Frankfurter Gemeine Zeitung

Aktuell: Protest gegen Privatisierung der Frankfurter Brücken am 1. Juli

Achtung: Aktuell!

Bernhards Weblog weist auf  eine Demo am 1.7. hin zum Thema Brücken- PP (vgl. unseren Artikel unten “Like a bridge over troubled water” von Julia Fortkamp).   

“Die grundsatzentscheidende Stadtverordnetenversammlung findet am Donnerstag, 1. Juli 2010, 16:00 Uhr statt.

Das Bündnis gegen Privatisierung (koordiniert durch Attac Frankfurt) und die DIE LINKE. Frankfurt am Main (Mitglied im Bündnis…) protestieren ab 15:20 Uhr vor dem Römer (Frankfurt am Main, U5-Haltestelle Römer) für ca. eine Stunde. Je mehr wir sind, desto besser. Wenn Ihr in der Nähe Frankfurts oder in Frankfurt wohnt: Macht bitte mit.

Wer zur öffentlichen Stadtverordnetenversammlung (Römer, Frankfurt) meint gehen zu müssen, braucht eine Einlaßkarte. Diese ist kostenlos, aber muß vorher telefonisch bestellt werden und kann meines Wissens direkt vor der Veranstaltung im Römer dort ausgehändigt werden. Die Bestell-Telefonnummer ist 069-212-36893.”


Frankfurter Sommerwerft 2010 – Feuerschlucker am Fluss

 

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Noch bis zum 3. Juli ist alles anders im Frankfurter Osthafen, denn dort residiert die von “Protagon e.V.” initiierte  “Sommerwerft“. Das spektakuläre Theater- Festival am Mainufer findet dieses Jahr zum neunten Mal auf dem Gelände der “Weseler Werft” statt. Zeitgleich feiert die Frankfurter  ”Antagon TheaterAktion” zwanzigjähriges Bestehen. Das Festival erlebt seit Jahren stetig wachsende Aufmerksamkeit und Zuspruch, auch beim Gros der Anwohner trotz mancher Querelen. Schon von weitem hat sich die ansonsten recht spartanische Weseler Werft völlig verwandelt. Im Schatten des Verladekrans zwischen  Main und einer  aufragenden Wohnhausfassade stehen Bierbänke, dekorierte Container, Wohnwagen, Arbeitsmaschinen, Karren und Kullissen. Dazwischen prangt ein rundes Zelt. Es gibt fließend Wasser, eine Vielzahl an Getränken, wohlriechende Speisen und für ein Festival untypisch saubere Toiletten. Schauspieler und Helfer warten, angespannt oder routiniert gleichmütig, auf ihren Einsatz. Denn die Vorführung hat noch nicht begonnen, noch steht die Sonne zu hoch. Aber nicht alles ist Theater, was hier geboten wird. Musiker, Pantomimen, Slam-Poeten, Kino und die ebenso absurde, wie anwohnerfreundliche Silent Disco (mit Kopfhörern) wechseln sich ab. Sonntags ist “Flowmarkt”, ein “Flohmarkt mit Groove”, wie die Antagonier sagen. Wem das zu viel  Flow ist, der lässt sich mit einem Cocktail in einen der Liegestühle im Strandkasten nieder, den lieben Gott einen guten oder bösen Mann sein und sieht den Künstlern beim sportiven Warm-up zu.

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Dieses Jahr ist unter anderem die “MIR-Caravan” am Ufer des Flusses zu Gast, ein “wanderndes Dorf ” von elf europäischen Theatergruppen. Die Karawane führt von Namur bis Moskau über Brno -und Frankfurt am Main.

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Mit dabei Horacio Czertok, der Direktor des 1974 in Buenos Aires gegrüdeten “Teatro Nucleo“. Sein frei inszenierter  ”Orlando Furioso!” wurde in Kooperation mit der Antagon TheaterAKTion als Eröffnungsstück präsentiert. Im Vorfeld hatten wir Gelegenheit zu einem Gespräch (in Englisch) mit Czertok und dem Initiator des Antagon, Bernhard Bub. Bub schlägt einen großen historischen Bogen, um seine Art des Theaters zu beschreiben:  “We’re talking about the free theatre movement, which is actually our motivation: to bring this culture. This is a public culture which existed many many years before Frankfurt existed. It was this culture of dancing and talking or sculpturing or playing with the themes of life.[...] I think human being started thousands of years ago to create this culture. Especially here in Europe it became a very strong culture. And this is acually the basic idea and point of this Festival.”  Aber nicht jeder in der Frankfurter Stadtverwaltung teilt diese Begeisterung für die uralte Geschichte der Freien Theaterkultur, obwohl das   ”Amt für Wissenschaft und Kunst der Stadt Frankfurt” das Festival unterstützt. “Die lassen uns echt auflaufen!” kommentiert Bub den Skandal, dass die Zustimmung des Strassenverkehrsamtes erst einen Tag vor dem geplanten Startschuß kam. ”Das sind  Beamte, die dafür bezahlt werden, dass sie das Zusammenleben der Menschen ein bißchen regeln. Aber das macht halt Arbeit.”  Zudem gehen ein paar der Anwohner präventiv von zu erwartender Ruhestörung aus, was die Kommunikation zwischen der Stadt und den Trägern des Events erschwert. Ihnen hält Bub entgegen: “Dieses Festival herzustellen ist enorme Arbeit. Die Idee dahinter kommt von Frankfurtern, die hier in dieser Stadt noch eine andere Kultur realisieren wollen  außerhalb dieser aalglatten Club- und King Kamehameha- Geschichte. Das sind Menschen freier Theaterkultur!”

Menschen freier Theaterkultur

Menschen freier Theaterkultur

Damit sind nicht nur die Jongleure, Stelzenläufer und Feuerschlucker vom klassischen Straßentheater gemeint, wie Czertok klarstellt: “We make theatre for all kinds of spaces. It can be a street, it can be a Square or a factory [...] it depends.[...]Theatre means complexity, means characters, means a story which is told and at least means a special treatment of the spaces and the relationship between actors and spectators.[...]“.Dies sei eine alte Tradition. Czertok amüsiert sich darüber, wenn manche meinen, die freien Theater würden gegen das traditionelle Theater arbeiten:  “We are a real, traditional theatre, coming from a sort of circle between audience and spectators actors and stories that were told in this ‘commedia dell’ arte’. The italian tradition is coming from there.”  Aber nicht nur in Italien, auch in Frankfurt gibt es diese Form schon lange. Schon vor 20 Jahren sollte Czertok in einer Coproduktion mit dem Mousonturm den Don Quichotte als Mischung von Strassentheater und klassichen Elementen inszenieren.  Ziel des freien Theaters ist laut Czertok eine gemeinsame Sprache zu finden. Die übliche Vorstellung von Theater kette dieses an die jeweilige Literatur. Ihr Theater jedoch arbeite mit einer  poetischen Sprache, die auf der ganzen Welt verstanden wird. : “So these forms of theatre, that ‘Antagon’ practises -and we, ‘Teatro Nucleo’- this common idea is the search for a language, which is bypassing differences.[...]We use words, but in a poetical way, not like in prosa.”  So reagiert das Publikum auf ihre Vorführungen trotz aller Verschiedenheiten ähnlich, egal ob in Rumänien, Deutschland oder Kamerun.  Die Intensität der Verbindung zum  Publikum unterscheidet dieses Theater nicht nur von der Literatur,  sondern auch von anderen “nichtauthentischen” Medien. “It’s like a wave between the actors and the audience, an it is connecting emotion in a special way. You cannot do it in TV or a film.

Technisch unerfaßbar

Technisch unerfaßbar

[...] Theatre is happening in this moment and you cannot make it happening again. Even if you make a video, it is not functioning. [...] This is the basic thing of the culture, we are losing. And because we are losing it people are more and more sticked to medias and stuff. We are losing a very, very important part of our cultural identity” knüpft Bub  an. Die Inspiration durch “Teatro Nucleo” war für ihn vor zwanzig Jahren ausschlaggebend, ein ähnliches Projekt auf die Beine zu stellen.

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Derzeit residiert die “Antagon TheaterAKTion” im ehemals industriellen Stadtteil Fechenheim, ist jedoch häufig unterwegs- in Aktion eben. Die Spezialisten für “Herzkommunikation” und “Non-Verbal-Theatre” haben sich in fünfzehnjähriger Kleinarbeit mit den “Antagon Hallen” und dem umliegenden Gelände einen guten halben Hektar Raum geschaffen, in dem gewohnt, gelebt und gearbeitet werden kann. Diese Verbindung von Kunst und Leben macht  für einige der beteiligten Schauspieler sicher einen besonderen Reiz aus.  Auch hier bedeutet das aber:  die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und in der Gruppe Lösungen zu erarbeiten. Immer noch basiert die Unterstützung bei den meisten Unternehmungen auf der Hilfe interessierter Freiwilliger. Um so größer ist dafür die Freude, über die wachsende Beliebtheit der Aufführungen und der Sommerwerft.

Wen jetzt noch Zweifel plagen, ob der beeindruckenden Imaginationskraft, die Schaffensbedürfnis, künstlerische Vision und Durchhaltevermögen erzeugen, der mache sich sein eigenes Bild. Die Frankfurter Sommerwerft arbeitet und träumt noch bis zum Ende dieser Woche . Der Eintritt ist frei.

Weiterführende Informationen unter:

http://www.mircaravan2010.eu/IMG/pdf/Programm2010_sm.pdf


Like a Bridge over troubled water…

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…möchte sich Verkehrsdezernent Lutz Sikorski von den, na, Grünen, über den Main legen. Aber dazu braucht man starke finanzkräftige Partner. Private Partner natürlich. Denn Frankfurts Brücken gehts nicht gut und der Stadtkasse ebenfalls nicht. Warum also nicht mal die eine oder andere Brücke an Millionäre verleasen, die sie dann aus altruistischen Gründen renovieren? PPP-”Public Private Partnership”  nennt sich das. Was sich wie ein Stotterer anhört, stotterte meistens auch bei der Realisierung  und hat bei anderen Projekten schon etliche Kommunen halb bis ganz ruiniert, weil die Stadtverordneten keine Zeit fürs Kleingedruckte haben und auch schlechter rechnen können oder wollen als ihre privaten Partner. Diese Woche am ersten Juli ist es wieder so weit: Die Stadtverordneten von Grünen und CDU wollen eine positive Grundsatzentscheidung über die Sanierung von 170 Ingeneursbauwerken in Frankfurt als PPP-Projekt treffen. Vertragslaufzeit: 30 Jahre, was nach dem heutigen Stand der medizinischen Forschung etwa der Zeit entsprechen dürfte, die Sikorski noch vor sich hat. Natürlich gibts auch eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung, eine Auftragsarbeit von Alfen-Consult. Die kam zum Ergebnis, das Ganze sei doch total wirtschaftlich. Allerdings hat der Ortsbeirat 2 -mit Stimmen der Grünen- den Wirtschaftlichkeitsbericht wegen seiner Mängel an den Ersteller “mit Auflage der Überarbeitung zurückgewiesen”. Das wird die Römer-Grünen aber nicht davon abhalten, für das PPP-Projekt zu stimmen. Es sei denn: Man bringt das Wasser unter Frankfurts Brücken zum Brodeln. Wie das gehen kann, ist nachzulesen auf Bernhards Weblog und bei Attac-Frankfurt, wo es auch nähere Infos zu diesem und anderen PPP-Projekten in Frankfurt gibt.


Blind Dates Frankfurt 28.6. – 2. Juli

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Am Montag, den 28. 6. findet das nächste Treffen der Initiative “Ratschlag Campus Bockenheim” statt, und zwar 18.30 Uhr, im “K2″, Studierendenhaus / Campus Bockenheim. Besprochen wird u.a. dieVorbereitung der Benefiz- und Infoveranstaltung am “Tag des offenen Denkmals”, dem 12. September. Die Forderungen der Bockenheimer Bürgerinitiativen nach dem Umzug der Hochschule für Musik und darstellende Kunst an die Bockenheimer Warte scheinen ja mittlerweile auch in der hessischen Landesregierung angekommen zu sein.Darüberhinaus tritt die Initiative für den Bau von bezahlbaren Wohnungen ein und wendet sich gegen den geplanten  Teilabriss von denkmalgeschützten, historisch bedeutenden Gebäuden wie dem Studierendenhaus und dem Philosophicum. Stattdessen schlägt sie eine Umnutzung  vor. Die beiden Gebäude sollen am “Tag des offenen Denkmals”, dem 12. September 2010 durch Vorträge, Ausstellungen, Führungen präsentiert werden.

Und noch was an der alten Uni: Am Mittwoch, den 30.6. veranstaltet die GEW StudierendenGruppe um 19 Uhr eine Diskussionsveranstaltung zum Thema Kriegsforschung an der Uni Frankfurt und anderen Hochschulen und Schulen. Es informieren Dr. phil. Peer Heinelt (Politologe, Publizist) , Dr.-Ing. Dietrich Schulze (ehem. Betriebsratsvorsitzender Forschungszentrum Karlsruhe)  , Karola Stötzel (stellv. Landesvorsitzende GEW Hessen).  Wo?: Café KoZ, Studierendenhaus, Campus Bockenheim, Mertonstraße 26.  “Die Goethe-Universität Frankfurt führt wehr- und sicherheitstechnische Forschungen durch”, berichtet die Hessische Landesregierung. Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt wird an mehr als zwei Dutzend deutschen Hochschulen Forschung für den Krieg betrieben. Gleichzeitig hält das deutsche Militär Einzug in die Klassenzimmer und Schulhöfe.  Das Institut für Nachrichtentechnik an der Uni Karlsruhe erforscht die Heereskommunikation für den Interventionskrieg von morgen. An der Uni Stuttgart werden Diplomarbeiten zur Stabilisierung von Geschoss-Projektilen beworben. An der Uni Gießen wurde vorsorglich schon mal das „Hörschaden-Risiko für Knalle, Explosionen und Dauerlärm“ untersucht – als wehrmedizinisches Projekt finanziert vom Verteidigungsministerium (BMVg). Im Celler Appell (Motto: „Wirtschaft und Politik an der Seite der Bundeswehr“) hatten Commerzbank und BMVg bereits 2008 erklärt, sie wollten „aktiv darauf hinwirken, dass der sicherheitspolitische Dialog auch in Forschung und Lehre, insbesondere an unseren Hochschulen, gestärkt wird, z.B. durch die Einrichtung von Stiftungsprofessuren und durch einen dauerhaften, praxisorientierten und wissenschaftlichen Austausch zwischen Wirtschaft und Bundeswehr.“ Ganz in diesem Sinne wurde im März 2010 an der Technischen Universität München ein „EADS-Stiftungslehrstuhl für Hubschraubertechnologie“ geschaffen – finanziert von der Firma Eurocopter, Tochter des Rüstungskonzerns EADS und einer der weltweit größten Hersteller für Militärhelikopter.Auch die Sozialwissenschaften forschen kräftig mit. In Oldenburg werden „die sozialen Auswirkungen von militärisch gestützten humanitären Interventionen“ untersucht. Dies führt aber- Gott beahre-  nicht zur Ablehnung militärischen Engagements, sondern zu Vorschlägen, um Krieg und Besatzung effektiver zu gestalten. Offizieller Name: “Arbeitsstelle Interventionskultur”.  An der Universität Potsdam wurde im Jahr 2007 ein kompletter Masterstudiengang Military Studies eingerichtet. Dort können bei Bundeswehr-Bediensteten „die Themenfelder Militär, Krieg und organisierte Gewalt“ studiert werden. Als wäre dies nicht genug, schließt die Bundeswehr weitgehende Kooperationsverträge mit den Kultusministerien  in Nordrhein-Westfalen, Saarland, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Als nächstes soll ein neuer Vertrag in Hessen folgen.

Am Freitag, den 2. Juli um 20 Uhr gibt es im ehemaligen Untersuchungsgefängnis Klapperfeld den Film “Empire St. Pauli-von Perlenketten und Platzverweisen” zu sehen.(Dokumentarfilm von Irene Bude und Olaf Sobczak, 2009, 85 Min). Der Film zeichnet die Folgen kapitalistisch zugerichteter Stadtentwicklung anhand von St. Pauli nach – und den Widerstand dagegen. Hamburgs berühmtester Stadtteil St. Pauli war lange auch der ärmste. Mittlerweile leben und arbeiten hier jedoch immer mehr Gut- und Bestverdienende. Die sozialen Gegensätze verschärfen sich. Der Film zeigt, dass St. Pauli nicht nur als Ausgeh- und Amüsierviertel, sondern vor allem als Wohn- und auch Wirtschaftsstandort attraktiv geworden ist. Altbauten verschwinden oder werden aufwändig saniert, das Mietniveau steigt rasant, Mietwohnungen werden in Eigentumswohnungen umgewandelt. Wer sich wehrt oder nicht mehr in das neue Bild passt wird des Ortes verwiesen – direkt oder indirekt. Insgesamt wurden für diesen Film über 50 Zeitzeugen  interviewt, die aus verschiedensten Perspektiven von den Gentrifizierungsprozessen in St. Pauli betroffen sind. Für die anschließende Diskussion sind die Filmemacher/innen angefragt. Veranstalter sind faitesvotrejeu

Soweit die nächsten Blind Dates. Grüße von  der äh, “Arbeitstelle Interventionskultur der FGZ”.


Die Trompeten von Jericho

Eigentlich war ich ja von Anfang an ein Gegner der nervigen WM-Plastiktröte, die unter dem klangvollen Namen Vuvuzela verkauft wird. Ich hielt sie für eine weitere degenerierte Ausgeburt des nationalistischen WM-Hypes, der hoffentlich möglichst bald vorüber sein möge. Inzwischen denke ich aber ernsthaft über die Anschaffung eines solchen Terrorinstrumentes nach. Zuerst kam mir dieser Gedanke [...]

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Die Tiara des Dagon

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Ich gebe es unumwunden zu:

Ich halte die katholische Kirche für eine der scheinheiligsten und verlogensten Organisationen der Welt und frage mich, wie ein aufgeklärter und erwachsener Mensch deren offenkundigen Lügen tatsächlich Glauben schenken kann. Schließlich widerspricht sich die katholische Kirche laufend selbst.

Beispielsweise haben „unfehlbare“ Päpste jahrhundertelang das Fegefeuer gepredigt, bis unser „unfehlbarer“ Benedikt beschlossen hat, es einfach abzuschaffen. Die gleichen „Unfehlbaren“ behaupteten übrigens auch, die Welt sei eine Scheibe, haben diesen Fehler aber in den 90er Jahren kleinlaut zugegeben, allerdings ohne dabei ihren Unfehlbarkeitsanspruch in Frage zu stellen. Welches Maß an orwellschem Doublethink muss wohl nötig sein, um das Offensichtliche zu ignorieren?

Über die Position zu Verhütung und Abtreibung, die antisemitischen Tendenzen, die kranke Sexualmoral, die abergläubischen Riten (z.B. Exorzismen), die Benachteiligung von Frauen, den Umgang mit den Missbrauchsfällen und die ganzen anderen Tonnen an Dreck, die diese inzwischen am Stecken hat, könnte man Bücher, dicker als das Telefonbuch von Tokio verfassen.

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Web-City

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Die Frankfurter Gemeine Zeitung möchte eine Zeitung anbieten, die lokal wie global genau hinschaut und aus dem lokalen Fokus heraus spannende globale Verbindungen zur Stadt zeigt. Gleiches gilt für Web und Stadt. Ein bekanntes Blatt in einer Stadt, die sich mit Frankfurt vergleichen lässt, ist die New York Times. Kürzlich veröffenlichte dort Virginia Hefferman ein Statement über morphologische Änlichkeiten zwischen Web und Stadt: “The Death oft the Open Web“.

Bemerkenswert an diesem Artikel ist die Gegenüberstellung der belebten Stadt und der getrennten Suburbs, die westliche Großstädte ab den 60er Jahren konfronierten mit einer gleichartigen Bewegung im Web. Während es bisher eher der Stadt glich – von schön drappierten Geschäften bis finsteren Ecken, Google bis Porno – kommt jetzt ein globaler Akteur daher, der die Wechselhaftigkeit und das Gequirle der Stadt ablösen will.

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Endspiel (3): Das Ende

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WM in Südafrika. 2 Fußballspieler auf der Reservebank. Clov, jünger, agiler, macht ab und zu Dehnungsübungen. Hamm ,älter, fast bewegungslos. Spiel- Geräusche.

Stadionsprecher aus dem Off : Noch eine Minute in der Verlängerung zu spielen. Es steht: 0 : 0.

Clov: Wovon träumst Du, Hamm?

Hamm Kopf immer noch im Nacken: Ich träumte von sechsbeinigen Stürmern.

Clov: Was würdest Du machen… wenn Du woanders wärst?

Hamm: Ich würde am liebsten zu Hause die Rolläden runterlassen, aus der Konservendose essen und mit einem Sack über dem Kopf Feldwege laufen.

Clov: Aber, denkst Du nicht: Wir müssen weiterleben und so? Und DU hast immer noch Grönland.

Hamm richtet sich auf: Grönland… Ja, sie sind durchweg unglaublich ehrgeizig, sie WOLLEN so gerne. Aber: Sie haben große Probleme mit der Technik. Und dann gibt es noch ein anderes Problem. Während des Trainings oder des Spiels sehen sie plötzlich einen Wal –und dann lassen sie den Ball Ball sein, dann stürmen sie zu den Booten und es geht raus aufs Meer, es geht dann nur noch um den Wal!

Clov: Fussball ist wie Musik, Hamm: Nicht nur Ding. Es gibt Ding Dang Dong. Es gibt nicht nur Ding. Ding Dang Dong ist Musik. Ding, Dang, Dong. Ding, Dang, Dong. Ding, Dang, Dong.

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Unsere Mitte verschwindet!

Ferighaus Mittelklasse

Da ist sie, die Hiobsbotschaft der Woche: den Deutschen kommt der Mittelstand abhanden! Mal wieder.

Schlimmer kann es nun nicht mehr kommen, was ist dagegen eine Banken-Krise. Und hier sind keine Stützungsmassnahmen in Sicht, keine Milliardenkredite, die diese Katastrophe auffangen. Was tun?

Da wird die „Jobmaschine“ beschworen, die „Systemrelevanz“ herausgestellt – und doch verschwindet sie einfach, sang- und klanglos.

Mit ernsten Mienen treten die Sprecher des DIW vor die laufenden Kameras und bestätigen unsere Befürchtungen: eine progressive Schrumpfung sei nun statistisch eindeutig. Zwar stelle jenes diffuse Gebilde noch den größten Block aller sozioökonomischer Gruppen, doch signifikant weniger seien sie schon geworden. Da geht der Blick furchtsam zum Bücherschrank und sucht den Band „Der Heimwerker“.

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Konferenz: Idee des Kommunismus – na sowas !?

“Idee des Kommunismus. Philosophie und Kunst“ ist mal wieder in Berlin, an der Volksbühne, vom 25. – 27. Juni. Im Moment geht durch den politischen Bücherwald (hauptsächlich den englischen) eine Welle von Überlegungen zu Alternativen von TINA, aber nicht die der “Warschauer Pakt”-Variante. Alain Badiou und Slavoi Zizek haben Bücher über “Kommunismus” angekündigt, von Erik [...]

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BP verschüttet Kaffee

Bekanntlich sprudelt das Erdöl nicht nur aus der dunklen Seele unserer Autorin faye valentin, sondern ebenso unaufhaltsam aus einem Bohrloch am Grund des Ozeans. Öl-Multi BP versucht vergeblich daran etwas zu ändern und den Schaden zu begrenzen. Vor allem für sich selbst. Wie BP das macht, zeigt dieses wunderbare satirische Video auf Youtube: “BP spills Coffee”.

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Polittreibgut 20.6.

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Brauchbare Munition gegen das Sparparket der Bundesregierung liefern die wie immer -trotz ihres betulichen Titels- sehr lesenswerten “Nachdenkseiten”. Als Service bieten sie darüber hinaus regelmäßig interessante Links zu aktuellen Politthemen, so zur angeblichen Facebookbegeisterung über die Gauckbewerbung. Laut Recherche des Politblogs “Spiegelfechter” stecken hinter der netzbewegung “von unten” verschiedene SPD-affine Kreise, sowie die Werbeagentur “Scholz and friends”, die auch schon die Arbeitgeberlobbyisten der “Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft” bewarb.

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Stand-By!

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Sie sprach:”Ich habe, im Gegensatz zu Dir, ein Faible für Innereien! Ich sterbe für Leber! hahahaha…” Ich dachte: gute Texte fliegen einfach so in der Luft herum. Man musss nur gaaaaanz genauuuuuu hin hören hören. Das Gewitter in meinem Kopf regnet nachts. Das Flugzeug vor meinem Fenster fliegt in einer Endlosschleife ewig rund um die Welt…huuiii!

Der Klumpen in meiner Brust fördert stetig das Erdöl aus meiner dunklen Seele. Ich polierte ein Glas, starrte dabei auf die Kreuzung und plötzlich wurde meine Nase rot und Tränen stiegen mir die Augen rauf. Eine peinliche Stille in mir selbst. Selten habe ich darüber nachgedacht, dass es Menschen mit Temperament und solche ohne gibt. Du bist verängstigt und ich bin verärgert; wir werden wohl keinen Schuh mehr daraus machen können…

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Lesarten – in Frankfurt und drüber hinaus

Die Stadt am Main trägt einigen Stolz über ihre intimen Bezüge zu Lesbarem herum, seien das ihre Zeitungen oder Bücher, Verlage oder Messen. Lesbares, vielleicht sogar die ganze Symbolwelt befindet sich aber seit Jahren im Umbruch, sei es durch neue Technologien oder durch Globalisierung, Lesegewohnheiten und Städtekonkurrenzen. Die letzten Wochen zeigten in Frankfurt bemerkenswerte Ereignisse rund um Symbolvertilgungen. Sie waren sehr unterschiedlich gestrickt und können – ergänzt durch etwas Stadtarchäologie vom Autor dieses Artikels – Momente über die Verbindung von Medien und Stadt aufzeigen, die über unsere Buchmesse hinausgehen. Gleichzeitig aber, und das ist das Erstaunliche, verweisen sie auch auf die vielen Dimensionen, in die sich einfache Mythen über Web und Print tatsächlich auffalten lassen.

Lesen - Bild App

Eine Stadt liest ein Buch“ war das eine Ereignis: die Lebensgeschichte eines versteckten Frankfurter Juden während der Nazizeit, wiederverlegt von einem Frankfurter Verleger, gelesen an Orten in Frankfurt. Die Idee stammt aus USA, ein globaler Impuls, örtliche Realisierung. Mehr noch: das Lesen geschieht direkt als sozialer Akt, mit einzelnen Vorlesern und einer Menge Zuhörer, an vielen Orten und mit begleitenden Veranstaltungen – fast immer kostenlos. Ein „analoges“ Ereignis auf Papiergrundlage.

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Vom Tode des Gentleman

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Stellen wir uns einmal vor:

Frau G. war Fallschirmjägerin und bekleidete inzwischen den Rang eines Oberfeldwebels. Sie war bereits auf mehreren Auslandseinsätzen und hat zuletzt in Afghanistan während eines Feuergefechtes mehrere Taliban getötet und zudem einen verwundeten Kameraden auf ihren Schultern unter Beschuss aus der Gefahrenzone geborgen.

Ihr langjähriger Lebensgefährte war der Hochschulprofessor W., der zwar körperlich von eher kümmerlicher Statur war, den sie aber als zuverlässigen, aufrichtigen Gefährten und geistreichen Gesprächspartner sehr schätzte.

Einmal wollte sie mit dem Professor W. schick essen gehen und zog sich ihr schönstes Abendkleid an. Da sie aber bald wieder zum Dienst musste und wenig Zeit hatte, beschloss sie ihre Uniformen auf dem Weg noch in die Reinigung zu bringen.

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Das Endspiel (2)

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Zwei Fußballspieler auf der Reservebank in Südafrika. Clov, jünger, agiler, macht ab und zu Dehnungsübungen. Hamm ,älter, fast bewegungslos. Spiel- Geräusche.

Clov: Viel hängt vom Training vorher ab. Unser Training war früher so geheim, dass wir manchmal selbst nicht zuschauen durften. Da benotete der Trainer jeden Spieler nach „holländischen Noten“.

Hamm: Was ist das?

Clov: Eine 1 ist die schlechteste Note und eine 10 die beste. Allerdings werden die 1 und die 2 nie vergeben. Eine 3 erhält z.B. ein Spieler, den der Trainer einwechselt und der sich so anstellt, das man ihn eigentlich sofort wieder rausnehmen muss. Eine 5 ist die Durchschnittsnote und eine 8 gibt es immer nur für den Trainer selbst. Die 9 und die 10 gibt es auch nicht- die sind für die Götter. So sind die Holländer.

Hamm: Die Holländer sind vorne vom Feinsten bestückt.

Clov: Apropos: Was sagt Deine Frau dazu, dass Du beim Endspiel auf der Reservebank sitzt?

Hamm: Ich hatte noch nie Ärger mit meiner Frau. Bis auf das eine Mal, als sie mit mir auf das Hochzeitsfoto wollte.

Clov: Ich finde es großartig, dass sich die Frauen immer mehr vermehren in der Bundesliga. Das blöde ist nur, Hamm: wenn ich in der Nacht vor einem Spiel Sex habe, verliere ich jegliches Gefühl in meinen Zehen. Aber ich denke, dass ich auch jemand bin, den man sehr gut anfassen kann. Es war ein wunderschöner Augenblick, als der Bundestrainer zu mir sagte: Komm Steffen, zieh Deine Sachen aus, jetzt geht’s los!

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Frankfurter Autofahrer – Impressionen (2)

Eines allerdings hat der FA allen Anderen voraus und das nutzt er intensiv; das Kennzeichen. Mit einem F und zwei weiteren Buchstaben lässt sich eine ganze Menge anfangen.

Die am weitesten verbreitete Variante ist das F.FM. Dies ist freilich ähnlich originell wie das B.MW, mit dem jeder zweite hauptstädtische BMW Fahrer seine Karosse kennzeichnet. Im Falle eines Totalschadens ist dann aber wenigstens noch das Fabrikat ablesbar.

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Auf dem Wohnungsmarkt

Ein neues Wesen bevölkert den deutschen Wohnungsmarkt; in ihm verkörpern sich die Anforderungen des postmodernen Mieters aufs Ideale: der Selbstzahler.

Zu entdecken war es zunächst vereinzelt und auch noch etwas verschämt in Annoncen von Maklern in Rhein-Main und versteckte sich ansonsten hinter der ungebremsten Absicherungswut von Vermietern.

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Ein Hoch auf die Esoterik!

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Die Religion mag Wunder bieten an die man glauben kann. Es gibt aber auch Wunder die kann man kaufen.

Sechs kleine Glasperlen beispielsweise für 7,95 EUR, zu kaufen im Tachyon-Shop. Dafür sind die dann auch garantiert positiver Tachyon-Energie aufgeladen. Dass noch nie ein Mensch ein Tachyon gesehen, gemessen oder auch nur in der Realität nachgewiesen hat, hindert den Betreiber des Shops offensichtlich nicht Gegenstände mit Tachyonen aufzuladen und diese dann im Netz feilzubieten.

Ein anderer Internetversand bietet kleine Glasröhrchen (handelsübliche Reagenzgläser) an, die angeblich positive Informationen an Trinkwasser übertragen können.

Der Inhalt dieser Röhrchen laut Erklärung des Händlers: Mineralwasser.

Da fragt man sich doch, warum Vittel und Volvic das Zeug in Literflaschen verkaufen.

Ein weiteres Produkt des Tachyon-Verkäufers hört auf den klangvollen Namen „Clinoptil S“. Es handelt sich dabei um ein Pulver aus Spuren (!) von Boswellia sacra (Weihrauch) und Silizium in „mikronisierter Qualität“ (also feingemahlenem Sand). Ein 250 ml Fläschchen von diesem „Zauberpulver“ kostet immmerhin 27,90 EUR plus Versandkosten.

Und scheinbar gibt es Personen, die das Zeug kaufen, obwohl man mit Sicherheit davon ausgehen kann, dass die enthaltenen Stoffe keine, wie auch immer geartete, Wirkung entfalten.

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Ich wär so gern wie Du

Wenn ich wie Du wäre… Dann könnte ich klar zwischen gut und böse unterscheiden Dann würde mir der Kaffee im Eckcafé besser schmecken als der Cappucino Grande bei Starbucks Dann würde ich lieber Biokartoffeln mit grüner Soße futtern, als die schwermetallbelasteten Shrimps aus der vietnamesischen Aquakultur Und käme mir dabei nicht einmal piefig und provinziell [...]

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Sommerloch

All diese tätowierte Haut, diese kurzen Röcke, diese gestreiften und karierten Hemden, am besten noch bedruckte T-Shirts.Es ist mal wieder Sommer und wenn ich mich umsehe, will ich nichts damit zu tun haben. Ein Mann läuft auf der Straße und rotzt aus einem Nasenloch auf den Boden, fasst sich an die Nase und läßt diese Hand dann in seiner Hosentasche verschwinden. Ein Porsche-Cabriolet fährt vorbei und beschallt die ganze Straße mit Kirmes-Techno-mäßiger ‘Musik’. Ich frage mich, in was für einer Welt ich lebe. Ich zucke mit den Schultern und zähle die Krähen in der Luft auf der Suche nach einem Punkt in dem Ganzen…Es könnte so schön sein.
Ein Himmel, rund über meinem Kopf. Eine Straße, flach und weit unter meinen Füßen. Die sanfte Verblödung, die mich ergreift nach dem Verzehr von einem Stück Fleisch. Und wieder Menschen, auf Rädern,

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Karnickel, Tauben und Raben

Zuerst ein Wort vorweg zum Verstehen:
Ich kann manche Dinge schon lang nicht mehr sehen.
So blättert immer öfter der Lack
In meinen Augen vom Parlamentarierpack.
Rundheraus: ich erspar Euch das Raten,
Ich hab wirklich nichts gegen Demokraten.
Ich stör mich nur ohne mich zu genieren
Daran, meine Meinung zu delegieren.
Ich spreche von denen, die uns erzählen,
Wir würden für uns selber wählen.
Sie lächeln, als würden sie was taugen,
Von Wahlplakaten, um uns auszusaugen.
Ein Meineid ist heut nicht mehr vermessen,

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Frankfurt Viewing

Frankfurt ist angespannt, aber nicht nur Frankfurt. Seit Tagen, Wochen berichten die Medien, Locations werden vorbereitet, in Cafes und Kneipen wird gebrieft, die Hausflure und Wohnungen kennen nur noch ein Thema. Nicht Rund um den Finanzplatz Frankfurt oder ein Spiel in der Commerzbank-Arena gehts, kein J. P. Morgan oder Song Contest ist gemeint, weder Merkel noch Lafontaine kommen, nein tiefer, viel tiefer ergreifts uns diesen Monat: die Weltmeisterschaft kommt, der Fußball, unsere Mannschaft. Deutschland kämpft in Südafrika, unter Führung des agil-öden Löw und seines Business-Plans for Germany; und wir alle, wir alle zusammen dürfen dabei sein, dicht und pausenlos.

Während ich das schreibe vibriert es schon um mich herum im Vorort, Tröten, Stimmbänder und Teleapparate werden getestet, man denkt an Zustände vor einer Revolte. Jeder baut seine eigene Werbefläche, am Körper, auf dem Auto, den Balkon hinunter oder die häusliche Fahnenstange hoch.

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Frankfurter Autofahrer – Impressionen (1)

Frankfurt ist eine kleine Stadt. Trotzdem gibt es hier viele Autos. Das verwundert nicht, ist vielmehr in anderen Städten genauso. Das innerstädtische Straßennetz besteht aus einem einzigen Einbahnstraßenlabyrinth. Ortsunkundige, die sich dort verirren, finden so schnell nicht wieder raus.

Der Frankfurter Autofahrer ist ein eigenwilliges Wesen, und unterscheidet sich daher in nichts von anderen Autofahrern anderswo. Auffallend allerdings ist die ausgeprägte Abneigung des FA (wir wollen uns im weiteren Verlauf dieser Betrachtung dieses Kürzels bedienen) den Blinker zu benutzen.

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Blind Dates Sonntag, 13.6.- Samstag, 19.6.

Sonntag, 13. Juni , 16 Uhr, Hochbunker an der Friedberger Anlage 5-6: „Erinnerung braucht Zukunft“ Am Beispiel Frankfurts setzen sich im neuesten Buch der Initiative 9. November e. V. zahlreiche Autoren mit der Frage auseinander, wie auch in einer Zeit ohne Zeitzeugen die Erinnerung an das alte Frankfurter Judentum und seine Vernichtung lebendig bleiben kann. Ein spannungsreicher Bogen unterschiedlichster Zeitzeugen schildert im zweiten Teil das Leben im jüdischen Ostend. Mit Volkhard Brandes, Hans-Peter Niebuhr, Ute Daub u.a.

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Das Endspiel (1)

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Zwei Fußballspieler auf der Reservebank in Südafrika. Clov, jünger, agiler, macht ab und zu Dehnungsübungen. Hamm ,älter, fast bewegungslos. Spiel- Geräusche.

Unsichtbarer Zuschauerchor: Jetzt geht´s looos, Jetzt geht´s loooos. Jetzt geht´s loooos.

Stadionsprecher aus dem Off: Da nun noch vierzig Minuten zu spielen sind, steht es schon 0: 0.

Clov: Hamm, meinst Du, er wechselt uns noch ein?

Hamm: Interessiert mich nicht.

Clov: Das meinst Du nicht ernst!

Hamm: Als ER mich gefragt hat, ob ich in die Nationalmannschaft komme, habe ich zu ihm gesagt: Ihr spielt doch immer Mittwochs? Da hab ich keine Zeit.

Clov : Aber jetzt bist Du sogar beim Endspiel dabei. Auf der Reservebank. Genau wie ich.

Hamm: Klar. Aber: Der FC-Tirol hat eine Obduktion auf mich. Und ich habe ein Angebot als Trainer in Grönland. Außerdem hab ich mir das hier teuer bezahlen lassen. ER kam an mit einem Drittel mehr. Ich sagte: „Ein Drittel? Neee, ich will mindestens ein Viertel mehr!“

Clov: Also ich bin Idealist. Wenn das Leben nicht so teuer wäre, würde ich alles umsonst machen. Mein Problem ist, dass ich sehr selbstkritisch bin. Auch mir selbst gegenüber.

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Winke, Winke Horst!- Ein Schimpfpamphlet

TinkyWinky

Der Bundespräsident Horst Köhler ist weg und das Geschacher um seinen Posten, pardon, die demokratische Willensbildung ist im vollen Gange.

Ist ja auch ein wichtiges Thema.

Schließlich ist das Amt des Bundespräsidenten als Staatsoberhaupt so unglaublich bedeutend. Wer sollte sonst die Hände von Wirtschaftsbossen schütteln und warme Worte an hungernde “afrikanische Blähbäuche” (Zitat: Stromberg) verteilen?

Ja wenn wir den Bundespräsidenten nicht hätten:

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Lebenslauf einer alternden Dame im Vorruhestand

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Als ich noch frisch geboren war,
da war ich nicht eines, nur viele.
Und diese eine wilde Schar
verfolgte alltägliche Ziele.

Meine Ahnen haben mich weit geführt,
Ich weiß nicht mal, wie alle heißen,
Doch waren sie von der Sonne gerührt,
und folgten ihrem Gleißen.“

Ich irrte lange durch die Brach,
auf der Suche nach einem Zuhause,
Bis ich dann schwach zu mir selber sprach
„Hier gönnst Du dir eine Pause.“

„An diesem stets friedlichen, schattigen Ort
will ich eine Hütte mir bauen.
Von diesem wunderschönen Hort
Ist es nicht weit in die Auen.“

Ich aß und trank und spielte mit mir
Und tollte mit Ebern herum.
Ich lauschte den Vögeln und frönte dem Hier
In den Wäldern und Sümpfen rundum

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Blind Dates 7.Juni-10. Juni

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Die Frankfurter politische Kehr-Woche startet am Montag, 7. Juni um 19 Uhr mit einer Veranstaltung, die den charmanten Titel “Einstürzende Kommunen? ” trägt. Es geht um “Ursachen und Auswege aus der Finanzkrise der Städte und Gemeinden “.

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Unsere Zeitungs-Provinz?

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(Foto: Frankfurter Rundschau)

Ein Abo für eine Tageszeitung ist nicht jedermans Sache, auch meine nicht. Manchmal lese ich sie aber trotzdem, wegen der Neugier und den Stimmungen in den Cafes. In Frankfurt sind wir ja gesegnet, gleich 3 buhlen um uns. Die FAZ ist die mit der neokonservativen Vorderseite und der kulturell ambitionierten Rückseite, die FR versucht sich als hippes Blättchen, das den linksliberalen Touch retten möchte und die FNP leistet Dienst für Frankfurter Rentner und das Weltwissen des Umlands. Alle klagen, “Zeitungsniedergang”, böses Web, Ende des Qualitätsjournalismus.

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Noi noi noi – verschdaaschd mi nedderd? Teil 1

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Ich habe es ja selbst so gewollt oder vielleicht mich auch wollen lassen, wie auch immer – ich sitze jetzt „ebbelwoi“ – vermissend im Schwabenland und wundere mich täglich.

Eigentlich dachte ich immer, dass die Sachsen aufgrund ihres Dialektes schlecht zu verstehen sind – doch weit gefehlt – es sind definitiv die Schwaben und das mit einer Ruhe und Gelassenheit, die einen hektischen Hessen auf Apfelweinentzug zum Wahnsinn treiben kann.

Dem ersten Irrglauben, dem ich erlegen war:

Geschwind kommt von Geschwindigkeit?

Lieber Leser – NEIN! Das beliebteste schwäbische Wort „geschwind“ oder in der Sparvariante „g’schwind“ hat definitiv nichts mit Geschwindigkeit zu tun. Das musste ich zu Beginn meiner Schwabenzeit zweifach erfahren und beim zweiten Mal sehr schmerzlich.

Beim ersten Mal sagte der Makler in der Wohnung: „So, dann gehen wir mal geschwind ins Wohnzimmer“. Noch vom Irrglauben geleitet, dieses Wort hätte etwas mit Geschwindigkeit zu tun, wartete ich. Und ich wartete und wartete und wartete. Es passierte nichts, rein gar nichts.

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One night in Lena

Lena

Hurra wir haben gewonnen! Wir sind Sieger, dank Lena! Wer könnte angesichts eines solchen Triumphes nicht in patriotische Verzückung geraten? Patriotl Overkill sozusagen!

Bereits eine Woche vor unserem Sieg beim Eurovision-Song-Contest, fragte der Stern in einem Interview mit dem verletzten Michael Ballack: „Sind wir Deutschen zum Siegen verdammt?“

Zwei verlorene Weltkriege müssten uns doch eigentlich das Gegenteil bewiesen haben. Dies will aber die Mehrheit meiner Landsleute scheinbar nicht wahrhaben. Wenn es einen Fluch gibt, der auf den Deutschen lastet, dann ist es nicht das Siegen, sondern das krampfhafte Siegenwollen.

So erstaunt es auch nicht, dass eine grenzdebile Veranstaltung wie der Eurovision-Song-Contest hierzulande so bierernst genommen wird, als ginge es um ein Rückspiel für Stalingrad. Der Volksempfänger wird jedenfalls in nächster Zeit auf „Satellite“-Empfang geschaltet sein.

Dass die Israelis es gewagt haben, unserer Bundes-Lena nicht die angemessene Punktzahl zukommen zu lassen, wurde in vielen Internetforen und auf Twitter zum Anlass für die irrsinnigsten antisemitischen Hasstiraden, so als ob Musik nicht Geschmackssache, sondern ein Politikum sei.

Wenn es so etwas wie eine „deutsche Volksseele“ gibt, dann gehört sie dringend auf die Couch eines verständnisvollen Psychologen oder sollte vielleicht wenigstens einmal bei Domian anrufen.

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