Frankfurter Gemeine Zeitung

Auf dem Wohnungsmarkt

Ein neues Wesen bevölkert den deutschen Wohnungsmarkt; in ihm verkörpern sich die Anforderungen des postmodernen Mieters aufs Ideale: der Selbstzahler.

Zu entdecken war es zunächst vereinzelt und auch noch etwas verschämt in Annoncen von Maklern in Rhein-Main und versteckte sich ansonsten hinter der ungebremsten Absicherungswut von Vermietern.

Auf Nachfrage nach Wohnraum bei den großen Wohnungsbaugesellschaften taucht es schon häufiger auf, vor allem bei denjenigen, die aus den guten alten gemeinnützigen Einrichtungen und der Genossenschafts-Bewegung zu innovativen Lebensraum-Gestaltern mutiert sind.

Seine positive Charakterisierung will nicht eindeutig gelingen, kann aber in erster Näherung etwas unzulänglich damit beschrieben werden, dass sich hier folgendes ausdrücken soll: jenes Wesen bestreitet den geforderten Zins aus den Früchtchen seiner eigenen – aktiven – Leistungen, bis auf Weiteres. Man ahnt die rein praktischen Schwierigkeiten.

Als Abgrenzung dagegen ist es eindeutig.

Still und unheimlich hat es sich eingeschlichen – und ist liebevoll aufgenommen worden. Es identifiziert sich mittels Arbeitsvertrag oder aktueller Steuererklärung, verfügt über einen guten Leumund – Schufa – und garantiert schon darüber geringe Abnutzung der Mietsache, dass er meist infolge langer Arbeitstage außer Haus ist. Die Miete wird vom eigenen Konto überwiesen, in seltenen Fällen drückt er die Kohle – cash – seinem Vertragspartner gleich in die Hand. Es verkürzt das Auswahlverfahren und trägt wesentlich zu dessen Effizienz bei – Selbstzahler, welch Ausweis erfolgreichen Menschseins.

Seinem Konkurrenten fehlen diese Eigenschaften, da hilft es nicht, dass sein Angebot krisensicher ist, bewaffnet mit Übernahme-Garantie und Direktüberweisung belegt er den feinen Unterschied nur. Zudem passt er leider nicht in das menschliche Umfeld – und vermindert den Wert der Mietsache letztlich, denn er neigt zur Haufenbildung und dann geht es rapide bergab. Das erzeugt Ängste verständlicherweise und dies zuerst bei den Mitarbeitern der Anbieter.

Ich erreiche diesen Zustand bei jenen SachbearbeiterInnen mit einem kleinen Satz:

Das Job-Center übernimmt die von Ihnen geforderten Bedingungen – also Kaltmiete und Umlagen in vollem Umfang.“

Was als Beleg der Absicherung gedacht, erweist sich im Bruchteil einer Sekunde als schlagendes Argument gegen die Intention. Der Körperausdruck der Sachbearbeiterin signalisiert von da ab nur: ist eine Fluchtmöglichkeit offen, gepresster Atem verrät Stress, mühsam stieß sie hervor, da sei ich hier falsch, da müsste ich zum Amt für Wohnungswesen, sie hätten doch diesen Anteil ordnungsgemäß gemeldet, da könnte sie auch nichts machen. Sie hatte offensichtlich einen schweren Angriff meiner Sorte vor sich. Da ich konsequent ruhig weiterfragte, kehrte Angriffslust zurück: „Sie werden uns ja zugestehen, dass wir unsere Vertragspartner frei wählen.“ Gut gemacht. Kurz mit dem bürgerlichen Gesetzbuch zugeschlagen.

Von der Innenstadt nach Rödelheim, zur Trutzburg der >>Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft Hessen<<, hundert Prozent Tochter der Landesbank Hessen-Thüringen. Weniger Furcht zum Ausgleich mehr Arroganz. Auch hier: fehl am Platze und dann die Offenbarung: „Das Gemeinnützig führen wir nur noch im Namen.“ Die Liste kann fortgesetzt werden und die Ausnahme bestätigt den Trend.

Es ist folgerichtig – schon zur Sicherheit der eigenen Mitarbeiter – den direkten Kontakt auf das absolute Minimum zu beschränken, dem web sei es gedankt. Keine Animositäten mehr, Sachentscheidungen auf gesicherter Eckdatenbasis, Ausschluss von Öffentlichkeit. Ich sehe diesen MitarbeiterInnen an, wie sich die Vorstellung, >>so einem im Treppenhaus begegnen zu müssen<< Unbehagen bereitet und das kann sie sich für die Selbstzahler auch vorstellen und die muss sie schützen. Und das zeigt eben ihre Körpersprache. Und ganz hinten im Köpfchen sitzt die Interpretation meiner Existenz als Möglichkeit der eigenen Zukunft. Und das will keiner.

Die Vorstellung, die allseits zu bemerkende Privatisierung und Anonymisierung mache dies möglich, trifft nicht den Kern, denn der direkte Kontakt löst viel stärkere Erschütterungen aus. Macht die soziale Figur schon ausreichend Angst, so ist sie in Fleisch und Blut auch direkt bedrohlich, das Fremde im eigenen Zimmer.

Es wird dem ‚Nicht-Selbstzahler’ schon zugestanden – so prinzipiell – dass er wohnen muss, doch nicht Tür an Tür.

Wird andernorts die >>Gated Community<< mit Wohlstand assoziiert, so kann ich mir dies hier gerade für das andere Ende der sozialen Einteilung vorstellen. Wenn sich andernorts die Reichen mit Zäunen umgeben, sich selbst also wegschließen, so machen wir dies bei uns umgekehrt, wem gehört denn die Stadt, doch wohl denen, die sei sich leisten wollen.

Denn schließlich wollen wir doch die Vertragsfreiheit der Anbieter nicht antasten und beim Cappuccino auch nicht belästigt werden.



7 Kommentare zu “Auf dem Wohnungsmarkt”

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