Frankfurter Gemeine Zeitung

Frankfurts Netze – eine Geruchsprobe (II)

Wir haben erkundet: der “lustigste Physiker Deutschlands” Vince Ebert arbeitet für die Mainova und die Frankfurter Rundschau. Ist er ein Physiker unserer Kapitalmärkte bei der Rundschau? Macht er sich über die Ertragspläne der Mainova als Kabarettist lustig? Möchte er vielleicht doch den Unsinn gegenwärtiger Vermarktung der Welt satirisch abschießen? Oder verfolgt er gar noch höhere Ziele?

Die Mainova scheint ihn als Physiker nicht recht ernst zu nehmen, für sie ist er “der Urknaller” und der “Knalleffektkabarettist“, lustig für Kunden eben, eine Marketingfigur aus dem Fernsehen, die – immer mit Schlips – das Energiekonzept der Firma wirklich allen plausibel verkaufen kann.

Die Rundschau möchte ihn gewiß nicht als Kabarretist verstanden wissen, wenn er uns über die wirklich wichtigen Dinge der Welt aufklären soll. Da muß die Physikerrolle ran.

Ebert legt Wert auf sein Physikstudium, präsentiert uns den Titel  der Diplomarbeit, in seiner Biografie stoßen wir auf Arbeitstätigkeiten, Freunde und Interessen. Der Diplomand beendete seine Aktivität als Physiker schon mit 26. Unsere Vermutung “Quant“, eine betriebswirtschaftliche Orientierung als Grundlage der Weltbewertung lag deshalb nicht ganz falsch: der lustige Physiker lernte sein praktisches Handwerk in der Marktforschung und bei einer Werbeagentur. Entsprechend baut er auf sein Motto “Denken lohnt sich“.

Seine Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Arzt und Kabarettist Eckart von Hirschhausen ist durch das Interesse an Wirtschaft und gewiß auch die Liebe zu Krawatten geprägt: von Hirschhausen wurde sogar zum “Krawattenmann des Jahres 2009″ gekürt. Wie bei Ebert wird von ihm stolz der Titel der Abschlußarbeit angeführt und die Leser können sehen, dass auch er direkt den Weg von Wirtschaft und Kabarett statt des studierten Faches wählte. Dazu kommt ein ausgesucht konservativer Drall: als Aktivist für “pro reli” in Berlin und als Bibelinterpret. Als solcher demonstriert er den Zuhörern, wie Gott Menschen zwischen Gut und Böse unterscheiden lehrt.

Unser Gut und Böse: diese Verbindung führt tatsächlich zur Vernetzung Eberts im neokonservativen Umfeld, er engagiert sich nämlich als Beitragender im  Journalistenblog “Achse des Guten“. Dort also erfahren wir schließlich, was er mit seinen Artikeln und seiner Medienpräsenz besonders bewirken möchte. „Was kritisch ist“, sagt Ebert, „bestimmt nach wie vor eine Hand voll Linienwächter. Und die verstehen darunter das übliche linksprotestantische Konsensgeschwafel.“

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Ebert ist schlicht aktiver Kämpe in einer “neoliberalen” Medienmaschinerie, seine Beiträge siedeln sich unter diesem höheren Ziel an. Aktivisten der “Achse des Guten“, z. B. die rechte Alarmsirene Henryk M. Broder oder der Frankfurter Ex-Linke und Öko-Basher Michael Miersch haben es sich zum Ziel gesetzt, gegen “ökosozialpazifeministische” Veröffentlichungen zu streiten. Ihre Strategie orientiert sich in verschiedene Richtungen und agiert mit wechselnden Mitteln.

Das gelingt den deutschen NeoKons durch ein Veröffentlichungsnetzwerk, das sich in FAZ über Spiegel bis Welt verbreitet und weitgehend die kulturell-politische Hoheit in Deutschland errungen hat. Sie machen mit gewissen Abweichungen den “Mainstream” unserer Medien aus. Die Presse der FR-Besitzers DuMont Schaumberg (Kölner Stadtanzeiger, Berliner Zeitung, Hamburger Morgenpost usw.) gehört dazu, dem Energieunternehmen Mainova passts sicher auch ins Konzept, dass ihr Knalleffektkabarettist politisch gut vernetzt freie Märkte anpreist.


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