Frankfurter Gemeine Zeitung

Karnickel, Tauben und Raben

Karnickel auf Habacht

Zuerst ein Wort vorweg zum Verstehen:
Ich kann manche Dinge schon lang nicht mehr sehen.
So blättert immer öfter der Lack
In meinen Augen vom Parlamentarierpack.
Rundheraus: ich erspar Euch das Raten,
Ich hab wirklich nichts gegen Demokraten.
Ich stör mich nur ohne mich zu genieren
Daran, meine Meinung zu delegieren.
Ich spreche von denen, die uns erzählen,
Wir würden für uns selber wählen.
Sie lächeln, als würden sie was taugen,
Von Wahlplakaten, um uns auszusaugen.
Ein Meineid ist heut nicht mehr vermessen,
Moralische Erpressung ist angemessen.
Am besten man unterschreibt gar nichts mehr,
Sonst landet man noch in der Bundeswehr.

Sie reden und lügen: parlare, mentire
Schießen Fotos mit Kindern und retten die Tiere.
Versuchen uns in Normen zu zwingen.
Ihr kennt dieses Lied: ich muß es nicht singen.
Allerdings dachte ich letztens, beim Schlendern,
Einiges kann man noch sicherlich ändern.
Ich bin hier geboren und klein geblieben,
Doch irgendwas muß man schließlich lieben.
Lassen wir uns nicht zu einfach regieren,
Es gibt keinen Grund so ein Getriebe zu schmieren
Deshalb entwickel ich ab und an
Meinen persönlichen Masterplan.
Mag sein daß ich hier gleich Leute verdrieße,
Dreh ich doch in vielerlei Hinsicht gern Spieße.
Und darum sei heut abend mein Ziel,
Folgt einfach meinem Gedankenspiel.

Wenn ich so durch die Stadt flaniere,
Sehe ich viele verschiedene Tiere:
Menschen, Wildschweine, zum Glück keine Bären,
Doch ein Tier will ich besonders ehren.
Es tut mir auf ganz simple Art ‘nen Gefallen,
Bei dem sich vor Spaß mir die Fäuste ballen.
Es wühlt und gräbt und verspeist Gewürme,
Und all das tut es im Schatten der Türme.
Und grad in dieser Eigenschaft
Liegt seine besondere Kraft.
Ihr alle kennt ihre Kulleraugen,
Wer hätte gedacht, dass die uns was taugen.
Doch könnte man sie sorgsam dressieren,
Würde was magisches passieren.
Wir säh’n wieder Horizont in der Stadt,
Und außerdem wären wir alle satt.

Stellt Euch vor: Ein Dutzend Kaninen!
Alle bereit dem Guten zu dienen,
Versammelten sich im Untergrund
Vermehrten sich die Genitalien wund,
Begännen damit in großen Mengen,
Die gläsernen Riesen zu bedrängen,
Die Fundamente zu untergraben,
Und einige lockten schon die Raben,
Schwänzchenwippend ins Stadtgebiet,
Davon handelt dieses Lied.
Leise flöhen die Stadtameisen,
Und die Tauben begännen zu kreisen.
Dann gäb es ein fieses Knacken,
Und der erste Turm würd sich packen!
Und es flatterte nur ein Schlips.
Durch die Wolke aus Staub und Gips.

Dann käm’ die Börse, das Rathaus, die Straßen
Und Industrie verschwände in Massen!
Autobahnen, Brücken und Bäder,
Kämen alle unter die Räder.
Flughafen, Tankstellen, Malls und Alleen,
All das würde nicht mehr stehen.
Es blieben natürlich, das will ich noch sagen,
Grüngürtel, Parks und Wohnanlagen,
Die mehr als zwei Etagen haben,
Dafür die Tauben und die Raben.
Es würd ein Weilchen ziemlich stinken,
Es entschwänden wertlose Dinge, die blinken.
Ein Dammbruch würde dann geschaffen,
Der dem Fluß hilft den Restmüll hinweg zu raffen.
Der Fernsehturm wäre der letzte, der fällt.
So erführe es dann alle Welt.

Es verschwänden dann, recht elegant
Viele Gebäude aus Stadt und Land.
Es fiel’ in die übereichte Waage
Der Medien die “Kaninchenplage”
Viele Köpfe würden rollen,
Man würd rennomierte Berater holen,
Die aus Angst sich zu blamieren,
Anfingen langatmig zu lamentieren,
Ihre Glaubwürdigkeit verlören,
Und zwischen all den Hauptakteuren,
Gäbe es ein ein wirres Gezeter
Wer jetzt Schuld sei: und wann geht er?
Man suchte mit allerlei Kompromissen
Und einer Ladung schlechtem Gewissen
Gezielt das ganze herunter zu spielen,
Und würd nach Auslandshilfen schielen.

So wäre dann -dank Köttelkraft
Ein ganzes System hinweg gerafft.
Und wer sagt da fehlen die Realien,
Der richte seinen Blick nach Australien…


10 Kommentare zu “Karnickel, Tauben und Raben”

  1. gaukler

    Sehr schön !!

  2. Bert Bresgen

    “So wäre dann – dank Köttelkraft/ Ein ganzes System hinweggerafft.” Das hat WilhelmBuschsche-Schlüssigkeit, Meister Yunus! Um mal ein paar sch´s zu stapeln im Kaminfeuer der Dichtung. Höchst gefällig auch der Vers: “Es entschwänden wertlose Dinge, die blinken”
    Hingegen gibt der Titel Rätsel auf: wo sind Raben u. Tauben?

  3. Florian K.

    Kaninchen bringen die Bankentürme zu Fall!

    Das wäre so was wie 9-11 auf frankfurterisch! Am Ende müssten wir Australien den Krieg erklären, weil die Kaninchen dort zu Terroristen ausgebildet wurden.

  4. Yunus

    @ Bert: Zeilen 56 u. 60, dann wieder beim Aas und dem Tand (Z. 74-76). (; Sie stellen in diesem Szenario eher die Statisten, sind aber für ein seuchenfreies Weiterkommen und die Umverteilung von Reichtum unerlässlich. Der Arbeitstitel enthielt tatsächlich nur die Langohren, dann wollte ich jedoch die anderen beiden dominanten Spezies (Spezien, Speziae?!?) unseres Lebensraums auch noch drin haben. Für die Ratten habe ich leider keinen Platz mehr gefunden… *g*

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