Frankfurter Gemeine Zeitung

Bitte verspäten Sie die Entschuldigung!

Auf dem Naschmarkt befiel ihn eine sehr schwere Lustlosigkeit…

Es war  Samstag und es gab einen Flohmarkt und er hatte Dinge in seinem Kopf, die er kaufen wollte; einen schönen alten Koffer, Schallplatten, Manschettenknöpfe… Doch je mehr er sah, umso weniger hatte er den Wunsch Etwas zu besitzen. Die Dinge, die er vermeintlich suchte verwandelten sich vor seinen Augen in etwas  anderes. Sein Herz begann schneller zu schlagen so als stünde er unter einem enormen Druck. Gedanken an seine Heimatstadt, an seine Freunde aber darin war für ihn kein Trost zu finden. Es gab keinen Grund! Alles schien ganz normal zu sein. Trotzdem erlebte er wie alles (was er sah)  zu einer Abbildung wurde, die ihm nichts verraten wollte.Die Freude, die da sein würde schien noch in dem Zug zusitzen, der ihn her gebracht hatte. Er fand keinen Ausdruck für das was in, nein, was mit seinem Inneren passierte; er schämte sich ein wenig vor sich selbst.Sein Name war Herr Logg und der Anblick halbnackter Samba-Tänzerinnen, in der Schleifmühlgasse, löste überhaupt nichts in ihm aus. Er verstand die Aussenwelt nicht mehr genauso wie er sich selbst nicht nicht mehr verstand, und er fragte, sich ob man einfach so ein Autist werden könne….Ein Kind grüsste ihn aus einem Fenster im 2. Stock und winkte ihm zu.Er winkte dem Kind zurück und spürte eine kleine Freude darüber.Das Kind erschien ihm wie der erste vernünftige Mensch in dieser Stadt. Es blieb dabei, er war sich seiner selbst nicht mehr sicher, rutschte einfach dazwischen, und er war versucht sich auf den Boden zulegen und abzuwarten. Herr Logg hätte gerne mit jemandem gesprochen, er hätte gerne versucht  sich auszutauschen.Am liebsten hätte er sich ausgetauscht. Über ihm hatte sich der Himmel unbemerkt bewölkt und er war geneigt zu glauben es würde regnen, aber er konnte keine Schwalben sehen. Eine Frau lief an ihm vorbei mit einer Bierdose in der Hand, die sie sorgsam in eine weisse Papierserviette gewickelt hatte….er dachte darüber nach was das zu bedeuten hatte, und bei diesen Gedanken griff er sich selbst wieder auf, wie ein Fleischer sein Messer greifen würde…ganz natürlich.


10 Kommentare zu “Bitte verspäten Sie die Entschuldigung!”

  1. Landloper

    Bravo!

    Dieser Text “rutschte einfach dazwischen”. Er gibt sich dicht-künstlerisch zwischen teils geglückt, teil salopp oder angestrengt Satirischem drum herum. Er gehört zwischen zwei Buchdeckel.

  2. gaukler

    Besuch einer Frankfurterin in Wien ? Dort auf dem Naschmarkt wurden die Messer doch immer besonders herzhaft geschärft. Und Bierdosen, Papierservietten.

  3. Christian Dombrowski

    Starke Bilder! Vielleicht wäre es aber gut, Herrn Logg zu verweiblichen? Denn der Protagonist blickt mit den Augen einer Frau in die Welt. Einer Frau zudem, die noch auf der Suche nach sich selbst ist. Der “Herr” vermittelt sich nicht.

  4. Landloper

    Woran, bester Christian, erkennst den den weiblichen Blick?

    Und, ehrenwerter gaukler, warum suchst du die touristengerechten Klischees in diesem Text?

  5. Landloper

    Ich merke gerade, dass man meinen obigen Kommentar missverstehen kann. Ich meine mit “teils geglückt, teil salopp oder angestrengt Satirischem drum herum” die anderen Artikel in der Frankfurter Gemeinen, ncht etwa Teile des vorliegenden Textes von faye valentin. Klar?

  6. Christian Dombrowski

    Landloper, wenn Du diesen Text liest mit der Vorstellung, hier sei von einer jungen Frau die Rede und nicht von einem Herrn, wirst Du merken, dass er stimmiger wird.

  7. Landloper

    @Christian

    Du siehst etwas, was ich nicht seh’, das hat die Farbe …

    Tja, was wäre hier die weibliche Farbe?
    Entsteht sie vielleicht unter einem vermeintlich männlichen Blick?

  8. faye valentin

    Hi Leute!

    Vielen Dank für eure Kommentare, die sind mir eine grosse und kleine Hilfe. Ich verfolge das mit Spannung. Kritik egal in welcher Richtung ist sehr willkommen.

    Danke für’s lesen!

    F. V.

  9. Christian Dombrowski

    Danke für’s Schreiben, liebe F. V.!

  10. annemarie

    huhu! ich verstehe leider gar nichts von dichtkunst, poesie, oder sonstiges, hatte deswegen in der schule in deutsch nur 2 punkte(vlt aber auch weil ich nie im unterricht saß)-…… aber ich verstehe den moment, das gefühl, sich zu verlieren und zu versuchen die leere mit manschettenknöpfen zu kompensieren. und plötzlich ist da n klitze kleiner mensch, der, mit der ältesten geste der welt, endlich ein lächeln bei dir verursacht.. danke ihr kleinen menschen der welt, danke faye!! i love you

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