Frankfurter Gemeine Zeitung

Re:publica / nowhere : der Kongreß zu Web-Öffentlichkeiten

Viele Nerds aus dem Internet machen sich auf den Weg. Nicht im Web, sondern auf der Straße. Und sie sind unterwegs nicht nach Frankfurt, sondern wieder mal nach Berlin. Zum 4. Mal seit 2007 gibt es einen Kongreß zum Selbstverständnis der Internetkultur, der den 8. Kontinent weiter erkunden möchte: re:publica. Diesmal haben sich sogar 2500 Geeks angemeldet für die 3 Tage vom 14. bis 16. April, gesponsert von Google, Nokia und Philips.

Nicht nur Freundeslisten und Urlaubsfotos auf Facebook, sondern handfeste Vorträge, Lesungen, Diskussionen, Workshops und Partys gibt’s den ganzen Tag direkt beim Friedrichstadt-Palast. Neben Unvermeidlichkeiten wie Sascha Lobo und Kathrin Passig, Götz Werner und Peter Glaser sind auch Größen aus dem Ausland da: der Internetdiagnostiker Geert Lovink ist sicher empfehlenswert.

Nowhere“ im Titel ist Programm und das interessiert auch die FGZ: „nirgends und doch jetzt hier“ soll das kleine Sprachspiel ausdrücken (noch etwas trickreicher war das beim utopischen Roman „Erehwon“ vor über hundert Jahren, ist aber einfach zu lange her). Re:publica möchte nämlich sondieren, welche Brücken das Web bauen kann zwischen den ganzen Kulturen und Lokalitäten im und neben dem Netz: Blogossphären und Twittertransparenz, Cyberfeminismus und Bloggeraktivitäten in Afrika, digitales Leben und Urheberrechte bei Lokalzeitungen, die Spaltung des Netzes und das Open Government, Web-Liebe und Web-Wissen. Ein ganz klein bisschen Utopie ist dabei, und etwas Geschäft. Hoffen wir, dass neben utopischem Schnörkel auch ein paar neue substantielle Ideen entspringen.

Anknüpfungspunkte für Stadt und Web gibt es einige: neuer politischer Journalismus, Mythen dezentralen Internets, Soziale Medien für Journalismus, Hackonomy und Playful Cities. So wirklich aufregend ist der Brückenschlag zwischen unserer 1. Welt und dem 8. Kontinent aber noch nicht.

Ausserdem: ob der Vortragende seinen Titel „Warum das Internet scheiße ist“ tatsächlich ernst meint, werden wir nach Ende des Kongresses berichten.


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