Frankfurter Gemeine Zeitung

Das Endspiel (1)

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Zwei Fußballspieler auf der Reservebank in Südafrika. Clov, jünger, agiler, macht ab und zu Dehnungsübungen. Hamm ,älter, fast bewegungslos. Spiel- Geräusche.

Unsichtbarer Zuschauerchor: Jetzt geht´s looos, Jetzt geht´s loooos. Jetzt geht´s loooos.

Stadionsprecher aus dem Off: Da nun noch vierzig Minuten zu spielen sind, steht es schon 0: 0.

Clov: Hamm, meinst Du, er wechselt uns noch ein?

Hamm: Interessiert mich nicht.

Clov: Das meinst Du nicht ernst!

Hamm: Als ER mich gefragt hat, ob ich in die Nationalmannschaft komme, habe ich zu ihm gesagt: Ihr spielt doch immer Mittwochs? Da hab ich keine Zeit.

Clov : Aber jetzt bist Du sogar beim Endspiel dabei. Auf der Reservebank. Genau wie ich.

Hamm: Klar. Aber: Der FC-Tirol hat eine Obduktion auf mich. Und ich habe ein Angebot als Trainer in Grönland. Außerdem hab ich mir das hier teuer bezahlen lassen. ER kam an mit einem Drittel mehr. Ich sagte: „Ein Drittel? Neee, ich will mindestens ein Viertel mehr!“

Clov: Also ich bin Idealist. Wenn das Leben nicht so teuer wäre, würde ich alles umsonst machen. Mein Problem ist, dass ich sehr selbstkritisch bin. Auch mir selbst gegenüber.

Hamm: Was die da können, Clov, (weist zu den Rängen ins Publikum), können wir auch.

Clov: Ja, aber: Ich denke, ich werde morgen 24! Und Du musst zugeben: was der Rudi Bommer damals mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.

Hamm : Seine Nasenlöcher sind zu klein. Ein Fußballspieler ohne große Nasenlöcher kann nichts werden. Sonst kriegt die Lunge nicht genug Luft.

Clov: Mir selbst gings oft so: ich wollte den Ball treffen, aber der Ball war nicht da. Früher hab ich ja mal für die Eintracht gespielt. Aber die war immer vom Pech begünstigt.

Hamm: War bei uns ganz anders. In den entscheidenden Momenten hat uns immer das Pech gefehlt.

Clov: Sind wir schon nach der Pause?

Hamm: Glaub schon.

Clov: Ich persönlich teile ein Fußballspiel in zwei Hälften ein. Das eine ist die erste Halbzeit. Das andere die zweite Halbzeit. Und speziell in der zweiten Halbzeit haben wir einen guten Tag erwischt.

Hamm: Aber je länger das Spiel dauert, desto weniger Zeit bleibt.

Clov: Für was?

Hamm: Für das Spiel.

Clov: Glaubst Du, wir verlieren?

Hamm: Mal verliert man, mal gewinnen die anderen.

Clov: Ich denke ja immer: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken mit Ende! Ich bin Optimist. (er zeigt sein Impfbuch vor) Da: Sogar meine Blutgruppe ist positiv. Ich habe früher auch die großen Philosophen gelesen. Doch dann habe ich gemerkt, dass die von meinem normalen Denken absolut abweichen. Jetzt lese ich nur noch Fußballfachbücher. Wir dürfen jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken. (holt ein überdimensionales, gerahmtes Papstbild hinter der Bank hervor) Offenbach hätte 3: 0 gewonnen, wenn ich nicht ein Papstbild in der Tasche gehabt hätte.

Hamm: Daran kann ich nicht glauben, Clov. Ich habe nie die Verzweiflung verloren oder mich aufgegeben. Und der Ball ….ist ein Sauhund!

Clov (lacht): In Bochum wurde früher so viel geholzt, dass der Ball eine Gefahrenzulage verlangt hat.

Hamm: Der Ball ist ein Sauhund! Auch in Bochum.

Clov: Aber die Stimmung HIER ist doch einmalig! Eine Weltmeisterschaft in Südafrika! Obwohl natürlich eigentlich gilt: Gerade zu Hause liegt unsere Heimstärke!

Hamm: Die Stimmung hier ist eigentlich wie vor dem Spiel. Mit dem kleinen Unterschied, dass wir aus dieser äußerst grossen Minimalchance, minimaler geht’s gar nicht mehr, eine etwas kleinere gemacht haben, die größer geworden ist.

Clov: Ich schau mal, wie es inzwischen steht. (nimmt das Fernglas, schaut nach links) Null null (nach rechts) null null (nach vorne) null null (nach hinten) null null.

Hamm: Gut. Ich habe schon bessere Spiele von meiner Mannschaft gesehen, doch die haben wir alle verloren. Alles zwischen 1: 0 und 2: 0 wäre ein gutes Ergebnis.

Clov. Wenn man ein 0:2 kassiert, ist ein 1: 1 nicht mehr möglich.

Hamm: Ja. Aber wenn wir alle schlagen, können wir es schaffen!


4 Kommentare zu “Das Endspiel (1)”

  1. Zaunkönig

    Sinn und Unsinn so schön durcheinander gemischt! Den Spruch “Mein Problem ist, dass ich sehr selbstkritisch bin, auch mir selbst gegenüber” hat mir mal der Andi Möller ins Ohr getschwitschert. Gab vielleicht Anstoß zum hübschen Dialog. Sätze, die sich selbst aufheben oder drollig verknäult sind. Eher zum Hören als zum Sehen gemacht.

  2. Bert Bresgen

    Well, es war nicht ein einzelner Satz, der als Initialzündung diente, aber m it Andi Möller könntest Du Recht haben.

  3. ClydeGoose

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