Frankfurter Gemeine Zeitung

Stell Dir vor es ist WM und keiner schaut hin

Fussballfans 2

-Als Teil eines fahnenschwenkenden Kollektivs ist das individuelle und kritische Denken abgeschaltet-

Der Countdown läuft. Gemeint ist natürlich der Countdown zur WM 2010, die von den meisten als freudiges Ereignis betrachtet wird und der man mit Ausnahme einiger unverbesserlich miesepetriger Intellektueller bereits in gespannter Erwartung entgegenfiebert.

Schon jetzt grinst uns von jeder Verpackung von Hanuta und Nutella die halbe deutsche Nationalmannschaft entgegen und McDonalds sucht wieder Kinder für die Fussball-Eskorte.

Für ein paar Wochen werden die Probleme der Welt, wie Menschenrechtsverletzungen und Krieg vergessen sein und König Fußball wird das Szepter übernehmen.

Vielleicht kommt ja auch ein Stück des Gefühls von 2006 wieder, als „die Welt zu Gast bei Freunden“ war und Deutschland am Ende zwar nicht Weltmeister, aber immerhin selbsternannter „Weltmeister der Herzen“ wurde.

Damals ging die Fußballverrücktheit so weit, dass sogar Personen wie Harald Schmidt oder Sarah Kuttner auf den WM-Zug aufsprangen, obwohl sie bis dahin ja unter dem dringenden Verdacht der Intellektualität standen, den sie aber spätestens mit ihren Sendungen zur WM-Zeit zweifelsfrei ausräumen konnten.

Ich für meinen Teil wohnte zur WM 2006 direkt an der Konstablerwache und hatte bereits nach einer Woche Zwangsbespaßung durch den Fußballrummel ein derart ausgedünntes Nervenkostüm, dass fremde Leute sich alleine von meinem Gesichtsausdruck genötigt fühlten, die Straßenseite zu wechseln.

Jetzt kann man natürlich fragen: Warum so miesmacherisch?

Ist nicht das Herumnörgeln an allem was Spaß macht, dieses ewige Kritisieren und Hinterfragenwollen eine der unsympathischsten Eigenschaften der Deutschen?

Und leisten solche Sportveranstaltungen wie die Fußball-WM oder auch Olympia nicht einen wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung?

Hier muss ich entschieden gegenhalten:

Das Herumnörgeln und Kritisieren ist eine der positivsten Eigenschaften der Deutschen überhaupt und ein echter Lernerfolg des Nachkriegsdeutschlands.

Wenn man schon früher auf die Idee gekommen wäre, sich von Begeisterungsstürmen nicht einfach mitreißen zu lassen, sondern diese mit einer gehörigen Portion Skepsis zu betrachten, wären Deutschland und der Welt einige schlimme Dinge erspart geblieben.

Und das Argument der Völkerverständigung wird zwar gerne von Funktionären des organisierten Massensports vorgebracht, aber die tatsächlichen Effekte sind nicht messbar.

Welcher politische Konflikt wurde jemals durch Sport beigelegt?

Welche Völker sind sich denn durch den Sport tatsächlich nähergekommen?

Die Schweiz und die Türkei etwa?

Wenn man an das Länderspiel am 16.11.2005 denkt, nach dem eine aufgebrachte Meute auf den Straßen türkischer Städte schweizer Flaggen verbrannte, kommt man zum Ergebnis, dass das Konzept der Völkerverständigung durch Sport kein allzu erfolgreiches ist.

Und dienten sportliche Großveranstaltungen nicht regelmäßig totalitären Systemen als Schaubühne für ihre Machtdemonstrationen?

Beispiele kennt die Geschichte genug:

Bereits die Fußballweltmeisterschaft 1934 verkam zu einer Propagandaveranstaltung im Dienste Mussolinis.

Die Olympiade 1936 in Deutschland wurde von den Nazis als bombastische Show für die „Überlegenheit der germanischen Rasse“ aufgezogen.

Der Olympiade 2008 in Peking ging eine beispiellose Welle von Attacken auf kritische Stimmen und Systemgegnern voraus und eine drastische Verschärfung der Zensurvorschriften, die bis heute anhält und inzwischen sogar Google zum Rückzug aus China motiviert hat.

Ohnehin haben totalitäre Regime ganz allgemein eine Affinität zu fahnenschwenkenden Massenaufläufen, was auch nicht verwundert, da der Mensch in einer „Sieg, Sieg, Sieg“ skandierenden Masse eher geneigt ist, seine kritische Individualität aufzugeben und in einem Sog mitzuschwimmen, gleich in welches Verderben dieser ihn reißen mag.

Da jeder clevere Diktator diesen Mechanismus erkannt hat, legen die meisten Diktaturen besonderen Wert auf die Sportförderung ihres Landes, selbst wenn die einheimische Bevölkerung vor Hunger auf ihren Schuhsohlen kaut.

Doch auch in demokratischeren Gefilden, haben sportliche Massenveranstaltungen einen antidemokratischen Einfluss. Im Rahmen von Olympia, WM und Konsorten wird gentrifiziert, werden unbemerkt Gesetze zur Überwachung verabschiedet oder öffentliche Räume privatisiert und die Bewegungsfreiheit der Bürger eingeschränkt. So führte die Bundesrepublik während der WM 2006 rigorose Einreisekontrollen auch an den Grenzen zu anderen Schengen-Staaten durch und Personen die schon einmal „auffällig“ wurden, konnte die Einreise verweigert werden.

Öffentliche Plätze wurden unter Aufsicht privater Sicherheitsfirmen gestellt. Und selbst der Einsatz der Bundeswehr im Inneren wurde im Dienste von „König Fussball“ wieder ins Spiel gebracht, beispielsweise von Berufsparanoiker Günther Beckstein, dem persongewordenen dumpfen Rülpsen des Volkszorns.

Und natürlich darf man nicht vergessen, dass die Welt bei der WM 2010 nicht „zu Gast bei Freunden“, sondern zu Gast in Südafrika ist, einem Land, das noch immer eine der höchsten Raten weltweit an Morden und Vergewaltigungen hat.

Angesichts der Tatsache, dass in Südafrika Millionen von Menschen in bitterer Armut in sogenannten „Townships“ dahinvegetieren, ist dies auch nicht weiter verwunderlich.

Um diese teilweise schwerstkriminellen armen Menschen daran zu hindern, Übergriffe auf WM-Touristen zu unternehmen, wird der Polizei gar nichts anderes übrig bleiben, als ihrerseits mit Härte vorzugehen.

Bei einer solchen Konstellation sind Menschenrechtsverletzungen im Rahmen der WM geradezu vorprogrammiert. Von diesen wird der angereiste WM-Tourist natürlich nichts mitbekommen und die Chancen stehen gut, dass ein paar Tote mehr oder weniger im allgemeinen Freudentaumel über ein „rauschendes Fußballfest“ wenig Beachtung finden werden.

Denn schon die alten Römer wussten, wie man mit Massenspektakeln die Bevölkerung von ihren eigentlichen Problemem ablenkt, nach dem Prinzip „panem et circenses“.

Und daran hat sich, wie es scheint, bis heute nichts geändert.

Was soll man also tun? Sich auf Westerwelle berufen und die „spätrömische Dekadenz“ solcher Veranstaltungen anprangern?

Eigentlich gibt es nur eine wirksame Antwort:

Stell Dir vor es ist WM und keiner schaut hin!

Und wer den Fußball wirklich liebt, geht mit seinen Freunden im Park kicken, statt zum Public Viewing.


Der Zauselbart erleichtert sich


Unweit vom Haus des Zauselbarts befindet sich ein Friedhof. Diesen nutzt der Zauselbart gerne als Abkürzung.

Neulich nutzte der Zauselbart diese Abkürzung wieder, als ihn ein natürliches Bedürfnis befiel.

Er öffnete also seine Hose und urinierte in das Blumenbeet eines Grabes.

Das Grab hatte einen prunkvollen Grabstein und war hervorragend gepflegt.

Als er gerade fertig war und seine Hose wieder zugemacht hatte, vernahm er hinter sich eine Stimme.

Witwe: „Ähem!“

Zauselbart: „Ja?“

Witwe: „Was machen Sie da?“

Zauselbart: „Ich habe mein Geschäft erledigt. Jetzt mache ich mir die Hose zu und wollte weitergehen.“

Witwe: „Das ist eine bodenlose Unverschämtheit! Man sollte Sie anzeigen!“

Zauselbart: „Anzeigen? Mich? Weshalb?“

Witwe: „Wegen Störung der Totenruhe! Sie Banause! Sie Penner!“

Zauselbart: „Störung der Totenruhe? Das klingt lustig!“

Witwe: „Was ist daran lustig?“

Zauselbart: „Wie sollte man die Ruhe eines Toten stören? Ich wette sie könnten den ausgraben und ihm ins Ohr brüllen und er würde nicht aufwachen.“

Witwe: „Was Sie da gemacht haben ist widerlich und beleidigend.“

Zauselbart: „Was ist an meinem Urin beleidigend?“

Witwe: „Es ist widerlich! Einfach ekelhaft.“

Zauselbart: „Widerlich finden Sie es nur aufgrund ihrer Erziehung. Und außerdem versickert das doch im Blumenbeet. Sehen Sie die Wolken da oben? Heute wird es noch regnen. Dann ist alles wieder weg. Und denken Sie mal an die Tiere die hier leben. Die Eichhörnchen zum Beispiel. Woher wissen Sie denn, dass die nicht in Ihr Beet urinieren? Und sehen Sie diesen kleinen Klecks dort auf dem Grabstein? Mir scheint, da hat ein Vogel seine Notdurft verrichtet. Wollen Sie den auch anzeigen?“

Witwe: „Sie sind aber ein Mensch! Und ein Mensch muss sich benehmen können!“

Zauselbart: „Dann wenn es Sinn macht. Ich konnte ja nicht ahnen, dass sie gerade hier stehen. Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich zwei Gräber weiter gegangen.“

Witwe: „Sie sollen überhaupt nicht auf Gräber pinkeln!“

Zauselbart: „Mit welcher Begründung?“

Witwe: „Das gebietet der Respekt vor den Toten!“

Zauselbart: „Was nützt es dem Toten wenn man ihn respektiert? Davon hat er doch nichts mehr!“

Witwe: „Dann aus Respekt vor den Angehörigen!“

Zauselbart: „Mir scheint jetzt kommen wir zum Kern der Sache. Bei der Totenruhe geht es doch nicht darum, dass man die Toten stören könnte. Der Begriff ist daher unsinnig. Es geht um die Lebenden. Um die Angehörigen. Das aber ist armselig und zutiefst verachtungswürdig!

Witwe: „Wieso sollte es verachtungswürdig sein, der Toten zu gedenken?“

Zauselbart: „Wie oft sind Sie hier an diesem Grab? Seit wie vielen Jahren klammern Sie sich an die Vergangenheit? Ihr Mann ist nicht hier! Das was da unten liegt ist ein verwesender Überrest! Warum müssen Sie dem Blumen bringen? Bringen Sie Ihre Blumen einer armen alten Dame die sich darüber freut! Spenden Sie meinetwegen das Geld, das Sie hier für die Grabpflege ausgeben! Oder kaufen Sie sich was Schönes! Wieviele tausend Euro haben Sie hier einer verwesenden Leiche hinterhergeworfen. Wenn Ihr Mann Sie wirklich geliebt hat, hätte er nicht gewünscht, dass Sie Jahre in unnötiger Trauer verbringen.“

Witwe: „Hören Sie auf, Sie schrecklicher Mensch! Haben Sie kein Miteid mit einer Witwe?“

Zauselbart: „Ah Mitleid! Darum geht es Ihnen also. Deshalb laufen Sie hier so ganz in schwarz herum. Sie lassen sich von allen bemitleiden. Jetzt muss ja jeder nett zu Ihnen sein, weil Sie so ein schweres Schicksal tragen. Nun fordern Sie dieses Mitleid als sei es Ihr gutes Recht es zu bekommen. Doch Mitleid ist niemandes Recht! Es ist nur eine Gnade, die die anderen gewähren können! Bei Ihnen aber ist es nicht angebracht! Sehen Sie dieses protzige Grabmal? Wen wollen Sie damit beeindrucken? Mir scheint, selbst im Tode fehlt es Ihnen und Ihrer Familie noch an Bescheidenheit. Und das Mitleid treten Leute wie Sie mit Füßen, indem Sie es für Ihre Zwecke nutzen. Sie nutzen es um sich moralisch überlegen zu fühlen. Angesichts ihres harten Schicksals darf Sie niemand kritisieren oder angreifen. Ein feines Spiel das Sie da spielen! “

Witwe: „Denken Sie etwa ich würde meine Trauer nur spielen? Wie können Sie es wagen?“

Zauselbart: „Auf dem Grab ist ein Kreuz. Und es steht darauf: Hier ruht in Gott der Herr M.. Glauben Sie an Gott?“

Witwe: „Natürlich, ich bin Christin!“

Zauselbart: „Dann glauben Sie also auch, dass Ihr Mann nach seinem Tode das ewige Leben erhält?“

Witwe: „Ja, aber was hat das damit zu tun?“

Zauselbart: „Wie sollten Sie da traurig sein? Wenn Sie die Möglichkeit hätten, wollten Sie Ihren Mann dann etwa wiederhaben?“

Witwe: „Ja. Ich liebe ihn.“

Zauselbart: „Dann würden Sie also ihren Mann aus der Verbindung mit Gott reißen? Aus der ewigen Glückseligkeit? Bloß damit er wieder mit Ihnen auf dieser schnöden Welt ist? Sie sind eine Egoistin!“

Witwe: „Sie wissen nicht was Sie da sagen! Seit dreißig Jahren war ich mit diesem Mann verheiratet. Sein Tod hat mich hart getroffen. Haben Sie nie einen Menschen verloren den Sie liebten? Dann wissen Sie nicht, was ich durchmache!“

Zauselbart: „Wenn ich wüsste, dass es den Menschen dann besser geht, wäre ihr Tod für mich ein Anlass zur Freude. Doch ich bin Atheist und habe Ihre Gewissheit nicht. Aber was Sie hier durchmachen ist nur das was Sie sich selbst antun! Anstatt abzuschließen und Ihren Mann an einem stillen Platz in Ihrem Herzen aufzubewahren, kommen Sie immer wieder an diesen traurigen Ort hier zurück. Damit reißen Sie doch Ihre Wunden immer wieder auf. Wenn ich Ihnen einen Rat geben darf: Vergessen Sie das Ganze! Lassen Sie Ihren Mann exhumieren und einäschern. Dann verstreuen Sie seine Asche auf einem anonymen Acker und suchen sich einen neuen Mann. Und verbringen den Rest Ihres Lebens wieder als glückliche Frau. Und falls es einen Himmel gäbe und Ihr Mann da oben säße, würde er mit einem wohlwollenden Lächeln auf Sie herabblicken und sich freuen, dass es Ihnen endlich wieder gut geht.“


Frankfurt, oder! Reportagen aus dem anderen Frankfurt. Teil 7

Nowa Ameryka?

Nowa Ameryka?

Meine tapferen Leser und Leserinnen müssen beim Verfolgen meiner Wege auf dem Atlas Blasen an den Zeigefingerkuppen bekommen und an meinem Verstand gezweifelt haben. Erst dieses Ping-Pong zwischen Main und Oder, dann ein schier unsinniger Ausflug nach Amerika (Frankfort/Maine?!). Was, bitte schön, wollen diese Leser und Leserinnen wissen, hat dies alles mit Frankfurt/Oder zu tun, wo wir, die wir im eigentlichen Frankfurt leben, uns nun schon für das andere Frankfurt interessieren sollen? Und wann fährt diese komische Korrespondentin da eigentlich mal hin, um sich vor Ort und Stelle zu informieren?

Ich aber sage: gut Ding will Weile haben. Aus Frankfurt/Main bin ich auch erst nach Wiesbaden gefahren, als Iggy Pop dort spielte. Wann ich von Berlin nach Frankfurt/Oder fahre, das überlege ich mir ganz alleine. Und der Ausflug nach Amerika war keineswegs eine Verzögerungstaktik; nein, er führt im Gegenteil genau dorthin, wo ich heute meine Leser und Leserinnen haben möchte: ins transatlantische Odergebiet.

Nennen wir es Nowa Ameryka. „Der Begriff“, so lese ich in der Einladung zu einer kürzlich verpassten Konferenz mit dem Titel Nowa Ameryka, „bezieht sich ursprünglich auf ein Gebiet im Bereich der Warthemündung. Im 18. Jahrhundert ließ Friedrich der Große die Sumpfgebiete im weitläufigen Gebiet der Warthemündung in die Oder austrocknen und siedelte dort in einer Zeit großer Auswandererströme nach Amerika Bauern an, denen er Hof und Land gab. So entstanden Dörfer, die exotische Namen erhielten, wie New Hampshire, Jamaica, Sumatra oder Malta. So entstand ein neues Gebiet, dass Neu Amerika genannt wurde.“ Muss ich darauf hinweisen, dass dies ein Versuch der Geschichte ist, Gerechtigkeit in der Verteilung der transatlantischen Ansiedlungen herzustellen?

Die Urheber dieser Tagung kommen, und das ist das eigentliche Ziel meiner heutigen Postille, aus Słubfurt. Słubfurt ist: die Überwindung der Teilung von Słubice und Frankfurt. Słubfurt ist: die Neugründung einer grenzübergreifenden Stadt (Eintrag ins europäische Städteregister: 29. November 2000. In echt. Glaube ich). Słubfurt ist, so seine Gründer, eine „Wirklichkeitskonstruktion“ und damit natürlich: Wirklichkeit. Tatsächlich hat Słubfurt schon eine so lange Geschichte, dass man nur auf die Website „Słubfurt City?“ verweisen möchte, die über Satzung, Verwaltung, Wirtschaft, Kultur und Soziales der Stadt berichtet und über viele interessante Aktionen der Vergangenheit informiert. So fand die Umbenennung zweier Straßen im östlichen bzw. westlichen Teil Słubfurts in die ul. Słubfurcka bzw. Słubfurter Straße in einer Nacht im März 2003 statt (siehe Abb.); kl_slubfurcka04

und so wurde im Juli 2004 ein erstes Stück der Słubfurter Stadtmauer eingeweiht (siehe Stadtplan, unten). Auch gibt es in der Stadtzeitung Profil (Nr. 1, Juli 2004) unter der Überschrift „Umleitung in Richtung Nähe“ zu lesen: „Der Verkehrsausschuss der Stadt Słubfurt hat gestern erneut eine Umleitung beschlossen, welche die Słubfurter beider Oderseiten verleiten soll, öfter auf die andere Seite des Flusses zu fahren.“ Ich kann diese Website allen Stadtinteressierten wärmstens empfehlen, auch wegen der schönen links, z.B. zum Netzwerk für Raumumordnung.

(www.slubfurt.net)

(www.slubfurt.net)

Natürlich werden auch Stadtführungen angeboten, und meine Leser können sich ja wohl denken, was ich während meiner Exkursion nach Frankfurt/Oder zu tun gedenke. Nächsten Dienstag, wird mir mitgeteilt, könnte ich bereits an einer Słubfurt-Führung für eine internationale Journalistengruppe teilnehmen. Aber das geht mir dann doch zu schnell. Überhaupt geht plötzlich alles sehr schnell. „Ich freue mich, Sie als Korrespondentin über Słubfurt gewinnen zu können, denn Frankfurt/Oder gibt es bereits seit 1999 nicht mehr,“ schreibt mir Michael Kurzwelly (www.arttrans.de), der Strippenzieher von Słubfurt (Email vom 24. April 2010). Oh, mein liebes Frankfurt/Oder! Der Ort, an dem nichts passiert. Stadt meiner Sehnsucht, meiner möglichen Selbstfindung. You may have inactivated yourself out of existence. But you will always be the Frankfurt/Oder of my Mind.



Bischof Mixa singt “No woman, no Cry”

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(Ex-)Bischof Mixa hat sich in ein Kloster in der Nähe von Oberursel zurückgezogen, um Abstand vom Treiben der Welt zu gewinnen. Er lässt sich die Haare und einen Bart wachsen und sieht nach ein paar Wochen dem späten Bob Marley verblüffend ähnlich. Eines Tages, während er die Laudes zelebriert, stimmt er plötzlich folgendes Lied an:

 Es gibt keinen Toaster

In unserem Kloster

Es gibt keine Frauen

Anzuschauen

Kein Radiogedröhne

Nur stilles Gestöhne

Aus unseren Zellen

kein Hundebellen

Keiner kippt hier aus den Latschen

wegen einer Watschen

(er ohrfeigt kurz einen Novizen und intoniert dann weiter:)

Uns fehlts an nichts

Wegen unsres Verzichts

Was ist schon die Pille

Verglichen mit Stille?

Was sind Ikea-Regale

Gegen Mönchs-Madrigale?

 Was ist schon ein Bison

Gegen ein Bistum?

Was ist schon ein Tanz

Gegen eine Monstrans?

Ein Nichts, ein Nichts

im Zeichen des Lichts

Uns fehlts an nichts

Wegen unsres Verzichts

Wir haben vergessen

wie wir heissen

bitte keine Werbung

einzuschmeissen

 Wir beten im Chor

Wie am Tage zuvor

Und am Tage darauf

Hören wir auch noch nicht auf

Wenn die Glocken klingen

Hört man uns singen:

No woman, No cry

No woman, no cry

 

Du bist hier geborgen,

Hör auf Dich zu sorgen:

Was ist am Abend?

Was ist am Morgen?

Denn am Abend ist Abend

Und am Morgen ist Morgen

Kannst Du mir bis morgen

mal Deine Kutte borgen?

Am Tag des Gerichts

fehlts uns an nichts

Uns fehlts an nichts

Wegen unsres Verzichts

Es gibt keinen Toaster

In unserem Kloster

Doch es gibt einen Tröster

Für Kaffeeröster

Wenn die Glocken klingen

Hört man uns singen:

„No woman, No cry“

Unser Abt ist auch dabei

 Der Abt sagt:

„Ich bin hier der Abt

Ihr habt Glück gehabt.

Am Karfreitag

kriegen alle frei.

No woman, no cry.

No woman, no cry

Everything is gonna be allright

Everything is gonna be allright“


Keine Hilfe. Nirgends. Die Frankfurter Feuerwehraffaire und der Neoliberalismus

feuerwehr

Am 1. März 2009 ruft die Jurastudentin Mehsa L. in Frankfurt die Nummer 112 an, die europaweite Notrufnummer. Der Notfall, um den es geht, ist ihre Mutter. Symptome: Herzrasen, Atemnot, Fieber, Ausschlag. Der Mann, der den Notruf entgegen nimmt, ist der Feuerwehrmann Michael L. Er stellt die Ferndiagnose “grippaler Infekt” und verweist die Anruferin auf den ärztlichen Notdienst. Mehsa L. bedankt sich. Sie ruft kurz darauf noch einmal an, weil sie sich in der Aufregung die Nummer nicht aufgeschrieben hat. Als sie zum dritten Mal anruft, ist sie panisch,: der Notdienst kann nicht kommen und “die Mutter kotzt sich die Seele aus dem Leib”. Sie fordert einen Notarzt an. Das hätte sie besser nicht tun sollen.

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Karl-Theodor zu Guttenbergs kleine Tochter

damned beste

Verteidigungsminister Karl- Theodor zu Guttenberg hat als Reaktion auf das tödliche Gefecht bei Kunduz angeordnet, zwei Pantzerhaubitzen 2000 zu bestellen. Mit ihnen lassen sich endlich DIE Taliban treffen, die 40 Kilometer weit weg sind. Denn auch den entfernte Taliban, der sich nicht in unserer unmittelbarer Nachbarschaft in die Luft sprengt, muss man im Auge behalten. INZWISCHEN IST ALLEN BEWUßT, DASS IN AFGHANISTAN wie Karl-Theodor zu Guttenberg sagt- EIN UMGANGSSPRACHLICH KRIEG GENANNTER ZUSTAND HERRSCHT. Diese Ehrlichkeit schafft Erleichterung. Am Donnerstag (15.4.) geriet ein Panzerwagen Eagle IV im Rahmen der Operation Tahoid II in eine Sprengfalle. Fünf deutsche Soldaten wurden verletzt, drei weitere starben. Sie sind umgangssprachlich tot, bzw. nunmehr gefallen, wie der militärische Fachbegriff lautet. Die Taliban werden aber merken, dass sie sich mit solchen Aktionen keinen Gefallen tun, spätestens, wenn unsere Haubitzengranaten auf sie fallen, was hoffentlich bald der Fall sein wird. Ebenfalls am Donnerstag wurde ein Vertrag mit dem Schweizer Hersteller des Eagle IV unterzeichnet.

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Frühling in Bornheim

Und gleich raus auf die Berger-Strasse !

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Re:publica der Clicks ? Web und Widerstand (2)

De-Digit Zwei Pole der Web-Kultur habe ich im ersten Teil postuliert, die sich in der re:publica ausdrückten. Die Veranstaltung zeigte weder eine Unübersichtlichkeit wie der Spiegel behauptet, noch war die re:publica eine „linke Veranstaltung“ wie die Süddeutsche vermutet. Da ist nämlich hauptsächlich der Mainstream, als Kunden-Web sozialer Plattformen, der Apps und Ads, und gegenüber etwas [...]

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Eindruck aus einem fahrenden Zug

Foto: Anja Kühn

Foto: Anja Kühn

Das Merkwürdigste an diesem Bahnhof an diesem Morgen war, dass so viele Menschen unterwegs waren und doch keiner ein einziges Wort sprach…Alles war so still, dass meine Gedanken so laut wurden wie das Geräusch der Rolltreppe. Zwei Schaffnerinnen trieben mäßig vehement die letzten Passagiere an Bord, wo eine freundlich resolute Lokführerin einen mit den Worten: “Guten Morgen meine Damen und Herren” empfing. Und in dem Moment, in dem der Zug anfuhr spürte ich, dass dies eine Reise war- und das alles, was ab jetzt passieren würde, wichtig für mich sein wird!

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Republik der Clicks ? (1)

DIGIT Die Segen der Computationen gerieten mir letzte Woche durcheinander, als meine Autowerkstatt ihren Befund präsentierte. Früher verabschiedeten die Motoren sich viel schneller, begann der Werkstattleiter, heute meldet die Zentralelektronik ja alles. Der Motor ist also ok, aber die Zentralelektronik, die ist schon wieder hin, in Zahlen: 1400 Euro. Warum soviel Computerei, wenn sich mein [...]

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Zauselbart und die Taube

Einmal landete im Stadtpark eine Taube neben dem Zauselbart. Es war eine alte und verdreckte Stadttaube mit verkrüppelten Füßen. Die Taube sprach.

Taube: „Wenn ich Dich hier so sitzen sehe, scheint mir fast als hätte ich einen Seelenverwandten getroffen. Hast Du etwas Brot für mich?“

Zauselbart: „Stör mich nicht. Ich denke nach.“

Taube: „Worüber?“

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Die Achse der Dummschwätzer

Seit Beginn meines selbständigen Denkens habe ich ein Problem mit Leuten, die eine wichtige Wahrheit nicht erkannt haben: Wahrheit ist eine Standpunktfrage. Wobei auch diese Wahrheit natürlich nur eine Standpunktfrage ist. Das Schöne an diesem Standpunkt ist daher, dass man aus dem genannten Grunde auf ihm nicht festgenagelt werden kann. Aber so einfach ist das [...]

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Stadtrundgänge im Web – eine Erkundung auf dem Lohrberg

Na gut, ich bin mit Google Street View auch schon mal in New York gewesen, das Ufer entlang und schließlich in einer runtergekommenen Sackgasse gelandet. Zeitlose Beschäftigung. Probleme habe ich mit der Vorstellung, dass tatsächlich TAUSENDE auf MEINE Frankfurter Haustür starren oder auf das Küchenfenster im ersten Stock, stundenlang. Ob sie das nun in Bad Herrenalb, Rimini oder Shenzhen machen. Stellt euch das bitte mal vor. Vielleicht übertrieben, denn unsere Osterfotos in Facebook, na ja.

Es gibt Gegenbewegungen im Web: die Erkundung von Nicht-Orten nämlich und der überwucherten Geschichte einer Stadt, ohne die Langeweile des nichtssagenden Street View. Das Explore-Berlin-Wiki präsentiert uns verlassene Gebäude in und um Berlin. Niemand da drin muß das Anstarren befürchten und wir lernen, dass die Stadt aus mehr besteht denn Malls, Verwaltungsgebäuden und Clubs. Ach so: und „Wohnquartiere“.

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Re:publica / nowhere : der Kongreß zu Web-Öffentlichkeiten

Viele Nerds aus dem Internet machen sich auf den Weg. Nicht im Web, sondern auf der Straße. Und sie sind unterwegs nicht nach Frankfurt, sondern wieder mal nach Berlin. Zum 4. Mal seit 2007 gibt es einen Kongreß zum Selbstverständnis der Internetkultur, der den 8. Kontinent weiter erkunden möchte: re:publica. Diesmal haben sich sogar 2500 Geeks angemeldet für die 3 Tage vom 14. bis 16. April, gesponsert von Google, Nokia und Philips.

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Alles für ich!

Bestimmt haben einige von Euch, liebe Leser, schon mal den Film „Findet Nemo“ gesehen. Also, ich für meinen Teil, fand die Möwen dort am besten, hatten sie doch die Weisheit allen Lebens auf einen einfachen Nenner gebracht: „Meins! Meins! Meins!“ Eine Vereinfachung, die nicht einmal Gollum aus „Herr der Ringe“ fertigbrachte. Gegenstand seiner Obsession war [...]

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Gespräch mit dem Maschinengott

Adam B., ein achtundzwanzigjähriger Betriebswirt, hatte bis spät in der Nacht an einem Problem seines Unternehmens gesessen. Nach über sechzehn Stunden Arbeit begannen seine Excel-Tabellen vor seinen Augen zu verschwimmen und er hatte mit dem Schlaf zu kämpfen.

Plötzlich wurde der Bildschirm schwarz und es öffnete sich eine Art Chatfenster. Das Fenster ließ sich nicht schließen. Auch der Reset-Knopf half nicht.

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Frankfurt oder! Reportagen aus dem anderen Frankfurt Teil 6

frankfort1

Warum gibt es so viele Frankforts in den USA, aber kein Frankfurt?

Und was ist die Rolle von Frankfurt/Oder in all dem?Meine These zum Namen Frankfort, USA widerspricht den meisten lokalen Folkloren. Frankfort, Kentucky wurde angeblich nach Stephen Frank benannt, der am Fort des Kentucky Rivers von Indianern getötet wurde. Frankfort, New York behauptet, nach dem Siedler Lawrence Frank benannt zu sein. Frankfort, Kansas hieß angeblich ursprünglich Frank’s Ford (keine weiteren Angaben). In Erasmus Jones’ History of the Town of Frankfort, Maine (1897) findet sich kein Hinweis zur Herkunft des Namens; auch Frankfort, Michigan und Frankfort, Ohio scheinen sich nicht besonders um die Herkunft ihres Namens zu scheren. Auch die beiden (!) Frankforts (!) im Staate Wisconsin schweigen sich dazu aus.

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Das Bett im Kornfeld

Sie waren schon als Kinder zusammen in die Schule gegangen. Als Axel zum Studium in die USA ging, schenkte er Sarah einen Ring, der irgendwie elektrisch aufgeladen war und unentwegt blinkte. Sie war so fasziniert von dem Ring, dass sie Tag und Nacht darauf starrte und in den ersten Nächten kaum schlafen konnte. Immer wieder [...]

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Nie mehr business as usual: Das Attac-”Bankentribunal” in Berlin

Bankentribunal

Im Herbst 2008 wurde die private Immobilienbank Hypo Real Estate mit STAATLICHEN Bürgschaften und Kreditzusagen in Höhe von 102 Milliarden Euro vor der Insolvenz gerettet. Im Frühjahr 2009 wurde die Bank verstaatlicht und wird seither mit ständig wachsenden Eigenkapitalzuschüssen des Bundes in Milliardenhöhe am Leben erhalten, bisher ca. 10 Mrd. €. Weiterer Kapitalbedarf? Ungewiss.

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Frankfurter Slowfood für den Sieg über England: Die Kochkiste 2

KOCHKISTE ALT
Was aber war das Geheimnis der Kochkiste, wie funktionierte sie?

Lotte Mohr:
„Häufig begegnete man noch bei vielen Frauen einem ungläubigen Lächeln, wenn man von der Kiste spricht, und es will ihr nicht in den Kopf, dass man ohne Feuer kochen kann.

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Verstädterung als Problem ? World Urban Forum 5 !

world urban forum 1
“Städte”, besser “Metropolen” haben gute Konjunktur. Bereits vor ein paar Wochen berichtete die FGZ über den kleinen deutschen Kongress “Schönheit und Lebensfähigkeit der Stadt“. Nun die große Variante, sie verspricht mehr Analysen, mehr Einbindung der “Exkludierten”, sie will Perspektiven aufzeigen, und das in Rio.

Letzte Woche fand das “World Urban Forum 5″ in Rahmen von UN Habitat statt, in Rio, mit 15.000 Teilnehmern aus der ganzen Welt!

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Das Callcenter am Ende der Gleitzeit

Am Gründonnerstag steht vor der Frankfurter Universitätsbibliothek eine schöne, junge, gepflegte Frau auf Jobsuche. Sie hat vor kurzem ein Einserexamen gemacht und versucht zur Zeit, ein Promotionsstipendium zu ergattern. Da sie im Leben von etwas leben muss, hat sie sich bei der “Agentur für Arbeit” arbeitssuchend gemeldet. Während sie mit mir spricht, empört sie sich darüber, dass die einzige Stelle, den die Agentur für Arbeit in einem halben Jahr für sie gefunden hat, eine Arbeit in einem Callcenter im Hintertaunus ist. Und auch das nur, weil sie über türkische Sprachkentnisse verfügt. Auf ihre berufliche Qualifikation käme es überhaupt nicht an. Während ich mit ihr spreche, frage ich mich, ob sie nicht weiss, dass die “Agentur für Arbeit” noch nie seit ihrer Gründung irgendjemand irgendeine vernünftige Arbeit vermittelt hat. Oder kennen Sie jemand?

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9/10

Es ist der Abend vor dem Jahreswechsel und mir erscheint eine Reihe von Dingen ungeklärt…Vor allem diese Monumente, die sich über zwei Dekaden in meinem Kopf angehäuft haben, in die ich selber unzählige Scharten und Erker reingezimmert habe… Wer wandert, wechselt ständig seinen Ort! In meiner Küche kann ich nachts den Bus atmen hören…Ein sattes,  [...]

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