Frankfurter Gemeine Zeitung

Große Männer und Wahlen – eine Farce

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Die vielen kleinen Hinweise auf den Wandel unserer Wahrnehmungen, Befindlichkeiten und Aufgaben finden sich manchmal an abgelegenen Orten. Weit hinter dem Frankfurter Umland, drüben überm Rhein, 60 Kilometer von der Hauptwache in einem kleinen Weinörtchen wurde die Erinnerung an große Geschichte mit Wochenend-Tourismus als kommunalem Geschäftsmodell gemixt. Das Krieger-Denkmal zu den großen Siegen befand sich Jahrzehnte in bejammernswertem Zustand, fast verfallen bis sich eine örtliche Initiative entschloß, der Geschichte ihren Platz zurückzugeben und damit Neugierige anzulocken. Angeregt wurde sie vermutlich auch durch die Rückkehr des Regierungssitzes nach Berlin und des Beginns rot-grüner Restauration um das Jahr 2000. 2001 – welch ein Jahr – stand dieses Monument unserer Siege wieder unweit vom deutschen Rhein, in der Nähe von Biblis und BASF.

Der Kämpe mit dem Blick zurück kann für die präsidiale Wahl-Alternative stehen, die sich diese Woche am ebenso wieder aufgebauten Platz in Berlin bot: wie gewohnt gab´s keine politischen Programme zu hören, keine spannenden Konflikte um die Sache, sondern Symbolpolitik um Männer, die beide für die gleiche Linie von Konservatismus und Wirtschaftsliberalismus stehen. Einen Monat ging es durch die Medienlandschaft, eine inhaltliche Alternativlosigkeit, die das Publikum mit zivilgesellschaftlichem Jubel und Übermännern in Bewegung bringen soll. Eine typische, eingespielte Ernsthaftigkeit des Immergleichen war gefragt, eine Ernsthaftigkeit, die für andere Dinge gewöhnlich fehlt. Wir sind ausserdem noch mitten im Sommermärchen: Sieg in Sport und Wirtschaft, die Aufregung legt sich kaum, überall Gewinner.

Solches Spektakel ohne Wahl zeigt uns aber eindrucksvoll, was wir von Rot-Grün zu erwarten haben: wohl das gleiche wie vor 2005. Das Geschehen zeichne ich jetzt mal in Frankfurt nach, nicht weit vom schönen Denkmal hinterm Rhein. Dieser Ort passt besonders gut wegen der schwarz-gelb-rot-grünen Klammer, die das Berliner Kandidatengespann zusammenhielt. Frankfurt ist ideal deswegen, weil hier Verklammerungen der Realpolitik schon lange Usus sind, ich erinnere an einen grünen Steckdosenvertreter aus Frankfurt, der früher in Berlin einen rot-grünen Regierungs-Job einnahm.

Stellen wir uns dazu die Wahl für einen präsidialen Repräsentanten von Frankfurt plus Umland vor: Parteieninitiativen küren geeignete Vertreter der Finanzmetropole am Main. Das ist Max Hollein für die SPD, man möchte ja die Dynamik ausdrücken, und Martin Mosebach für Schwarz-Grün, Frankfurt soll doch die Historie starken Patriziertums fortsetzen. Das Programmspektrum der Kultur-Kandidaten reicht vom Ausbau Frankfurter Museen als eigenständigen Profitcentern bis zum Wiederaufbau des Bismarkdenkmals an der Gallusanlage.

Bismark in Frankfurt

Max Hollein und Martin Mosebach verkörpern die Textur des Zeitgeistes ideal, zumindest dem, wie ihn sich die passenden „zivilgesellschaftlichen Initiativen“ für die Kandidatenm vorstellen. Deren Mitglieder im Speckgürtel rund um die Stadt beim Nennen des Namens Hollein im wohlige Wallung kommen, deren Handys im Dichterviertel nicht mehr still stehen, wenn man sich zu Mosebach verabreden will.

Die Stellung der Stadt im Kultur-Wirtschafts-Wettbewerb steht jetzt auf dem Spiel, Frank Schirrmacher von der FAZ bringt Necla Kelek zusammen mit den Kanidaten in die Paulskirche: sie soll die falschen Geister aus unserer Metropole vertreiben. Die FR lädt mit Lokalchef Arning zum Zukunftsforum Frankfurter Kulturarchitektur. Ein medialer Jubel fegt durch die Stadt, die „gestaltungsfähigen Parteien“ liefern mit wohlfeilen Kandidaten das Einkaufsset, um das sich ernsthaft bloß noch Politik-Marketing dreht.

Man kann es sich ausmalen, die Wahlveranstaltung selbst im Großen Haus des Palmengartens, das begleitende Büfett der Stadt angerichtet von Johnny Klinke zusammen mit dem Rotary-Club. Vor der Wahl ein freudiges Würstchenessen für die Massen am Alleenring, Benutzung der Klohäuschen kostenlos. Wehe es wird nicht zugestimmt, wehe denen, die abseits der Wirtschafts-Diktatur der Mitte stehen. Diese Uneinsichtigen werden dümmlich detektiert bevor die Wahl zu Ende ist, als die „gefühlten Verlierer“ phantasiert, die sich nicht in die dekretierte Realpolitik einpassen, sei sie schwarz oder gelb, rot oder grün. Sie sind schlicht Schmuddelkinder, die nicht dem allgemeinen Jubel für Volkskonservative folgen.

Dazu sei noch einmal unser Denkmal hinter dem Rhein erinnert: genau einen Mann hat das Dörfchen bei der Verteidigung Deutschlands in China vor über hundert Jahren verloren (“China Feldzug”). Genau solche Mannsgröße will man für unsere Fronten heute wiederbeleben, mit der Demut vor dem Aristokratischen im Geiste. Es ist nicht mehr der bewaffnete, sondern der billigbelohnte Chinese, nicht mehr der Boxer im Aufstand am Jangtse, sondern der Taliban am Hindukusch. Für beides stehen Gauck und Wulf, wie viele andere mit ihnen.

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7 Kommentare zu “Große Männer und Wahlen – eine Farce”

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