Frankfurter Gemeine Zeitung

die rückkehr der ästheten

stadtalphabet_aesthetik
Foto: Martin Ulrich Kehrer- Stadtalphabet.at
die erste spielzeit der neuen intendanz am schauspielfrankfurt, das jetzt Schauspiel Frankfurt heißt, ist vorbei. zeit also, um, wie man das so macht, bilanz zu ziehen. diese bilanz fällt an anderen orten als an diesem meist sehr positiv bis euphorisch aus und konzentriert sich dabei vor allem auf die großen namen, die oliver reese ans haus geholt hat und die gestiegenen zuschauerzahlen.
wie wahr, es wurde ein publikum zurückgewonnen.
der wahre ästhet ist zurückgekehrt aus dem exil. es waren dunkle jahre, als er immer nach wiesbaden fahren musste, um ein wenig kultur geboten zu bekommen. jetzt ist er wieder da, der edle kenner. der freund der ledersessel und des gediegenen clubbings. das frankfurter schauspiel ist wieder chic genug für die chefetage.
edel soll es sein, schön und gut. das ambiente soll stimmen, die atmo. die revue der oberflächlichkeit beginnt. endlich wieder pelz und abendkleid. endlich weniger offensive regie, sondern der pure schauspieler, ein augen- und ohrenschmaus ohne störende irritationen. nicht zu laut und nicht zu bunt. so auch das publikum. gediegen. dezent und doch so unverkennbar ober-oberschicht.
so mancher feuilletonistenmensch beschreibt die vergangene intendanz von elisabeth schweeger als dunkle zeit, als zeit der entsagung vom wahren schönen und guten, als eine durststrecke, die man nun überwunden hat, um zum wahren zu kommen. so und ähnlich auch viele belauschte publikumsäußerungen vor und nach den vorstellungen. endlich. endlich gibt es hier wieder richtige schauspieler. und diese sitze erst! roter samt und schwarzes leder, mehr bedarfs nicht.
ich weiß ja nicht so genau, was die leute eigentlich haben. was war das schlimme, die harte prüfung, die frau schweeger uns auferlegt hat? vielleicht, dass es eine vielzahl von stilen gab, kein so festes profil, bei dem man immer wusste, was einen erwartete? oder dass versucht wurde, in den inszenierungen und auch darum herum aktuelle gesellschaftlich relevante themen zu diskutieren? dass dem herrn stadelmaier („man kann in frankfurt wieder ins theater gehen“) sein spiralblock weggenommen wurde? dass die panoramabar noch glas haus hieß? dass die stühle mit weniger edlen bezügen bezogen waren?
ich weiß es nicht. mich würde das wirklich mal interessieren. ich habe in den letzten drei spielzeiten von elisabeth schweeger alle inszenierungen gesehen. die waren sicher nicht alle gut, auf gar keinen fall. aber viele von ihnen waren herausfordernd und versuchten, fragen zu stellen an die zuschauer und an die gesellschaft. und es gab einen raum für experimente, die dann zwar manchmal mehr und manchmal weniger gelungen ausfielen – aber der raum war da, und wie sollen sich ohne einen solchen raum neue formen und abwegige gedanken entwickeln, ohne die jede form von kunst tot ist?
in einem interview für die ddp-nachrichtenagentur sagt der neue intendant, dass er nicht theorie, nicht diskurs, sondern sprache und schauspieler in den mittelpunkt stellen will. ich habe nun mehr als die hälfte der premieren in seiner ersten spielzeit gesehen und muss sagen: das ist ihm tatsächlich gelungen.
aber wie kann ich denn theater von diskursen trennen wollen? was ist denn eine theaterinszenierung sonst, als der beitrag zu bestimmten gesellschaftlichen diskursen?
theater ist eine kunst; aber nicht deckungsgleich mit der schauspielkunst. es gehört mehr dazu, als nur ein tolles ensemble. es muss eine vielfalt der formen geben. schauspielerzentrierter minimalismus ist sicher eine davon, aber nicht die einzige. denn theater kann und darf nicht nur schön sein. wenn es nur diesen anspruch hat, nur schön und unterhaltend und gefällig sein will, dann ist es tot, dann ist es keine kunstform mehr und hat keine größere gesellschaftliche relevanz als wetten dass. theater muss auch unbequem sein, muss infrage stellen, aufwühlen und auch mal frech sein. theater muss einen beitrag leisten zu den aktuellen gesellschaftlichen debatten. es muss zum nachdenken anregen!
aber das hat der herr reese nicht so gerne. und das publikum wohl auch nicht, wo es doch vor den diskursen ins exil geflohen ist und jetzt endlich zurückkehren kann. und das habe ich nicht erfunden, das haben auch feuilletonistinnen wie ruth fühner festgestellt:
„Sie sind wieder da. Die silbergrauen Herren mit dem Vorstandsetagenblick, die gradrückigen Damen aus den Villen im Vordertaunus. Lange hat man sie im Schauspiel Frankfurt nicht gesehen. Zu kantig, zu unruhig war der Stil, den die ehemalige Intendantin Elisabeth Schweeger verkörperte, zu herausfordernd ihr Versuch, der Bankenstadt den nervösen Puls zu fühlen. Aber das Schmuddelige und Brüchige, das manchmal verzweifelt Hilflose, dieses Geschrei, das auch dazugehörte – das ist jetzt erst mal weg.“
und experimente? das fragte sich wohl auch ein feuilletonist der offenbach post und sprach den neuen intendanten auf die schließung der schmidtstraße an. der herr reese sagt dazu: „Die Schmidtstraße gibt es zwar nicht mehr, dafür wieder verstärkt das Bockenheimer Depot. Es wird ein Ort speziell für neue Formate“. nun weiß man aber, dass da ein himmelweiter unterschied besteht zwischen dem sympathischen chaos der schmidtstraße und dem glatten prestige des bockenheimer depots, in dem auch die weltberühmte forsyth company und die oper frankfurt zuhause sind und die natürlich nur spielen wollen, wenn alles aufgeräumt ist. und wie sieht es mit den neuen formen im depot aus? als ein sehr erfreuliches ereignis ist die inszenierung remake::rosemarie zu nennen, eine performance für je nur einen zuschauer, der durch verschiedene räume mit verschiedenen schauspielern geleitet wird und so gleichzeitig durch das leben rosemarie nitribits. das war dann allerdings auch schon der vertreter des experimentellen in der ersten spielzeit. ansonsten wurde das bockenheimer depot durch die zwar wirklich gute, aber vom etablierten regiesseur andreas kriegenburg ohne viel brüche inszenierte komödie „der diener zweier herren“ und dem peinlich boulevard-tauglichen und mit noch weniger brüchen, dafür aber mit nochmehr klischees inszenierten musical „cabaret“. obwohl das mainstream-musical ja fairerweise doch auch als eine neue form bezeichnet werden müsste.
und im großen und kleinen haus, die jetzt irgendwie anders heißen, sieht es nicht wirklich anders aus: große namen und wenig brüche. vieles ist langweilig. aber natürlich gibt es einige ausnahmen, einige wirklich gute inszenierungen und auch einige große risse der glatten gefälligkeit, wie zum beispiel stephan kimmigs verstörende lulu-inszenierung.
es wird aber immer wieder klar, dass reeses theater eigentlich nicht verstören und herausfordern will. das sieht man auch sehr deutlich an seiner eigenen inszenierung „ritter, dene, voß“, für die er tatsächlich den roten vorhang herauskramt. ein kläglicher versuch, zu zeigen, dass das, was das theater mal war, noch nicht verloren ist.
modern will man dann aber doch auch sein, also gibt es clubbing in der neuen panoramabar in zusammenarbeit mit rennomierten clubs, die wohl irgendwie in sind. früher gab es philosophische gespräche im glas haus. man hat das gefühl, dass dieses theater sich nicht mehr über inhalte definieren will, sondern über eine bestimmte außenwirkung: edel, gediegen, chic. und wie gesagt: in zimmerlautstärke und auch nicht zu bunt.
es gibt auch buttons mit der aufschrift „panorama bar“. ich finde es irgendwie problematisch, wenn ein theater sich über seine bar und sein clubprogramm definiert. nicht mal ein spielzeitmotto gibt es, das einen kleinen hinweis darauf geben könnte, dass hier versucht wird, sich mit gerade relevanten themen auseinanderzusetzen. dabei will reese doch ein „Stadttheater als Theater für die Stadt“, wie er der ddp-nachrichtenagentur sagt. was aber ist mit den menschen in der stadt, die nicht nur wegen schauspielern oder zu repräsentationszwecken ins theater kommen? warum sind es jetzt plötzlich die schickimicki-menschen, die kommen und das junge publikum, das wegbleibt? sollte es nicht das ziel sein, ein theater für alle zu machen und möglichst menschen aus allen gesellschaftlichen schichten zu integrieren? und die, denen es sowieso gut geht und die sowieso schon gebildet sind, herauszufordern und zum nachdenken zu bringen? tja, stattdessen gibt es jetzt nur noch ermäßigte karten z.b. für studenten, wenn das stück noch nicht so gut verkauft ist. sind nur noch wenige karten da, werden die an vollpreiszahler vergeben. für die mit weniger geld also nur das, was übrig bleibt. eine merkwürdige philosophie für einen ort der kunst und reflektion, der von schiller mal als der demokratische ort bezeichnet wurde, in dem sich die gesellschaftsschichten treffen und alle zusammen erfahren, was es heißt, ein mensch zu sein.

so hofft denn nun das kritische publikum, dass es in zukunft weniger gefälligkeit gibt in diesem theater und mehr nachdenken darüber, was es bedeutet, hier und heute in dieser verstörenden und komplexen welt ein mensch zu sein, sodass es nicht ins exil gehen muss.


Job-Flop

computerarbeitsplatz
Die engagierte Bewerberin für einen Ausbildungsplatz als Mediendesignerin (ich) informiert sich am Vorabend ihres Vorstellunsgespräches / Probearbeitstages bei Google Maps über den genauen Standort des anvisierten Unternehmens, stellt fest, dass dieser nur 15 Gehminuten entfernt liegt und geht beruhigt ins Bett … um am nächsten Morgen festzustellen, dass Google Maps noch lang nicht so zuverlässig ist, wie man meinen könnte. Anstelle der 15 Minuten benötige ich eine geschlagene dreiviertel Stunde, da die Hausnummernanzeige offensichtlich noch im Beta-Stadium und die Distanz zwischen Nr. 1 und Nr. 439 beträchtlich ist. Und so haste ich, so schnell es meine hochhackigen Schuhe zulassen, die Hauptstraße entlang, unter der Autobahn hindurch, an sämtlichen Autohäusern der Stadt vorbei bis zur Werbeagentur, wo ich eine halbe Stunde zu spät in Empfang genommen werde.
Das Google Maps Problem ist dort offensichtlich hinreichend bekannt und so ernte ich wissende Blicke und zwei Gläser Wasser zur Wiederherstellung. Man führt mich in ein Büro, wo ich einen Fragebogen ausfülle, der durch meine Bewerbungsunterlagen bereits ausführlich beantwortet ist. Danach warte ich 15 Minuten, verschnaufe und genieße die Sonne bis mein Blick auf die ausliegenden Flyer fällt. Erotikwerbung wohin das Auge schaut… Jetzt fallen mir auch die Toys neben dem Empfangstresen auf und ich bedauere schlagartig mich nicht näher mit der Agentur auseinander gesetzt zu haben. Nachdem ich mich (ernsthaft und gut informiert) bei zwei anderen Firmen beworben hatte, hatte ich die nun einmal zusammengestellten Unterlagen fast blind an zwei weitere Unternehmen versandt, um die Chancen auf einen Ausbildungsplatz zu steigern… Nun ja – frau ist ja nicht so. Schließlich leben wir in einer offenen Zeit, warum also nicht in einer auf Erotik spezialisierten Werbeagentur eine Ausbildung machen!?

Ich werde an einen Arbeitsplatz geführt, begrüße das durchweg sehr junge Team in dem Großraumbüro und werde einem schmächtigen Jüngling (nennen wir ihn Torben) übergeben, der mir heute alles zeigen soll. Er fragt mich kurz, welche Programme ich bereits kenne (CorelDraw, PageMaker, Publisher, Dreamweaver, Photoshop) und fragt, ob ich auch mit dem Illustrator schon gearbeitet hätte. Ich verneine wahrheitsgemäß. Er zuckt die Achseln: “dat is eigentlich ganz ähnlich wie Photoshop, nur mit Vektoren. Du legst halt die Datei an, importierst dir die Ebenen einzeln in den Photoshop und machst dann da ein paar Fülloptionen” – Allet klar! Wer von euch schon mal (irgend!)eine Grafik-Software von Adobe benutzt hat weiß, dass sich da eigentlich gar nichts von selbst erklärt… Ich gucke dennoch zuversichtlich aus der Wäsche und denke “wird schon werden – bin ja schließlich zum Lernen hier”. Diese Illusion platzt 1 Minuter später, als Torben mir meine Tagesaufgaben vorlegt:

1. Kreieren Sie ein Logo für den “Night Club Paris”
2. Erstellen Sie eine Visitenkarte
3. Entwerfen Sie einen Flyer
4. Entwickeln Sie eine Webseite

Robot-sex-dancers

Meine anfangs verwundert hochgezogenen Augenbrauen ziehen sich langsam zusammen; berühren sich fast… Bitte? Ich schaue Torben an und versuche einen Scherz: “Sieht mir eher wie die Abschlussprüfung aus!” Torben versteht nix. “Nun ja” versuche ich es noch einmal “ich bin eigentlich hier, weil ich lernen möchte, und nicht, weil ich schon weiß!”. Torben kennt keine Gnade. Ich könne es ja wenigstens mal versuchen. Er müsse jetzt an seinen Platz, er hätte da auch noch einiges zu erledigen.

Klasse! Ich zögere noch, denke darüber nach, ob ich nicht doch lieber verduften und mich am Main in die Sonne werfen sollte, als Torben schon von hinten ruft, ob ich klar käme. “Na klar komm ich klar!” Der innere Schweinehund wird zur Seite geschoben und ich beginne die fröhlich-unwissende Buntklickerei. Füge ein Bildchen ein und etwas Text, einen Rahmen drum, bisserl Schlagschatten. Hah! Nur 10 Minuten und das Logo ist schon geschafft. War doch gar nicht so schwer.

Schon nähert sich Torben, schaut mir über die Schulter und fragt, was das wäre. Die Visitenkarte? Nö, das Logo – sieht man doch… Fünf Minuten später weiß ich, was man bei so einem Logo alles falsch, anders oder besser machen kann. Na bestens! Schon was gelernt! Jetzt habe ich mir die erste Pause verdient und verziehe mich auf´s Klo. Meine Schweinhund folgt und nörgelt. Ich überlege wie dieser Tag zu retten wäre, beschließe auf den passenden Moment zu warten und das Ruder herum zu reißen.

Gerade komme ich aus der Toilette, als ein langhaariger Typ – mein freundliches Lächeln ignorierend – an mir vorbei stürmt. Ich setze mich und höre, wie er einen Kollegen fragt, wer derjenige sei, der heute eine halbe Stunde zu spät gekommen sei. Ich denke noch “Der arme Kerl, jetzt gibts Saures”, als sich der Bepferdeschwanzte auch schon zu mir umdreht. “Ach, du bist also diese Katastrophe!” Bitte? Ich blinzle irritiert, fange mich und gebe meine Google Maps-Erklärung zum Besten, die auf taube Ohren stößt. Ein Kollege springt ein und versucht noch mir mit einer zugerufenen Bestätigung zu helfen, doch der Chef winkt wortlos ihm zu folgen. Ich trotte ihm hinterher in sein Büro, werde aufgefordert mich zu setzen, setze mich. Er nimmt weiterhin wortlos ebenfalls Platz, schaut mich an. Ich schaue zurück. Warte. Er wendet den Kopf hin und her, schaut wieder, zieht Luft zwischen den Zähnen hindurch und fragt nach einer kleinen Ewigkeit: “Was macht man, wenn man keine Lust hat?” Meine Augenbrauen wandern schon wieder fragend in die Höhe. Ich nix verstehen…! Wieder schaut er hin und her, macht erneut eine künstlerische Pause und fragt: “Was macht man, wenn man keine Lust hat Fragen zu stellen?” Langsam zweifle ich an seinem Geisteszustand. Ich beschließe abzuwarten und zu beobachten. Überraschend liefert der dritten Anlauf einen deutbaren Satz: “Was macht man, wenn man keine Lust hat auf ein Bewerbungsgespräch?” Tja, da gäbe es jetzt einige Antwortmöglichkeiten… Bloß nicht auf Fangfragen eingehen… Weiter warten. Er beschließt, wir könnten einfach eine viertel Stunde nett plaudern! Gute Idee! EIGENTLICH! Denn schnell wird klar: wenn einer nett plaudert, muss der andere noch lange nicht nett unterhalten sein.

Innerhalb von 15 Minuten werde ich wegen meiner Herkunft aus Ostdeutschland beleidigt, wegen meiner ersten Berufswahl kritisiert, wegen mangelndem Interesse am Mediendesign angegriffen und mehrfach provoziert. Meine selbstgewählte Entlassung wird angezweifelt, Probleme mit dem ehemaligen Arbeitgeber werden unterstellt. Ich finde die Situation zunehmend lächerlich und stimme meinem Schweinehund nun vollends zu der Sonne den Vorrang zu geben. Ich bedanke und verabschiede mich, registriere fragend hochgezogenen Augenbrauen, greife meine Handtasche und laufe eine dreiviertel Stunde, so schnell es meine hochhackigen Schuhe zulassen, an sämtlichen Autohäusern der Stadt vorbei, unter der Autobahn hindurch, die Hauptstraße entlang bis zum sonnigen Mainufer…


Frankfurts Netze – eine Geruchsprobe (II)

Wir haben erkundet: der “lustigste Physiker Deutschlands” Vince Ebert arbeitet für die Mainova und die Frankfurter Rundschau. Ist er ein Physiker unserer Kapitalmärkte bei der Rundschau? Macht er sich über die Ertragspläne der Mainova als Kabarettist lustig? Möchte er vielleicht doch den Unsinn gegenwärtiger Vermarktung der Welt satirisch abschießen? Oder verfolgt er gar noch höhere Ziele?

Die Mainova scheint ihn als Physiker nicht recht ernst zu nehmen, für sie ist er “der Urknaller” und der “Knalleffektkabarettist“, lustig für Kunden eben, eine Marketingfigur aus dem Fernsehen, die – immer mit Schlips – das Energiekonzept der Firma wirklich allen plausibel verkaufen kann.

Die Rundschau möchte ihn gewiß nicht als Kabarretist verstanden wissen, wenn er uns über die wirklich wichtigen Dinge der Welt aufklären soll. Da muß die Physikerrolle ran.

Ebert legt Wert auf sein Physikstudium, präsentiert uns den Titel  der Diplomarbeit, in seiner Biografie stoßen wir auf Arbeitstätigkeiten, Freunde und Interessen. Der Diplomand beendete seine Aktivität als Physiker schon mit 26. Unsere Vermutung “Quant“, eine betriebswirtschaftliche Orientierung als Grundlage der Weltbewertung lag deshalb nicht ganz falsch: der lustige Physiker lernte sein praktisches Handwerk in der Marktforschung und bei einer Werbeagentur. Entsprechend baut er auf sein Motto “Denken lohnt sich“.

Seine Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Arzt und Kabarettist Eckart von Hirschhausen ist durch das Interesse an Wirtschaft und gewiß auch die Liebe zu Krawatten geprägt: von Hirschhausen wurde sogar zum “Krawattenmann des Jahres 2009″ gekürt. Wie bei Ebert wird von ihm stolz der Titel der Abschlußarbeit angeführt und die Leser können sehen, dass auch er direkt den Weg von Wirtschaft und Kabarett statt des studierten Faches wählte. Dazu kommt ein ausgesucht konservativer Drall: als Aktivist für “pro reli” in Berlin und als Bibelinterpret. Als solcher demonstriert er den Zuhörern, wie Gott Menschen zwischen Gut und Böse unterscheiden lehrt.

Unser Gut und Böse: diese Verbindung führt tatsächlich zur Vernetzung Eberts im neokonservativen Umfeld, er engagiert sich nämlich als Beitragender im  Journalistenblog “Achse des Guten“. Dort also erfahren wir schließlich, was er mit seinen Artikeln und seiner Medienpräsenz besonders bewirken möchte. „Was kritisch ist“, sagt Ebert, „bestimmt nach wie vor eine Hand voll Linienwächter. Und die verstehen darunter das übliche linksprotestantische Konsensgeschwafel.“

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Ebert ist schlicht aktiver Kämpe in einer “neoliberalen” Medienmaschinerie, seine Beiträge siedeln sich unter diesem höheren Ziel an. Aktivisten der “Achse des Guten“, z. B. die rechte Alarmsirene Henryk M. Broder oder der Frankfurter Ex-Linke und Öko-Basher Michael Miersch haben es sich zum Ziel gesetzt, gegen “ökosozialpazifeministische” Veröffentlichungen zu streiten. Ihre Strategie orientiert sich in verschiedene Richtungen und agiert mit wechselnden Mitteln.

Das gelingt den deutschen NeoKons durch ein Veröffentlichungsnetzwerk, das sich in FAZ über Spiegel bis Welt verbreitet und weitgehend die kulturell-politische Hoheit in Deutschland errungen hat. Sie machen mit gewissen Abweichungen den “Mainstream” unserer Medien aus. Die Presse der FR-Besitzers DuMont Schaumberg (Kölner Stadtanzeiger, Berliner Zeitung, Hamburger Morgenpost usw.) gehört dazu, dem Energieunternehmen Mainova passts sicher auch ins Konzept, dass ihr Knalleffektkabarettist politisch gut vernetzt freie Märkte anpreist.


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