Frankfurter Gemeine Zeitung

Blind Dates 4.7.-11.7.

blind dates neu

Am Donnerstag, den 8.7. findet in der Stadtbücherei Rüsselsheim (Am Treff) ab 20 Uhr eine Veranstaltung über: „Südafrika im globalen Kapitalismus“ statt. Referent Jörg Goldberg ist Autor von „Überleben im Goldland – Afrika im globalen Kapitalismus“ und war Wirtschafts- und sozialpolitischer Regierungsberater in Benin (1993-1996) und Sambia (2002-2005). Seit 1989 ist er entwicklungspolitischer Gutachter und arbeitet in ca. 20 Ländern Afrikas. 2 Stunden früher, also ab 18 Uhr starten “Faites votre jeu!« Vortrag und Diskussion mit Vertreter/innen des »Arbeitskreises zum ehemaligen Mädchenkonzentrationslager Uckermark«. Nach einer Vorstellung ihres Projekts werden sie über die Auseinandersetzungen um einen Gedenkort dieses Außenlagers von Ravensbrück berichten. Weitere Infos: www.maedchen-kz-uckermark.de
Am Sonntag den 11.7. kann man von 15 Uhr -18 Uhr das ehemalige Polizeigefängnis Klapperfeld in Frankfurt näher in Augenschein nehmen. Aktive des Arbeitskreises Geschichte beantworten Fragen und informieren über ihre aktuelle Arbeit. Ab 15 Uhr gibts außerdem ebendort: »Saugemütlicher auskater_innen Nachmittag im Klapperfeld«, Teil 4: Kaffee, Kuchen und Konzert im Klapperfeld. Die Veranstalter von »Faites votre jeu!« sehen ihm offenbar freudig entgegen, denn sie schwärmen: “Juchhe, der nächste auskater_innen Nachmittag steht an: Gemeinsam abhängen, Mucke hören, Kuchen futtern… kommt vorbei! Diesmal mit Auflegerei von ptrck und Überraschungskonzi. Anschließend Kino. Bei gutem Wetter wieder im Hof! Ab 21.30 Uhr: Filmreihe: »Perverser Müll!«, Infos zu den Filmen auf den ausliegenden Flyern!”

Ansonsten schlägt das Politsommerloch zu, um sich mal eine hübsche Katachrese zu leisten. Wenig interessante Blind Dates this week…


Latente Caligynephobie

Illustration: Uta Krogmann

Illustration: Uta Krogmann

Wir pflückten Gedichte,
Ich schenkte Dir Klee.
Wir saßen gemeinsam am Main.
Die Gänse störten sich an uns nicht,
Sie ruhten auf einem Bein.
Gänsehaut, die hatte ich auch.
Nicht nur wegen der Kälte.
Es geschah, weil mir schon zu lang
Deine Gegenwart fehlte.
Der Abend fuhr mir ins dünne Hemd,
Mein Herz begann zu hämmern.
Nicht nur dem Abend, nein, auch mir
Begann es allmählich zu dämmern…


Sommerzeit

Es kann schon als alljährliches Ritual unserer traditionell aufgeklärten FR gelten: mit den ersten lauen Nächten wird journalistisch die (Rück-)Eroberung des „öffentlichen Raumes“ zelebriert.

Deutschland liegt im Sommer doch am Mittelmeer.

Bei allem Spaß ist dies für die Lady FR ein überaus ernsthafter Vorgang, was sich in den beigefügten Stellungnahmen wissenschaftlicher Experten manifestiert. Durch sie erhält es die notwendigen Weihen, wird aus den Niederungen trivialer Wünsche und Selbstverständlichkeiten herausgehoben, zum Ausdruck gesellschaftlicher Bewegung, Indiz zivilen Lebens, Spontaneität in einer nahezu durchregulierten Alltags-Welt.

Opern-Fest

Jedoch möchte man den VerfasserInnen zurufen: lasst es gut sein, amüsiert euch und schlaft euren Rausch aus, statt mit vollgedröhnter Birne zur Arbeit zu schreiten. Doch leicht angesäuselt sieht man Geflechte und Beziehungen, die sonst nicht so richtig zusammengehören wollen. Da geraten diese Feten schon mal zu Manifestationen liberaler Bürgerlichkeit und demonstriert der Deutsche seine volle libertäre Blüte.

Da reibe ich mir doch einmal die Augen, was wirklich hinter einer Fete im Günthersburgpark sich verbirgt und stelle erstaunt fest, dass es sich am Friedberger Platz nicht nur um einen (hochpreisigen) Wochenmarkt handelt, sondern in Wahrheit um die „Urmutter aller Spontanfeten“, Ehrfurcht macht sich breit beim Wandeln über diesen gesalbten Boden. Na ja, Hauptsache hinterher ist aufgeräumt. Wie schrieb schon Werner von Siemens an sein Schwesterlein: „und denk dir, während der gesamten Revolution kein einzig Stück Eigentum angerührt.“ Also, bleibt doch alles im Rahmen in diesem unseren Lande.

Und die Geschichte, dass hier – wenigstens ursprünglich – keine ökonomischen Interessen verfolgt werden, muss denn auch gleich als Ausdruck freiheitlich rebellischer Gesinnung herhalten. Offenbar genügt es einfach nicht mehr, einen lauen Abend geniessen zu wollen, es muss einen gruppendynamischen Nutzen verfolgen, wenn schon kein Geschäft damit gemacht wird.

Da wird denn auch schnell mal die Eigengesetzlichkeit eines gediegenen Zechgelages an den Weinständen und in und um die Kneipen des Friedberger Platzes zu einer strategischen Eroberung durch die Zivilgesellschaft. Trotz des friedlichen Charakters der Veranstaltung.

Noch jede Initiative, genußhaftes Leben auf die Gass zu bringen, ist im glücklichen Hafen der Ökonomie gelandet – vom Strassenfest Rotlintstrasse zur Schweizer Strasse. Als dies alles gut lief, konnten Opernplatz und Freßgass nicht abseits stehen. Da nun Plätze und Strassen wieder dem ökonomischen Klientel zurückgegeben worden sind, bleiben nur noch die Flächen, für die sich jenes nicht besonders interessiert. Und für die wird gegenüber dem potentiell unbotmäßigen Leutchen schnell klar gemacht: „bei Demonstrationen sind die Fußgängerwege und Ampeln zu beachten!“

Unsere teilnehmenden Beobachter von der FR machen in bester demokratischer Manier auch keinen Unterschied, Fest ist Fest.

Erst die Einordnung ins Allgemeine bestätigt das Besondere, erst das abstrakte Verstehen macht das Sich-Verstehen möglich. Und man stelle sich vor, alles ohne Fernsehkameras, statt auf die Großleinwand schaut man seinen Nächsten an.

Nun ist manche „Spontan-Fete“ ausgeartet wie das dann doch im Fernsehen betrachtet werden konnte. Das lässt darauf schliessen, dass Fete doch nicht so ganz gleich Fete ist. Da ist es geraten, das noble Koma-Saufen am Friedberger Platz als Vorbild der Öffentlichkeit schmackhaft zu machen.

Es  ist vor allem die Wurstigkeit, mit der verschiedene Erscheinungen unter den Nenner einer banalen Spaßgesellschaft gebracht werden. Die Motivation eines Klientels, das im Laufe von Gentrifizierunsprozessen einen Stadtteil übernimmt, ist kaum mit der gleichzusetzen, mit der, die andere bewegt, Sperrzonen umzunutzen.

Ersteres ist Ausdruck, dass man bereits im Besitze der Stadt (des Stadtteils) ist, Letzteres der Versuch mit aller Selbstverständlichkeit, verbotene Räume wieder dem (städtischen) Leben einzuverleiben.

Das Berger Strassenfest stellt im Rahmen des „Rechts auf Stadt“ eben keine Erweiterung des öffentlichen Raumes dar, sondern ist die Ausdehnung des ökonomischen, angereichert mit ein bisschen Kultur, die von denen betrieben wird, die sich das Wohnen im Viertel gar nicht mehr leisten können. Dabei fällt den berichtenden Kriegsgewinnlern nicht ein, dass sie Manifestationen verschiedener Bedürfnisse in einem Topf verrühren, um sie dann als post-modernen life-style zu bagatellisieren.

Die hier angestellte Überlegung ist leicht zu überprüfen, man sich stelle sich einfach vor, was geschieht, wenn dieser „öffentliche“ Raum mit dem Slogan „bezahlt wird nicht“ besetzt wird. Der Strassenmusikant, der sich schlicht an der Ecke aufstellt, hat ernste Konsequenzen zu fürchten, er wird mit Misstrauen und Missfallen angeschaut, gehört er doch offensichtlich nicht hierher, das ist ebenso klar wie die Tatsache, dass die aufgestellten Tische und Bänke Mobiliar des privaten Raumes der Aufsteller sind.

Einem Zusammentreffen all jener, die sich der Stadt annehmen, weil sie gerade diesem scheinbar unaufhaltsamen Vordringen ihre Wünsche entgegensetzen, kann man sich nur anschliessen.

Es sei an Ernst Bloch erinnert, der meinte, es müsste manch eine Stadt geschliffen werden.


Steine ins Zeitfenster

Splitter

Sekunden treiben über das Ziffernblatt
Die Minuten zusammen und werfen sie
Den Stunden zum Fraße vor.
Schweiß klebt geronnen
An den Klingen der Sonne:
Fantasten und Gaukler liegen erschlagen im Gras.
Weiße Dämonen breiten ihre feuchten Schwingen
Woanders aus als hier…
Doch sie versprechen uns, zu kommen…
Während die Dürre durchs Gras kriecht
Vertrocknet mein trauriges Herz,
Verdurstet mein Denken,
Und die Musik sticht mir Scheren ins Hirn.
Ich weiß, dass ich lebe,
Weil mir die Hände zittern,
Mir die Mundwinkel zucken,
als ob ich lächeln müsste…
Ich atme nur noch Asphaltstaub
Pollen und Insekten
Selbst ein „Ja“ kostet mich Essenz
Und soll ich gar mit Dir sprechen,
Drücken die Rippen mir die Lunge zu.
Das also heißt es, wenn Menschen sagen:
Beklemmung


COLLAGEN SPEICHERN SONNENLICHT: DESHALB DU IMMER LACHEN VIEL!

SMiles

Stadtplan, Kippe, Wind

Papier ist dankbar sprach der Poet
Und blickte auf den Stadtteilbrand.
Er hatte das Feuer selbst gelegt:
Versehentlich zwar,
Doch mit eigener Hand!
Er sah auf das prasselnde Flammenmeer
Und freut’ ob der fliehenden Katzen sich sehr

Ungereimt

Ein Cartesianer ist -per definitionem-
Ein Mensch, der die Ansicht vertritt, nur mittels rationaler Prämissen
Logische Schlußfolgerungen anstellen zu können,
Um ein unfehlbares Resultat zu gewinnen.

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