Frankfurter Gemeine Zeitung

Gleiches Recht für Alle! Ein Kommentar zum Fall Polanski

Knast

-Kommen Sie rein Herr Polanski… dann können Sie rausgucken!

Man stelle sich einmal vor:

Max Mustermann hatte in den USA Sex mit einem 13jähigen Mädchen. Er hat die Tat gestanden behauptete aber, dass der Sex einvernehmlich geschehen sei, während sie angab, er habe ihr Alkohol eingeflößt und sie vergewaltigt.

Egal welche der beiden Versionen stimmt, hat Mustermann sich in jedem Fall des sexuellen Missbrauches eines Kindes schuldig gemacht.

Denn sowohl nach deutschem als auch nach amerikanischem Recht wird davon ausgegangen, dass ein Kind überhaupt keine Einwilligungsfähigkeit zu sexuellen Handlungen besitzt.

Nach dem Sprachgebrauch des Volksmundes kann man Mustermann damit als „Kinderschänder“ bezeichnen. Einen Beliebtheitswettbewerb könnte Mustermann mit diesem „Titel“ wohl nicht mehr gewinnen.

Mustermann war jedoch clever und entzog sich der Gefängnisstrafe in den USA durch Flucht nach Europa.

Etwa 30 Jahre später wollte er Urlaub in den schönen Schweizer Bergen machen. Dort wartete aber ein Auslieferungsersuchen der US-Staatsanwaltschaft. Mustermann wurde festgesetzt und in die USA ausgeliefert. Die „Bild“-Zeitung titelte „Späte Reue für Kinderschänder“ und man ging danach wieder zum Tagesgeschäft über.

Natürlich wäre kein Politiker oder Prominenter auf die Idee gekommen für Mustermann Stellung zu beziehen, schließlich ist Unterstützung für einen Kinderschänder nicht gerade gut für die Publicity.

Der Fall Max Mustermann ist natürlich rein fiktiv und die Realität sieht anders aus. Hier steht nämlich nicht ein Otto-Normalverbraucher vor der Auslieferung in die USA, sondern ein Mitglied der Kulturaristokratie, namentlich Oscar-Preisträger Roman Polanski.

Für diesen ergriffen Politiker, sowie Schauspieler und Regisseure auf dem Film-Festival in Cannes das Wort.

Eine Petition für die Freilassung Polanskis unterschrieben unter anderem Größen wie Woody Allen und Martin Scorcese, aber auch der deutsche Regisseur und Filmproduzent Fatih Akin.

Aber warum eigentlich? Warum sollte ein Roman Polanski von der Justiz anders behandelt werden als ein Max Mustermann? Weil er ein Mitglied der Kulturaristokratie ist?

Der französische Außenminister Bernard Kouchner brachte es mit einem erschreckenden Satz auf den Punkt:

„Wir haben seit langem versucht, unseren amerikanischen Kollegen klar zu machen, dass Roman Polanski für uns nicht irgendwer ist und dass wir bestürzt sind“

Im Umkehrschluss bedeutet dies: „Wenn Polanski nur irgendwer wäre, dann würde es uns einen feuchten Dreck interessieren.“

Das Demokratie- und Rechtsverständnis eines Bernard Kouchner scheint also offensichtlich noch aus der Zeit vor der französischen Revolution zu stammen.

Der Gedanke „liberté, égalité, fraternité“ ist, zumindest was die „égalité“ betrifft, bei ihm noch nicht angekommen.

Auch die Filmschaffenden, die die Petition unterschrieben haben, sind in meinen Augen tief gesunken und ich diagnostiziere ihnen hiermit antidemokratischen Ungeist im Endstadium und unerträglichen Snobismus!

In diesem Sinne kann man nur hoffen, dass die Schweiz dem Druck Frankreichs nicht nachgibt und Roman Polanski endlich an die USA ausliefert.

Dass Polanskis, inzwischen erwachsenes, Opfer ihm öffentlich vergeben hat, spielt indes keine Rolle für die Beurteilung des Falles, da es nicht Aufgabe der Justiz ist, die Rachebedürfnisse von Opfern eines Straftäters zu befriedigen, sondern unabhängige Entscheidungen zu treffen.

Der Skandal liegt nicht darin, dass Polanski nun verhaftet wurde. Der Skandal liegt vielmehr darin, dass ein öffentlich bekannter Kinderschänder, jahrzehntelang in den höchsten Kreisen der Kulturelite mitschwimmen konnte, ohne dass sich jemand daran gestört hätte.

Und wenn sich Polanski nun auf eine Absprache mit der Justiz beruft, die er seinerzeit angeblich getroffen habe ist dies ein Zeichen von unvergleichlicher Dreistigkeit eines Menschen, der für seine Tat bis heute nicht einen Funken Reue gezeigt hat.

Warum hat er denn die Angelegenheit nicht schon vor Jahren geklärt? Warum ist er geflüchtet?

Und wäre es überhaupt im Sinne von Recht und Gerechtigkeit akzeptabel, dass jemand der ein 13jähriges Mädchen missbraucht hat, einfach mit einem Deal mit der Justiz davonkommt?

Aber selbst wenn es sich nicht um eine so schwerwiegende Tat gehandelt hätte, sondern nur um eine Steuerhinterziehung:

Rechtsstaatlichkeit lebt von Rechtsgleichheit und Rechtssicherheit! Justizia muss blind sein!

Und deshalb muss Polanski seine Strafe absitzen.

Zu befürchten ist allerdings, dass er auch im Knast seinen Prominentenbonus ausspielen kann und eine Einzelzelle mit allerlei Vergünstigungen bekommt.

Scheinbar sind wir alle gleich, nur manche sind eben doch gleicher.


5 Kommentare zu “Gleiches Recht für Alle! Ein Kommentar zum Fall Polanski”

  1. JT

    Schön geschrieben und auch 100% richtig, aber eigentlich nix neues.
    So isses so war es so wird es immer sein….

    Oh mann zieht das runter ;-)

  2. takeawalk

    ich hab jetzt keine zeit nachzurecherchieren, um das folgende zu belegen: aber polanski floh auch deswegen aus den USA, weil sein damaliger richter komplett grenzwertig war, eben *weil* polanski “nicht irgendwer” war.

  3. Yunus

    Naja, das mit der Blindheit der Justizia ist auf diesen Fall gemünzt tatsächlich ein treffendes Argument. Diese Bedeutung trifft allerdings erst seit ungefähr dem 16. Jhd. zu.
    Vorher hat die liebe Dame sehenden Auges gerichtet. Ein Gerichtsprozess beruft sich ja ganz gerne auf “Ansichten” (neben der Rechtlichkeit). Egal was für gute Freunde er hat: wenn er schuldig ist: gesiebte Luft! Kinderschänder haben es im Knast nicht leicht…

    Auf Gerechtigkeit gemünzt, trifft eine blinde Justitia aber auch gern mal die Waage, deren Ausschlag sie ohnehin nicht mehr sieht.
    Eben wegen der Differenzierung von Recht zwischen ungleich gestellten, ist dies ein Schauprozess! Er ist für die Sehenden gedacht, als Beweis für die Stärke, die das Recht trotz aller Willkür hat (Liberté, égalité und fraternité stehen sich ja ganz gern mal gegenseitig im Weg…)
    Vielleicht wäre eine passende Darstellung einer modernen Iustitia eine Frau, die wie beim Topfschlagen unter der Augenbinde hervorlinst, um -die Waage am Gurt- nach dem nächstgrößten Ziel zu stochern. Das ist Balsam auf die gesalzenen Wunden des Pöbels.

  4. abadon

    ja genau….lasst uns schauprozesse fuehren und die maechtigen und reichen in oeffentlichen lokalitaeten(koloseum?) richten und vernichten auf das der poebel zufrieden gestellt sei.

  5. LarryZek

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