Frankfurter Gemeine Zeitung

Fermats Salon und Berners-Lees Keller

Der Weg der Mathematik von der mathematischen Geselligkeit zur Google Statistik, den Bert jüngst mit Bill Gates Liebesleben in Computerkellern anriß hat einige Highlights, deren Abfolge uns die Verwebelung der Welt begreiflicher machen kann.

Als Ausgangspunkt informatischer Kommunikation wähle ich das Vergnügen, die gemeinsame Belustigung. Es ist die Aufklärung in bürgerlicher Öffentlichkeit, aber auch der Kampf gegen brutale Steuereintreiber, den der große Fermat vor 350 Jahren als ein Freund mathematischer Unterhaltung, der klassischen geselligen Mathematik in literarischen und wissenschaftlichen Salons betrieb. Auch hat Fermat sich gerne mit befreudeten und geselligen Zahlen beschäftigt.

Ähnliche Geselligkeiten bewegten den politischen Mathematiker Galois ein Jahrhundert später. Er betrieb seine Forschung im Sturm der Revolution, bewaffnet mit Trinksprüchen, im Gefängnis darbend und mit 21 im Duell erschossen: die Dynamik der Zeit und nicht die Form der Gleichungen orientierte sein Leben.

Mit Alan Turing, dem Moses der Informatiker kam während des 2. Weltkriegs der Umschwung: die Mathematik kümmert sich jetzt um militärische Kommunikation im Geheimen, sie will die berechnende Enthüllung. Turing entschlüsselte Enigma auf dem Hintergrund, dass sogar seine eigene Kommunikation geheim war. Deswegen fasste er vor seinem Selbstmord ein eigenartiges Testament ab. Es formulierte die Aufgabe für künftige mathematische Erfinder, einen hinter einer Leitung versteckten Computer als Frau zu identifizieren – das Geburtsdokument der Informatik wie ihre große Utopie. Und dann liefete er noch eine erste Bauanleitung mit: aus der gemeinsamen Unterhaltung im Salon, der Ästhetik schöner Beweise wurde bei ihm der markierte Papierstreifen, dessen Codes es bewirken sollen, dass die Lesemaschine sich passend vor und zurück bewegt. Die Erfindung des Papierprogramms macht aus der Mathematik das Berechnen. Es wird in der Folge von neuen Geistern gerne als Bewegungsschema des Universums verwendet.

John von Neumann („Dr. Seltsam“) überzeugte das: er baute Mensch und Rechenpapier im Computer zusammen, auf seinem Forschungsweg von der Spieltheorie über die Wasserstoffbome zur Rechnerarchitektur: seitdem saßen junge Burschen, die keine abbekamen in den Kellern vor flackernden Bildschirmen, hackten wie wild auf Tastaturen ein, tranken Cola und wollten die Frau hinter dem Computer finden. Das war dann die 3. technische Revolution.

Damit aber nicht noch genug, die Welt insgesamt musste mit dieser Rechen-Geselligkeit beglückt werden. Einer dieser Jungs war nämlich Tim Berners-Lee: er fand den Ausweg geheimer Kommunikation aus dem tiefen  CERN-Keller: die Messdaten der Atomphysiker und ihre Vernetzung geben die Schablone dafür ab. Damit die vielen Zahlen über die kleinen Dinge einander gut finden können wurde aus Neumanns Streifenrechner und der Geselligkeit nämlich der Hypertext. Und der bekam gleich als Bedienungsanleitung für das globale Dorf seine große Rolle.

Es ergab sich dann passend, dass etwa zur gleichen Zeit Fermats Vermächtnis („großer Satz“) gelöst wurde und Fermats mathematische Geselligkeit in ein paar Algorithmen zur Codierungstheorie und Kryptografie zusammenoptimiert wurde.

Hypertext und Kryptografie. Da sind wir nun angelangt, vom öffentlichen Salon zu Google: die, die nie ein Mädchen abbekommen rächen sich an der Welt. Larry Page und Sergei Brin setzen Berners-Lees und von Neumanns Maschinenwesen wieder anders zusammen und machen aus der Geselligkeit die Nachrichten einer Blasenkammer. Ihre  Welt wird jetzt nach dem Schema von SMS-Nachrichten ausstaffiert. Google zeichnet die Maschinenwesen in Diagrammen und Listen, Bewegungsmustern und Präferenzordnungen. Und die machen mit und nennen das jetzt selbst Welt – ohne eine Ahnung von Mathematik zu haben.

Das ist die neue mathematische Geselligkeit, Berners-Lees Keller.


5 Kommentare zu “Fermats Salon und Berners-Lees Keller”

  1. Trinker

    Die neue mathematische Geselligkeit im Keller und die alte im Salon? Ist das richtig?

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