Frankfurter Gemeine Zeitung

Das unglaubliche Haus

das gesicht in der Rollade (Haus4)

Mein Freund hält mich
In der Beuge seiner Arme
In der Schachtel meiner Kehle
Sein Atem beschlägt
das finstere Glas
Er sagt wir
haben Spaß

Mein Freund füllt Erde
in das unglaubliche Haus
Er sagt es ist Frühling Liebling
Zieh Dich aus Liebling
Es ist Zeit
sich auszuruhn

Die feuchte Erde fließt
In das unglaubliche Haus
Mein Freund schwitzt und singt
Ich liege reglos
In dem unglaublichen Haus
Er sagt
Es ist Frühling Liebling
Ich gehe aus
Ich gehe aus


Frankfurter Slowfood für den Sieg über England – „Die Kochkiste Frankfurter System“

Kochkiste2

Die Erfindung eines Perpetuum mobile ist ein uralter Menschheitstraum. Auf das Gebiet des Kochens angewendet wäre ein Perpetuum mobile ein Herd, der ohne Gas, Strom oder Feuerung, also ohne äußere Energiezufuhr, bis in alle Ewigkeit vor sich hin kocht – führwahr eine ehrfurchtsgebietende Vorstellung.

Zu Zeiten des Ersten Weltkrieges sind in Frankfurt einige patriotisch gesonnene Damen und Herren der Realisierung dieser Utopie recht nahe gekommen. Sie propagierten in zahlreichen Broschüren, Vorträgen und Pamphleten die Einführung der „Einfachen Kochkiste Frankfurter System“ für alle deutschen Haushalte. Eine „Kommission Kochkiste des nationalen Frauendienstes“ etablierte sich in der Frankfurter Fahrgasse. Sie gab unter anderem Lotte Mohrs Bröschüre „Kocht in der Kochkiste!“ heraus, 1916 in zweiter Auflage, da die 22000 Exemplare der ersten Auflage bereits nach 5 Monaten vergriffen waren. Darin forderte die Verfasserin kategorisch im Fettdruck: Pflicht jeder Frau ist es, sich wenigstens einmal mit der Frage der Kochkiste zu beschäftigen!

Das Cover zeigte die Zukunft des Kochens in einer idyllischen Zeichnung. Eine Frau ist abgebildet, nicht etwa schwitzend über die Kochtöpfe gebeugt, sondern gemütlich auf einem Stuhl sitzend und strickend, vor sich auf einem Stuhl eine unscheinbare Kiste, darüber ragt ein Vogelbauer mit tirilierendem Vögelchen ins Bild. Welch geheimnisvolle Dinge sich im Inneren dieser Bocuseschen black box abspielen mögen, zeigt das Bild nicht, ja es scheint kaum so, dass da überhaupt etwas gekocht wird.

Die Kochkiste sollte das Kochen auf dem Herd ersetzen nicht nur, weil so kriegswichtige Energie gespart werden konnte, sondern auch weil für das Kochen in der Kochkiste weniger Lebensmittel verbraucht wurden, als bei der herkömmlichen Zubereitungsmethode, ein wichtiges Argument angesichts der Blockadepolitik Englands.

Lotte Mohr:

Man kommt in der Kochkiste mit ein paar Hülsenfrüchten, Reis, Gerste, Haferflocken, Nudeln und Dörobst so weit wie auf dem Herd mit einem Pfund. Nun denkt, wenn jede Frau im deutschen Reiche täglich nur halb so viel spart, wieviel länger wir dann dem Feind standhalten können. Sie (die Kochkiste) ist in dieser Zeit der Grossen Not unser treuster Freund, ohne sie ist eine „Kriegskost“ unmöglich und mit ihr im Bunde haben wir eine gute Wehr und Waffen gegen Englands scheußlichen Aushungerungsplan.“

Verlassen von den meisten Bundesgenossen, sollte Deutschland die hölzerne Kochkiste an die abgemagerte, nach Brot und Freunden hungernde Brust drücken. Dies empfahl sich insbesondere in Frankfurt, einer zur damaligen Zeit unglücklicherweise preußischen Stadt mit hessischem und bayrischem Hinterland. Da den beiden Reichsländer verständlicherweise zunächst an der Versorgung ihrer jeweiligen eigenen Bevölkerung gelegen war, verlief die gewohnte Versorgung Frankfurts aus dem Umland weit weniger gut als in Friedenszeiten. Der harte Winter 1916/1917 ging als „Kohlrübenwinter“ in die Stadtgeschichte ein.

Was aber war das Geheimnis der Kochkiste, wie funktionierte sie? Das erfahren Sie nächsten Freitag hier in der FGZ


Schönheit und Lebensfähigkeit der Stadt

Ja es ist erstaunlich, obwohl es immer wieder geschieht: seit der “Unwirtlichkeit der Städte” von Alexander Mitcherlich (Frankfurt) in den 60ern trauern Architekten und Stadtplaner darüber, dass es mit und in den Städten so entsetzlich auseinander läuft.

Jetzt wieder. Diesmal im schönen Düsseldorf, aber mit vielen Frankfurter Architekten.

«Konferenz zur Schönheit und Lebensfähigkeit der Stadt» hieß das Meeting, das sich nach eigenen Worten darüber wundert, dass die die vermeintliche Bürgerbeteiligung zum Bewohnerfrust  führt. Denn trotz “weit verbreiteten Kritik an den funktionstrennenden, verkehrszentrierten und stadtauflösenden Planungsmodellen der Moderne und trotz einer historisch beispiellos umfangreichen Planungsgesetzgebung mit Bürgerbeteiligung entstehen in Deutschland kaum Stadtquartiere, die wie die sogenannten Altbauquartiere allgemein als wertvoll und schön empfunden werden”.

Dünn sind leider die echten diagnostischen Mittel der Teilnehmer des Treffens, diejenigen Kräfte  zu umreißen, die dem folgen, die es anstoßen und die dem widerstehen. Was wirklich die politische Dynamik, die sich verändernden Bedingungen ausmacht, welche kommunalen Politik-Wechsel die letzten 50 Jahre Stadtumbau wie geprägt haben. Etwa die Neustrukturierung von Quartieren, die Politik der Infrastrukturen, die Sicherheitskonzepte, der Stadttourismus und das Stadt-Branding. Vieles ist bekannt. Zu viel wird akzeptiert.

Zumindest möchten Beteiligte der Konferenz  den Städteplanern oder politischen Initiativen, dem öffentlichen Publikum einige Orientierungshilfen für kommende Umbauten geben:

- die notwendige Erhaltung kleinteiliger Struktur

- keine großformatige Planung durch Immobilienfonds, sondern Wohnungsbau durch aktive Stadtbürger

- keine Siedlungen und Zentren auf grünen Wiesen, keine Schlafstädte

- aber auch: kein blinder Umbau der Häuser nach Ökorichtlinien

Das scheinen mir schöne Hinweise, aber doch viel zu wenig für veränderte Stadtpolitik.


Fermats Salon und Berners-Lees Keller

Der Weg der Mathematik von der mathematischen Geselligkeit zur Google Statistik, den Bert jüngst mit Bill Gates Liebesleben in Computerkellern anriß hat einige Highlights, deren Abfolge uns die Verwebelung der Welt begreiflicher machen kann.

Als Ausgangspunkt informatischer Kommunikation wähle ich das Vergnügen, die gemeinsame Belustigung. Es ist die Aufklärung in bürgerlicher Öffentlichkeit, aber auch der Kampf gegen brutale Steuereintreiber, den der große Fermat vor 350 Jahren als ein Freund mathematischer Unterhaltung, der klassischen geselligen Mathematik in literarischen und wissenschaftlichen Salons betrieb. Auch hat Fermat sich gerne mit befreudeten und geselligen Zahlen beschäftigt.

Ähnliche Geselligkeiten bewegten den politischen Mathematiker Galois ein Jahrhundert später. Er betrieb seine Forschung im Sturm der Revolution, bewaffnet mit Trinksprüchen, im Gefängnis darbend und mit 21 im Duell erschossen: die Dynamik der Zeit und nicht die Form der Gleichungen orientierte sein Leben.

Mit Alan Turing, dem Moses der Informatiker kam während des 2. Weltkriegs der Umschwung: die Mathematik kümmert sich jetzt um militärische Kommunikation im Geheimen, sie will die berechnende Enthüllung. Turing entschlüsselte Enigma auf dem Hintergrund, dass sogar seine eigene Kommunikation geheim war. Deswegen fasste er vor seinem Selbstmord ein eigenartiges Testament ab. Es formulierte die Aufgabe für künftige mathematische Erfinder, einen hinter einer Leitung versteckten Computer als Frau zu identifizieren – das Geburtsdokument der Informatik wie ihre große Utopie. Und dann liefete er noch eine erste Bauanleitung mit: aus der gemeinsamen Unterhaltung im Salon, der Ästhetik schöner Beweise wurde bei ihm der markierte Papierstreifen, dessen Codes es bewirken sollen, dass die Lesemaschine sich passend vor und zurück bewegt. Die Erfindung des Papierprogramms macht aus der Mathematik das Berechnen. Es wird in der Folge von neuen Geistern gerne als Bewegungsschema des Universums verwendet.

John von Neumann („Dr. Seltsam“) überzeugte das: er baute Mensch und Rechenpapier im Computer zusammen, auf seinem Forschungsweg von der Spieltheorie über die Wasserstoffbome zur Rechnerarchitektur: seitdem saßen junge Burschen, die keine abbekamen in den Kellern vor flackernden Bildschirmen, hackten wie wild auf Tastaturen ein, tranken Cola und wollten die Frau hinter dem Computer finden. Das war dann die 3. technische Revolution.

Damit aber nicht noch genug, die Welt insgesamt musste mit dieser Rechen-Geselligkeit beglückt werden. Einer dieser Jungs war nämlich Tim Berners-Lee: er fand den Ausweg geheimer Kommunikation aus dem tiefen  CERN-Keller: die Messdaten der Atomphysiker und ihre Vernetzung geben die Schablone dafür ab. Damit die vielen Zahlen über die kleinen Dinge einander gut finden können wurde aus Neumanns Streifenrechner und der Geselligkeit nämlich der Hypertext. Und der bekam gleich als Bedienungsanleitung für das globale Dorf seine große Rolle.

Es ergab sich dann passend, dass etwa zur gleichen Zeit Fermats Vermächtnis („großer Satz“) gelöst wurde und Fermats mathematische Geselligkeit in ein paar Algorithmen zur Codierungstheorie und Kryptografie zusammenoptimiert wurde.

Hypertext und Kryptografie. Da sind wir nun angelangt, vom öffentlichen Salon zu Google: die, die nie ein Mädchen abbekommen rächen sich an der Welt. Larry Page und Sergei Brin setzen Berners-Lees und von Neumanns Maschinenwesen wieder anders zusammen und machen aus der Geselligkeit die Nachrichten einer Blasenkammer. Ihre  Welt wird jetzt nach dem Schema von SMS-Nachrichten ausstaffiert. Google zeichnet die Maschinenwesen in Diagrammen und Listen, Bewegungsmustern und Präferenzordnungen. Und die machen mit und nennen das jetzt selbst Welt – ohne eine Ahnung von Mathematik zu haben.

Das ist die neue mathematische Geselligkeit, Berners-Lees Keller.


Birmingham Platz 1

Dumm von mir  wie wild durch die Nacht zu laufen, meine flehenden Augen den Sternen zugewandt; auch nur zu glauben dass es etwas ändern könnte an dem Dilemma. An dem Augenblick in dem es mich an meinem Hemdkragen an die Wände der Zeit gepinnt hat, einfach so. Ich wurde geblitz, zu meinem eigenen Portrait und [...]

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