Frankfurter Gemeine Zeitung

Gleiches Recht für Alle! Ein Kommentar zum Fall Polanski

Knast

-Kommen Sie rein Herr Polanski… dann können Sie rausgucken!

Man stelle sich einmal vor:

Max Mustermann hatte in den USA Sex mit einem 13jähigen Mädchen. Er hat die Tat gestanden behauptete aber, dass der Sex einvernehmlich geschehen sei, während sie angab, er habe ihr Alkohol eingeflößt und sie vergewaltigt.

Egal welche der beiden Versionen stimmt, hat Mustermann sich in jedem Fall des sexuellen Missbrauches eines Kindes schuldig gemacht.

Denn sowohl nach deutschem als auch nach amerikanischem Recht wird davon ausgegangen, dass ein Kind überhaupt keine Einwilligungsfähigkeit zu sexuellen Handlungen besitzt.

Nach dem Sprachgebrauch des Volksmundes kann man Mustermann damit als „Kinderschänder“ bezeichnen. Einen Beliebtheitswettbewerb könnte Mustermann mit diesem „Titel“ wohl nicht mehr gewinnen.

Mustermann war jedoch clever und entzog sich der Gefängnisstrafe in den USA durch Flucht nach Europa.

Etwa 30 Jahre später wollte er Urlaub in den schönen Schweizer Bergen machen. Dort wartete aber ein Auslieferungsersuchen der US-Staatsanwaltschaft. Mustermann wurde festgesetzt und in die USA ausgeliefert. Die „Bild“-Zeitung titelte „Späte Reue für Kinderschänder“ und man ging danach wieder zum Tagesgeschäft über.

Natürlich wäre kein Politiker oder Prominenter auf die Idee gekommen für Mustermann Stellung zu beziehen, schließlich ist Unterstützung für einen Kinderschänder nicht gerade gut für die Publicity.

Der Fall Max Mustermann ist natürlich rein fiktiv und die Realität sieht anders aus. Hier steht nämlich nicht ein Otto-Normalverbraucher vor der Auslieferung in die USA, sondern ein Mitglied der Kulturaristokratie, namentlich Oscar-Preisträger Roman Polanski.

Für diesen ergriffen Politiker, sowie Schauspieler und Regisseure auf dem Film-Festival in Cannes das Wort.

Eine Petition für die Freilassung Polanskis unterschrieben unter anderem Größen wie Woody Allen und Martin Scorcese, aber auch der deutsche Regisseur und Filmproduzent Fatih Akin.

Aber warum eigentlich? Warum sollte ein Roman Polanski von der Justiz anders behandelt werden als ein Max Mustermann? Weil er ein Mitglied der Kulturaristokratie ist?

Der französische Außenminister Bernard Kouchner brachte es mit einem erschreckenden Satz auf den Punkt:

„Wir haben seit langem versucht, unseren amerikanischen Kollegen klar zu machen, dass Roman Polanski für uns nicht irgendwer ist und dass wir bestürzt sind“

Im Umkehrschluss bedeutet dies: „Wenn Polanski nur irgendwer wäre, dann würde es uns einen feuchten Dreck interessieren.“

Das Demokratie- und Rechtsverständnis eines Bernard Kouchner scheint also offensichtlich noch aus der Zeit vor der französischen Revolution zu stammen.

Der Gedanke „liberté, égalité, fraternité“ ist, zumindest was die „égalité“ betrifft, bei ihm noch nicht angekommen.

Auch die Filmschaffenden, die die Petition unterschrieben haben, sind in meinen Augen tief gesunken und ich diagnostiziere ihnen hiermit antidemokratischen Ungeist im Endstadium und unerträglichen Snobismus!

In diesem Sinne kann man nur hoffen, dass die Schweiz dem Druck Frankreichs nicht nachgibt und Roman Polanski endlich an die USA ausliefert.

Dass Polanskis, inzwischen erwachsenes, Opfer ihm öffentlich vergeben hat, spielt indes keine Rolle für die Beurteilung des Falles, da es nicht Aufgabe der Justiz ist, die Rachebedürfnisse von Opfern eines Straftäters zu befriedigen, sondern unabhängige Entscheidungen zu treffen.

Der Skandal liegt nicht darin, dass Polanski nun verhaftet wurde. Der Skandal liegt vielmehr darin, dass ein öffentlich bekannter Kinderschänder, jahrzehntelang in den höchsten Kreisen der Kulturelite mitschwimmen konnte, ohne dass sich jemand daran gestört hätte.

Und wenn sich Polanski nun auf eine Absprache mit der Justiz beruft, die er seinerzeit angeblich getroffen habe ist dies ein Zeichen von unvergleichlicher Dreistigkeit eines Menschen, der für seine Tat bis heute nicht einen Funken Reue gezeigt hat.

Warum hat er denn die Angelegenheit nicht schon vor Jahren geklärt? Warum ist er geflüchtet?

Und wäre es überhaupt im Sinne von Recht und Gerechtigkeit akzeptabel, dass jemand der ein 13jähriges Mädchen missbraucht hat, einfach mit einem Deal mit der Justiz davonkommt?

Aber selbst wenn es sich nicht um eine so schwerwiegende Tat gehandelt hätte, sondern nur um eine Steuerhinterziehung:

Rechtsstaatlichkeit lebt von Rechtsgleichheit und Rechtssicherheit! Justizia muss blind sein!

Und deshalb muss Polanski seine Strafe absitzen.

Zu befürchten ist allerdings, dass er auch im Knast seinen Prominentenbonus ausspielen kann und eine Einzelzelle mit allerlei Vergünstigungen bekommt.

Scheinbar sind wir alle gleich, nur manche sind eben doch gleicher.


Blind Dates Frankfurt 29.5.-4.6.

blind dates

Zuflucht: Literatur. Das internationale Lesefest am Main 1.-4.6.Für viele Menschen ist Literatur eine wichtige Erfahrung: Lebensmittel, Trost, Anregung, Unterhaltung, Symbol für Bildung und Welterfahrung. Mit Büchern reisen immer noch viele in ferne, neue Welten, in Dimensionen, die sie nur durch Romane, Erzählungen oder Gedichte erfahren. Literatur ist auch Zuflucht in widrigen Zeiten. Das gilt für diejenigen, die sich schreibend die Welt erobern, sie deuten und anderen etwas mitteilen. Es gilt ebenso für Leserinnen und Leser, die sich mit einem Buch in der Hand für eine Zeit von der Außenwelt zurückziehen, um sich dann mit neuen Sichtweisen und Anregungen wieder auf sie einzulassen. Das Internationale Netzwerk der Städte der Zuflucht (ICORN) und das europäische Projekt „Shahrazad – Geschichten fürs Leben“ wollen Literatur in vielen Facetten und besonders in ihrer gesellschaftlichen Bedeutung erfahrbar machen. Das Lesefest feiert auch ein Jubiläum: litprom – die Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e. V. – wurde vor 30 Jahren gegründet.
(Orte und Zeiten unter http://www.literaturstadt-frankfurt.de/ )
Dokumentarfilm & Gespräch am Dienstag, 1. Juni 2010, 20 Uhr: Hiphop & Kalaschnikow von Stefanie Landgraf und Hannes Gulde im Naxos-Kino. Eine Langzeitstudie der besonderen Art ist dieser Film. Die beiden Autoren haben 1980 einen Film in den palästinensischen Flüchtlingslagern des Libanon gedreht. Er zeigt eine eher aggressive palästinensische Jugend mit dem Motto (zugleich Filmtitel) „Eines Tages werden wir zurückkehren“. Fast 30 Jahre später kehren die Autoren mit einem Filmteam zurück, um zu zeigen, was sich mittlerweile getan hat.
Mittwoch, 2. Juni 2010, 18 Uhr: Rundgang: “Die Kramerbauten auf dem Campus Bockenheim: wie sie entstanden sind, wie sie genutzt werden, was aus ihnen geworden ist und was aus ihnen werden kann” Unter dieser Fragestellung laden die Bockenheimer Bürgerinitiativen “Ratschlag Campus Bockenheim” und “Zukunft Bockenheim” gemeinsam zu einem Spaziergang mit Prof. DW Dreysse (Architekt, Mitglied im Städtebau-Beirat) ein. Dreysse wird u.a. am Beispiel des Philosophicums, des neuen Hörsaal-Gebäudes, der Alten Mensa und der Universitätsbibliothek erklären, wie Ferdinand Kramer nach der Rückkkehr aus dem Exil historische Erfahrungen und das Streben nach Demokratisierung der Hochschulen als Architekt von dreiundzwanzig Universitätsbauten umzusetzen versuchte. VertreterInnen der Bürgerinitiativen werden ihre Vorstellungen einer zukünftigen Nutzung der Denkmalgeschützten Gebäude und einer Zwischennutzung von bereits leerstehenden Gebäuden darstellen. Treffpunkt: Campus Bockenheim Studierendenhaus


Tag und Traum

Der Baum vor meinem Fenster steht in voller Blüte. Die Vögel haben sich fest auf ihm installiert und beschallen mich mit ihrem Vogel-Sound. Auf der Kreuzung wird das alte Video mit den immer fahrenden Autos abgespielt…Ich wünschte, ich könnte umschalten, denn ich habe diesen Kanal satt! Ein voller Blick, der leer durch die Gassen strömt; zu einem Punkt hin, den niemand /nur Gott/ kennt. Endlich etwas erblicken, erfassen mit der brennenden Sehnsucht eines bisher unerfüllt gebliebenen Wunsches. Sich in der Hoffnung auf eine Art Antwort wirklich auflösen, nur noch Hoffnung sein wollen.Endlich zufrieden sein oder wenigstens Frieden finden mit dem Stand der Dinge.
“Oh süsse Freude..oh süsse Ungewissheit. Tief und blau wie das Meer! Vielleicht treffen wir uns in Brighton an der See, flanieren über die Stege und schauen still auf das grosse Wasser…Gedanken, die wie Seifenblasen aufsteigen und lautlos platzen. Wenn ich es gar nicht mehr aushalte, schaue ich Dich von der Seite an, bis Du mir in die Augen siehst..dann geht es wieder! Sollte ich Durst bekommen wäre die schönste Art ihn zu löschen von deinen Lippen, Adelheid! Ein Augenblick, in dem es möglich ist von der Gegenwart bis an das Ende der Zeit blicken zu können. Ein Bus voller Japaner zieht an uns vorbei, an einem Tisch sitzt ein Paar, das augenscheinlich seinen zweiten oder dritten Frühling auslebt. Ab und an weht der kühle Wind eine leichte Briese Asphalt vorbei, es riecht nach einer Idee von der nahen Stadt…Das Gedachte rinnt durch meinen Kopf wie Sand in einer Sanduhr….”


Gebt Charlie Chaplin seinen Bart zurück!

Chaplin

Jeder kennt diesen schmalen Oberlippenbart, der wie ein kleiner rechteckiger Balken unter der Nasenwurzel aussieht.

Zu behaupten, diese Art von Bärtchen sei aus der Mode gekommen ist noch eine drastische Untertreibung. Tatsächlich garantiert einem das Tragen eines solchen Bartes negative Aufmerksamkeit aller Art, von Hitlergrüßen bis hin zu offenen Gewaltandrohungen durch die Mitmenschen.

Und wer auf einem Wahlplakat das Gesicht eines Politikers verunstalten will, nimmt sich einen schwarzen Edding und malt ihm einen kleinen schwarzen Balken unter die Nasenwurzel.

Ich möchte hier aber ein Plädoyer für das Bärtchen abgeben. Der Oberlippenbart muss wieder tragfähig werden, schon im Interesse einer kritischen Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit.

Jan Delay sang auf seinem Album „Searching for the Jan Soul Rebel“ folgenden Text: „Der böse Mann mit dem kleinen Bart ist noch gar nicht tot. Mindestens zweimal am Tag sagt er mir Hallo.“

Recht hatte er damit, denn Hitler ist, wenn auch nicht physisch, doch weiterhin als Marke präsent und das sogenannte „Hitler-Bärtchen“ ist das Markenzeichen, welches einen höheren Wiedererkennungswert besitzt als der „Swoosh“ von Nike.

Ein wichtiger Schritt zur endgültigen Überwindung nationalsozialistischen Gedankengutes wäre, das Brand-Image der Marke Hitler zu zerstören.

Fest steht:

Hitler hatte kein Urheberrecht an seinem Markenzeichen.

Demnach kann also jeder diesen Bart tragen, für sich beanspruchen und zu seinem eigenen Markenzeichen machen.

Ich stelle mir Pokemon-Figuren vor, Bärtchen zum Ankleben und Werbemaskottchen mit dem neuen angesagten Oberlippenbart-Look.

Würde so ein Ding dem Cha-Cha-Charmin-Bären nicht wunderbar stehen?

Natürlich braucht diese Art der Barttracht dann auch einen neuen Namen. Mein Vorschlag wäre da „Charlie-Chaplin-Bart“.

Dies macht aus mehreren Gründen Sinn:

Charlie Chaplin hatte die älteren Rechte.

Charlie Chaplin weckt keine negativen Assoziationen.

Charlie Chaplin war einfach cooler als Hitler.

Also warum keinen Charlie-Chaplin-Bart tragen?

Ich habe es neulich einmal ausprobiert mir den Bart abzurasieren und nur einen schmalen Balken auf der Oberlippe stehen zu lassen. Leider passte er nicht zu meiner Kopfform.

Sonst würde ich sofort einen tragen… ehrlich… versprochen…


Bürokratie ist Gerechtigkeit

BürokratieDie Aussage „Bürokratie ist Gerechtigkeit“ erscheint auf den ersten Blick ziemlich unsinnig oder wie eine Neuauflage von orwellschem Doublethink im Sinne von „Freiheit ist Sklaverei“.

Wieviel Wahrheit in ihr steckt, wird jedoch klar, wenn man sich vor Augen hält, wie und warum Bürokratie entsteht.

Nähme man einmal an, man befände sich in einem sehr unbürokratischen Staat. In diesem sei es Gesetz, dass jeder Mensch den gleichen Betrag an Steuern zu entrichten hat. Man bräuchte keine Sonderregeln, keine Formulare und wenig Beamte.

Der Finanzbeamte hätte im Prinzip nur auf einer Liste abzuhaken, wer schon gezahlt hat. Die Steuererklärung müsste man nicht einmal auf einen Bierdeckel schreiben, denn, was gäbe es zu erklären, wenn jeder den gleichen Betrag zahlt?

Wäre dieser Staat nicht ein Paradies?

Wohl kaum!

Wenn wirklich jeder Mensch den gleichen Betrag an Steuern entrichten müsste, so würde dies auch Säuglinge, Schwerstbehinderte, Arbeitsunfähige und Mittellose betreffen. Einen Säugling wegen Steuerhinterziehung ins Gefängnis zu stecken, wäre aber weder gerecht noch zweckmäßig.

Es muss also zumindest eine Ausnahmeregelung darüber geben, wer von der Steuer befreit ist.

Unser Finanzbeamter hätte nun also nicht mehr nur zu prüfen, wer bezahlt hat, sondern auch wer überhaupt zahlen muss.

Natürlich ist es auch nicht wünschenswert, dass sich jeder als Säugling, Schwerstbehinderter oder Mittelloser ausgeben kann. Sonst würde bald überhaupt niemand mehr eine Steuer zahlen.

Also braucht man eine Möglichkeit, das Vorliegen der Voraussetzungen für die Steuerbefreiung zu prüfen.

Aber wie sollte unser Finanzbeamter prüfen, ob jemand tatsächlich schwerbehindert oder beispielsweise ein schweres

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Der Teufel und Hannelore Kraft (Ein modernes Mysterienspiel)

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(Die Handlung spielt Ende letzter Woche im Nordrheinwestfälischen. Hannelore Kraft unterhält sich mit einem Berater)
Kraft: Nach meinem glänzenden Wahlsieg, in dem ich unser Ergebnis von 1954 übertrumpfen konnte, geht es nun um die Frage…
(Sekretärin stürzt herein)
Sekretärin (japsend) Frau Mehr-oder-minder-Ministerpräsidentin,die Linke ist da! Die warten unten!
Kraft: Was wollen DIE denn?
Sekretärin: Na, wegen der Koalitionsgespräche, Frau Mehr-oder-minder-Ministerpräsidentin.
Kraft: Jetzt schon? Wir wollten doch erst mal in aller Ruhe mit der FDP …
Berater: Die haben schon abgewunken.
Kraft: Dann rufen Sie dort halt noch mal an!
Berater: Da hab ich schon so oft angerufen, dass sie ihre Geheimnummer geändert haben.
Kraft: Na gut. Was ist mit dem Jürgen?
Berater: Spricht grade ein Grußwort auf der Wasserstoffkonferenz. Hat uns eingeladen, zu ihm zum Tee zu kommen.
Kraft: Da kann er lange warten. Wegen 6000 Stimmen! Der soll zu MIR zum Tee kommen. Und WENN ich zu ihm Tee trinken gehe, dann nur auf Augenhöhe.

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Eine Woche Frankfurt-Branding

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Die letzte Woche war geprägt von Ereignissen, die Meinungsführer der Rhein-Main Region in Entzücken versetzten. Nach einer kleinen Verzögerung kam für unsere EZB im Ostend endlich der Spatenstich; dann landete der erste Airbus A380, den die Lufthansa bestellt hatte und doch wirklich aus „Frankfurt“ getauft wurde; schließlich war es uns gelungen, der Berlinern oder Hamburgern oder beiden den „Kreativ-Gipfel“ des Art Directors Club abzuluchsen. Die anderen wollten ihn wohl nicht mehr. Eine große Woche und eine Folge von Geschehnissen, die ein Schlaglicht auf die Situationen von Großstädten und die verschiedenen Risse durch sie wirft.

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Die Kunst der Straße

Die fest montierten, grünen Metallstühle auf dem Bornheimer Fünffingerplätzchen sind in der Regel von Männern unbestimmten Alters belegt, die alkoholische Getränke aus dem nahegelegenen Discountmarkt konsumieren. Eindeutige Hinterlassenschaften zeugen von diesem Tun; leere Flaschen, Chipstüten, Zigarettenschachteln liegen verstreut auf dem Pflaster und den Stühlen. Das ist nicht schön, aber normal. An anderen Plätzen in anderen Orten ist das ebenso.

So war es auch am letzten Samstagabend. Herr K. und ich hatten im Irish Pub das Pokalfinale gesehen und kamen auf dem Weg ins Klabunt am Fünffingerplätzchen vorbei. Es war kalt wie im Mai und zwei Männer saßen nebeneinander auf den Stühlen, jeder eine Dose Bier in der Hand. Alles wie immer also. Und doch war es ganz anders als sonst.

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Flugbegleitung

flugzeug

Als ich zehn Jahre alt war,
sah ich meine Eltern an
und ich dachte: Ich möchte eines Tages
Jemand anderen kennenlernen.
Warum nicht?
Warum nicht?

Als ich zwanzig Jahre alt war,
sah ich meine Freundin an
und ich dachte: Ich möchte eines Tages
Jemand anderen kennenlernen.
Warum nicht?
Warum nicht?

Als ich dreißig Jahre alt war
Sah ich mich im Spiegel an,
Und ich dachte: ich möchte eines Tages
jemand anderen kennenlernen.
Warum nicht?
Warum nicht?

Manche wissen wie man findet
Manche wissen wie man sucht
Ich habe das noch nie versucht
hab einen Flug ins Nichts gebucht.

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Neue deutsche Manifeste

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Frankfurt bietet immer wieder echte kulturelle Impulse. Es hat nämlich für seine Leitkultur neben Martin Mosebach, Johnny Klinke und Susanne Fröhlich noch die internationale Größe Frank Schirrmacher aufzubieten. Schirrmacher zeichnet nach dem Abzug von Suhrkamp verantwortlich für die Bewertung großer Umbrüche und Mahnungen vor kampfloser Kapitulation. Als Herausgeber der FAZ kümmert er sich um unser aller Geist, die Lage unseres Kopfes quasi: FAZ und Kopf sieht Schirrmacher durch das Internet überspült. Das meint: Nihilismus droht in Deutschland, Schwundstufen der Konkurrenzfähigkeit, der Kultur, des Journalismus und für uns alle Verluste.

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Sechs Quadratmeter Weltruhm- Die Frankfurter Küche (2)

frankfurter küche neu

Die „Frankfurter Küche“ besaß folgende Charakteristika:

- zahlreiche Einbauschränke, teilweise mit Schubkästen aus Aluminium. Die Schubläden wurden speziell für die „Frankfurter Küche“ von einer Firma entwickelt. Mehl, Reis etc. wurden damals gewöhnlich in Papiersäcken gelagert. Die Schubkästen hatten einen Behälter zum Schütten und einen Aluminiumsteg, so dass der Inhalt direkt in den Topf geschüttet werden konnte. Für die größeren Mehlvoräte gab es eine Schublade aus Eichenholz, deren Gerbsäure Wurmbefall verhindern sollt

-eine Dunstabzugshaube über dem Herd. Die Wohnungen der Arbeiter sollten endgültig vom traditionellen Küchenmief befreit werden.

- einen gemauerten Müll-und Besenschrank zwischen Küche und Vorzimmer. Der Küchenabfall konnte von der Küche aus, der Kehricht vom Vorzimmer aus eingeworfen werden, so dass in der Küche kein Staub entstand.

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Unser schönes Geld ist tot!

In den letzten Wochen hörte man in Frankfurter Kneipen und Bundesdeutschen Redaktionszimmern- was ja fast das Gleiche ist- unentwegt einen seltsam- altmodischen Ausdruck: “Unser Geld”. Meistens erscheint er verkleidet in der klassischen Angstfrage: “Wie sicher ist unser Geld ?” (ARD, Bayrischer Rundfunk, Frankfurter Rundschau et al. ) oder gleich gebieterisch panikerzeugend “Darum ist unser Geld in Gefahr!” (BILD), mal geographisch zugespitzt “Griechenland und unser Geld” (Focus) , mal ratlos “Wo ist unser Geld? ” (Spiegel), mal generös “Griechenland verdient unser Geld” (Manager Magazin) und mal knallhart- investigativ: “Wer hat unser Geld verzockt?” (Frontal 21).

Aber sollte man nicht mal eine Frage vorschieben, nämlich: wem gehört unser Geld? Mir nämlich gehört es nicht, zumindest nicht zu nennenswerten Teilen. Ihnen? Nach der aktuellen Untersuchung des “Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung” verfügen zwei Drittel der Bevölkerung bei UNS über kein oder “kein nennenswertes” Vermögen. 10 Prozent von UNS verfügen über 2/3 des Einkommens.(vermoegensverteilung-in-deutschland).

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Die kürzesten Geschichten der Welt

Alles zu seiner Zeit Als Professor F. die Hausarbeiten seiner Studenten korrigierte, fiel ihm bei dem vielversprechenden Studenten B. auf, dass dieser eine interessante These vertrat, allerdings ohne sie entsprechend zu belegen. Er rief den Studenten zu sich und sagte ihm, dass es ihm Leid täte, aber ohne Angabe einer Quelle müsse er dies negativ [...]

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Am Samstag Stimmenfang im “Blauen Haus”

StimmenfangAm Samstag, den 15. Mai geht ab 21 Uhr Philipp Haines ab -und auf “Stimmenfang“. Präsentiert wird von “Dings” und “Blaues Haus” die erste Singer/Songwriter und Poetry Slam Night im Blauen Haus mit 8 Singer/Songwritern und 8 Slam Poeten. In dieser Nacht bekommt nach Ankündigung “die Musik das Wort und das Wort bekommt eine Stimme”! Fragt sich also nur, wen die Stimme bekommt, well well…
Also nix wie hin, zumal da auch FGZ-Autor FLORIAN K. höchstselbst vortragenderweise vor Ort sein wird. Beginn 21 Uhr. Ende 2 Uhr früh! Langer poetischer Atem ist also gefragt für dieses XXL-Format. Am Niederräder Ufer 2 in ebendieser Stadt: Frankfurt

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Sechs Quadratmeter Weltruhm – Die „Frankfurter Küche“ (1)

Frankfurter Küche2
Der Ausdruck „Frankfurter Küche“ bezeichnet nicht nur eine Ansammlung lokal-regionaler Spezialitäten, sondern auch den vielleicht wichtigsten Beitrag Frankfurts zur Architekturgeschichte der Moderne: eine der ersten Einbauküchen der Welt für Wohnungen. Entwickelt wurde sie ab Mitte der 20er Jahre von Margarete Schütte-Lihotzky, einer jungen Wiener Architektin, die von Ernst May 1926 an das städtische Siedlungs- und Hochbauamt Frankfurt berufen wurde. Der sozialdemokratische Einfluß auf die Frankfurter Stadtregierung ermöglichte in den 20er Jahren die Realisierung ehrgeiziger sozialreformerischer Wohnungsbauprojekte durch die Kommune. May war der Spiritus Rector dieser neuen Baubewegung, und gleichzeitig als Architekt im Hochbauamt für die Umsetzung der Ideen verantwortlich. Arbeitern und kleinen Angestellten sollten bezahlbare Wohnungen zur Verfügung gestellt werden, die Luft, Licht und modernen Komfort boten.

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Alphatiere

alphabet

Affektierte Amtsinhaber analysieren akribisch Aktienkurse,
Brünftsüchtige, BMW-fahrende blaßärschige Barbaren,
Checken den Crash auf Chance, Credits und Cash.

Demokratische Dauerdebatten delegierter Despoten drosseln das Dilemma.
Es entsteht ein espritentrückender Engpass
Für fanatisch Friedliebende, feixende Flammenbändiger.

Glücksritter, Gammler und Galane geben globale Galen.
Hochwürdenträger hauen hinter Hintertürchen harmlose Hospitanten.
Interessieren irdische Irritationen innerlich irgendeinen

Jener jämmerlichen, jesuitischen Jasager?
Kann kein krieggslüsterner Kamikaze korrigierend kleine kalkulierte Katastrophen kaputtbomben?
Listig legitimierte Liturgien als Leitmotiv lähmen lebensfrohe Lautmaler,

Machen Mächtige mutig, managen Mißstände meist mühelos,
Nebenher noch nagetierartig Nettopeanuts nagend.
Organisierter Opportunismus mit Orgasmusoptionsschein

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Von Ordensbrüdern und Charity-Ladies

charity

„Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, dass er Fülle habe; wer aber nicht hat, von dem wird auch genommen, was er hat.“

Dies wusste bereits das Matthäus-Evangelium zu berichten und dafür, dass dieser Satz bis heute nichts von seiner Richtigkeit verloren hat, gibt es Beispiele genug.

Ein besonders augenfälliges Beispiel ist die merkwürdige Praxis, Personen die ohnehin schon reich und mächtig sind, teilweise hochdotierte Preise, Orden und Ehrenauszeichnungen zu verleihen.

Grotesk wird dieses Schauspiel dann, wenn diese Auszeichnungen an Personen verliehen werden, die genau das Gegenteil von dem verkörpern, für das der Preis steht oder von entsprechend fragwürdigen Organisationen gestiftet werden.

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Noch einmal auf die Birne hauen- Helmut Kohl wurde 80, eine Schmähschrift

Eine der ultimativen Weisheiten jedes Ballerspiel-Liebhabers und Splatter-Film-Fans lautet:

Wenn ein Zombie droht aufzustehen, soll man am Schrot nicht sparen.

In diesem Sinne heißt es „ladet die Büchsen“, denn Helmut Kohl wurde im April 80 Jahre alt und nachdem man ihn, nach Spendenaffäre und öffentlichen Lügenorgien, bereits auf dem Müllhaufen der „Gechichte“ wähnte, feiert er nun doch tatsächlich eine wundersame Auferstehung.

Bereits seit mehreren Jahren verklärte ihn die „Bild“-Zeitung mit dem unverdienten Titel „Kanzler der Einheit“. Dass nun allerdings auch auch die Redakteure seriöser Zeitungen und Zeitschriften ihn wieder aus der Versenkung holen wollen, ist ein Novum.

Von allen Seiten (Zeit, Welt, Spiegel, F.A.Z.) redet man nun salbungsvoll von seinen Verdiensten und vergisst dabei geflissentlich, welchen ungeheuren Flurschaden er am politischen Bewusstsein, um nicht zu sagen am Urvertrauen einer ganzen Generation angerichtet hat.

Ich bin Jahrgang 1980 und habe meine ersten sechzehn Lebensjahre unter der Regierung von Helmut Kohl verbracht. Kohl zählt daher zu meinen frühesten politischen Erinnerungen überhaupt. Schon für meine Kinderaugen strahlte er etwas aus, das mir zutiefst unsympathisch, um nicht zu sagen ekelhaft war.

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Konzertierte Heimatfront: Standorte Düsseldorf und Frankfurt

Es ist schon schön, wie wir jetzt fast alle wieder auf die wichtigen Dinge zurückgeworfen sind. Nachdem die Systemrettung in Gestalt unserer Banken – sie sind ja irgendwie “unser System” – gelungen scheint, wir auch die Griechen heraushauen, müssen wir nun die Exportoffensive verstärken, mit allen Mitteln und der nötigen Rückendeckung an der Heimatfront.

Die Offensivmittel möchte das Handelsblatt ausbauen. Sie fordert es im Blatt und im Web, obwohl die Zielrichtung nicht ganz klar scheint: der dort versprochene Kampfhelikopter scheint eher für Afghanistan geeignet, während die Autobauer doch die USA angreifen wollen ? Ist da etwas durcheinander oder empfiehlt das Handelsblatt beim Angriff der Autobauer “in den USA” den Einsatz fliegender Waffen ? Gegen wen fragen wir uns da, gegen die amerikanischen Islamisten, die siechenden Autobauer oder gegen schlecht bezahlte Hilfsarbeiter ?

Handelsblatt im Krieg

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Wut-Gipfel, mal wieder in Berlin

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Nein, nicht der 1. Mai und die lächerliche mediale Aufgeregtheit darüber. Die Skala der Wut verweist immer auch auf innergesellschaftliche und soziale Verwerfungslinien, von der Mittelstandsdepression bis hin zur Sinnentleerung, von Krieg, Repression und Ungerechtigkeit bis hin zu unerträglich werdender Indifferenz und akuten Überlebensfragen. Wo nun ist die Wut, warum so ein scheues Reh ?
7.- 9. Mai in Berlin im Haus der Kulturen der Welt: Mit Wissenschaftlern, Intellektuellen, Künstlern und Akteuren aus verschiedensten Alltagssphären erkundet der Wut-Gipfel / Rage Summit am großen Versammlungstisch in der Ausstellungshalle die gesellschaftlichen und politischen Um-/Bruchstellen.

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Flashmobmobbing- Kissen und Zähne

Kissenschlacht

Die Frankfurter Kissenschlacht vom 17.4. an der Hauptwache schaffte es auf die Seite 1 des sontäglichen Anzeigenblattes: “Rhein Main Extra-Tipp”. Und damit klar ist, dass es sich um eine größere Katastrophe handelt, prangt darüber die Überschrift: “Das zahlen wir alle.” Gewiß, das ist nicht beonders originell, das sieht man zur Zeit häufig, sei es über den Fotos lachender Griechen, sei es eben auch nur über erschütternden Szenen einer Kissenschlacht an der Konstabler. Leider nie über einem Foto der Frankfurter Börse, obwohl das ja auch ganz schön wahr wäre. Egal, auch bei einer Kissenschlacht entstehem immense Kosten und damit klar wird, was bei einer Kissenschlacht für immense Kosten entstehen, die WIR ALLE stemmen müssen, kommt die Stadtreinigung ausführlich zu Wort und mit ihr als zweite Fliege in der Klappe gleich noch der human interest factor. Ausführlich und einfühlsam wird über die Stimmung innerhalb der Stadtreinigung berichtet, zunächst auf der Titelseite: “Stadtreinigung sauer”, dann in der Unterzeile auf der Berichtseite 3 “FES ist stinksauer!” und im Text selbst gleich nochmal : “Die FES ist stinksauer über die Spontan-Aktion.” Ja, so ein Angestellter der Stadtreinigung kommt eben einfach schlecht drauf, wenn er die Stadt reinigt. Zur Übersäuerung der FES Mitarbeitermägen passt denn auch schon rein phonetisch , wie sie die

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Räuberpistolen

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Es werden wieder Räuber im Wald sein

Und Nomadenzelte stehen

Zwischen Auen und Ruinen

Der Welt die uns bleibt

Denn dies ist unsere Zeit!

Alles Land ist vergeben

Jede Seele schon verkauft

Und Grenzen zertrennen

Der Liebenden zartes Band

So groß ist Eure Schuld!

Wir wählen aus dem was uns verblieb

Was wir glaubten zu wollen

Nicht was uns beliebt

Weil das Meiste Euch gehört

Wird es wieder Räuber geben.

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Theatertext #1

zuschauerraum

Dieser junge Mann dort mit dem Designerpulli, der so designed ist, dass der Laie nicht sieht, dass es sich dabei nicht um ein H&M-Modell handelt und den Träger somit nicht als mit Geld um sich werfendes Mitglied des gehobenen Apple-Bürgertums identifizieren und klassenkämpferisch böse angucken kann, andererseits der Kenner sofort erkennt, dass dieser Pulli und damit sein Träger mehr über die Welt weiß als ein H&M-Kunde – es sich also um seinesgleichen handelt, um ein Mitglied des bereits erwähnten gehobenen Apple-Bürgertums nämlich, einer von denen, die eine Wohnung

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Raus zum 1. Mai: Unsere Frankfurter Banken retten Europa

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Stau zwischen Konstabler und Alte Brücke; aufgeschreckt durch heulenden Motor eines Taxis; vor mir ein MTK, fast querstehend. Ein zweites will abbiegen, Berliner Strasse, Richtung Paulskirche, vermutlich auch zum Zuschauen. Jetzt tritt ja endlich Klarheit ein, sinniere ich vor mich hin. Die letzten Tage waren angespannt in Frankfurt : erst ein „Bailout“ der letzten von ehemals 500 griechischen Kneipen durch einen Thai-Gastrokonzern. Dann kleine Aufläufe von verbliebenen deutschen Gastwirten vor spanischen und den paar portugiesischen Kneipen und Geschäften, Motto: „wir zahlen nicht für eure Krise“. Schließlich die empörten deutschen Rentner, die für das griechische Lotterleben büßen müssen: sie zogen durch die Discounter und sortierten den ganzen Feta aus, verteilten ihn auf dem Bürgersteig davor, Schrottwert zu 10 Cent das Stück.

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