Frankfurter Gemeine Zeitung

Unser schönes Geld ist tot!

 

 

In den letzten Wochen hörte man in Frankfurter Kneipen und Bundesdeutschen Redaktionszimmern- was ja fast das Gleiche ist- unentwegt einen seltsam- altmodischen Ausdruck: “Unser Geld”. Meistens erscheint er verkleidet in der klassischen Angstfrage: “Wie sicher ist unser Geld ?” (ARD, Bayrischer Rundfunk, Frankfurter Rundschau et al. ) oder gleich gebieterisch panikerzeugend “Darum ist unser Geld in Gefahr! (BILD), mal geographisch zugespitzt “Griechenland und unser Geld(Focus) , mal ratlos “Wo ist unser Geld? ” (Spiegel), mal generös “Griechenland verdient unser Geld(Manager Magazin) und mal knallhart- investigativ: “Wer hat unser Geld verzockt?” (Frontal 21).

Aber sollte man nicht mal eine Frage vorschieben, nämlich: wem gehört unser Geld? Mir nämlich gehört es nicht, zumindest nicht zu nennenswerten Teilen. Ihnen? Nach der aktuellen Untersuchung des “Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung” verfügen zwei Drittel der Bevölkerung bei UNS über kein oder “kein nennenswertes” Vermögen. 10 Prozent von UNS verfügen über 2/3 des Einkommens.(vermoegensverteilung-in-deutschland).

So viel zur Frage: Wo ist unser Geld? Nicht bei uns und offenbar nicht oder noch nicht zu nennenswerten Teilen in Griechenland, obwohl ich das begrüssen würde, denn ich sähe es aus ästhetischen Gründen lieber in der Ägais versenkt als in Kronberg. Trotzdem rechnete ein Gast in der “Weinstube” im Nordend mir letzte Woche vor, dass jetzt “jeder Deutsche 2000 Euro Schulden hat wegen Griechenland”. Als ich ihm sagte, dass seien doch nur Kredite, rief er aus: “Das sind die Lügen der Linken! Wir sehen unser Geld nie wieder!” Er selbst ist Hartz-IV -Empfänger und Akademiker und hat wahrscheinlich früher gerne auf griechischen Inseln in der Sonne gebraten, in letzten Jahren dann mehr an den Baggerseen rund um Frankfurt, weil Griechenland zu teuer geworden und auch “nicht mehr so wie früher ist”, aber ähnlich wie viele BILDzeitungsleser hat er Angst, das Geld, das er nicht hat, nie wieder zu sehen.

Den Namen der verantwortlichen Rating Agentur für den GriechenlandfastBankrott kennen wir schon von der Lehmann Pleite, wo sie ganze Arbeit geleistet hat beim Erzeugen der Spekulationsblase. Kein Wunder, denn WIR unterhalten zwar diplomatische Beziehungen zu 194 Staaten, aber es gibt weltweit nur drei Ratingagenturen, um die Zahlungsfähigkeit dieser Staaten einzuschätzen und damit über ihre Zahlungsfähigkeit zu entscheiden: “Standard Poors”, “Moody´s” and “Fitch”. Klingt wie irische Kneipennamen, was natürlich von den Ratingagenturen sehr selbstironisch gemeint ist, denn das sind kluge Jungs, zweifelsohne.WIR erleben aufregende Zeiten, fürwahr. Zeiten, in denen drei private Rating Agenturen Staaten in den Bankrott treiben, oder am liebsten FAST in den Bankrott treiben, indem sie sie hinunterstufen, während Anleger damit Geld verdienen, auf ihren Untergang zu wetten (der Staaten, nicht der Banken), bis andere fastbankrotte Staaten eingreifen, um die Gläubiger-Banken zufriedenzustellen, die ohne die Staaten Bankrott gegangen wären.

Ob verrottete Bank oder Bankrott: der Trott höret nimmer auf, so wie zu anderen Zeiten die Liebe .

Das ist die gute Nachricht, die die schlechte ist.  Die schlechte, die die gute ist, aber lautet: UNSER SCHÖNES GELD IST TOT.

Lassen Sie es mich mit Friedrich Nietzsche sagen:

“Habt ihr nicht von jenem tollen Menschen gehört, der am hellen Tag die Laterne anzündete, auf den Markt lief und unaufhörlich schrie: “Ich suche unser Geld! Ich suche unser Geld!” “Ist es denn verloren gegangen?,” sagte der Eine. “Hat es sich verlaufen wie ein Kind?”, sagte der Andere. Der tolle Mensch sprang mitten unter sie und durchbohrte sie mit seinen Blicken: “Wohin ist unser Geld”? rief er. “Ich will es Euch sagen. Wir haben es getötet.Aber wie haben wir das gemacht? Wie vermochten wir das Meer auszutrinken? Haucht uns nicht der leere Raum an? Müssen nicht Laternen am Vormitttag angezündet werden? Das  Mächtigste, was die Welt bisher besaß, es ist unter unseren Messern verblutet. Taten brauchen Zeit, auch nachdem sie getan sind.Das ungeheure Ereignis ist noch unterwegs- es ist noch nicht bis zu den Ohren der Menschen gedrungen.” Man erzählt noch, dass der tolle Mensch desselbigen Tags in die Börse und verschiedene Banken eingedrungen sei und darin sein requiem aeternam pecunio angestimmt habe. Hinausgeführt und zur Rede gesetzt, habe er immer nur dies entgegnet: “Was ist denn die Börse, was sind denn diese Banken noch, wenn sie nicht die Grabmähler des Geldes sind?”

Soweit Friedrich Nietzsche zur gegenwärtigen Finanzkrise.

Unser schönes Geld ist tot. Und jetzt zu etwas völlig anderem.

 


Die kürzesten Geschichten der Welt

Alles zu seiner Zeit

Als Professor F. die Hausarbeiten seiner Studenten korrigierte, fiel ihm bei dem vielversprechenden Studenten B. auf, dass dieser eine interessante These vertrat, allerdings ohne sie entsprechend zu belegen. Er rief den Studenten zu sich und sagte ihm, dass es ihm Leid täte, aber ohne Angabe einer Quelle müsse er dies negativ bewerten.

Der Student musste zugeben, dass er die These selbst entwickelt hatte und dass sie bisher nicht bewiesen sei. Anderenfalls wäre sie auch keine These sondern eine Tatsache.

Der Professor entgegnete, dass er als Student in der Wissenschaft niemals ernst genommen würde, wenn er Thesen aufstelle ohne sie beweisen zu können.

Da fragte ihn der Student, ob denn nicht jeder Beweis erst einmal aus einer unbewiesenen These hervorgegangen sei.

Mit wissendem und leicht bitterem Gesichtsausdruck antwortete der Professor ihm, dass er erst lernen solle, was bereits bewiesen wurde, bevor er auf Grundlage dieser Beweise neue Thesen aufstellen könne.

Der Student hatte verstanden, lernte und studierte, recherchierte und zitierte bis er eines Tages selbst Professor wurde. Doch da fielen ihm keine interessanten neuen Thesen mehr ein.

Der Faulenzer

Unteroffizier G. trug den Rekruten S. und K. auf, einen Lagerraum aufzuräumen. Als er wiederkam, sah er, dass der Lagerraum perfekt aufgeräumt und geputzt war. Er lobte die beiden Rekruten dafür.

Da erhob S. das Wort und sagte: „Ich habe alles alleine machen müssen. Der K. hat nur die ganze Zeit mit den Händen in den Taschen herumgestanden.“

Der Unteroffizier antwortete: „Dafür laufen Sie beide zwanzig Runden um den Exerzierplatz! K. weil Sie so faul herumgestanden haben und Sie, Soldat S., weil Sie Ihren Kameraden verpetzt haben.“

Katastrophenwarnsystem

Herr V. lebte mit seiner Familie und seinem Hund als Fischer in einem Haus an der Küste. Schon oft hatte es dort gefährliche Springfluten gegeben, doch immer hatte sein Hund dies zuerst bemerkt und ihn gewarnt.

Einmal war der Hund extrem unruhig.

Da packte der Herr V. seine Sachen und weckte seine Familie um mit ihnen in die Hügel zu flüchten. Doch kaum hatte die Familie ihre Sachen gepackt und die Tür geöffnet, rannte der Hund hinaus und besprang eine läufige Hündin.

Jugendträume

Die Eheleute J. steckten viel Geld und Mühe in die Erziehung und Ausbildung ihres Sohnes, doch dieser wollte immer nur Künstler werden. Eines Tages zog er aus und kam nie wieder.

Künstler wurde er zwar nicht, aber mit seinem Job als Filialleiter einer Supermarktkette ist er inzwischen nicht unzufrieden.


Am Samstag Stimmenfang im “Blauen Haus”

StimmenfangAm Samstag, den 15. Mai geht ab 21 Uhr Philipp Haines ab -und auf “Stimmenfang“. Präsentiert wird von “Dings” und “Blaues Haus” die erste Singer/Songwriter und Poetry Slam Night im Blauen Haus mit 8 Singer/Songwritern und 8 Slam Poeten. In dieser Nacht bekommt nach Ankündigung “die Musik das Wort und das Wort bekommt eine Stimme”! Beginn 21 Uhr. Ende 2 Uhr früh! Langer poetischer Atem ist also gefragt für dieses XXL-Format. Am Niederräder Ufer 2 in ebendieser Stadt: Frankfurt


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