Frankfurter Gemeine Zeitung

KDD in Frankfurt – ein Abgesang

KDD ist eingestellt. Nicht dass ich ein Kenner der Krimi-Szene bin. Noch nicht einmal der Film-Krimi-Szene. Aber sogar für mich war es leicht, zwischen einem Tatort und dem KDD zu unterscheiden. Ersterer ein Quotengarant, mit begradigten und duplizierten Vororten, deren frustrierte Bankerfamilien in einen Mord verwickelt sind. Den lösen dann mit gleichen Problemen belastete Kommissarinnen. Oder so ähnlich. Spannende Langeweile, wohltuend fürs Zuschauergefühl: tja so ist eben die Welt.

Der KDD dagegen arbeitet sich in Berlin Kreuzberg ab, in einem Bunker, ein zerrissenes Team in zerrissener, aber hochdynamischer und unübersichtlicher Umgebung, innen und aussen aufs äusserste gespannt, dauernd nahe dem Abgrund. Wenige, gar keine Guten, alle wurschteln sich durch, alle haben Dreck am Stecken, auf die eine oder andere Art. Viele Fälle pro Folge parallel, manches hält sich länger. Aufgeregte Kameraführung, versteckte Beobachtung, ein Tempo wie es erdrückender Alltag oft erzeugt. Kein „uns gehts allen gleich“ in Berlin, sondern Polarisierungen in vielen kleinen Gesten, plötzlich sind sie da. Das ist natürlich ein bisschen viel, also keine Quote, „deutsches Publikum verkraftet das nicht“, deshalb aus.

Naja, das war jetzt der sehnsüchtige Frankfurter Blick, ist halt keine Metropole, liefert keinen Filmplot. KDD und Tatort zeichnen aber auch sehr verschiedene Perspektiven auf Städte. Einerseits eine dichte Beschreibung, andererseits die Isoliertheit von Einkaufszentren. Mir geht durch den Kopf, dass KDD ein Zeichen dessen ist, was „Frankfurt“ von „Berlin“ unterscheiden könnte: Frankfurt hat weder die Personen noch die Orte um eine Serie wie KDD zu drehen. Womit auch? Mit Sachsenhausen als getriebenem Metropolenviertel, dem Polizeipräsidium am Alleenring geschichtengeladener Ort, Petra Roth und Lutz Sikorski als schillernde Lokalgangster. Wohl eher zum Lachen: zwei Piefkes.

Ham wir also nicht. Frankfurt ist einfach viel nivellierter, in den Teig seiner Vor- und Nachbarorte eingebacken. Zumindest kommt es seit Jahren so daher. Oder Offenbach gar noch aufregender. Frankfurt hat vermutlich eher ein Interesse an Stadt-Branding denn am Darstellen der Alltagsspannungen. Deren dichtes Geschehen, das über idealisierte „Kreative“ hinauszeigt und die versteckten Produktivitäten wie Abgründe zeigt. Vielleicht haben wir nur solche Kreativlinge, die Derivate und Brands bewegen können ? Ich glaube es nicht, aber das ist in Frankfurt weniger zugänglich als in Berlin und es gibt vielleicht weniger Leute, die quergewebte Darstellungen öffentlich machen. Und sie sind weniger vernetzt.

So schnell komme ich vom KDD auf die Stadtgeschichten. Aber es gibt vermutlich noch Konvulsionen in Frankfurt, die interessantere Spannungslinien aufzeigen können. Ausserdem endet der KDD mit einem neuen Job für Augstein in Berlin und Frankfurt hat doch Schirrmacher.

Ähnlichkeit oder Riß ?


Ein Kommentar zu “KDD in Frankfurt – ein Abgesang”

  1. Rainer L.

    “In den Teig seiner Vor- und Nachbarorte eingebacken”-schöner Satz über Frankfurt! Es gibt hier davon abgesehen einfach viel weniger “Milieus” als in einer echten Großstadt. Allerdings hat der allgemeine Berlinhype auch seine abstoßenden Seiten…

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