Frankfurter Gemeine Zeitung

Über den Dächern von Nizza liegt ein seltener Schnee

Die Neuverschuldung der Stadt ist ohne Neuverschuldung des Stadtkämmerers zustandegekommen. Dies freue ihn auch persönlich, sagte Stadtkämmerer Uwe Becker in der Diskussion über den Frankfurter Doppelhaushalt 2010/2011 am Donnerstag. Um den Doppelhaushalt auch in Zukunft im Griff zu behalten, wird in dem kommenden Jahr ein zweiter Uwe Becker dem ersten Uwe Becker zur Seite stehen. Durch diese Doppelspitze von Uwe Becker und Uwe Becker sei auch zukünftig eine doppelte Buchführung gewährleistet.
Andernorts werde-so Fraktionschef Kraushaar (CDU)- über das Schließen von Theatern und Schwimmbädern und Erdspalten und Schließmuskeln gesprochen, über das Ausdünnen des Nahverkehrs und das Eindicken der Schüler. Aber nicht am Main. Denn das Gratisessen für Schüler, wie die SPD das fordere, koste 500 Euro pro Kind, den Nachtisch noch nicht eingerechnet. 500 mal 60000 Schüler, das macht 30 Millionen Schüler in Frankfurt, davon aber hätten 20 Millionen Mittags gar keinen Hunger, erläuterte Olaf Cunitz von den Grünen.
In diesem Moment erhob SPD-Franktionsvize Peter Feldmann, der die ganze Zeit auf den Boden gestarrt hatte, kurz den Kopf und sagte: “Der einfache Polizist kann hier nicht mit der Verkäuferin hinter der Fleischerfachtheke zusammenleben, denn sie haben kein Dach über dem Kopf. Und keiner außer mir schaut mehr nach unten!” Wieder senkte er den Blick auf den Boden.
“Alle hier leben in einer sozialistischen Traumwelt”, unterbrach FDP-Chefin Annette Rinn. In dieser werde das Steuerfüllhorn nie leer. Einge ihrer besten Freunde seien nach 5 Jahren aus heiterem Himmel aufgefordert worden, eine Steuererklärung abzugeben. Zwar hätte sich das später als Versehen herausgestellt, aber die Verunsicherung bei dem kleinen Millionär von der Strasse und das damit verbundene menschliche Leid, die kaputten Ehen, die Notwendigkeit zu Amalgamzahnfüllungen, das könne sich ja wohl jeder selbst ausmalen. Und deshalb werde sie, Annette Rinn, sich jetzt lieber in eine kapitalistische Traumwelt zurückziehen, in der das Steuerfüllhorn für immer leer sei. Sie schloss mit dem Ruf: “Gott erhalte Uwe Becker!” und blies ein Signal in ein von ihr mitgeführtes- offenbar leeres- Steuerfüllhorn.
In diesem Moment erhob sich Patrick Schenk (CDU) und erklärte aus Protest gegen die Tempo30-Zone seinen Austritt aus der CDU-Fraktion. Schenk ist Anwalt bei Fraport und vertritt dort erfolgreich Terminalbetriebsflächen. Die bisherige schwarzgrüne Mehrheit schreibt damit in Frankfurt rote Zahlen und verliert vorerst ihre Mehrheit.
Über den Dächern von Nizza liegt ein seltener Schnee.


Ein Kommentar zu “Über den Dächern von Nizza liegt ein seltener Schnee”

  1. gaukler

    Habe gehört, die Grünen wollen jetzt mit der FDP koalieren hier in Frankfurt. So kommt endlich zusammen was ….

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