Frankfurter Gemeine Zeitung

Der Teufel und Hannelore Kraft (Ein modernes Mysterienspiel)

kraft allerneust

(Die Handlung spielt Ende letzter Woche im Nordrheinwestfälischen. Hannelore Kraft unterhält sich mit einem Berater)
Kraft: Nach meinem glänzenden Wahlsieg, in dem ich unser Ergebnis von 1954 übertrumpfen konnte, geht es nun um die Frage…
(Sekretärin stürzt herein)
Sekretärin (japsend) Frau Mehr-oder-minder-Ministerpräsidentin,die Linke ist da! Die warten unten!
Kraft: Was wollen DIE denn?
Sekretärin: Na, wegen der Koalitionsgespräche, Frau Mehr-oder-minder-Ministerpräsidentin.
Kraft: Jetzt schon? Wir wollten doch erst mal in aller Ruhe mit der FDP …
Berater: Die haben schon abgewunken.
Kraft: Dann rufen Sie dort halt noch mal an!
Berater: Da hab ich schon so oft angerufen, dass sie ihre Geheimnummer geändert haben.
Kraft: Na gut. Was ist mit dem Jürgen?
Berater: Spricht grade ein Grußwort auf der Wasserstoffkonferenz. Hat uns eingeladen, zu ihm zum Tee zu kommen.
Kraft: Da kann er lange warten. Wegen 6000 Stimmen! Der soll zu MIR zum Tee kommen. Und WENN ich zu ihm Tee trinken gehe, dann nur auf Augenhöhe.
Berater: Natürlich.
Sekretärin: Entschuldigung, Frau Mehr-oder-Minder-Ministerpräsidentin, was soll ich denn jetzt denen von der Linken sagen?
Kraft: Sie sollen sich erst mal einen anderen Parteivorsitzenden besorgen. Den Oskar mag ich nicht. Unmöglicher Kerl!
Berater: Entschuldigung, aber der Lafontaine ist schon von selbst zurückgetreten. Hat Krebs.
Kraft: Tatsächlich? Na gut. Aber sagen sie ihnen, ich spreche nur mit ihnen, wenn sie als erstes sagen, dass die DDR eine Diktatur war.
Berater: Haben sie schon gesagt.
Kraft: Aha. Nur “Diktatur” oder “ganz miese, menschenverachtende, unrechtmäßige Diktatur”?
Berater (blättert): Hmm…ich glaub´, nur Diktatur.
Kraft: Da haben wir´s! Und jetzt rufen Sie den Jürgen an und machen mit ihm einen Tee….Tee…Teetermin (sie erschaudert)
Berater: Ist ihnen nicht wohl?
Kraft(mühsam) : Mir gehts…glänzend…nach so einem….so einem…. glänzenden…Wahlsieg.
Berater: Und, äh, sie wollen wirklich einen Termin? Mit Jürgen Rüttgers? Jetzt schon?
Kraft: Einen Teetermin. Zum Tee. Aber auf Augenhöhe. Haben Sie die Augenhöhe von Jürgen Rüttgers ?
Berater (blättert): Ein Meter sechundsiebzig.
Kraft: Also, wir treffen uns auf EinMetersechundsiebzig zum Tee. (mühsam) zum Tee…Gleich morgen früh…früh.
Berater: Aber Frau Mehr-oder-Minder-Ministerpräsidentin, sollten wir die Koalitionsgespräche mit den Linken nicht wenigstens ein wenig hinauszögern, bevor sie sich mit Rüttgers treffen?
Kraft: Was? Nein…am meisten…hasse… ich…Lügen.
Berater: Lügen? Aber es geht ja um Strategie. Wenn wir uns jetzt gleich wieder auf die Große Koalition festlegen, heißt es am Ende noch bei der Basis: “Nur die allerdümmsten Kälber wählen sich ihre Metzger selber”.
Kraft (außer sich): Wie? Metzger? Warum….? Warum sagen sie das? Ahhh…
(sie windet sich ihr Gesicht verändert sich, die vertrauten Gesichtszüge von Hannelore Kraft verwandeln sich plötzlich in das Antlitz des hessischen SPD-Mitglieds Dagmar Metzger. Berater und Sekretärin schreien entsetzt auf)
Kraft (mit dem Gesicht von Metzger, herrisch): Mein Fläschen!Da in meiner Tasche! Rasch!Rasch!
(Die Sekretärin zieht mit zitternden Händen ein Fläschchen aus der Tasche. Auf dem Etikett steht “Vielsafttrank”. Metzger-Kraft stürzt es hastig hinunter. Ihre Gesichtszüge verwandeln sich zurück in die von Hannelore Kraft. Sie lächelt.)
Berater (bleich): Frau…Kraft? Geht es ihnen nicht gut? Ich meine…
Kraft: Ein vorübergehendes Unwohlsein….Aber jetzt kann ich vor Kraft kaum laufen! Hahaha! Guter Scherz!
(Berater und Sekretärin stimmen stockend in Krafts Gelächter ein)
Kraft
: Und jetzt: “Volle Kraft voraus” in die Koalitionsverhandlungen mit der Linken! Hahaha! (zur Sekretärin) In genau vier Stunden platzen Sie rein und sagen, ich hätte einen wichtigen Termin, verstanden?
Sekretärin (hauchend): Ja, Frau M-M-Mehr-oder-minder-Ministerpräsidentin.
(Berater und Kraft ab. Sekretärin läßt sich erschöpft in einen Bürostuhl sinken. Mächtiges Klopfen an der Tür.)
Sekretärin: Ja, bitte.
(Ein jovial wirkender Mann erscheint.)
Sekretärin: Wer sind sie denn?
Teufel: Ich bin der Teufel.
Sekretärin: Kommen Sie wegen der Frau Kraft?
Teufel: Sagen wir: Ich komme, um die deutsche Sozialdemokratie zu holen.
Sekretärin: Ach, deshalb. Ja, der Herr Tod war kürzlich auch schon da, dieserhalb. Ist aber wieder gegangen und hat sich für 2013einen neuen Termin  geben lassen. Ja, also die Frau Mehr-oder-minder-Ministerpräsidentin ist im Gespräch.
Teufel: Macht nichts. Ich warte gern. (er setzt sich)


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