßen, drehte sich der Vogel in der Luft und wurde fortgetrieben hinein in die dunkelste Stelle des Waldes. Sofort folgte ihm König nach. Ein Köhler vor dem kalten Meiler flüsterte dem Vorbeifliegenden zu: „Gib Acht, in diesem Wald gibt es kein Holz!“, doch wer glaubt einem Mann ohne Schwert.

Nach Tagen vergeblichen Reitens erreichte Ludwig eine Quelle und stieg ab, um sein Pferd zu tränken. Im Wasser sah er die Spiegelung einer entblößten Hexe. Eine nie zuvor gefühlte Begierde ergriff den König. Jäh sank er zu Boden, zartes Geäst und Wurzelwerk bedeckte seinen Körper und nahm den Glücklichen gefangen für immer.

Der Sohn der Hexe stieg aus dem Dickicht, nahm die Gestalt des toten Königs an und kehrte zu dessen Gefolgschaft zurück. Als Ludwig der Deutsche begradigte er später das unsymmetrische Flandern, humanisierte die Nidda, und errichtete zahllose Wasserhäuschen in der Stadt. Zur allgemeinen Zufriedenheit regiert er Frankfurt bis zum heutigen Tag.

Der schöne Körper des wahren Ludwig ist ebenfalls erhalten und kann im Stadtwald unweit der Oberschweinstiege besichtigt werden. Sein hervorragender Erhaltungszustand hat selbst sowjetische Einbalsamierer in Erstaunen versetzt. Der Frankfurter Magistrat wollte ihn trotzdem schon mehrfach beisetzen lassen, weil er Selbstmörder anzieht, aber bislang scheiterte dies am entschiedenen Widerstand der Schulklassen und ihrer kurzbehosten Lehrer, die im Sommer wie wir alle dringend auf ein geeignetes Ausflugsziel in der Umgebung angewiesen sind, das die Macht der Liebe beweist.


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