Frankfurter Gemeine Zeitung

Screammodelle im Frühling

screammodelle
Haben sie es erkannt? Der Warnruf eines Engadiner Murmeltieres, wenn ein Raubvogel am Himmel zu sehen ist. Mit der Imitation dieses Pfeifens habe ich den „Preis der Jury“ auf dem internationalen Treffen der Murmeltierfreunde in Davos gewonnen. Immerhin saß damals die leider bereits ertaubte Ilse Werner in der Jury. Außerdem musste ich gegen eine Gruppe italienische Bauarbeiter antreten, die seit frühster Jugend trainiert hatten, indem sie Frauen in Miniröcken hinterherpfiffen. Auf Sardinien hat sich aus dem Bauarbeiterpfeiffen sogar eine eigene Pfeifsprache entwickelt. Das sind Voraussetzungen, von denen kann man hierzulande nur träumen. Andererseits hat das auch verhindert, dass ich mich zu früh auf Murmeltiere festgelegt habe. Und wen ich ihnen einen Rat geben darf: Legen sie sich nie zu früh auf Murmeltiere fest.
Ich hatte ja als junger Mann ohnehin andere Pläne, ich wollte als Schauspieler zum Film. Aber die Schauspielschulen haben mich nicht genommen, und ich dachte: Okay, versuch ich mal auf dem Umweg über das Synchronisieren in das Business reinzukommen. Ich machte eine Sprecherausbildung und hab mich für ein paar Synchrojobs beworben. Eines Tages kam meine Chance: Kabel Eins wiederholte sämtliche 360 Folgen von Daktari. Im Directors Cut. Das war diese uralte Serie um einen Tierarzt im Urwald. Etliche Szenen mussten neu synchronisiert werden.
Die Synchroleiterin sagte zu mir: „Die meisten Rollen sind schon weg. Aber ich sehe grade, ich kann Dir noch wunderbare Rolle anbieten: Clarence!“ Okay, ein anderer Sprecher hätte vielleicht damals gesagt: „Ein schielender Löwe, das ist unter meiner Würde!“, aber Clarence war neben Judy, dem Schimpansen, der einzige echte Star der Serie! Und nachdem ich zum ersten Mal als Clarence gebrüllt hatte, mit einem 1A-Timing, das ein echter Löwe niemals so hinbekommen hätte, haben im Studio alle geklatscht. Meine Eltern wussten damals gar nicht, dass ich als Synchronsprecher arbeitete. Sie hatten irgend etwas falsch mitbekommen und dachten, ich wäre Synchronschwimmer. Wenn ich sie besuchte, nahm mich meine Mutter beiseite und sagte: „Junge, pass auf das deine Haut nicht austrocknet. Du musst Dich genügend eincremen!“ Mein Vater maulte: „Ich finde, er hätte uns die anderen ruhig mal vorstellen können, die da mit ihm synchronschwimmen. Ich möchte wissen, was das für Jungs sind, mit denen er den ganzen Tag im Wasser ist und die man nie zu Gesicht kriegt. Am Ende wird er noch schwul!“ Aber zu meinem 21. Geburtstag schenkten sie mir eine Bademütze von Hugo Boss und dafür bin ich ihnen heute noch dankbar.
Bis die 360 Folgen von Daktari abgenudelt waren, hatte ich eine super Zeit. Ich hab mich total mit der Rolle identifiziert und sogar selbst ein wenig zu schielen angefangen, glücklicherweise ist das später wieder weggegangen.
Dann las ich eines Tages die Ankündigung eines richtigen Kinofilms, einer Hollywoodproduktion: „Das Schweigen der Lämmer“. Können Sie sich meine Gefühle vorstellen? Alles schien so natürlich: Nach dem Löwen nun das Lamm! Ich hab gleich den Produktionsleiter der Synchro angerufen. Das war eine echte Herausforderung für einen jungen Tierstimmenimitator! Lämmer sind eh viel schwieriger als man denkt, die machen nicht einfach mäh oder bäh, da ist jedes Lamm unterschiedlich, das muss in der Stimmführung individuell gezeichnet werden. Und dann erst: Schweigende Lämmer. Ich weiß nicht, ob sie schon mal auf einer Wiese früh morgens Lämmer schweigen gehört haben, das ist etwas ganz ursprüngliches. Ich habe mich auf einem Bauernhof im Hunsrück mit einigen Lämmern mehrere Monate nach der Stanislawski-Methode auf die Synchro vorbereitet und ich sage ihnen, in punkto Lämmerschweigen konnte mir damals niemand das Wasser reichen, zumindest hier bei uns.
Als ich dann endlich zur Synchro ins Studio ging, sagte der Aufnahmeleiter: “Also die Sache ist die, wir haben uns den Film noch mal angesehen, da schweigen gar keine Lämmer in dem Streifen, das tut mir echt leid. Alles, was Du tun kannst ist, auf den Directors Cut warten, vielleicht sind da ja ein paar Lämmer drin.“
Das hat mich damals richtig umgeworfen innerlich, ich habe ein Jahr lang kein Lammfleisch mehr essen können, das Schweigen der Lämmer wollte ich mir nicht ansehen, nicht mal einen Film mit Till Schweiger, obwohl der gar nichts damit zu tun hatte.
Meine Mutter fragte mich: ” „Junge, Du bist so blass, cremst du dich auch genug ein?“
Mein Vater sagte: „Warum helfen ihm seine Badehosenfreunde nicht? Alles, was diese jungen Typen interessiert, ist Sex!“ Was mir in der Zeit Kraft gab, war meine Beziehung zu Andrea und die verdanke ich letztendlich doch dem verdammten Film. Andrea war als Scream-Modell für die Synchro des Films angeheuert worden, Amerikanerinnen schreien ja viel höher als Europäerinnen, das klingt für unsere Ohren eher komisch, und natürlich kriegte die reguläre Synchrosprecherin die harten Passagen nicht hin. Andrea konnte aus dem Stand heraus so schreien, dass man eine Gänsehaut bekam. Oft saßen wir in diesem Sommer in ihrem kleinen Garten im Frankfurter Nord-End, ich schwieg, sie schrie und wir hatten eine Menge Spaß!
Und als wir so eines Abends beisammen saßen, kam mir eine Idee: Buckelwale. Andrea schrie auf vor Begeisterung! Gesänge der Buckelwale waren damals total angesagt, da wurden Bücher und CDs in Massen abgesetzt. Ich dachte mir, was Buckelwale können, kann ich auch. Ich bin also nach Australien gefahren, hab an Waltouren teilgenommen und mir das gesamte Buckelwalrepertoire reingezogen. Und ich kann ihnen sagen: Unter Wasser singen ist für einen Menschen nicht einfach. Aber am Ende hatte mich eine Gruppe von 13 Buckelwalen als Buckelwal akzeptiert. Wir hatten eine Menge Spaß und ich hab dann mit den Jungs eine CD rausgebracht: „Fuck up, Captain Ahab“, die ist auf Platz 9 der Weltmusik-Charts gestiegen, fast hätten wir die ganzen Mönch-CD´s überrundet.
Also, ich fands wirklich ein Superlied, aber leider war der Buckelwalgesangshype auf einmal aus und vorbei. Das hat mich dann fast mit nach unten gezogen. Die Jungs waren total enttäuscht, sie ließen sich einfach irgendwann an den Strand treiben und verendeten…Traurig, aber für mich war so etwas nie eine Lösung. Ich gab nicht auf, ich gebe niemals auf.
Dass ich da rausgekommen bin, habe ich auch Andrea zu verdanken, sie brachte mich in der Synchro von „Jurassic Park“ unter, in der sie selbst wieder als Scream Modell arbeitete. Zum ersten Mal sprach ich ein Tier, das es nicht in der Wirklichkeit gab. Ich imitierte ein Tier, dessen Stimme kein Mensch jemals gehört hatte. Das war wie eine Befreiung. Natürlich hab ich nur die kleineren Flugsaurier aus der zweiten Reihe bekommen, aber ich war in einem Film von Steven Spielberg! Danach gings wieder aufwärts: über die Krankheitsvertretung in „Godzilla“ zu meiner ersten sprechenden Maus. Ich sprach richtige Worte, einen eigenen Text. Na und jetzt kriege ich zu den Filmrollen noch die ganzen Aliens in PCspielen angeboten und ab und zu ein Auftritt im Unterhaltungsprogramm eines Ornitologenkongresses, es läuft wirklich gut und Mutter sagte neulich zu mir: „Tante Rosi hat angerufen, sie hat Fernsehen geguckt und irgend so ein Flugsaurier hat sie an Dich erinnert. Ist das nicht sehr merkwürdig? Aber willst Du uns nicht mal Deine kleine, schreiende Freundin vorstellen?“ In solchen Momenten denke ich: Das Leben ist eigentlich sehr schön.


Wider die perfekte Welle- ein Modell gegen den Ausverkauf von Stadtteilen

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Die SPD hat die Idee in ihr gerade veröffentlichtes Kommunalwahlprogramm aufgenommen-  natürlich erst nachdem die LINKE vor ein paar Wochen einen dementsprechenden Antrag gestellt hat: Nach Münchner Vorbild könnte auch in Frankfurt ein stadtplanerisches Instrument geschaffen werden, um Wohngebäude in attraktiven Lagen vor dem Verkauf an profitorientierte Immobilienfirmen zu bewahren. Ermöglicht wird dies in München durch einen genossenschaftlichen Dachverband, die GIMA, die den Übergang (Erwerb) des Wohnraums auf einzelne Genossenschaften organisiert. Diese erhalten die Gebäude entweder direkt von den Hausbesitzern oder (2 Jahre) nach Ausübung eines Vorkaufsrechts von der Stadt.

Die perfekte Umwandlungswelle
Seit Mitte der siebziger Jahre erlebt Frankfurt am Main  Tsunamihafte Umwandlungswellen. Längst haben sie große Wohnungen in guten Lagen verschlungen. Immer weniger Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen können in Frankfurt wohnen bleiben oder gar eine Wohnung finden. Die aktuelle Umwandlungswelle erfasst die übrig gebliebenen, weniger attraktiven Wohnungen, z.B. solche an verkehrsreichen Straßen.  “Grundsätzlich” sind sich fast alle Politiker einig, dass diese Entwicklung aufgehalten werden sollte.

Aber, ach,  dagegen sei eben „kein Kraut gewachsen“. Die Wohnraumverwertung wurde zum Jahresanfang noch dadurch angeheizt, dass die CDU/FDP-Landesregierung den in Frankfurt geltenden Schutz vor Eigenbedarfskündigungen für umgewandelte Wohnungen von 10 auf 5 Jahre verkürzt hat. Und da dies ein Landesgesetz ist, wäscht der Römer seine Hände in Unschuld. Die Vereinigung der Grund-, Haus- und Wohnungseigentümer, also die, die es wissen muss,  hat bereits früher auf einen mit den Umwandlungswellen eng verbundenen Strukturwandel hingewiesen: Das tendenzielle „Aussterben“ des früher vorherrschenden Privatbesitzers mit relativ wenig Grundbesitz. Ihn ersetzen Immobiliengesellschaften, die auf das Umwandlungsgeschäft spezialisiert sind.  Die Ursachen für diese Entwicklung sieht der Verein “Mieter helfen Mieter e.V.“ nicht in der oft beschworenenen Überforderung von älteren Hausbesitzern- zumal es hierfür Hausverwaltungen gibt. Verantwortlich dafür sei vielmehr der durch das Umwandlungsgeschäft erzeugte Verwertungsdruck.

Genossenschaften statt Immobilienhaie
Es gibt aber Fälle, in denen (nicht nur bisher überforderte) Mietshauseigentümer einen Käufer suchen, der zwar nicht den Höchstpreis zahlt, der aber gewährleistet, dass die Mieter in Ruhe wohnen bleiben können. Für diese Fälle gibt es in Frankfurt keine Hilfeorganisation. Dieser Ausgangspunkt war in München ein Motiv für die Gründung der GIMA (Genossenschaftliche Immobilienagentur).
Auch Mieter können sich in München an die GIMA wenden, wenn sie ihrem verkaufswilligen Vermieter einen sozial orientierten, zuverlässigen Erwerber vermitteln wollen oder  wenn sie als Mietergemeinschaft das Haus in Genossenschaftsform erwerben wollen.Das kommunale Vorkaufsrecht kann nur unter bestimmten Bedingungen ausgeübt werden. Hier kommt insbesondere das  Bestehen eines Erhaltungssatzungsgebiets mit Milieuschutz in Frage. Erhaltungssatzungen können auf zwei Zwecke gestützt sein: a) Erhaltung der städtebaulichen Eigenart und b) Erhaltung der Einwohnerstruktur (= Milieuschutz). Zwar gibt es in innenstadtnahen Stadtteilen Frankfurts (Sachsenhausen, Nordend, Westend und Gutleut) 6 Gebiete mit  Erhaltungssatzungen. Doch nur für das westliche Westend als traditioneller Heimstätte von Notaren und Psychotherapeuten gilt Milieuschutz. Um das Münchner Modell zu verwirklichen, müssten also möglichst viele Satzungen überarbeitet werden.

Kein Milieuschutz in Frankfurt?

Dagegen gibt es politische Widerstände. Offiziell heißt es, Milieuschutzsatzungen seien kaum realisierbar, weil sie voraussetzen, dass ein schützenswertes Milieu vorliege, welches aus einer seit Jahrzehnten unveränderten Bevölkerungsstruktur bestehen muss. Und durch die rasanten Verdrängungen der letzten Jahre sei keine  homogene Struktur mehr vorhanden.  Im Klartext besagt diese Logik: da die Durchkapitalisierung der Innenstadt eh schon alle gewachsenen Milieus zerstört hat, warum dann nicht gleich die Immobilienhaie loslassen? Dieses Argument beruft sich zwar auf das Gesetz. Doch im Gesetz findet sich kein Anhaltspunkt, dass die Bevölkerungszusammensetzung längere Zeit konstant gewesen sein muss. Vielmehr enstspricht die heute herrschende stadtplanerische Maxime einer „durchmischten“ Bevölkerung dem Gesetzeszweck. Wenn wir uns allerdings Londoner Verhältnissen annähern, wo es in einer wohnfeindlichen Innenstadt neben Büros nur noch wenige Wohnungen (Luxus- bzw. Zweitwohnungen) gibt, könnte man nicht mehr von einem schützenswerten Milieu sprechen. Entwicklungen in diese Richtung sollen aber grade durch entsprechende Gegenmaßnahmen abgewendet werden. Eine dazu ist das Münchner GIMA-Projekt, das “Mieter helfen Mieter e.V.” als Vorbild für Frankfurt empfiehlt.


Der gute Fürst (3)

Die dunkle Seite

Alles okay, wer spenden will, soll dies auch tun und reichlich. Die Ahnentafel ist ihm/ihr sicher und die Saga von dem wundersamen Wirken.

Es ist hier nicht der Platz über individuelle Motive (Psychopathologie) zu spekulieren oder in eine Diskussion über Ehrenhaftigkeit oder nicht (Verschwörungstheorien) einzusteigen, es geht vielmehr darum, aufzuzeigen, wie die unreflektierte Begeisterung zu voreiligen Schlüssen führen kann. Es wird zu vieles in einen Topf geworfen, zu kräftig umgerührt und schliesslich zu heiss gegessen, um noch bekömmlich zu sein.

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Die Logen der feinen Gesellschaft

Die entscheidenden Gremien einer Stiftung sind ihre Vorstände und Beiräte. Vor allem Letztere sind (aus)gewählt, zunächst vom Stifter, dann von seinen Nachfolgern: nehmen wir einmal Bertelsmann (man erinnere sich noch an: „Wir sind Deutschland“, peinlich, peinlich). Dieser Unternehmung des Patriarchen wurden 77 % des Aktienpaketes der AG übereignet und sie zieht weitere Spenden an. Im Vorstand sitzt die Familie und die Leitung der Bertelsmann AG. Sie ist weitgehend mit anderen Stiftungen vernetzt, von denen als reichste hier nur die Robert Bosch Stiftung erwähnt sei.

Das Kuratorium, dieser erlesene Klub, ist mit Prominenz aus Kulturindustrie, Grossindustrie und Politik bestückt. Beste Kontakte nach überall. Diese Damen und Herren vergeben ca. 70 Mio. im Jahr, eine imposante Summe, die jedoch kleiner ist als die Streuern, die mit dieser Konstruktion gespart werden. Und ihre „Fachleute“ reden überall mit, sei es bei Schröder/Fischer (Agenda 2010, Hartz IV), sei es bei der Umgestaltung kommunaler Verwaltungen.

Man berät, in der Gesundheits- und Sozialpolitik – “können wir uns nicht mehr leisten” – kommunales Management (NPM) –private-public-partnership, fördert die Exzellenz von Hochschulen (CHE), kurz: man hat überall, wo es wichtig werden kann, seine Finger am Hebel und den Lobbyisten vor der Tür. Und dies auch international, wo man die nächste Generation der Eliten fördert.

Die Zusammensetzung der Gremien garantiert die Kontinuität des Stifterwillens. Bertelsmann legt sehr viel Wert auf die Einflussgröße seiner Kuratoriumsmitglieder. Wichtige Entscheidungen werden informell getroffen. Soviel zu dem transparenten zivilen Spendersystem.

Sowohl Vorstand als auch Kuratorium sind geschlossene Veranstaltungen, man wird berufen. Ein weiteres Kenzeichen von Re-Feudalisierung.

Von Transparenz zur Transpiration

Was grossartig gefeiert wird, ist die Transparenz der Stiftungen (hier ist die Verschwörung öffentlicher Einrichtungen gegen „den“ Bürger impliziert). Sie bezieht sich jedoch bei näherem Hinsehen lediglich auf die Rechnungslegung, die vom Finanzamt mit der „Gemeinnützigkeit“ verlangt wird.

Wie der Honoratiorenklub zu den Entscheidungen der dort ausgewiesenen Projekte kommt, bleibt hinter den geschlossenen Türen  verborgen. Innerhalb der Projekte heisst Transparenz, dass der Stiftung jederzeit genauer Überblick über jede Einzelheit zu geben ist- dazu gehört auch, dass Interna nicht nach Aussen dringen. Interessant ist der ausdrückliche Hinweis, dass leider nur hauseigene Projekte gefördert werden können. Das  bedeutet, dass Zuwendungen nur dann gegeben werden, wenn ein Projekt unter der Weisungshoheit der Stiftung steht, was wiederum die Aufgabe der Selbstbestimmung des Antragstellers einschliesst. Dies geschieht „freiwillig“ und in bestem – gegenseitigem -  Einvernehmen.

Als Betroffenem kommt einem dann nur noch der kalte Schweiss. In der Praxis kann zwar jeder auch (online) einen Antrag stellen, doch erfolgreich ist er nur dann, wenn er den richtigen Fürsprecher hat.

Kann man in der Regel behördliche Entscheidungen anfechten, so ist das hier völlig unmöglich, wenn also immer mehr Mittel entzogen, um in derartigen Gebilden geparkt zu werden, dann besteht aller Grund zum Schweissausbruch.

Von Freiheit und Würdigkeit

Ein entscheidendes Kriterium für die Praxis ist die Nähe von Spender und Empfänger, so kann davon ausgegangen werden, dass Gelder, die in Universitäten angelegt werden, generell grössere Freiräume für die Empfänger beinhalten, was zumeist auch noch in der Natur der Sache liegt. Ist der Spender Mitglied der empfangenden Gemeinde, so kann ebenfalls auf steng formalisierte und detaillierte Kontrollen verzichtet werden.

Steigen jedoch soziale und räumliche (kulturelle) Distanzen und Differenzen, bekommt die Spende andere Beigeschmäcker. Sie bestätigt auf jeden Fall die als ungerecht empfundene Verteilung der Güter, wie auch immer die Zuschreibung dafür aussehen mag.

In der Praxis der Spendergesellschaft stellt sich die Förderung für die Geförderten meist als Danaergeschenk dar.

Denn der Freiheit des Spenders entspricht die Würdigkeit des Empfängers. Letztere definiert sich mit wachsender sozialer Distanz zwischen beiden als „unverschuldet“ in Not geraten und schliesst stillschweigend ein, dass der Neo-Kapitalismus verstärkt jene Arme produziert, denen nach erfolgreicher Abschöpfung des Mehrprodukts dann umso besser geholfen werden kann. Da es letztlich wieder dorthin zurückfliesst – zu den Armen, nur in wesentlich sinnvollerer Form – erübrigt sich auch jede Anstrengung, sich um eine Gesellschaftsordnung zu bemühen, die das erst gar nicht zulässt. Und weil die Empfänger vorgeblich keine Stimme haben, werden sie gleich entmündigt.

Die Funktionäre der Spendergesellschaft

An erster Stelle natürlich alle, die ihre Brötchen bei den Stiftungen verdienen, dann das grosse Heer derjenigen, die Gelder verwalten und die Projekte durchführen, also Institute, NGO vor allem, nicht zu vergessen auch die vielen Schreiber und Denker. Sie richten die würdigen Armen her, dass sie saubergewaschen und gekleidet, dem Spender bei der Besichtigung ein Ständchen bringen.

Von ihnen wird viel verlangt, denn um in den erlauchten Kreis aufgenommen zu werden, sollten sie sich vorher so zugerichtet haben, dass sie eine Chance sich ausrechnen können. Nur so ist für sie innerhalb der Projekte Freiraum realisierbar. Andererseits garantiert dies dem Spender, dass seine Vorstellungen adäquat umgesetzt werden.

Was tut man nicht alles, um an der Tafel des Fürsten zu sitzen.




Hochdruckreiniger für Innenstädte

Innenstädte sind in, mit ihnen lassen sich glänzende Immobilienprofite erzielen. Das gilt für Büros wie für Wohnungen. Das gilt insbesondere für “angesagte” Stadtteile. Sie sind nach Übergangsphasen eines bunten Lebens bereit zu einer Neustrukturierung für Eigentumswohnungen, Anreiz für Verkäufe und Austausch der Bewohnerschaft. “Gentrifizierung” ist das dafür in den letzten Jahren verwendete Schlagwort.

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Was aber tun, wenn der Bestand an Wohnungen knapp ist und die Residenten starrsinnig bleiben, schlicht innenstädtische Bereiche nicht klaglos räumen wollen ? Die englische Regierung hat dafür eine in die Zeit passende Lösung gefunden, die sich als Modell auch bei uns anbieten könnte: Die Haushaltverschuldung des Staates durch die “Finanzkrise” – Europas Hauptorte dieser: London und Frankfurt – veranlasst die Regierungen zu drastischen Sparmaßnahmen. Üblicherweise sind das Senkungen: nämlich der Spizeneinkommenssteuern und der Sozialzuschüsse.

London kapriziert sich besonders aufs Soziale: dabei kommen Mietbeihilfen ins Visier. Etwa 750.000 Haushalten wird die Beihilfe gekürzt, die Einzelheiten schildert der folgende Audio-Beitrag: Englands innenstädtische Wohnungsproduktion. Das Ergebnis dieser Kürzung würde in einer neuen Stadtflucht bestehen, viele Bewohner können die Miete nicht mehr zahlen, müssen raus aus ihren Wohnungen und verlassen angestammte Innenstadtgebiete, weg in strukturärmere Randgebiete. Platz ist geschaffen für potentielle Zuzügler und Käufer. Die Vermarktungs-Maschine könnte loslegen, ein tolles Matktszenario!

Aber die Krise hat noch ein anderes Bild: Das Vertickern von Häusern auf Teufel komm raus war einer der Sprengstoffe für die gegenwärtige Krise. Die Immobilienmärkte “überhitzten” sich, Häuser und Kredite wurden zu teuer. Das betrifft besonders die USA, Großbritannien und Spanien. Mit der Folge: die Immobilien- und Mietpreise gehen in den Keller, zunächst schlecht fürs Geschäft aber auch für den sich reich fühlenden Mittelstand. Gefühlte Armut und kreditknausrige Banken machen den Verkauf und eine geschmierte Marktmaschine dann schwer.

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Nun kann man sich unter diesen Krisenbedingungen aber folgende Fortsetzung als weiteres Szenario vorstellen: die Preise in bestimmten städtischen Gebieten fallen, sozial geförderte Wohnungen werden leer. Von der Krise heftig betroffener Mittelschicht, die arbeitslos wird, bekommt Kredite gestrichen, die Zinsen erhöht. Mit erheblichen Folgen: ihre häusliche Kasse leert sich rapide, die Immobilien müssen schnell und billig losgeschlagen, die Wohnungen verlassen werden.

Junge, agile Künstler-, Studenten- und Techniker-Szenen sondieren jetzt passende Gebiete für ein hippes Quartier, ziehen ein – billiger Platz ist ja nun genügend da – und bauen das Viertel in den nächsten Jahren klturel auf. Die jetzt tiefpreisigen Objekte kaufen Investoren und bieten sie nach der Krisenberuhigung den interessierten Stadtzuziehern an: fantastic profit. Vielleicht finden sich unter den Käufern wieder einige derer, die kurz davor noch mit vielen Miesen raus mussten ! Die Szene kann man mit ein paar Abfindungen in andere Bereiche verschieben, die Krise und die Sozialmaßnahmen haben ja genug Platz geschaffen.

Städtische Pflege

Pflüge oder Hochdruckreiniger arbeiten sich periodisch, alle paar Jahre oder Jahrzehnte durch die Städte. Mal wird wird umgeschichtet, mal planerisch planiert. Die Stadt wird zum maschinellen Raum der Ökonomie, je nachdem wie es äussere und innere Gelegenheiten in ihnen bieten. Gegen solche Unvemeidlichkeiten kommt manchmal, zu selten Unwillen auf.

Vielleicht auch ein Modell für Frankfurt: passt das hier nicht gut zu schwarz-grün und wichtigen Teilen ihrer Klientel ? Riedberg ist fast vorbei, Uni-Bockenheim ist nicht wirklich groß. Anruf in Berlin. Die FDP hat ja bereits die Änderung in eine Wohnpauschale vorgeschlagen. Da wird man sich doch schon einigen können.


25.8.: Der verwundete Bahnhof

Unangekündigt und überraschend wurde heute am Mittwoch der Nordflügel des demkmalgeschützten Stuttgarter Bahnhofes eingerissen. Noch am Wochenende hatten 30 000 in Stuttgart gegen den Abriß  und das Monsterprojekt “Stuttgart 21″ demonstriert. Einer der “Schöpfer” des Projektes, Stararchitekt  Frei Otto warnt in einem morgen erscheinenden STERN-Interview vor den vehementen Sicherheitsrisiken des Projektes, immensen Kosten und geringem Nutzen. [...]

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Eine Frage

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…von FGZ-Autor und Frankfurter Rapper Florian Neeb. Ein Audiofile Spoken by himself: bitte hier klicken .

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Die Geschichte vom kleinen zornigen Popanz

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Die folgende Geschichte spielt weder auf unserer Welt, noch in unserem Universum, sondern in einer Paralleldimension.

Diese weist zwar durchaus gewisse Ähnlichkeiten mit unserer auf, jedoch ist sie einfacher aufgebaut und angefüllt mit den seltsamsten Fabelwesen.

Genau genommen spielt die Geschichte im Reich der Popanze.

Die Popanze sind tragische Figuren, die gewisse Ähnlichkeiten mit Zwergen oder Gnomen haben. Der durchschnittliche Popanz ist in voller Länge etwa hüfthoch, hat blondes glattes Haar und trägt eine Zipfelmütze.

Ihre Lieblingsspeisen sind fettes Schweinefleisch, Knödel und alle Arten von Kohl als Beilage.

Das Land der Popanze ist ein Land voll kleiner Hügel und dunkler grüner Wälder und endet im Norden an einer rauen, stürmischen See und im Süden an einem großen Gebirge.

Die Sommer dort sind mild und angenehm, doch die Winter sind lang und düster, so dass sie den Popanzen viel Zeit geben, sich in ihre Häuser einzuschließen und trübe Gedanken zu pflegen.

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Gedanken zum Buch: “Die Identitätsfalle- Warum es keinen Krieg der Kulturen gibt”

Ich möchte hier einmal ein Buch vorstellen, auch auf die Gefahr hin, dass das was ich erzähle inzwischen kalter Kaffee ist, da das Buch bereits 2006 in englischer Sprache und 2007 auch auf Deutsch erschienen ist.

Rezensionen und Kritiken gibt es inzwischen also mehr als genug. Trotzdem hat mich das Buch bewegt und ich möchte an dieser Stelle ein paar eigene Gedanken dazu formulieren und gleichzeitig eine dringende Leseempfehlung aussprechen.

Die Rede ist von „Die Identitätsfalle- Warum es keinen Krieg der Kulturen gibt“ des indischen Wirtschaftsnobelpreistägers Amartya Sen.

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Der gute Fürst (2)

Die Institutionen der “Spendergesellschaft”

Der Vorstoss von Gates bringt eine nicht gekannte Dimension ins Spiel, dabei ist es nicht die Stiftung selbst, sondern das, was diese Stiftung absichert. Unbemerkt von der Öffentlichkeit ist hinter der philanthropischen Fassade der Bill & Melinda Gates Foundation ein Trust entstanden, der zu den mächtigsten Vereinigungen dieser Welt gehört und mit weiteren Spenden bald an die erste Stelle rücken wird. Nutzniesser dieses Trusts ist allein die Stiftung, die Forderungen bis zum Gesamtwert des Trusts stellen kann, die bedient werden müssen. Die Schätzungen variieren, doch dürften dort mittlerweile mehrere hundert Milliarden Dollar gebündelt sein. Vergleicht man die Staatshaushalte in Afrika mit diesen Beträgen, so wird schnell klar, welches Potenzial hier entstanden ist. Die Firmen, die dem Trust gehören oder an denen er beteiligt ist, machen natürlich Business-as-usual, und je mehr Profit sie auspressen, umso besser steht der Trust da – und genau das ist die Aufgabe. (So kann denn auch die Meldung nicht sonderlich verwundern, dass sich der Trust gerade bei Goldman-Sachs eingekauft hat, letzte machten gerade 1 Milliarde Gewinn durch Spekulation auf Lebensmittel. Bei Monsanto haben sie sich auch beteiligt.)
Stiftungsübersicht

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“Stuttgart 21″ und der Joghurt des Architekten

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Zu sehen: Christoph Ingenhoven, Architekt

Eigentlich wollte ich nichts über “Stuttgart 21″ schreiben. Denn solche megalomanischen Großprojekte wie die UnterdieErdebringung des Stuttgarter Bahnhofes sind in Zeiten wie diesen gewissermassen selbsterklärend dämlich. Sie benötigen keinen Kommentar. Nur die Herunterbetung der Fakten (Alle folgende Angaben TAZ:) “Stuttgart 21″ heißt, die Bahn will in zehn Jahren den heutigen oberirdischen Kopfbahnhof in Stuttgart mit 17 Gleisen in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof mit acht Gleisen verwandeln. Zudem sollen Gleise in 33 Kilometer langen Tunnels unter der Stadt verschwinden, dazu kommen 18 Brücken und zwei weitere Bahnhöfe. Zugleich soll eine neue ICE-Trasse bis Ulm gebaut werden. Ohne sie würden die neuen Strecken in der Schwäbischen Alb enden.” Ach so.
Kosten soll das laut Bahn “6,978 Milliarden Euro”. Eine Zahl von der vorgetäuschten Exaktheit eines Supermarktsonderangebotes: 6,978 sind ja noch nicht ganz 7, gell? Tatsächlich ging der Bundesrechnungshof bereits 2007 von 1, 2 Milliarden zusätzlich aus. Gutachten der Gegner von “Stuttgart 21″ kommen auf Gesamtkosten von 11 Milliarden. Aber, na ja, Geld ist ja nicht alles… Das subversiver Umtriebe unverdächtige Umweltbundesamt kritisiert darüber hinaus in einer aktuellen Studie

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Blind Dates 23.8.-29.8.

es reicht

An der Front Frankfurter Politveranstaltungen herrscht größtenteils noch spätsommerliche Ruhe. Auf zwei Dinge sei aber hingewiesen: Am Mittwoch, 25. August referiert und diskutiert der Frankfurter Sozialpsychologe Christian Schneider von 18-20 Uhr über das Thema: “Familienalbum. Psychologische Anmerkungen zum Problem der Tradierung“. Das gehört zum Rahmenprogramm der Ausstellung “Fremde im Visier” im Historischen Museum Frankfurt und findet ebendort statt.
Am Sonntag, den 29.August gibt es um 20 Uhr im Klapperfeld eine Infoveranstaltung zum NO-Border-Camp in Brüssel (25.9-3.10.) mit einem “Brüsseler Aktivisten”. Veranstalter sind die nimmermüden Faites votre jeux!
Und noch eine Vorrausschau auf Kommendes: Letzten Samstag, den 21. August , fand die Aktionskonferenz der AG Georg Büchner auf dem Campus der Goethe Universität in Frankfurt am Main statt. Rund 200 AktivistInnen aus Gewerkschafts- und Linksparteikreisen, verschiedenen Jugendverbänden, ATTAC, der Interventionistischen Linken sowie lokalen Krisenbündnissen und vielen anderen politischen Zusammenhängen nahmen an der Konferenz teil. Unter dem Motto „Es reicht. Zentrale AkteurInnen und ProfiteurInnen der Wirtschafts- und Finanzkrise blockieren“ ging von der Konferenz ein deutliches Signal aus. Geplant ist folgendes: Am Montag, den 18. Oktober 2010, werden durch eine Aktion zivilen Ungehorsams Finanzknotenpunkte in Frankfurt am Main blockiert.

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Trendiges Durchwurschteln

Glaubwürdige Vorhersagen akzeptieren wir nur noch selten, vielleicht von Physikern, manchmal von anderen Naturforschern. „Zukunftsforschung“, bis in die 70er Jahre das ernsthafte Hobby von Architekten oder Ingenieuren, die uns die glänzende Zukunft in Raumstationen oder hybriden Häusern prophezeiten ist verschwunden.

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Nicht ganz, sie hat sich in verschiedene Nischen verfeinert, die das Bild der wunderbaren, gerade existierenden menschlichen Konstruktionen jeweils anders unters Volk bringen. Am bekanntesten sind wissenschaftliche Wahrsager des Typs Hans-Werner Sinn, dem gleich ein ganzes Forschungsinstitut staatlich finanziert wird, damit er seine immer gleichen Tiraden des Aufschwungs durch Verzicht, Steuersenkung und Staatsabbau mit ökonomischer „Wissenschaft“ legitimieren kann – egal wie simpel seine Theorien und falsch seine Vorhersagen sind. Dann die Techno-Propheten mit naturwissenschaftlicher Vision und die mit ökonomischer, der Art des Weltenerlöser Steve Jobs. Eine Mischvariante, die direkter auf persönliche Versorgung der Prediger abzielt ist die „Trendforschung“, die im Stile einer Politikberatung light uns alle bewegende Fragen über direkt vor uns liegende Zeitabschnitte verständlich beantworten möchte.

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Kreuzberg Boulevard

Kreuzberg Boulevard: Die Wandzeitung für Interaktive Realitäten P1000948 Mit einer Beobachtung zu einer Kreuzberger Wandzeitung meldet sich die ehemalige Frankfurt, oder!- Korrespondentin aus Berlin zurück.

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Die Vergewaltiger sind los!

Deutschland ist in Angst! Mal wieder. Eigentlich ist das auch nichts Neues, sondern eher ein Dauerzustand. Gequält stöhnt der aufgeklärtere Zeitgenosse da: „Warum denn jetzt schon wieder?“

Und mit panikgeweiteten Augen antwortet ihm der Bildleser: „Ja liest Du denn keine Zeitung? Jetzt gehen doch die Vergewaltiger um!“

Darauf würde ihm der aufgeklärtere Zeitgenosse antworten: „Und was soll daran schlimm sein? Die gehen doch immer um. Es gibt halt Verrückte und daran kann niemand etwas ändern.“

Aber diesmal ist die Situation anders: Immerhin sind es da um die 300 die da freigelassen werden sollen.

Naja, kann man sich auch denken. Wenn jeder von diesen Leuten innerhalb eines Jahres einmal rückfällig würde (was eher unwahrscheinlich ist), dann gäbe es 300 Opfer.

Die gleiche Zahl an Menschen dürfte innerhalb dieses Jahres auch ihrer Heuallergie erliegen.

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Wappen für das Nordend

Durch ein Mitglied unserer Redaktion wurde ich aufmerksam auf das Stadtteilmagazin “NORDend”, welches “ein hochwertig gestaltetes Magazin zum Lesen und Schauen“ sein soll, mit hübschen Fotos und allerlei Geseiere von Wohlfühl(ex)linken wie dem Grünen-Stadtrat Lutz Sikorski.

Es wird herausgegeben im Stile eines Hochglanzmagazins und in der Presseerklärung heißt es ganz unbescheiden „somit hat NORDend beste Chancen, zum Sammelobjekt zu werden“.

Naja… jeder Mensch braucht ein Hobby und vielleicht gibt es ja irgendwo einen Messie mit ausreichendem Sammlertrieb.

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Ein Lehrstück in Zynismus

Was hat das Mädchen auf dem Titelblatt des Time-Magazine im Gesicht? Antwort: Das Sommerloch

Dieser Satz ist natürlich zum Einen zynisch und zum Anderen nicht zutreffend. Wie jeder verständige Mensch gemerkt hat, handelt es sich hierbei nicht um einen harmlosen Sommerlochfüller, sondern um eine eindeutige Propagandabotschaft, mit dem Ziel, den Betrachter in Etwas zu locken, dass ich die Empathie-Falle nennen möchte.

Das verstümmelte Gesicht einer ansonsten hübschen jungen Frau löst verständlicherweise eine starke empathische Reaktion in Form von Mitleid und Wut aus.

Diese Reaktion erleben wir regelmäßig, wenn in Medien ein besonders schweres Einzelschicksal ins öffentliche Rampenlicht rücken.

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Der gute Fürst (1)

Auf dem Weg zur „Spendergesellschaft“ mit Billy Gates

Wir alle kennen die vielen Mythen und Erzählungen über „goldene Zeitalter“ und „weise Fürsten“ und vielerorts werden gewaltige Feste zu ihrer Erinnerung abgehalten. Je weiter weg die Ereignisse, umso strahlender die Erzählungen. Und es könnte darum gehen, zu Lebzeiten „Denkmal zu sein“, statt erst nach dem Tode. Diese Perspektive ist bereits genug Anlass zu grosser Medien-Hype. Doch abseits dieses Rummels ist es nicht in erster – und zweiter – Linie die Motivation der Spender und auch nicht die Tatsache der Spende, die uns beschäftigen sollten, sondern zu was die „Spende“ herhalten muss – und welche Form ihr letztlich gegeben wird.

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Das altbekannte Almosen lässt dem Empfänger – trotz möglicher begleitender moralischer Appelle – die völlige Freiheit, eine Gegenleistung wird nicht erwartet (es sei in Form beschleunigten Zutritts zum Paradies) und seine Verwendung bleibt dem Empfänger überlassen. Spenden zeichnen sich dadurch aus, dass sie gebunden sind, in welcher Form auch immer. Und auch mit dem bekannten Mäzen sollte der postmoderne Spender nicht verwechselt werden.

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Frankfurter Sensorium – Bilder (2)

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Städtisches Biotop

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Webtainment – eine Zustandsmeldung

Microsoft kommt nur noch über den Spendenmogul Gates in die Tagesschau und Apple bewegt erregte Spätteenies, die einem Steve Job auf der Suche nach hippen Gadgets an den Lippen hängen. Google aber erstrahlt in echter Techno-Kreativität, verhandelt mit Staaten, wälzt Arbeitsalltag bis Lebenswelt mit vielen gewitzten Tools um: wir suchen, lesen, senden und empfangen, wir forschen, übersetzen, shoppen und bloggen mit Google. Rundumservice am Schreibtisch.

street view - 1

Das Draussen sieht man vom Notebook aus trotzdem gut, manchmal sogar besser, denn besonders lieb gewonnen haben wir die Karten, Googles große Übersichten, mit denen wir uns in komplizierter Welt besser zurechtfinden. Map und Earth heißen sie, die Anzeige von Adressen und das Routenfinden bieten sie, plus schöne Photos, Geschäfte und Restaurants, wichtige Sehenswürdigkeiten und passende Reise-Tours, mit 3-D-Schwenk und einem Blick wie im Landeanflug.

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NPD-Verbot sofort! Ein Statement

Eigentlich bin ich ein absoluter Gegner von Denk- und Redeverboten. Meist bin ich der Auffassung, dass auch Spinner und Sektierer das Recht haben sollten, ihre Meinung öffentlich zu vertreten. Wenn diese Meinung allerdings rassistisch, antisemitisch und totalitär ist, sehe ich die Grenze der Meinungsfreiheit als überschritten an. In diesem Sinne bin ich ein Verfechter der [...]

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Blind Dates 9.8.-15.8.

blind datesanfang august

Am Montag,den 9. August , 18.30 Uhr trifft sich im Studierendenhaus, Campus Bockenheim. die Initiative Ratschlag Campus Bockenheim. Ihr geht es um die Zukunft des alten Universitätsgeländes. Insbesondere soll an diesem Montag der “Tag des offenen Denkmals” (12. September, www.denkmalpflege-hessen.de ) vorbereitet werden. Unter dem Motto “Denkmäler brauchen aktive Bürger” werden “Ratschlag Campus Bockenheim” und die Initiative “Zukunft Bockenheim” an diesem Tag das Studierendenhaus als Ort demokratischer Initiativen und und das Philosophicum als architektonischer Entwurf für die Demokratisierung in Lehre und Forschung präsentieren. (Flyer hier) Mittwoch, 11. August, 18-20 Uhr: Vortrag und Diskussion mit dem Historiker und Politologen Dr. Jörg Osterloh über den “Feind im Weltanschauungskrieg hinter Stacheldraht Fotographien aus “Russenlagern” in Deutschland 1941/42“.

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Identität

Wärst Du die Zeit, fragte ich mich,
Wie viele Dir schon zum Opfer gefallen sind.
Ich grübelte in Deinem Angesicht,
Um letzendlich festzustellen, wie unendlich Dein Haar,
Wie unerfassbar Deine Präsenz,
Und wie unmessbar den Menschen Deine Größe ist.
“Keine Antwort; nicht für mich…”
Wäre das Ergebnis meiner düsteren Überlegungen.
Ich baute nutzlose Maschinen,
Alle dem Zweck geweiht, Dich einen Augenblick zu halten.
Du wärst mir eines aus vielen,
Ich verginge schlußendlich in Dir, ohne mich zu sträuben
Und gäbe mich mit Allem
Vertrauensvoll in Deine Arme, wissend: Du erreichst Dein Ziel.
Ich setzte mich Deinen Launen aus,
Und stünde staunend vor meiner eigenen Unfähigkeit.
Voll Zuversicht sähe ich Dich an,
Lauschte dem Ticken des Herzens in Deiner Brust,
Dessen Puls die Welt bestimmt.
Ohne Dich greifen zu können, wäre ich Dir ausgeliefert.

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Östlich von Naxos

“Anarchie auf Naxos? Ein Frankfurter Industriegelände erfindet sich neu” hieß das Wochenendfeature, das der nimmermüde, erkundende und kartografierende Deutschlandfunk zu einem beliebten Stück Industriemuseum am Samstagmorgen ausstrahlte.  Bemerkenswerte Eigenschaften zeichnen die Naxos gerade in Frankfurt aus: eine Industriebrache mit richtigen Backsteinen und Fertigungshallen mitten in der glattgeputzten Finanzstadt; gar noch an der Schnittlinie der hippen Stadtteile Nordend, Bornheim

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Stadtfauna – 3

Es war einmal ein grosser Marketing-Stratege, der sass an einem schönen Nachmittag an seinem ebenso schönen Schreibtisch bei einem frischen Espresso in seinem sonnendurchfluteten Büro, schaute sinnend über die Stadt und auf ein Bildchen, das den Titel hatte: errechnete Bevölkerungsübersicht 2010.

Bestagers

Er war ein vorausschauender Mensch, eigentlich noch viel Zeit bis dahin, aber bei der Rasanz heutiger Entwicklungen.

Es waren die Jahre des Baby-Booms, der Vollbeschäftigung und er hatte eine Eingebung: „Lass’ die alle mal 50+ sein.“ Ein leichter Hauch strich ihm über die Stirn – die Muse hatte sich ihm zugewandt.

Er träumte von spezifischen Angeboten und Produkten für diese neue Spezies, die da entstand und vor seinem dritten Auge Gestalt annahm:

BestAgers.

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D.I.N.K. of That Again!

Magnus? Gérome? Cheyenne? Fiona?

Am Besten, man nennt ein Kind, das man nie haben wollte nach etwas, zu dem man keinen Bezug hat… So etwas wie: Haifa, Banjo oder Seppuku? Latex ist einfach nicht zuverlässig.
Ich verstehe Dich schon, denn wie soll man im Cabrio einen Kindersitz montieren, und außer dem -davon abgesehen- hätte die dumpfe Schnepfe sich auch die Eileiter kappen lassen können!
Entschuldige, das war vielleicht einen Schritt zu weit gedacht, aber so ist es doch, oder?

Zwei Einkommen reichen nun mal nicht für ein Kind, wenn man was vom Leben haben will, und: “Oh Gott!” denkst Du Dir, ohne auch nur einen Begriff davon zu haben, wer Sie sein könnte, “Warum bin ICH nicht steril?!?” Bei diesem Gedanken fürchtest Du Dich kurz und weißt wieder nicht warum… Naja, die Anderen im Vorstand gründen ja auch Dynastien. “Aber wenn schon Kinder, dann bitte Zwillinge. Die sind was Besonderes!” So wie Du.

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Das Begräbnis des Herrn M.

Man kann es in der Zeitung lesen Der Herr M. der ist verstorben Er hatte ein erfülltes Leben Achtzig Jahr ist er geworden Es trauern Kinder und die Witwe Die Verwandten Onkel, Tanten Alle die ihn mochten, liebten und die andren die ihn kannten Wir werden sein Andenken ehren Ihn niemals als Mensch vergessen Beileid, [...]

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Stadtguerillahandbuch gegen das Spießertum

ACHTUNG der folgende Text ist rein satirisch gemeint! Er dient der Belustigung und dem verbalen Aggressionsabbau. Keinesfalls soll hier irgendwer zu strafbaren Handlungen angestiftet werden, bzw. dazu aufgefordert werden, seine Kinder zu solchen zu erziehen. Racheaktionen und Terrorakte erreichen meist nur das Gegenteil von dem, was sie bezwecken sollen. Stalking, Sachbeschädigung, Brandstiftung, üble Nachrede und Körperverletzung sind Straftatbestände. Keine der Handlungen, die im folgenden Artikel erwähnt werden, ist zur Nachahmung in der Realität empfohlen. Der Autor dieses Artikels lehnt jede Verantwortung für eventuelle Sach- und Personenschäden ab. Wahrhaft glücklich ist der, der mit seinen Mitmenschen in Frieden lebt-

Neulich gab es einen Leitartikel im Stern über die zunehmende Kinderfeindlichkeit in Deutschland. Immer häufiger gibt es Beschwerden gegen Kinderlärm und manche Kindertagesstätten sahen sich schon mit Gemeinschaftsaktionen der Nachbarschaft konfrontiert, die das Ziel hatten, den Kinderlärm einzudämmen oder ganz zu verbieten

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Neulich im Höllenschlund

Satan

Vor ein paar Tagen saßen der Moloch und der Dämonenfürst Belial zusammen in der Hölle und unterhielten sich über ihre letzten bösen Taten.

Moloch : Hast Du das mitbekommen? Ich war auf der Loveparade in Duisburg. Da habe ich Panik unter die Leute gesät. Einfach toll war das! 21 habe ich erwischt! Und was hast Du inzwischen getan? Wenn das so weitergeht, dann werde ich Dich in der Gunst des Höllenfürsten bald überflügelt haben.

Belial: Ich war erst bei einer Mahnwache. Und dann habe ich einen Teddybären gespendet. Später war ich auf einer Demo für den Rücktritt des Bürgermeisters. Danach habe ich mich als Wissenschaftler verkleidet und den Menschen Rat gegeben, wie sich solche Unglücke vermeiden lassen. Zuletzt habe ich den Gedenkgottesdienst besucht.

Moloch : Du bist wohl nicht mehr bei Sinnen? Eine Mahnwache? Teddybären spenden? Gottesdienst? Wir sind die Diener der Hölle! Wir müssen Tod und Verderben bringen! Warte nur bis Satan davon erfährt.

Belial: Na das sieht Dir ähnlich… Immer musst Du mit dem Holzhammer kommen. Subtilität war nie Deine Stärke. Mit meinen Handlungen habe ich weit Schlimmeres getan, als Du mit dem Tod der 21 Menschen jemals anrichten könntest.

Moloch : Was hast Du denn getan? Auf einer Mahnwache wird gebetet und es werden Kerzen entzündet! Was sollte daran schlimm sein?

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Ausgerechnet Du

ausgerechnet
Ich denke mein Leben lang
Ich bin am falschen Ort
Ich suche nach dem Notausgang
Und wünsche mich weit fort

Leute an der Kasse, auf der Terrasse
Auf Meetings mit Kaffeetasse
Niemand, den ich liebe
Niemand, den ich hasse

Alle sehen sich verstohlen an,
alle denken dran:

„Ausgerechnet Du
Ausgerechnet ich
Ausgerechnet wir
Sind heute hier

ich hatte heut was anderes vor
doch dieser Tag kam mir zuvor
noch ein Tag, den ich verlor-
verlor, verlor, verlor“

Manche lieben Spaß
andere Habermas
oder die Hamas
oder Adidas
all das
ist Zufall nur im All
seit dem großen Knall

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Stadtfauna – 2

Die Weiterentwicklung des Homo oeconomicus

Beim Blick in Zeitungen und ferne Kontinente (Auslandsjournale) entsteht der Eindruck, dass die Evolution dabei ist, eine neue Sub-Spezies hervorzubringen, die mehr und mehr die Metropolen besiedelt, ja, es scheint, dass die Schöpfung nach einiger Zeit des Relaxens oder doch zumindest stark verminderter Aktivität, mit einem Male wieder Fahrt aufnimmt und unsere Fauna wie vor Millionen Jahren explosionsartig mit neuen (Unter-) Arten versorgt und vielleicht erneuert. Und dies ebenso global wie damals. Die Frage, ob es sich dabei auch um eine Art Wiederauflebens einer Art Neandertaler handeln könne, ist noch heiss diskutiert.

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Diese neuen Arten siedeln nicht in separaten Biotopen, sie sind mitten unter uns. In ihrer Neuartigkeit werden sie oft verkannt und in Ermangelung wissenschaftlicher Einordnung werden sie nur allzu leicht mit historischen Erscheinungen (s.o.) verwechselt, was zu Irritationen und Fehldeutungen führt.

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Frankfurter Sensorium – Bilder (1)

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Kurze Berührung zweier Pole

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Imaginationen über Zentralafrika drehen sich bei Mitteleuropäern gerne um Kurz´ Grauen, das vor über 100 Jahren an die belgischen Gräuel um den Fluß Kongo herum erinnert. “Kongo” ergänzt Joseph Konrads “Herz der Finsternis” um drei weitere Wahrnehmungsraster, mit denen wir diese seltsame Gegend betrachten. Die Ökofreunde schauen gerne die netten Gorillas, Schimpansen und Waldelefanten im Fernsehen an, die meist von wagemutigen Amerikanern im undurchdringlichen, zweitgrößten Regenwald der Welt abgefilmt werden.

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