Frankfurter Gemeine Zeitung

Bischof Mixa singt “No woman, no Cry”

mixa 1

(Ex-)Bischof Mixa hat sich in ein Kloster in der Nähe von Oberursel zurückgezogen, um Abstand vom Treiben der Welt zu gewinnen. Er lässt sich die Haare und einen Bart wachsen und sieht nach ein paar Wochen dem späten Bob Marley verblüffend ähnlich. Eines Tages, während er die Laudes zelebriert, stimmt er plötzlich folgendes Lied an:

 Es gibt keinen Toaster

In unserem Kloster

Es gibt keine Frauen

Anzuschauen

Kein Radiogedröhne

Nur stilles Gestöhne

Aus unseren Zellen

kein Hundebellen

Keiner kippt hier aus den Latschen

wegen einer Watschen

(er ohrfeigt kurz einen Novizen und intoniert dann weiter:)

Uns fehlts an nichts

Wegen unsres Verzichts

Was ist schon die Pille

Verglichen mit Stille?

Was sind Ikea-Regale

Gegen Mönchs-Madrigale?

 Was ist schon ein Bison

Gegen ein Bistum?

Was ist schon ein Tanz

Gegen eine Monstrans?

Ein Nichts, ein Nichts

im Zeichen des Lichts

Uns fehlts an nichts

Wegen unsres Verzichts

Wir haben vergessen

wie wir heissen

bitte keine Werbung

einzuschmeissen

 Wir beten im Chor

Wie am Tage zuvor

Und am Tage darauf

Hören wir auch noch nicht auf

Wenn die Glocken klingen

Hört man uns singen:

No woman, No cry

No woman, no cry

 

Du bist hier geborgen,

Hör auf Dich zu sorgen:

Was ist am Abend?

Was ist am Morgen?

Denn am Abend ist Abend

Und am Morgen ist Morgen

Kannst Du mir bis morgen

mal Deine Kutte borgen?

Am Tag des Gerichts

fehlts uns an nichts

Uns fehlts an nichts

Wegen unsres Verzichts

Es gibt keinen Toaster

In unserem Kloster

Doch es gibt einen Tröster

Für Kaffeeröster

Wenn die Glocken klingen

Hört man uns singen:

„No woman, No cry“

Unser Abt ist auch dabei

 Der Abt sagt:

„Ich bin hier der Abt

Ihr habt Glück gehabt.

Am Karfreitag

kriegen alle frei.

No woman, no cry.

No woman, no cry

Everything is gonna be allright

Everything is gonna be allright“


Keine Hilfe. Nirgends. Die Frankfurter Feuerwehraffaire und der Neoliberalismus

feuerwehr

Am 1. März 2009 ruft die Jurastudentin Mehsa L. in Frankfurt die Nummer 112 an, die europaweite Notrufnummer. Der Notfall, um den es geht, ist ihre Mutter. Symptome: Herzrasen, Atemnot, Fieber, Ausschlag. Der Mann, der den Notruf entgegen nimmt, ist der Feuerwehrmann Michael L. Er stellt die Ferndiagnose “grippaler Infekt” und verweist die Anruferin auf den ärztlichen Notdienst. Mehsa L. bedankt sich. Sie ruft kurz darauf noch einmal an, weil sie sich in der Aufregung die Nummer nicht aufgeschrieben hat. Als sie zum dritten Mal anruft, ist sie panisch,: der Notdienst kann nicht kommen und “die Mutter kotzt sich die Seele aus dem Leib”. Sie fordert einen Notarzt an. Das hätte sie besser nicht tun sollen.

Stefan Behr schildert in seinem hervorragenden Artikel die weiteren Ereignisse so: ” “Wenn Sie sich nicht benehmen können, dann haben Sie Pech gehabt, dann gibt´s auch keine Hilfe”, blafft L. sie an. Sie will seinen Namen wissen. “Mein Name ist Feuerwehr”, sagt der und legt auf. Beim vierten Anruf ist Mehsa L. völlig aufgelöst. Diesmal geht ein Kollege von L. dran. “Heißen Sie auch Feuerwehr?” fragt sie unter Tränen. “Ja, wir heißen alle so”, sagt der. Erst als sie die Symptome schildert, ist der Kollege alarmiert – und schickt einen Rettungswagen, die Polizei hinterher. Man will die Anruferin wegen Missbrauch des Notrufs anzeigen, nachdem die selbst mit einer Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung gedroht hat. Die nächsten Anrufe, die aufgezeichnet werden, laufen zwischen Polizei und Feuerwehr. Wie es denn laufe mit “der Tante, die ins Telefon geplärrt hat”, will Michael L. wissen. Schlecht, antwortet ein Polizist. Die Mutter liegt mit einem schweren allergischen Schock im Krankenhaus. Sie wird eine Woche lang dort bleiben müssen. “Ich nenne auch nicht Eure Namen, soll sie selbst rausfinden”, sagt der Polizist.” (Frankfurter Rundschau 22.4.)

Dabei ist es nicht geblieben. Mehsa L. hat Anzeige erstattet, diese Woche war der Prozess. Das Verfahren wird gegen Zahlung von 2500 Euro an eine karitative Organisation eingestellt. Interessant sind an diesem Fall verschiedene Aspekte: Zunächst mal der schöne Satz: “Mein Name ist Feuerwehr”. Damit soll die zudringlichen Anruferin nicht nur daran gehindert werden, ihren die Hilfe verweigernden Helfer zu identifizieren, wobei die Frankfurter Polizei routiniert Amtshilfe leistet. Der Feuerwehrmann geht mannhaft vor der “plärrenden Tante” hinter der ganzen Institution in Deckung und macht der Hilfesuchenden klar, dass sie ALLMÄHLICH mit ihrer kotzenden und keuchenden Mutter nervt. Schließlich ist ja ein Notruf noch für andere da! Als Begründung für seine Weigerung, den Namen zu nennen, gab Michael L. vor Gericht an, dass es in Frankfurt “viele Kulturen gibt, die lösen ihre Probleme anders als vor Gericht. Ein Drama in einer orientalischen Familie – da ist manchen nicht mehr klar, wer Herr im Haus ist.” Das ist schlecht, denn einen Herrn im Haus muss es immer geben und der Herr im Haus ist hier die Frankfurter Feuerwehr und die lässt sich an ihrer schönen Notrufnummer ungern von orientalischen Familien belästigen. Man merkt auch die Lesefrüchte der BILD-Lektüre an den langen Tagen, wenn die Feuerwehr auf den nächsten Einsatz wartet: “orientalische Familie” und “Drama” gehören naturgemäß zusammen, auch wenn es um eine Allergie geht. Wobei die Forderung nach gutem Benehmen, mit der die Hilfeleistung verweigert wird, ja eher an die FAZ-Leser und das Wiederaufblühen der Benimmkultur denken lässt. Michael L toppte diese Argumentation aber noch durch dass, was er weiter zu seiner Verteidigung vorbrachte: “Alle, die sich melden, sind arbeitslos und alle wollen sofort einen Notarzt.” Dieser Satz ist schon im Fall von Mehsa L. falsch , denn sie ist nicht arbeitslos sondern Jurastudentin, kurz vor dem ersten Staatsexamen -und wäre sie es nicht, sie hätte als Deutsche mit iranischen Wurzeln kaum gewagt, einen Prozess gegen die Feuerwehr zu beginnen. Er ist aber darüber hinaus unsinnig. Was soll die Behauptung sagen, alle Anrufer seien arbeitslos? Sie soll sagen, die den Notruf anrufen, sind sowieso Parias, der Bodensatz, nämlich Arbeitslose oder Orientalen, denen man als aufrechter Feuerwehrmann die Hilfe zu Recht verweigern darf, weil sie sie doch nur missbrauchen. Ist ein solches Denken und Tun aber wirklich nur “schlechtes Benehmen”, wie der Richter Michael L attestierte-schon wieder eine reine Benimmfrage, also? Ist es nicht, Pardon, a bissl faschistisch? Und hat es nicht mit den Hetz-Wellen, die permanent von Westerwelle und den Privatsendern auf die Hartz-IV-Empfänger niederprasseln, zu tun? Was aber, wenn tatsächlich überproportional viele Arbeitslose die Notrufnummer anrufen, deren Notlage meistens keine ist, zumindest keine, gegen die die Feuerwehr etwas ausrichten kann; vielleicht aus der vagen kindlichen Empfindung heraus, die große Feuerwehr mit ihren tollen roten Autos werde kommen und sie retten. Aber sie wird nicht kommen, my dears… Und wenn, wird Sie Euch dafür hassen.

Jedes Mal, wenn ich solche Äußerungen wie die des Frankfurter Feuerwehrmannes Michael L.lese reagiere ich äh, allergisch: Herzrasen, Atemnot…Aber was bringt das? Vielleicht sollte man stattdessen die Verhältnisse so gestalten, dass die 112 häufiger aus den Frankfurter Villenvierteln angerufen wird, damit auch die Frankfurter Feuerwehr zufrieden sein kann. Eine Finanztransaktionssteuer wäre ein erster Schritt.


Karl-Theodor zu Guttenbergs kleine Tochter

damned beste

Verteidigungsminister Karl- Theodor zu Guttenberg hat als Reaktion auf das tödliche Gefecht bei Kunduz angeordnet, zwei Pantzerhaubitzen 2000 zu bestellen. Mit ihnen lassen sich endlich DIE Taliban treffen, die 40 Kilometer weit weg sind. Denn auch den entfernte Taliban, der sich nicht in unserer unmittelbarer Nachbarschaft in die Luft sprengt, muss man im Auge behalten. INZWISCHEN IST ALLEN BEWUßT, DASS IN AFGHANISTAN wie Karl-Theodor zu Guttenberg sagt- EIN UMGANGSSPRACHLICH KRIEG GENANNTER ZUSTAND HERRSCHT.  Diese Ehrlichkeit schafft Erleichterung. Am Donnerstag (15.4.) geriet ein Panzerwagen Eagle IV im Rahmen der Operation Tahoid II in eine Sprengfalle. Fünf deutsche Soldaten wurden verletzt, drei weitere starben. Sie sind umgangssprachlich tot, bzw. nunmehr gefallen, wie der militärische Fachbegriff lautet. Die Taliban werden aber merken, dass sie sich mit solchen Aktionen keinen Gefallen tun, spätestens, wenn unsere Haubitzengranaten auf sie fallen, was hoffentlich bald der Fall sein wird. Ebenfalls am Donnerstag wurde ein Vertrag mit dem Schweizer Hersteller des Eagle IV unterzeichnet. Deutschland bestellt weitere 60 Eagle IV über die bereits 150-200 für dieses Jahr Bestellten hinaus. Für zerstörte Eagle IV können leider weder  Staat noch Hersteller die beliebte Abwrackprämie zahlen. Im Handschuhfach liegt aber eines der beliebten Schweizer Armeemessser als GIVEAWAY.

Unser Ziel in Afghanistan bleibt, dass jeder deutsche Soldat IN SEINEM EIGENEN PANZERWAGEN dort herumfahren kann, um an Operationen teilzunehmen. Auf 10000 Afghanen kommen nach Zahlen der WHO nur 2 Ärzte. Die Kindersterblichkeit ist mit 27% die höchste der Welt, die durchschnittliche Lebenserwartung auch derjenigen Bevölkerungsteile, die sich nicht feige und in feindlicher Absicht in noch kleinere Teile sprengen, liegt bei 45 Jahren. Insofern ist die Teilnahme deutscher Soldaten an Operationen zu begrüßen, auch wenn die Operation Tahoid II nicht vornehmlich der medizinischen Versorgung der Bevölkerung dient, sondern -wie es in Natokreisen heißt-”die Bewegungsfreiheit der internationalen Kräfte wiederherstellen soll”. ABER MEHR BEWEGUNG IST EINE WICHTIGE VORRAUSSETZUNG FÜR BESSERE GESUNDHEIT, das weiss jeder Arzt, und die neuen Eagle IV bieten auf jeden Fall mehr Bewegungsfreiheit als die Panzerwagen der älteren Generation.

In seiner vollständig in der BILD-Zeitung abgedruckten Traueransprache zu Ehren unserer  gefallenen Soldaten  sagte Karl Theodor zu Guttenberg am Schluß: “Meine kleine Tochter, der ich meine Trauer zu erklären versuchte, fragte mich, ob die drei jungen Männer tapfere Helden seien, OB SIE STOLZ SEIN DÜRFE. ICH HABE BEIDE FRAGEN NICHT POLITISCH, SONDERN EINFACH MIT JA BEANTWORTET.”

Die kleine Tochter Karl Theodor zu Guttenbergs hat das siebte Lebensjahr erreicht.  Das ist insofern nicht überraschend, als die Kindersterblichkeit in Deutschland im Gegensatz zu Afghanistan bei 0,4 % liegt. Nach der Theorie des berühmten Psychologen Piaget befindet sich die TOCHTER KARL-THEODOR ZU GUTTENBERGS jetzt im “konkret operationalen Stadium”. In diesem Stadium beschränkt sich das Denken auf konkrete anschauliche Erfahrungen.Typisch für die moralische Entwicklung in diesem Alter ist:  die Kinder spielen miteinander und gegeneinander. Nur einer kann gewinnen, aber man braucht dazu Kooperationspartner. Und: die Kinder orientieren sich am Stärksten oder Bestinformierten.

Im Gegensatz zu den Fragen von Karl-Theodor von Guttenbergs kleiner Tochter stellt sich die Frage nach einem neuen Mandat des Bundestages für diesen umgangssprachlich Krieg genannten Zustand NICHT. Das hat auch Bundeskanzlerin Merkel klar gesagt. Die Bestinformierten wissen: Wir alle sollten uns im Kriegführen die Unbefangenheit von Siebenjährigen erhalten. Denn wir und unsere kleinen Töchter können diesen umgangssprachlichen Krieg nur gewinnen, wenn unsere Politiker die Fragen nach dem Krieg nicht politisch beantworten, sondern einfach mit: “JA”.


Frühling in Bornheim

Und raus auf die Berger-Strasse !

Stefan-2

stefan - 1

stefan-4



Re:publica der Clicks ? Web und Widerstand (2)

De-Digit Zwei Pole der Web-Kultur habe ich im ersten Teil postuliert, die sich in der re:publica ausdrückten. Die Veranstaltung zeigte weder eine Unübersichtlichkeit wie der Spiegel behauptet, noch war die re:publica eine „linke Veranstaltung“ wie die Süddeutsche vermutet. Da ist nämlich hauptsächlich der Mainstream, als Kunden-Web sozialer Plattformen, der Apps und Ads, und gegenüber etwas [...]

weiterlesen »


Powered by WordPress • Theme by: BlogPimp/Appelt Mediendesign und tech-a • Beiträge (RSS) und Kommentare (RSS) • Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.