Frankfurter Gemeine Zeitung

Web-City

webtrendmap

Die Frankfurter Gemeine Zeitung möchte eine Zeitung anbieten, die lokal wie global genau hinschaut und aus dem lokalen Fokus heraus spannende globale Verbindungen zur Stadt zeigt. Gleiches gilt für Web und Stadt. Ein bekanntes Blatt in einer Stadt, die sich mit Frankfurt vergleichen lässt, ist die New York Times. Kürzlich veröffenlichte dort Virginia Hefferman ein Statement über morphologische Ähnlichkeiten zwischen Web und Stadt: “The Death of the Open Web“.

Bemerkenswert an diesem Artikel ist der Vergleich von belebter Stadt und dazugehörigen Suburbs, die westliche Großstädte ab den 60er Jahren ausdünnten  mit einer gleichartigen Umstrukturierung zum sterilen Vorort im World Wide Web. Während das Web bisher eher der Stadt glich – ein metropolitanes Areal, versehen mit schön drappierten Geschäften wie finstere Ecken, von Google bis Porno – drängt sich dort jetzt ein globaler Akteur vor, der diese weltstädtische Wechselhaftigkeit und ihr Gequirle begradigen will. Gemeint ist Apple mit seinen Apps und Stores.

Dessen vemeintlich hippe Käufer sind laut Hefferman nichts als ein distinguierter Mittelstand, der sich vor der Unruhe fürchtet, nett designte Produkte erwerben möchte, in ruhiger abgschotteter Umgebung shoppen wie leben möchte. Eine Apple-Suburb mit Wachpersonal. Man könnte ergänzen: die vermeintlich besonders kreativen Apple-Nerds sind nach Hefferman damit Vorreiter der Ausmergelung des Webs. So wie die Stadtzentren verdörren, dupliziert der gleichförmige Speckgürtel seine Einfallslosigkeit ins Web. Wie  dort das Geld für die Häuschen draussen gebraucht wird, müssen wir hier an die Apple-Gatekeeper löhnen. Wer nicht kann, will, passt hat dort nichts verloren. Das Web wird eine Institution der Art Bezahlfernsehens des Mittelstands.

Die Diagnose hat einiges für sich, die Stadt-Web Metapher sollte aber noch etwas weiter getrieben werden, auch um spannende Differenzen sichtbar zu machen. Zumindest 3 wichtige Dimensionen solcher Relationen für Stadt und Web wären zu ergänzen: das betrifft die Art des Webs, die Art der Stadt, und die Art ihrer Verbindungen – aus der Perspekive von Bruchlinien, die sich bei ihnen auftun.

Die Art des Webs meint eine Idealisierung, die mit der belebten Stadt zum Ausdruck kommen soll, eine angebliche Vielfältigkeit in den Netzweiten. Das Web ist aktuell aber eher eine knallhart kommerzialisierte Stadt denn ein schillerndes Beisammensein. Die Shopping-Mall passt vermutlich besser, sei es mit Amazon, Ebay, Google, einigen Verlagen und Datenabietern für die Kundenseite, wenigen High-Techfirmen der Infrastruktur: wie eine Shopping-Mall. Natürlich gibt es auch dort versteckte Orte, an denen komische Dinge getauscht werden. Apple ist im Web-Enkaufszentrum  ein besonderer Store oder vielleicht eine parallelle Instanz wie das Wertheim Village.

Natürlich bietet eine reale Stadt viel mehr, das führt zur zweiten Dimension. Sie gliedert sich in Stadtteile mit eigensinnigen, manchmal widerspenstigen Bewohnern, die nicht in eine plan kommerzialisierte City oder Mall passen, zu denen man auch nicht wegen Einkaufs oder Sightseeing anreist. Besonders aber gibt es eine ganz andere, eine vieldimensionalere Wahrnehmung der Welt dort, die wechselnden Erfahrungen der Mitbewohner an ihrem gemeinsamen Ort. Man denke an das Verweilen bei einer Tasse Kaffee am Uhrtürmchen, mitten im Stom der Vorbeieilenden – manchmal ist jemand Bekanntes dabei, zuweilen dringen die Fetzen von Bemerkungen zu anderen Passanten herüber, begleitet von Gesten oder Grimassen.

Ein kleiner Eindruck dieser reicheren Erfahrungswelt lässt sich vielleicht sogar hier hervorrufen, wenn ich an den großen Film “Mood of Love” erinnere, der Dichte und Zufall der Beziehungen in der Stadt großartig illustriert. Am besten durch das Schreiten der Hauptdarstellerin entlang der Treppen der Altstadt, den Blicken auf die Grazie ihrer Bewegung. Kein Web kann diese Synästhesie duplizieren.

Zum Dritten lässt sich die eindimensionale Art der Verbindung zwischen Web und Stadt, das Schema des Duplikats bei Hefferman hinterfragen: Ambivalenzen und Konflikte aus Metropolen könnten nämlich ins Web kommen, Potentiale, Wissen und soziale Relationen des Webs könnten aus ihm heraus in Neubeschreibungen der Stadt einfließen. Das Schema von Austausch muß nicht nur für einige wenige Bedingungen gelten und muß nicht den ausgetretenen Pfaden folgen: es ist sicher mehr möglich als Vermessung ala Google, Verkauf ala Amazon oder Vermietung ala Apple. Gleiche Vorbehalte gelten für die Stadt: ihre Überwachung, Shopping Malls und Distrikts.

Festzuhalten bleibt: sowohl das Gequirle im Web und der Stadt wie die möglichen Anregungen für ihre Verbindungen werden sowohl durch das Apple-Business wie durch das Shoptainment stranguliert. Es bleibt die Suche nach Alternativen dazu.


3 Kommentare zu “Web-City”

  1. Esthernabo

    Ownsss bvjwyd canada online pharmacy cvs pharmacy

  2. Esthernab

    Xfriiq qfgefz canadian online pharmacy canadian online pharmacy

  3. Esthernab

    Okfxkp gvvsbg canadian online pharmacy cvs pharmacy

Einen Kommentar schreiben

Comment moderation is enabled. Your comment may take some time to appear.

 

Powered by WordPress • Theme by: BlogPimp/Appelt Mediendesign und tech-a • Beiträge (RSS) und Kommentare (RSS) • Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.