Frankfurter Gemeine Zeitung

„Griechenland“ braucht hartes Vorgehen – wie „Frankfurt“

Neulich bei Stuttgart auf der Autobahn. Einer dieser ganz witzigen Sender mit Gewinnspielen und „Nachrichten“, SWR. Eine schöne kleine schwäbische Kommedy wurde gegeben: Konkursos oder so hieß der Familienvater, wohnhaft in Athen, wie jeder Grieche. Mit kleiner Familie auf 6000 Quadratmeter in der Innenstadt, ja so gut geht’s denen. Und seit 13 Jahren im Streik, bei voller Lohnfortzahlung. Kein Wunder, dass die am Ende sind. Und noch glücklich dabei, denn Steuern zahlen die nie, die Griechen.

Da lachen wir doch alle, besonders in Sindelfingen, an der Werksausfahrt. Denn die haben da unten ja nix, keine Industrie wie wir, nur ein bisschen Strand und den Euro. Der Euro, unsere Mak. Wir dürfen aber bloß nichts falsch machen bei den Griechen, damit die Horde an den Märkten nicht aufmerksam, nicht angestachelt wird…

Mir ging kurz durch den Kopf, dass Griechenland prozentual nicht soviel mehr Staatsverschuldung hat wie Deutschland, oder nur die Hälfte von der Japans, und bei denen gibts die seit zig Jahren. Und komisch: Steuern werden bei uns doch auch abgeschafft, manche, passende zumindest. Egal.

Die Griechen geben halt gute Ziele ab, und vieles ist da eh korrupt. Mit zu wenig Berlusconi – deshalb mehr Überwachung: von uns, der pflichtgetreuen Umwelt, wir müssen das übernehmen.

Weiter gedacht, jetzt in der Nähe von Darmstadt. So was braucht man auch für Städte wie Frankfurt. Die haben genauso immer alles falsch gemacht, und dann über ihre Verhältnisse gelebt. Frankfurt ist pleite und hat arme Einwohner, sagt auch Roth, die Präsidentin. Ausser die im Dichterviertel. Und die ganzen Nichts-Verdiener trödeln hier rum, die sich dann noch kreative Flaneurs nennen, obwohl sie kaum richtige Mieten zahlen können. Wie auf den Inseln.

Und dann geglaubt, die drum herum kommen zu ihnen und helfen. Ausserdem hat Frankfurt selbst auch nicht viel, höchstens Verkehr, Tourismus und Verkaufsstände – wie Griechenland eben. Ok, ein paar mehr Bankhäuser um die Geldautomaten herum gebaut, die stehen auf den Inseln halt allein. Können froh sein, dass man etwas wie die zu ihnen gebracht hat. Und zu uns die passenden Häuser.

Sollen sie eben beide das verkaufen, was sie haben, oder es in „private Leitung“ legen, die kann es ja eh besser. Findet sich schon ein agiler Jungbetriebswirt, der das in die Hand nimmt, schon flutschts. Inseln verkaufen eben, an die die was dafür geben. Also: wo sind unsere guten Frankfurter Inseln ??

Kurz vorm Frankfurter Kreuz: Wir haben doch die Banken, die das Spiel um die Inseln kontrollieren können, hier wie dort. Sie können ja gleich mit unseren Frankfurter Inseln anfangen: Taunusanlage und Grüneburgpark zum Beispiel, gut gelegen, nicht brachliegen lassen, „effizient bewirtschaften“. Und da wären noch ne Menge Bürgersteige, zwar nicht so schön wie die Inseln, aber näher an Rhein Main Airport.

Tja, dann können sich die Frankfurter wirklich freuen: alle lernen wir jetzt richtig wirtschaften und sind schon fast reich, fast. Bisschen mehr Tourismus, bisschen mehr Inseln, geht doch. Cash Flow bloß im Griff haben.

Jetzt schon Abfahrt Ost, rein in die Stadt. Nee, Anflug von Entsetzen: auf der oberen Berger und in Griechenland nur noch die von den Controllingabteilungen ? Wie öde - da kann einem doch wirklich nix Geistreiches mehr einfallen !


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