Frankfurter Gemeine Zeitung

Verteidiger der Freiheit

Kampfdrohne

Wir schreiben das Jahr 2050 und es herrscht Krieg mit deutscher Beteiligung. In einem kleinen Dorf in Rheinland-Pfalz, nicht weit von dem Truppenübungsplatz Baumholder sitzen zwei Drohnenpiloten der Bundeswehr vor ihren Bildschirmen.

Um sie herum stehen Lunchpakete, Zeitschriften und Kaffeetassen. An der Wand hängt ein FHM-Bikini-Kalender. Im Hintergrund spielt ein Radio die neueste Popmusik.

Viele tausend Kilometer entfernt fliegen ihre schwer bewaffneten unbemannten Killerdrohnen Patrouille über dem Kampfgebiet und kreisen gerade über einem Dorf aus Lehmhütten.

Drohnenlenker 1: *singt das Lied aus dem Radio mit* Oh ei niet juh… oh ei niet juh… soh Matsch… Bäbie… Bäbie… Bäiiiibähhhh…

Drohnenlenker 2: *gähnt* Mann wie langweilig…

Drohnenlenker 1: Yo nix los heute

Drohnenlenker 2: Ich hätte gerne eine von den amerikanischen Drohnen. Die haben ne bessere Kameraoptik… kann man den Molukken durchs Fenster beim Ficken zuschauen.

Drohnenlenker 1: Hähä! Wie geil ey!

Drohnenlenker 2: Ich hab aber auch mal so ein paar von den Kanaken in der Wüste rumbumsen sehen. Zwei Kerle! Die haben sich voll in den Arsch gefickt! Ohne Scheiß!

Drohnenlenker 1: Echt? Wie krass!

Drohnenlenker 2: Ich hätte denen am liebsten mal so ne Hellfire-Rakete in die Rosette geballert.

Drohnenlenker 1: Höhö! Scheiß Schwuchteln!

Drohnenlenker 2: Die Muselmänner sind doch eh alle schwul!

Drohnenlenker 1: Stimmt! Darum wickeln die auch ihre Frauen immer in Müllsäcke!

Drohnenlenker 2: Genau… Deshalb ist es auch so geil die abzuknallen.

Derweil kommen über eine holprige Piste zwei Geländewagen in das Dorf gefahren.

Drohnenlenker 1: Hey! Da unten passiert was.

Drohnenlenker 2: Yo zwei SUVs. Sie halten an.

Drohnenlenker 1: Vier Personen erkannt.

Drohnenlenker 2: Was hat der eine da? Waffe?

Drohnenlenker 1: Könnte auch ne Kamera sein. Oder ein zusammengerollter Teppich.

Drohnenlenker 2: Hier Geier 2 an Einsatzzentrale! Vier verdächtige Personen. Eventuell bewaffnet. Bei Lima-Tango 27571-1. Haben wir Feuererlaubnis?

Einsatzzentrale: Negativ. Beobachten sie weiter.

Drohnenlenker 1: Eine Person zielt mit einem verdächtigen Gegenstand auf uns. Erbitten Feuererlaubnis. Dringend. Ich wiederhole. Benötigen dringend Feuererlaubnis.

Einsatzzentrale: Feuererlaubnis erteilt. Feuern nach eigenem Ermessen.

Drohnenlenker 1: Hähähä.

Drohnenlenker 2: Jetzt wird’s lustig.

Drohnelenker 1: Bordkanone scharf.

Drohnenlenker 2: …scharf.

Die beiden Drohnen eröffnen das Feuer aus ihren großkalibrigen Maschinenkanonen. Dort wo eben noch die Leute und die Autos standen, sieht man auf dem Bildschirm nur eine riesige Staubwolke.

Drohnenlenker 1: Yeah!

Drohnenlenker 2: Rock ´n´ Roll!

Der Staub lichtet sich und auf dem Boden liegen nun mehrere Klumpen, die nur mit Mühe als menschliche Überreste zu erkennen sind.

Drohnenlenker 1: Haste gesehen?

Drohnenlenker 2: Was denn?

Drohnenlenker 1: Wie dem einen das Bein weggeflogen ist.

Drohnenlenker 2: Was? Geil! Zeig mal.

Die Kamera zoomt an einen unförmigen Klumpen heran, der etwa zehn Meter von den zerfetzten Körpern entfernt auf dem Boden liegt.

Drohnenlenker 2: Stimmt. Das ist ein Bein.

Drohnenlenker 1: Hähä!

Eine Person kriecht auf allen Vieren aus einem der zerschossenen Autowracks.

Drohnenlenker 1: Noch so einer.

Drohnenlenker 2: Verdammte Schafficker!

Die Bordkanone einer Drohne feuert los. Wo eben noch der Verwundete kroch, befindet sich nun eine große Staubwolke.

Drohnenlenker 2: Hab ihn!

Drohnenlenker 1: Ich baller lieber auch noch mal, falls da noch was zuckt.

Drohnenlenker 2: Hähä!

Eine der Drohnen deckt noch einmal das gesamte Gebiet mit 20 Sekunden Dauerfeuer ein. Von ein paar der umliegenden Hütten spritzt auch Staub auf.

Drohnenlenker 1: So das müsste reichen.

Aus einer der Hütten kommt eine Person herausgerannt, die eine Burka trägt. Sie gestikuliert wild gen Himmel.

Drohnenlenker 1: Schau mal! Wir haben ne Kopftuchmutti aufgeschreckt.

Drohnenlenker 2: Ich hasse die schon, wenn die an der Kasse im Lidl vor mir stehen. Was macht die da?

Drohnenlenker 1: Die will uns angreifen! Aus der mach ich Schweinegulasch.

Eine der Drohnen feuert. Wo eben noch die Frau stand, wirbelt eine Staubwolke auf.

Drohnenlenker 1: Die Küche empfiehlt heute: Schleiereulenpastete auf Wüstensand!

Drohnenlenker 2: Muhahaha! Den muss ich mir merken! Doch noch ne geile Schicht heute, was?

Drohnenlenker 1: Du sagst es, Mann!

Drohnenlenker 2: Jetzt ist da unten Ruhe…

Drohnenlenker 1: Stimmt. Da rührt sich nix mehr.

Drohnenlenker 2: Schade.

Drohnenlenker 1: Ich hab ne geile Idee! Schau mal her.

Eine der Drohnen gibt mehrere Feuerstöße auf den Boden ab. Es wirbelt Staub auf. Als sich der Staub lichtet, ist auf dem Boden die Silhouette eines Wolfskopfes, gezeichnet aus Einschusslöchern, zu erkennen.

Drohnenlenker 2: Was ist das?

Drohnenlenker 1: Das Logo von meinem Online-Gaming-Clan. Die „Wolfs-Dragoner“.

Drohnenlenker 2: Hähä! Wie geil ey! Aber ich weiß was Besseres…

Die andere Drohne feuert auf den Boden und als sich der Staub lichtet, sieht man ein deutlich erkennbares Hakenkreuz aus Einschusslöchern.

Drohnenlenker 1: Boah geil!

Drohnenlenker 2: Hähähä!

Drohnenlenker 1: Das nenn ich mal deutsche Wertarbeit!

Drohnenlenker 2: Hehehehehe!

Einsatzzentrale: *aufgebracht* SEID IHR BESCHEUERT? WAS SOLL DER MIST MIT DEM HAKENKREUZ? WENN DAS DIE PRESSE MITKRIEGT DANN FLATTERT IHR ARSCH IM WIND!

Drohnenlenker 2: Sorry… da war ich wohl etwas übermütig. Aber ich wollte ja auch nicht…

Einsatzzentrale: DAS IST MIR SCHEISSEGAL!!! SORGEN SIE DAFÜR, DASS DER MIST DA VERWINDET!

Drohnenlenker 2: Ok… verstanden. Erbitte Erlaubnis zum Abschuss einer Luft-Boden-Rakete.

Einsatzzentrale: Erlaubnis erteilt.

Eine Drohne feuert eine Luft-Boden-Rakete zielsicher ins Zentrum des Hakenkreuzes. Es gibt eine Explosion. Einen Sekundenbruchteil später explodiert eine der umstehenden Lehmhütten in einem riesigen Feuerball.

Drohnenlenker 2: Häh? Haste das gesehen?

Drohnenlenker 1: Ja… was war das? Warum ist die Hütte da explodiert?

Drohnenlenker 2: Vielleicht ´ne Fehlfunktion mit der Rakete? Ich hab mal gehört, dass es zu so ´ner Fehlzündung kommen kann. Dann explodiert erstmal nur der Treibsatz und schleudert den Gefechtskopf irgendwo in die Pampa.

Drohnenlenker 1: Hmmm… davon hab ich noch nie gehört. Aber das Hakenkreuz ist weg.

Drohnenlenker 2: Vielleicht hat auch ein glühender Splitter von der Rakete eine Propangasflasche in dem Haus beschädigt.

Drohnenlenker 1: Möglich… aber was es auch immer war, jetzt ist es kaputt.

Drohnenlenker 2: Genau… Scheiß drauf! Aber was machste heute Abend nach Dienstschluss?

Drohnenlenker 1: Ich wollte mit meiner Freundin essen gehen.

Drohnenlenker 2: Wo?

Drohnenlenker 1: Bei mir in der Nähe gibt’s nen tollen Italiener. Hat so ein superleckeres selbstgemachtes Pesto.

Drohnenlenker 2: Dann grüß mir Dein Schatzi mal ganz lieb.

Drohnenlenker 1: Mach ich.

Drohnenlenker 2: Ich glaub wir sind hier fertig.

Drohnenlenker 1: Yo… denke auch. Ist es okay wenn ich mal auf Autopilot schalte und mich schonmal bequem anziehe?

Drohnenlenker 2: Klar! Ich schau auf Deinen Bildschirm falls noch was ist.

Drohnenlenker 1: Danke Mann! Dafür haste einen bei mir gut.

Drohnenlenker 2: Ach ist doch selbstverständlich unter Freunden.

Die beiden Drohnen ziehen ab. Nach ein paar Minuten trauen sich die Menschen im Dorf aus den Hütten um ihre Toten zu betrauern.


die rückkehr der ästheten

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Foto: Martin Ulrich Kehrer- Stadtalphabet.at
die erste spielzeit der neuen intendanz am schauspielfrankfurt, das jetzt Schauspiel Frankfurt heißt, ist vorbei. zeit also, um, wie man das so macht, bilanz zu ziehen. diese bilanz fällt an anderen orten als an diesem meist sehr positiv bis euphorisch aus und konzentriert sich dabei vor allem auf die großen namen, die oliver reese ans haus geholt hat und die gestiegenen zuschauerzahlen.
wie wahr, es wurde ein publikum zurückgewonnen.
der wahre ästhet ist zurückgekehrt aus dem exil. es waren dunkle jahre, als er immer nach wiesbaden fahren musste, um ein wenig kultur geboten zu bekommen. jetzt ist er wieder da, der edle kenner. der freund der ledersessel und des gediegenen clubbings. das frankfurter schauspiel ist wieder chic genug für die chefetage.
edel soll es sein, schön und gut. das ambiente soll stimmen, die atmo. die revue der oberflächlichkeit beginnt. endlich wieder pelz und abendkleid. endlich weniger offensive regie, sondern der pure schauspieler, ein augen- und ohrenschmaus ohne störende irritationen. nicht zu laut und nicht zu bunt. so auch das publikum. gediegen. dezent und doch so unverkennbar ober-oberschicht.
so mancher feuilletonistenmensch beschreibt die vergangene intendanz von elisabeth schweeger als dunkle zeit, als zeit der entsagung vom wahren schönen und guten, als eine durststrecke, die man nun überwunden hat, um zum wahren zu kommen. so und ähnlich auch viele belauschte publikumsäußerungen vor und nach den vorstellungen. endlich. endlich gibt es hier wieder richtige schauspieler. und diese sitze erst! roter samt und schwarzes leder, mehr bedarfs nicht.
ich weiß ja nicht so genau, was die leute eigentlich haben. was war das schlimme, die harte prüfung, die frau schweeger uns auferlegt hat? vielleicht, dass es eine vielzahl von stilen gab, kein so festes profil, bei dem man immer wusste, was einen erwartete? oder dass versucht wurde, in den inszenierungen und auch darum herum aktuelle gesellschaftlich relevante themen zu diskutieren? dass dem herrn stadelmaier („man kann in frankfurt wieder ins theater gehen“) sein spiralblock weggenommen wurde? dass die panoramabar noch glas haus hieß? dass die stühle mit weniger edlen bezügen bezogen waren?
ich weiß es nicht. mich würde das wirklich mal interessieren. ich habe in den letzten drei spielzeiten von elisabeth schweeger alle inszenierungen gesehen. die waren sicher nicht alle gut, auf gar keinen fall. aber viele von ihnen waren herausfordernd und versuchten, fragen zu stellen an die zuschauer und an die gesellschaft. und es gab einen raum für experimente, die dann zwar manchmal mehr und manchmal weniger gelungen ausfielen – aber der raum war da, und wie sollen sich ohne einen solchen raum neue formen und abwegige gedanken entwickeln, ohne die jede form von kunst tot ist?
in einem interview für die ddp-nachrichtenagentur sagt der neue intendant, dass er nicht theorie, nicht diskurs, sondern sprache und schauspieler in den mittelpunkt stellen will. ich habe nun mehr als die hälfte der premieren in seiner ersten spielzeit gesehen und muss sagen: das ist ihm tatsächlich gelungen.
aber wie kann ich denn theater von diskursen trennen wollen? was ist denn eine theaterinszenierung sonst, als der beitrag zu bestimmten gesellschaftlichen diskursen?
theater ist eine kunst; aber nicht deckungsgleich mit der schauspielkunst. es gehört mehr dazu, als nur ein tolles ensemble. es muss eine vielfalt der formen geben. schauspielerzentrierter minimalismus ist sicher eine davon, aber nicht die einzige. denn theater kann und darf nicht nur schön sein. wenn es nur diesen anspruch hat, nur schön und unterhaltend und gefällig sein will, dann ist es tot, dann ist es keine kunstform mehr und hat keine größere gesellschaftliche relevanz als wetten dass. theater muss auch unbequem sein, muss infrage stellen, aufwühlen und auch mal frech sein. theater muss einen beitrag leisten zu den aktuellen gesellschaftlichen debatten. es muss zum nachdenken anregen!
aber das hat der herr reese nicht so gerne. und das publikum wohl auch nicht, wo es doch vor den diskursen ins exil geflohen ist und jetzt endlich zurückkehren kann. und das habe ich nicht erfunden, das haben auch feuilletonistinnen wie ruth fühner festgestellt:
„Sie sind wieder da. Die silbergrauen Herren mit dem Vorstandsetagenblick, die gradrückigen Damen aus den Villen im Vordertaunus. Lange hat man sie im Schauspiel Frankfurt nicht gesehen. Zu kantig, zu unruhig war der Stil, den die ehemalige Intendantin Elisabeth Schweeger verkörperte, zu herausfordernd ihr Versuch, der Bankenstadt den nervösen Puls zu fühlen. Aber das Schmuddelige und Brüchige, das manchmal verzweifelt Hilflose, dieses Geschrei, das auch dazugehörte – das ist jetzt erst mal weg.“
und experimente? das fragte sich wohl auch ein feuilletonist der offenbach post und sprach den neuen intendanten auf die schließung der schmidtstraße an. der herr reese sagt dazu: „Die Schmidtstraße gibt es zwar nicht mehr, dafür wieder verstärkt das Bockenheimer Depot. Es wird ein Ort speziell für neue Formate“. nun weiß man aber, dass da ein himmelweiter unterschied besteht zwischen dem sympathischen chaos der schmidtstraße und dem glatten prestige des bockenheimer depots, in dem auch die weltberühmte forsyth company und die oper frankfurt zuhause sind und die natürlich nur spielen wollen, wenn alles aufgeräumt ist. und wie sieht es mit den neuen formen im depot aus? als ein sehr erfreuliches ereignis ist die inszenierung remake::rosemarie zu nennen, eine performance für je nur einen zuschauer, der durch verschiedene räume mit verschiedenen schauspielern geleitet wird und so gleichzeitig durch das leben rosemarie nitribits. das war dann allerdings auch schon der vertreter des experimentellen in der ersten spielzeit. ansonsten wurde das bockenheimer depot durch die zwar wirklich gute, aber vom etablierten regiesseur andreas kriegenburg ohne viel brüche inszenierte komödie „der diener zweier herren“ und dem peinlich boulevard-tauglichen und mit noch weniger brüchen, dafür aber mit nochmehr klischees inszenierten musical „cabaret“. obwohl das mainstream-musical ja fairerweise doch auch als eine neue form bezeichnet werden müsste.
und im großen und kleinen haus, die jetzt irgendwie anders heißen, sieht es nicht wirklich anders aus: große namen und wenig brüche. vieles ist langweilig. aber natürlich gibt es einige ausnahmen, einige wirklich gute inszenierungen und auch einige große risse der glatten gefälligkeit, wie zum beispiel stephan kimmigs verstörende lulu-inszenierung.
es wird aber immer wieder klar, dass reeses theater eigentlich nicht verstören und herausfordern will. das sieht man auch sehr deutlich an seiner eigenen inszenierung „ritter, dene, voß“, für die er tatsächlich den roten vorhang herauskramt. ein kläglicher versuch, zu zeigen, dass das, was das theater mal war, noch nicht verloren ist.
modern will man dann aber doch auch sein, also gibt es clubbing in der neuen panoramabar in zusammenarbeit mit rennomierten clubs, die wohl irgendwie in sind. früher gab es philosophische gespräche im glas haus. man hat das gefühl, dass dieses theater sich nicht mehr über inhalte definieren will, sondern über eine bestimmte außenwirkung: edel, gediegen, chic. und wie gesagt: in zimmerlautstärke und auch nicht zu bunt.
es gibt auch buttons mit der aufschrift „panorama bar“. ich finde es irgendwie problematisch, wenn ein theater sich über seine bar und sein clubprogramm definiert. nicht mal ein spielzeitmotto gibt es, das einen kleinen hinweis darauf geben könnte, dass hier versucht wird, sich mit gerade relevanten themen auseinanderzusetzen. dabei will reese doch ein „Stadttheater als Theater für die Stadt“, wie er der ddp-nachrichtenagentur sagt. was aber ist mit den menschen in der stadt, die nicht nur wegen schauspielern oder zu repräsentationszwecken ins theater kommen? warum sind es jetzt plötzlich die schickimicki-menschen, die kommen und das junge publikum, das wegbleibt? sollte es nicht das ziel sein, ein theater für alle zu machen und möglichst menschen aus allen gesellschaftlichen schichten zu integrieren? und die, denen es sowieso gut geht und die sowieso schon gebildet sind, herauszufordern und zum nachdenken zu bringen? tja, stattdessen gibt es jetzt nur noch ermäßigte karten z.b. für studenten, wenn das stück noch nicht so gut verkauft ist. sind nur noch wenige karten da, werden die an vollpreiszahler vergeben. für die mit weniger geld also nur das, was übrig bleibt. eine merkwürdige philosophie für einen ort der kunst und reflektion, der von schiller mal als der demokratische ort bezeichnet wurde, in dem sich die gesellschaftsschichten treffen und alle zusammen erfahren, was es heißt, ein mensch zu sein.

so hofft denn nun das kritische publikum, dass es in zukunft weniger gefälligkeit gibt in diesem theater und mehr nachdenken darüber, was es bedeutet, hier und heute in dieser verstörenden und komplexen welt ein mensch zu sein, sodass es nicht ins exil gehen muss.


Job-Flop

computerarbeitsplatz
Die engagierte Bewerberin für einen Ausbildungsplatz als Mediendesignerin (ich) informiert sich am Vorabend ihres Vorstellunsgespräches / Probearbeitstages bei Google Maps über den genauen Standort des anvisierten Unternehmens, stellt fest, dass dieser nur 15 Gehminuten entfernt liegt und geht beruhigt ins Bett … um am nächsten Morgen festzustellen, dass Google Maps noch lang nicht so zuverlässig ist, wie man meinen könnte. Anstelle der 15 Minuten benötige ich eine geschlagene dreiviertel Stunde, da die Hausnummernanzeige offensichtlich noch im Beta-Stadium und die Distanz zwischen Nr. 1 und Nr. 439 beträchtlich ist. Und so haste ich, so schnell es meine hochhackigen Schuhe zulassen, die Hauptstraße entlang, unter der Autobahn hindurch, an sämtlichen Autohäusern der Stadt vorbei bis zur Werbeagentur, wo ich eine halbe Stunde zu spät in Empfang genommen werde.
Das Google Maps Problem ist dort offensichtlich hinreichend bekannt und so ernte ich wissende Blicke und zwei Gläser Wasser zur Wiederherstellung. Man führt mich in ein Büro, wo ich einen Fragebogen ausfülle, der durch meine Bewerbungsunterlagen bereits ausführlich beantwortet ist. Danach warte ich 15 Minuten, verschnaufe und genieße die Sonne bis mein Blick auf die ausliegenden Flyer fällt. Erotikwerbung wohin das Auge schaut… Jetzt fallen mir auch die Toys neben dem Empfangstresen auf und ich bedauere schlagartig mich nicht näher mit der Agentur auseinander gesetzt zu haben. Nachdem ich mich (ernsthaft und gut informiert) bei zwei anderen Firmen beworben hatte, hatte ich die nun einmal zusammengestellten Unterlagen fast blind an zwei weitere Unternehmen versandt, um die Chancen auf einen Ausbildungsplatz zu steigern… Nun ja – frau ist ja nicht so. Schließlich leben wir in einer offenen Zeit, warum also nicht in einer auf Erotik spezialisierten Werbeagentur eine Ausbildung machen!?

Ich werde an einen Arbeitsplatz geführt, begrüße das durchweg sehr junge Team in dem Großraumbüro und werde einem schmächtigen Jüngling (nennen wir ihn Torben) übergeben, der mir heute alles zeigen soll. Er fragt mich kurz, welche Programme ich bereits kenne (CorelDraw, PageMaker, Publisher, Dreamweaver, Photoshop) und fragt, ob ich auch mit dem Illustrator schon gearbeitet hätte. Ich verneine wahrheitsgemäß. Er zuckt die Achseln: “dat is eigentlich ganz ähnlich wie Photoshop, nur mit Vektoren. Du legst halt die Datei an, importierst dir die Ebenen einzeln in den Photoshop und machst dann da ein paar Fülloptionen” – Allet klar! Wer von euch schon mal (irgend!)eine Grafik-Software von Adobe benutzt hat weiß, dass sich da eigentlich gar nichts von selbst erklärt… Ich gucke dennoch zuversichtlich aus der Wäsche und denke “wird schon werden – bin ja schließlich zum Lernen hier”. Diese Illusion platzt 1 Minuter später, als Torben mir meine Tagesaufgaben vorlegt:

1. Kreieren Sie ein Logo für den “Night Club Paris”
2. Erstellen Sie eine Visitenkarte
3. Entwerfen Sie einen Flyer
4. Entwickeln Sie eine Webseite

Robot-sex-dancers

Meine anfangs verwundert hochgezogenen Augenbrauen ziehen sich langsam zusammen; berühren sich fast… Bitte? Ich schaue Torben an und versuche einen Scherz: “Sieht mir eher wie die Abschlussprüfung aus!” Torben versteht nix. “Nun ja” versuche ich es noch einmal “ich bin eigentlich hier, weil ich lernen möchte, und nicht, weil ich schon weiß!”. Torben kennt keine Gnade. Ich könne es ja wenigstens mal versuchen. Er müsse jetzt an seinen Platz, er hätte da auch noch einiges zu erledigen.

Klasse! Ich zögere noch, denke darüber nach, ob ich nicht doch lieber verduften und mich am Main in die Sonne werfen sollte, als Torben schon von hinten ruft, ob ich klar käme. “Na klar komm ich klar!” Der innere Schweinehund wird zur Seite geschoben und ich beginne die fröhlich-unwissende Buntklickerei. Füge ein Bildchen ein und etwas Text, einen Rahmen drum, bisserl Schlagschatten. Hah! Nur 10 Minuten und das Logo ist schon geschafft. War doch gar nicht so schwer.

Schon nähert sich Torben, schaut mir über die Schulter und fragt, was das wäre. Die Visitenkarte? Nö, das Logo – sieht man doch… Fünf Minuten später weiß ich, was man bei so einem Logo alles falsch, anders oder besser machen kann. Na bestens! Schon was gelernt! Jetzt habe ich mir die erste Pause verdient und verziehe mich auf´s Klo. Meine Schweinhund folgt und nörgelt. Ich überlege wie dieser Tag zu retten wäre, beschließe auf den passenden Moment zu warten und das Ruder herum zu reißen.

Gerade komme ich aus der Toilette, als ein langhaariger Typ – mein freundliches Lächeln ignorierend – an mir vorbei stürmt. Ich setze mich und höre, wie er einen Kollegen fragt, wer derjenige sei, der heute eine halbe Stunde zu spät gekommen sei. Ich denke noch “Der arme Kerl, jetzt gibts Saures”, als sich der Bepferdeschwanzte auch schon zu mir umdreht. “Ach, du bist also diese Katastrophe!” Bitte? Ich blinzle irritiert, fange mich und gebe meine Google Maps-Erklärung zum Besten, die auf taube Ohren stößt. Ein Kollege springt ein und versucht noch mir mit einer zugerufenen Bestätigung zu helfen, doch der Chef winkt wortlos ihm zu folgen. Ich trotte ihm hinterher in sein Büro, werde aufgefordert mich zu setzen, setze mich. Er nimmt weiterhin wortlos ebenfalls Platz, schaut mich an. Ich schaue zurück. Warte. Er wendet den Kopf hin und her, schaut wieder, zieht Luft zwischen den Zähnen hindurch und fragt nach einer kleinen Ewigkeit: “Was macht man, wenn man keine Lust hat?” Meine Augenbrauen wandern schon wieder fragend in die Höhe. Ich nix verstehen…! Wieder schaut er hin und her, macht erneut eine künstlerische Pause und fragt: “Was macht man, wenn man keine Lust hat Fragen zu stellen?” Langsam zweifle ich an seinem Geisteszustand. Ich beschließe abzuwarten und zu beobachten. Überraschend liefert der dritten Anlauf einen deutbaren Satz: “Was macht man, wenn man keine Lust hat auf ein Bewerbungsgespräch?” Tja, da gäbe es jetzt einige Antwortmöglichkeiten… Bloß nicht auf Fangfragen eingehen… Weiter warten. Er beschließt, wir könnten einfach eine viertel Stunde nett plaudern! Gute Idee! EIGENTLICH! Denn schnell wird klar: wenn einer nett plaudert, muss der andere noch lange nicht nett unterhalten sein.

Innerhalb von 15 Minuten werde ich wegen meiner Herkunft aus Ostdeutschland beleidigt, wegen meiner ersten Berufswahl kritisiert, wegen mangelndem Interesse am Mediendesign angegriffen und mehrfach provoziert. Meine selbstgewählte Entlassung wird angezweifelt, Probleme mit dem ehemaligen Arbeitgeber werden unterstellt. Ich finde die Situation zunehmend lächerlich und stimme meinem Schweinehund nun vollends zu der Sonne den Vorrang zu geben. Ich bedanke und verabschiede mich, registriere fragend hochgezogenen Augenbrauen, greife meine Handtasche und laufe eine dreiviertel Stunde, so schnell es meine hochhackigen Schuhe zulassen, an sämtlichen Autohäusern der Stadt vorbei, unter der Autobahn hindurch, die Hauptstraße entlang bis zum sonnigen Mainufer…


Frankfurts Netze – eine Geruchsprobe (II)

Wir haben erkundet: der “lustigste Physiker Deutschlands” Vince Ebert arbeitet für die Mainova und die Frankfurter Rundschau. Ist er ein Physiker unserer Kapitalmärkte bei der Rundschau? Macht er sich über die Ertragspläne der Mainova als Kabarettist lustig? Möchte er vielleicht doch den Unsinn gegenwärtiger Vermarktung der Welt satirisch abschießen? Oder verfolgt er gar noch höhere Ziele?

Die Mainova scheint ihn als Physiker nicht recht ernst zu nehmen, für sie ist er “der Urknaller” und der “Knalleffektkabarettist“, lustig für Kunden eben, eine Marketingfigur aus dem Fernsehen, die – immer mit Schlips – das Energiekonzept der Firma wirklich allen plausibel verkaufen kann.

Die Rundschau möchte ihn gewiß nicht als Kabarretist verstanden wissen, wenn er uns über die wirklich wichtigen Dinge der Welt aufklären soll. Da muß die Physikerrolle ran.

Ebert legt Wert auf sein Physikstudium, präsentiert uns den Titel  der Diplomarbeit, in seiner Biografie stoßen wir auf Arbeitstätigkeiten, Freunde und Interessen. Der Diplomand beendete seine Aktivität als Physiker schon mit 26. Unsere Vermutung “Quant“, eine betriebswirtschaftliche Orientierung als Grundlage der Weltbewertung lag deshalb nicht ganz falsch: der lustige Physiker lernte sein praktisches Handwerk in der Marktforschung und bei einer Werbeagentur. Entsprechend baut er auf sein Motto “Denken lohnt sich“.

Seine Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Arzt und Kabarettist Eckart von Hirschhausen ist durch das Interesse an Wirtschaft und gewiß auch die Liebe zu Krawatten geprägt: von Hirschhausen wurde sogar zum “Krawattenmann des Jahres 2009″ gekürt. Wie bei Ebert wird von ihm stolz der Titel der Abschlußarbeit angeführt und die Leser können sehen, dass auch er direkt den Weg von Wirtschaft und Kabarett statt des studierten Faches wählte. Dazu kommt ein ausgesucht konservativer Drall: als Aktivist für “pro reli” in Berlin und als Bibelinterpret. Als solcher demonstriert er den Zuhörern, wie Gott Menschen zwischen Gut und Böse unterscheiden lehrt.

Unser Gut und Böse: diese Verbindung führt tatsächlich zur Vernetzung Eberts im neokonservativen Umfeld, er engagiert sich nämlich als Beitragender im  Journalistenblog “Achse des Guten“. Dort also erfahren wir schließlich, was er mit seinen Artikeln und seiner Medienpräsenz besonders bewirken möchte. „Was kritisch ist“, sagt Ebert, „bestimmt nach wie vor eine Hand voll Linienwächter. Und die verstehen darunter das übliche linksprotestantische Konsensgeschwafel.“

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Ebert ist schlicht aktiver Kämpe in einer “neoliberalen” Medienmaschinerie, seine Beiträge siedeln sich unter diesem höheren Ziel an. Aktivisten der “Achse des Guten“, z. B. die rechte Alarmsirene Henryk M. Broder oder der Frankfurter Ex-Linke und Öko-Basher Michael Miersch haben es sich zum Ziel gesetzt, gegen “ökosozialpazifeministische” Veröffentlichungen zu streiten. Ihre Strategie orientiert sich in verschiedene Richtungen und agiert mit wechselnden Mitteln.

Das gelingt den deutschen NeoKons durch ein Veröffentlichungsnetzwerk, das sich in FAZ über Spiegel bis Welt verbreitet und weitgehend die kulturell-politische Hoheit in Deutschland errungen hat. Sie machen mit gewissen Abweichungen den “Mainstream” unserer Medien aus. Die Presse der FR-Besitzers DuMont Schaumberg (Kölner Stadtanzeiger, Berliner Zeitung, Hamburger Morgenpost usw.) gehört dazu, dem Energieunternehmen Mainova passts sicher auch ins Konzept, dass ihr Knalleffektkabarettist politisch gut vernetzt freie Märkte anpreist.


Stadtfauna – 1

VORAB

Die in den letzten Ausgaben beschriebenen Strategien zur Eindämmung der neoliberalen Monokultur, die die letzten lebenswerten Viertel zu kolonisieren droht, waren eine gute Anregung, auf den Spaziergängen durch die Stadt doch genauer hinzuschauen, der Oberfläche eben nicht zu vertrauen.

Es ist ja nun nicht nur so, dass (Unter-)Arten aussterben, die Evolution kennt immer Phasen, in denen sich Neues entwickelt. Nur spielen sich die interessantesten Prozesse nicht unbedingt leicht erkennbar – und doch vor aller Augen – ab. Die morphologischen Kennzeichen sind ebenfalls nicht unbedingt phänotypisch ersichtlich, so dass sich eine Einordnung erst langsam erschliesst.

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Damballa ist mein Lieblingsgott!

Damballa ist der, der die Schalen zermalmt! Damballa ist SSSSSSSssssssssssssss-Zs Damballa ist eine unendliche Windung! Doch Damballa weiß Davon nichts… Damballa liegt in den Zweigen und häutet sich. Damballa nimmt Kraft aus der Sonne. Damballa liegt auf den Steinen Und sieht den Sterblichen zu! Damballa trinkt am Fluss Damballa speist Eidotter Damballa spricht nicht: Damballa [...]

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Der Entscheid der Völker

max ernst elefant
Hamburg – von direkter Demokratie und wie sie nicht passt.

Da hat man sich ins Zeug gelegt und dieses herrliche Instrument direkter Demokratie dem mündigen Bürger mundgerecht serviert. Jetzt haben wir den Salat. Damit muss man jetzt leben, auch mit Wahlbeteiligungen von 39 %. Man nennt das „nicht beabsichtigte Wirkungen“. Im Grunde passt dieser Ausgang in unsere derzeitige Gesellschaft.

Die Wahlstatistik auf einen Nenner gebracht: in den gut-situierten Stadtteilen gingen die Völker in die Wahllokale, in den “sozialen Brennpunkten“ ins Schwimmbad. Dort sieht man mit Spannung der Abi-Feier der Sprösslinge entgegen, hier der Endausscheidung von DSDS

So gerät diese Abstimmung zu einer Demonstration, wie einerseits Privilegien verteidigt werden und wie weit andererseits der Prozess der Selbstaufgabe schon gediehen ist. Das kann man nicht denen vorwerfen, die dieses Instrument nutzen und ist auch kein Grund, ein höhnisches „die wollen es ja nicht anders“ hinauszuposaunen.

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“Der Tod, das muaß a Markwort sein…”

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Foto: Focus Online
Für den Tod des kritischen investigativen Journalismus hat er eine Menge getan. Nun darf er den Tod in Frankfurt wahrhaftig und leibhaftig spielen. Der scheidende Focus-Boss Helmut Markwort reüssiert noch bis zum 28. Juli als Tod in der hessischen Variante von Hugo von Hofmannsthals “Jedermann” in der Kulisse des Archäologischen Gartens vor dem Dom. Das “Frankfurter Volkstheater” machte das Unmögliche möglich. In gewohnter Objektivität rezensierte Focus Online die Premiere am 18.7. : “Focus-Chefredakteur Helmut Markwort hat im “Hessischen Jedermann” in Frankfurt einen überzeugenden Auftritt als Schauspieler hingelegt.” Als Zeugen kommen Markworts Lebensgefährtin, Bunte-Chefin Patricia Riekel und Focus-Kolumnist Harald Schmidt ausführlich zu Wort. Eine begleitende Fotostrecke mit 12 Markwort-Tod-Fotos läßt keine Wünsche offen- zumindest so weit sie sich auf Markwort-Fotos beziehen. In der Rezension werden Markworts und Hoffmannsthals eingehessischte Todessätze

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Zoo Frankfurt: Tierleasing im Trend

In Zeiten knapper Kassen bei den Kommunen muss auch eine ehrwürdige Institution wie der Frankfurter Zoo neue Wege suchen. Deshalb ist am 24. Juli “EDEKA-Tag” im Frankfurter Zoo. Von 10- 18 Uhr ist der Lebensmittelvertrieb dort zu Gast. Im Stil eines Marktplatzes präsentiert EDEKA im Reptilienhaus seine Partner und Lieferanten. Hierbei werden Produkte, vorrangig aus der Region, zur Verkostung angeboten. Clowns und Spielangebote sorgen für Kurzweil und für gute Laune. Als weiteres neues Angebot bietet der Zoo jetzt die Möglichkeit an, Tiere zu leasen.
Von Eintrittsgeldern und bezahlten Tierpatenschaften allein kann der Zoo nicht überleben“, so Zoodirektor Professsor Manfred Niekisch. ” Schließlich haben selbst die Schnecken, Frösche und Springmäuse schon mehrere Paten, von den populären Großtieren ganz zu schweigen. Mehr als fünf Paten müssen sich bereits einen Giraffenhals teilen.” Deshalb heißt es jetzt im Zoo „ Rent a Rentier“, „Leih ein Lama“, „Pump Dir den Puma“ und so weiter.

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/b/ evil

Alleine mit dem Schreiben dieses Artikels breche ich bereits eine Regel. Denn niemand sollte jemals über /b/ sprechen und wenn doch, dann höchstens als Geheimtip im Flüsterton von Freund zu Freund. Aber da inzwischen das renommierte Computermagazin C´T darüber geschrieben hat, die Community ohnehin schon überlaufen ist, man mittlerweile der Ansicht ist, dass diese Regel [...]

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Mein ADHS

Dank meinem ADHS bin ich multitaskingfähig Ich kann gleichzeitig fernsehen und Counterstrike spielen Ich kann laufen und telefonieren während ich einen Döner esse Und auf dem Scheißhaus Kaugummi kauen In der Schule habe ich meistens geschlafen Das war ökonomisch, weil ich dann abends mehr Zeit für Party hatte Ich konnte total bekifft noch Klausuren schreiben [...]

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Frankfurts Netze – eine Geruchsprobe (I)

Ein Gütesiegel echter Metropolen liefert deren Vernetzung, als Ausbau regionaler und Einbindung in globale Netze. Je nachdem wie das gelingt, soll sich eine eigene Marke der Stadt aufbauen, das Glück der Bewohner ansteigen und viele Auswärtige mit ihr in Verbindung stehen. Das gilt auch für Metropölchen wie Frankfurt und RheinMain.

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Gefakte Unterhemden gegen Mieterhöhung

Florian K. hat oben in “Scherben bringen Glück” schon den Weg gezeigt, wie man der Gentrifizierung des eigenen Quartiers entgegenwirken kann. Aber warum selbst Hand anlegen, eckliges Geschirr stehen lassen oder echte Callshops einrichten, um zu verhindern, dass sich die jeunesse dóre und die “Kreativen” sich all der schönen Wohnungen bemächtigt? Eine Initiative mit dem schönen Namen “Es regnet Kaviar” stellt auf ihrer Seite ein Abwertungskit zur Verfügung, mit man die eigene Wohnung aus Sicht von Immobilienhaien mühelos abwerten kann. Und so geht’s: Das große Bild des Abwertungskits auf den PC laden,im Copyshop ausprinten lassen, ausschneiden – und los! In dem Bastelbogen sind laut Auskunft der Kaviaristen folgende Atrappen enthalten:
- Atrappe 1 sieht aus wie…. ein gewöhnliches Unterhemd. Das gewöhnliche Unterhemd wirkt enorm asozial, besonders wenn es zum Trocknen vor’m Fenster hängt! Verstärken lässt sich der Effekt durch an Balkon oder Fenster montierte Wäscheständer. Da bekommt der Investor das Fürchten!
- In Gegenden mit niedrigen Mieten schmücken viele Satellitenantennen die Fassaden- Machen Sie sich diesen Umstand zu nutze – montieren Sie drei oder vier Sat-Antennenfakes (2) an ihre Fassade.

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Wir sind die Roboter!

Viele von uns sind Teil eines Netzwerkes ohne es zu wissen. Ich selbst bin es wahrscheinlich auch, da ich Firewalls für eine Erfindung von Weicheiern halte, die nur unsere geliebten Online-Games unnötig verlangsamen. Um es kurz zu sagen, sehe ich es folgendermaßen : Geringe Latenz > Sicherer Zugang. Die Rede ist natürlich von sogenannten „Botnetzen“. [...]

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Scherben bringen Glück

Eine Lieblingstheorie der Neokonservativen und Law-and-Order-Befürworter ist die Broken-Window-Theorie.

Diese besagt, dass jede kleine Störung der öffentlichen Ordnung zu einem Verfall der Sitten und damit zu einem Sinken des Sicherheitsgefühls der Bürger führen kann.

Um sich das zu verdeutlichen stelle man sich ein Haus vor, dass zwar leersteht, aber ordentlich und intakt aussieht.

Nun schmeißt jemand eine Scheibe ein.

Nach der Broken-Window-Theorie senkt dies die Hemmschwelle, auch weitere Scheiben einzuschmeißen. Irgendwann fangen die Leute an, Müll vor dem Haus abzuladen. Es ziehen Obdachlose und Drogensüchtige ein. Das ganze Haus wird mit Graffiti beschmiert.

Die Bewohner der umliegenden Häuser fühlen sich bedroht und wer Geld hat zieht um. Dadurch entstehen neue leerstehende Häuser, deren Scheiben nun auch eingeworfen werden.

Langsam verwandelt sich ein einstmals sicheres und sauberes Stadtviertel in einen Slum.

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Die Stadt der Höhenangst

Hallo Bob.

Ich werde den QMS-12 hier auf der Herbstjahresmesse für „Architektur und telekinetische Umzugstechnik“ vorstellen, natürlich werde ich das tun, aber es geschieht gegen meine innere Überzeugung. Der QMS ist ein Apparat gegen Höhenangst. Er gehört nicht auf die Frankfurter Messe, er gehört auf die Hamburger Messe für Agoraphobie.

Ich sagte meine Meinung auf dem Meeting deutlicher als sonst. Ich sprach mit einer überwältigenden Überzeugungskraft, einer Überzeugungskraft, die ich selten besitze. Möglicherweise rühert sie von der ungewohnten sommerlichen Hitze.Gewöhnlich sind die Winter hier in Frankfurt unendlich lang. Aber jetzt im Sommer haben wir während der Meetings die Fenster weit geöffnet und der Mond scheint in den Raum, kalt und hell.

Es war eine dieser nächtlichen Geschäftsbesprechungen, die wir auf den Vorschlag von Georg abhalten. Georg meinte, dass in der Nacht neue Ideen „freier fließen“ als am Tag.

Aber ich habe keine neue Ideen, ich habe keine Ideen, ich habe überhaupt keine neuen Ideen.

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Blind Dates 12. Juli- 18. Juli

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Am Donnerstag, 15. Juli um 19.30 Uhr werden im Club Voltaire die Stühle gerückt, denn es geht um: “Zwischen zwei Stühlen sitzen oder das Beste wählen? Das Leben binationaler Kinder in Deutschland. “ „Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.“ sprach our very own Johann Wolfgang von Goethe. In Deutschland sagt man: „Kinder sind unsere Zukunft. Sie sind der Reichtum unserer Gesellschaft“. Warum gilt das aber nicht für binationale Kinder? Kinder binationaler Ehen wachsen mit einigen Besonderheiten auf. Zum einen haben sie sich mit sozialen Situationen bzw. gesellschaftlichen Problemen auseinanderzusetzen, die sich aus der Mischung zweier Kulturen ergeben. Sie empfinden sich nicht selten in einer „Zwischenposition“ und ihre Umwelt nimmt sie – vor allem, wenn sie fremdländisch aussehen – als „anders“ oder „nicht dazugehörig“

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Juli – Frankfurter Ferienbeginn

Die Erstellung und Betrachtung folgender Bilder unterliegt wie andere Artikel der FGZ keinem Rauchverbot

Rezipienten sind deshalb hier nicht vor der Gefahr einer Passivraucher-Schädigung gefeit!

Draussen, vorm SMS-Himmel
Draussen, vorm SMS-Himmel

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Filzherzchen. Wie die Frankfurter Rundschau eine Stadtsoziologin porträtiert.

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Wie eine Stadt tickt”, dem geht laut Überschrift die aktuelle Wochenendausgabe der FR vom 3.-4.6. nach, und zwar anhand des unaufgeräumten Schreibtisches und der im direkten Vergleich aufgeräumt wirkenden Person der Stadtsoziologin Martina Löw. Die Unterzeile verkündet:“Mein Schreibtisch. Die Stadtsoziologin Martina Löw erschließt, was typisch für eine Kommune ist”. Fast die gesamte Seite F24 hat man dem Ticken der Stadt eingeräumt, so dass für die anderen Themen: “Andre Roth bekommt einen Hörsturz”, “Bernd Ehinger bekommt Brustschmerzen” und “Birgit Prinz bekommt die Blutgrätsche” nur noch die undankbare Fußleiste bleibt.
Wie nähert sich die alte Tante Rundschau einer Stadtsoziologin ? So wie das alte Tanten zu tun pflegen: übergriffig. Wir lesen da: “Gleich neben dem Laptop liegt ein kleines Beutelchen, auf das Martina Löw nicht gerne verzichtet, wenn sie das Haus verlässt. Ein Täschchen aus grünem Filz, das Geschenk einer Freundin, das von einem rötlichen ebenfalls aus Filz gefertigten Herzchen geziert wird. “Genau richtig für Visitenkarten und Lippenstifte”, findet die Stadtsoziologin, die bei den Lippenstiften bevorzugt Rottöne variiert.” Na? Schwirrt da nicht ein Hauch von “Sex in the City” durch die Luft? Obwohl die FR ja traditionell wie die

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Blind Dates 4.7.-11.7.

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Am Donnerstag, den 8.7. findet in der Stadtbücherei Rüsselsheim (Am Treff) ab 20 Uhr eine Veranstaltung über: „Südafrika im globalen Kapitalismus“ statt. Referent Jörg Goldberg ist Autor von „Überleben im Goldland – Afrika im globalen Kapitalismus“ und war Wirtschafts- und sozialpolitischer Regierungsberater in Benin (1993-1996) und Sambia (2002-2005). Seit 1989 ist er entwicklungspolitischer Gutachter und arbeitet in ca. 20 Ländern Afrikas. 2 Stunden früher, also ab 18 Uhr starten “Faites votre jeu!« Vortrag und Diskussion mit Vertreter/innen des »Arbeitskreises zum ehemaligen Mädchenkonzentrationslager Uckermark«.

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Latente Caligynephobie

Illustration: Uta Krogmann
Bild: Uta Krogmann
Wir pflückten Gedichte,
Ich schenkte Dir Klee.
Wir saßen gemeinsam am Main.
Die Gänse störten sich an uns nicht,
Sie ruhten auf einem Bein.

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Sommerzeit

Es kann schon als alljährliches Ritual unserer traditionell aufgeklärten FR gelten: mit den ersten lauen Nächten wird journalistisch die (Rück-)Eroberung des „öffentlichen Raumes“ zelebriert.

Deutschland liegt im Sommer doch am Mittelmeer.

Bei allem Spaß ist dies für die Lady FR ein überaus ernsthafter Vorgang, was sich in den beigefügten Stellungnahmen wissenschaftlicher Experten manifestiert. Durch sie erhält es die notwendigen Weihen, wird aus den Niederungen trivialer Wünsche und Selbstverständlichkeiten herausgehoben, zum Ausdruck gesellschaftlicher Bewegung, Indiz zivilen Lebens, Spontaneität in einer nahezu durchregulierten Alltags-Welt.

Jedoch möchte man den VerfasserInnen zurufen: lasst es gut sein, amüsiert euch und schlaft euren Rausch aus, statt mit vollgedröhnter Birne zur Arbeit zu schreiten. Doch leicht angesäuselt sieht man Geflechte und Beziehungen, die sonst nicht so richtig zusammengehören wollen. Da geraten diese Feten schon mal zu Manifestationen liberaler Bürgerlichkeit und demonstriert der Deutsche seine volle libertäre Blüte.

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Steine ins Zeitfenster

Sekunden treiben über das Ziffernblatt Die Minuten zusammen und werfen sie Den Stunden zum Fraße vor. Schweiß klebt geronnen An den Klingen der Sonne: Fantasten und Gaukler liegen erschlagen im Gras. Weiße Dämonen breiten ihre feuchten Schwingen Woanders aus als hier… Doch sie versprechen uns, zu kommen… Während die Dürre durchs Gras kriecht Vertrocknet mein [...]

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COLLAGEN SPEICHERN SONNENLICHT: DESHALB DU IMMER LACHEN VIEL!

SMiles

Stadtplan, Kippe, Wind

Papier ist dankbar sprach der Poet
Und blickte auf den Stadtteilbrand.
Er hatte das Feuer selbst gelegt:
Versehentlich zwar,
Doch mit eigener Hand!
Er sah auf das prasselnde Flammenmeer
Und freut’ ob der fliehenden Katzen sich sehr

Ungereimt

Ein Cartesianer ist -per definitionem-
Ein Mensch, der die Ansicht vertritt, nur mittels rationaler Prämissen
Logische Schlußfolgerungen anstellen zu können,
Um ein unfehlbares Resultat zu gewinnen.

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Große Männer und Wahlen – eine Farce

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Die vielen kleinen Hinweise auf den Wandel unserer Wahrnehmungen, Befindlichkeiten und Aufgaben finden sich manchmal an abgelegenen Orten. Weit hinter dem Frankfurter Umland, drüben überm Rhein, 60 Kilometer von der Hauptwache in einem kleinen Weinörtchen wurde die Erinnerung an große Geschichte mit Wochenend-Tourismus als kommunalem Geschäftsmodell gemixt. Das Krieger-Denkmal zu den großen Siegen befand sich Jahrzehnte in bejammernswertem Zustand, fast verfallen bis sich eine örtliche Initiative entschloß, der Geschichte ihren Platz zurückzugeben und damit Neugierige anzulocken.

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