Frankfurter Gemeine Zeitung

Stadtguerillahandbuch gegen das Spießertum

Cartridge Trap

-Disclaimer:

ACHTUNG der folgende Text ist rein satirisch gemeint! Er dient der Belustigung und dem verbalen Aggressionsabbau. Keinesfalls soll hier irgendwer zu strafbaren Handlungen angestiftet werden, bzw. dazu aufgefordert werden, seine Kinder zu solchen zu erziehen. Racheaktionen und Terrorakte erreichen meist nur das Gegenteil von dem, was sie bezwecken sollen. Stalking, Sachbeschädigung, Brandstiftung, üble Nachrede und Körperverletzung sind Straftatbestände. Keine der Handlungen, die im folgenden Artikel erwähnt werden, ist zur Nachahmung in der Realität empfohlen. Der Autor dieses Artikels lehnt jede Verantwortung für eventuelle Sach- und Personenschäden ab. Wahrhaft glücklich ist der, der mit seinen Mitmenschen in Frieden lebt-

Neulich gab es einen Leitartikel im Stern über die zunehmende Kinderfeindlichkeit in Deutschland. Immer häufiger gibt es Beschwerden gegen Kinderlärm und manche Kindertagesstätten sahen sich schon mit Gemeinschaftsaktionen der Nachbarschaft konfrontiert, die das Ziel hatten, den Kinderlärm einzudämmen oder ganz zu verbieten.

Im Interesse eines „guten Nachbarschaftsverhältnisses“ reagieren die Eltern und Erzieher oft mit Rücksichtnahme gegenüber den Beschwerdeführern, anstatt von diesen vehement Rücksichtnahme gegenüber ihren Kindern einzufordern.

So bekam schon manches Kleinkind verboten zur Mittagsruhe mit seinem Bobbycar auf dem Hinterhof herumzufahren, während der Sportwagenfahrer für gewöhnlich ganze Städte unbehelligt mit seinem „satten Motorsound“ beglücken darf.

Aber schließlich soll das Kind ja lernen Rücksicht zu nehmen.

Doch genau hierbei sehe ich das Problem. Je mehr man den Ruhebedürftigen dieser Gesellschaft das Gefühl gibt im Recht zu sein, desto mehr werden diese auch auf ihr Recht pochen.

Und in einer ruhigen Nachbarschaft fällt das Schreien eines Kleinkindes auch deutlich mehr auf, als in einer lebhafteren Umgebung.

Daraus folgt, dass jede Rücksichtnahme auf ruhebedürftige Nachbarn nur dazu führt, dass diese sich bestärkt fühlen und die Diktatur der Nacht- und Mittagsruhe nur umso entschlossener durchsetzen werden.

Und leider ist das deutsche Recht tatsächlich meist auf ihrer Seite.

In den Entscheidungen der Gerichte wiegt das Interesse einer verbitterten alten Schachtel an ihrer Mittagsruhe mehr als Spaß und Lebensfreude von hundert Biergartenbesuchern oder eben einer ganzen Kindertagesstätte.

Wobei ich mich da natürlich frage, wie das mit dem Gedanken einer Demokratie vereinbar sein soll.

Aber so sind die Gesetze nun mal und als rechtstreuer Bürger muss man das akzeptieren.

Ich aber schreibe hier für eine GEMEINE Zeitung und so sei es mir erlaubt, einmal rein hypothetische Gedanken in die andere Richtung anzustellen.

Und hier komme ich zu der Überlegung:

Was will denn ein motzender Nachbar von uns? Seine Ruhe!

Der Lärm stellt für ihn eine emotionale Belastung dar und diese möchte er abgestellt haben. Was aber, wenn wir zwar oberflächlich seinem Wunsch nach Ruhe nachkommen, aber durch verdeckte Operationen die emotionalen Kosten für sein Verhalten quasi ins Unermessliche treiben?

Was, wenn er weiß warum er zum Ziel verdeckter Aktionen wird, aber nicht nachweisen kann, dass diese von uns stammen?

Irgendwann wird er feststellen müssen, dass die Durchsetzung seines Ruhebedürfnisses ihm höhere emotionale Kosten verursacht, als der Kauf und die Benutzung einer Schachtel Ohropax oder ein einfacher Umzug.

Und auch wenn wir es nicht schaffen, ihn zu vertreiben, so würden wir doch etwas für die Nachwelt erreichen. Denn selbst, wenn er zu stolz ist, uns gegenüber zu kapitulieren, wird er es sich wohl überlegen, ob er sich den Stress eines Kriegszustandes mit seinem nächsten Nachbarn ebenfalls zumuten will.

Leider sind aber viele Zeitgenossen erstaunlich phantasielos, wenn es darum geht, sich unauffällige aber effektive Störaktionen zu überlegen.

Viele Menschen befinden sich in einem so tragischen Zustand des Mangels an natürlicher Bosheit, dass mir fast das Herz blutet.

Darum hier eine kleine Fibel von Ideen aus dem verdorbenen Geiste Eures treuen Freundes Florian K.:

1. Wissen ist Macht

Kennt Ihr das Lied von den Fußballfans? „Schiri wir wissen wo Dein Auto steht!“

Je mehr man über einen nervigen Nachbarn weiß, desto besser. Seine Adresse ist noch recht leicht zu bekommen. Und gerade Angehörige der älteren Generation sind meist dämlich genug, in einem Telefonbuch zu stehen.

Daten über das Auto erhält man durch Beobachtung. Ein lukratives Ziel für Nachforschungen ist die grüne Papiermülltonne vor der Haustür des Nachbarn. Geradezu unglaublich, was Leute so alles wegwerfen, wie Arztrechnungen, Bescheide der Sozialversicherung, Briefe von Verwandten bis hin zu Kontoauszügen.

Mit einem kleinen Bisschen Hartnäckigkeit lässt sich so alles Mögliche herausfinden. Auch persönliche Briefe haben durchaus ihren Wert für uns, da man aus den Absendern Adressen von Freunden und Angehörigen bekommt und warum sollte man diese im Rahmen seines kleinen schmutzigen Feldzuges schonen? Führende Diktatoren und Kriegsverbrecher wissen, dass Sippenhaft ein sehr probates Druckmittel gegen einen Menschen ist.

Wer wollte schon, dass seine alte und herzschwache Mutti den ganzen Beate Uhse Katalog nach Hause bestellt bekommt oder im Briefkasten ein paar Fotoausschnitte des neuesten Koprophagie-Pornos findet?

Wichtig ist es auch, möglichst viele Fotos von seiner Zielperson zu bekommen. Mit einem Kamerahandy kann man eigentlich ganz gute Fotos machen, während man so tut als würde man telefonieren.

Die Fotos kann man dann in kompromittierendem Zusammenhang beispielsweise unter den Schlagworten „Schnappt den Kinderschänder!“ ins Netz stellen.

Dies sollte man natürlich nicht von zu Hause machen, es sei denn man nutzt einen sicheren Proxy-Server.

Aber so ein Internetcafe in einer anonymen Großstadt bietet fast grenzenlose Möglichkeiten, auch ohne dass man ein halbes Informatikstudium braucht.

Und natürlich sollte man seine Zielperson googeln um etwaige soziale Aktivitäten, Vereinsmitgliedschaften u.s.w. aufzudecken.

Jede Info hilft bei unserem schändlichen Tun.

Besonders verwundbar sind Menschen übrigens auch an ihrem Arbeitsplatz. Den Arbeitgeber findet man meist recht leicht heraus und jemanden an seiner Arbeitsstelle zu kompromittieren führt zu erheblichem Stress für den Betroffenen und damit zu einem Anstieg seiner emotionalen Kosten.

2. Kinder können grausam sein

In Kindern lebt noch das reine und ursprüngliche Böse, welches nicht durch die Denkverbote der Erwachsenen verdorben wurde.

Niemand ist zu einer solchen Unsensibilität, Grausamkeit und Schadenfreude fähig wie ein Kind. Und Kinder wollen ihren Bezugspersonen gefallen. Sie sind daher überaus eifrige und willige Komplizen und wenn ihre Bezugsperson ihnen signalisiert, dass sie „kleine Streiche“ gegen den Nazi-Opa von gegenüber billigen würde, dann werden die Kinder schon entsprechende Handlungen ergreifen.

Eventuell lässt das Opfer der Attacken sich sogar dazu hinreißen, handgreiflich gegen die Kinder zu werden, was einem selbst als willkommene Legitimation für eigenen Körpereinsatz dienen kann.

Und Kinder sind nicht strafmündig… ´nuff said.

3. Spielzeug kaufen

Ja, die Welt ist voll von lustigen Gegenständen. Man muss nur einmal auf Google eingeben „XYZ kaufen“ und man wird sich wundern, was alles erhältlich ist.

Nur mal eine kleine Liste mit Beispielen:

  • Stinkbomben (Klassiker!)

  • Madagaskar-Fauchschaben (fauchende Riesenkakerlaken, unendlicher Spaß im heimischen Wohnzimmer)

  • Zwei-Komponenten-Kleber (Kleber unter Fußmatte, Hundehaufen auf Fußmatte… Spaß)

  • Buttersäure (stinkt wie Erbrochenes und das wochenlang)

  • Kaliumpermanganat (in die Tasche eines Wäschestückes geben, macht ganze Waschladung lila)

  • Super-Soaker (damit lassen sich die verschiedensten Flüssigkeiten über etliche Meter Entfernung verspritzen)

  • Polyurethanschaum (schäumt schön, härtet knochenhart aus)

  • Brennspiegel (Anwendungsmöglichkeit selbsterklärend)

  • Roundup (Beseitigt nicht nur Unkraut, sondern auch gepflegte Blumenbeete)

  • Paintball-Marker (Verziert NPD-Wahlplakate und Hausfassaden)

  • Leistungsstarke Grünlaser (können die Netzhaut schädigen)

  • Abhörtechnologie aller Art (Zur Informationsgewinnung)

  • Wühlmauspatronen (kann man anzünden… machen giftige Dämpfe)

  • Dachsfallen (Kein Witz! Man kann sie legal ohne irgendwelche Nachweise bestellen)

  • Thermit (legal, günstig, brennt sich weißglühend durch Gartenlauben, Autos etc.)

  • Skallpellklingen (Lassen sich mit Metallkleber an der Unterseite eines Türgriffs befestigen, manche Leute sind auch so dumm ihre Schuhe vor der Eingangstür stehen zu lassen)

4. Social Hacking

Durch geschickte soziale Interaktion lässt sich eine Fülle an Information gewinnen. Ein effektiver Trick ist, sobald sich der Streit mit dem Nachbarn anbahnt, ihn zu einem Klärungsgespräch zu besuchen.

Hierbei kann man durchaus zweigleisig fahren.

Zum Einen kann man versuchen, tatsächlich eine Klärung herbeizuführen. Zum Anderen kann man die Gelegenheit nutzen, sich einmal in der Wohnung des Nachbarn umzuschauen und evtl. auch heimlich ein paar Telefonnummern von seinem Schreibtisch oder seinem schwarzen Brett zu speichern oder ein paar seiner persönlichen Unterlagen unauffällig abzufotografieren.

Beides sollte man tun, denn wenn die Eskalation erst einmal da ist, wird man wohl kaum mehr Zugang zur Wohnung seines Kontrahenten bekommen.

Und wenn man sich doch gütlich einigt, kann man die gewonnen Informationen ja später immer noch vernichten.

Sollte es sich bei dem Gegner um einen vernetzten Menschen handeln (z.B. Lokalisten, Facebook, Xing) kann man auf diesem Wege evtl. etwas über ihn herausfinden.

Oft ist die Option eingestellt, dass Freunde von Freunden bereits Infos sehen können. So ist es durchaus sinnvoll, sich mit Hilfe eines Fake-Accounts die Freundschaft von einigen seiner Freunde zu erschleichen.

Auf diese Weise lassen sich kompromittierende Informationen auch effektiver in seinem Umfeld verbreiten.

5. Bestell ihm Müll!

Wenn man die Adresse eines Menschen hat, dann gibt es einen einfachen und effektiven Weg, ihm richtig auf den Nerv zu gehen: Man bestellt ihm irgendeinen Mist!

Pizza ist der Klassiker, wobei Pizzerias sich oft eine Nummer geben lassen und dort noch einmal zurückrufen um zu fragen, ob die Bestellung von fünf Partypizzas mit Hackfleisch, Anchovis, Saurer Sahne, Artischocken, Kapern, Ananas und Miesmuscheln wirklich ernst gemeint ist. Hier helfen uns zurückrufbare öffentliche Telefonzellen, bei denen man sich einfach mit dem Namen des Betreffenden meldet. Leider wird diese Art von öffentlichen Münzfernsprechern immer seltener, wodurch eine gute Basis für Stalking und Psychoterror vom Aussterben bedroht ist.

Eine andere Möglichkeit jemanden durch Bestellungen richtig in Probleme zu bringen ist, illegales Zeug für ihn zu bestellen. Viele Versandhäuser bieten noch immer Hanfsamen und Magic Mushrooms an, obwohl deren Besitz und Verkauf eindeutig strafbar ist.

Natürlich sollte man per Nachnahme bestellen, damit das Zeug sich auf den Postweg durch die Bundesrepublik begibt. So besteht die Chance, dass es vom Zoll abgefangen wird und unserem lieben Nachbarn mit etwas Glück sogar eine Hausdurchsuchung einbringt.

Und dann gilt: Nicht kleckern, sondern klotzen!

Eine Lieferung von 10 Kilo wird vom Zoll natürlich schneller entdeckt, als wenn nur eine Handvoll versandt wird. Außerdem ist da die strafrechtliche Relevanz größer.

Wenn man die Kontonummer seines Nachbarn beschaffen konnte, dann gibt es natürlich noch viel mehr Möglichkeiten für Bestellungen.

Auch gerne genommen sind Abonnements, die meist schnell abgeschlossen aber nur schwer zu kündigen sind.

Besonders lustig ist es, wenn man die Handynummer seines Nachbarn hat. Bei manchen Klingeltonanbietern kann man ein Abo unter Angabe der Handynummer auch online abschließen und schon bekommt er die neuesten Videos von Bushido für nur 5 EUR die Woche auf sein Handy.

Der Clou: Die Kosten werden meistens direkt mit der Telefonrechnung abgerechnet und der Nachbar hat dann nachher den Ärger sein Geld zurückzubekommen.

Natürlich kann man ihn auch mit Hilfe einer Werbeflut zur Weißglut treiben.

Man googelt einfach die Worte „gratis“ oder „kostenlos“ und trägt dann Namen, Adresse und Telefonnummer des Nachbarn auf allen Seiten ein, die man unter diesen Suchbegriffen findet.

Aufgrund der schier unendlichen Zahl an dubiosen Gratisangeboten könnte man hieraus ohne Probleme eine Lebensaufgabe machen.

Dabei sollte man darauf achten, dass man auf jedem Formular auch der Weitergabe der Daten ausdrücklich zustimmt. Dem dadurch ausgelösten Spamterror kann der Nachbar nur noch durch einen Umzug entgehen.

6. Beschweren und anzeigen

Wer zuerst zuschlägt hat unrecht. Zumindest im Denken der meisten Leute. Wer sich allerdings zuerst beschwert, dem wird Recht gegeben.

Aus diesem Grunde sollte man sich über den Nachbarn beschweren, bevor dieser selbst anfängt sich beim Vermieter zu beschweren.

Dabei ist es auch völlig egal, ob die Beschwerden haltlos sind. Schließlich hat man ja Freunde, die unsere Behauptungen bezeugen können.

Genauso können auch bestimmt zehn Freunde von mir bezeugen, dass der Nachbar mich soeben „Arschloch“ genannt hat, wenn ich ihn wegen Beleidigung anzeige.

Und wenn wir ihn observieren, werden wir meist feststellen, dass auch unser Saubermann von Nachbar Dreck am Stecken hat.

Arbeitet er schwarz? Anzeige! Kackt sein Hund auf den Gehweg? Anzeige! Parkt er im Halteverbot? Fotografieren und Anzeige! Hat er Haustiere? Dann hält er sie garantiert nicht artgerecht. Anzeige!

Mit diesem Repertoire an praktischen Kenntnissen lässt sich das Leben jedes Spießers in einen heulenden Alptraum verwandeln.

Doch: SPASS BEISEITE!

Warum stelle ich hier nur ein Handbuch mit Anweisungen hoch, von denen ich nicht wünsche, dass sie irgendwer in die Tat umsetzt?

Nun:

1. Toleranz muss auf Gegenseitigkeit beruhen!

Wer denkt, dass er mit aller Gewalt sein Recht durchsetzen müsste, gerät vielleicht doch mal an den Falschen.

2. Achtet auf Eure Daten!

Bloß weil angeblich „nichts zu verbergen“ habt, heißt das noch lange nicht, dass Euch nicht jemand etwas Böses will.

Denkt mal darüber nach…


Neulich im Höllenschlund

Satan

Vor ein paar Tagen saßen der Moloch und der Dämonenfürst Belial zusammen in der Hölle und unterhielten sich über ihre letzten bösen Taten.

Moloch : Hast Du das mitbekommen? Ich war auf der Loveparade in Duisburg. Da habe ich Panik unter die Leute gesät. Einfach toll war das! 21 habe ich erwischt! Und was hast Du inzwischen getan? Wenn das so weitergeht, dann werde ich Dich in der Gunst des Höllenfürsten bald überflügelt haben.

Belial: Ich war erst bei einer Mahnwache. Und dann habe ich einen Teddybären gespendet. Später war ich auf einer Demo für den Rücktritt des Bürgermeisters. Danach habe ich mich als Wissenschaftler verkleidet und den Menschen Rat gegeben, wie sich solche Unglücke vermeiden lassen. Zuletzt habe ich den Gedenkgottesdienst besucht.

Moloch : Du bist wohl nicht mehr bei Sinnen? Eine Mahnwache? Teddybären spenden? Gottesdienst? Wir sind die Diener der Hölle! Wir müssen Tod und Verderben bringen! Warte nur bis Satan davon erfährt.

Belial: Na das sieht Dir ähnlich… Immer musst Du mit dem Holzhammer kommen. Subtilität war nie Deine Stärke. Mit meinen Handlungen habe ich weit Schlimmeres getan, als Du mit dem Tod der 21 Menschen jemals anrichten könntest.

Moloch : Was hast Du denn getan? Auf einer Mahnwache wird gebetet und es werden Kerzen entzündet! Was sollte daran schlimm sein?

Belial: Könnte es etwas Verlogeneres geben als eine Mahnwache? Da stehen die Menschen mit gesenktem Haupte herum und weinen ihre Krokodilstränen. Tausende anderer Menschen die gleichzeitig überall auf der Welt sterben, werden vollkommen ausgeblendet. Es ist doch so pathetisch! So dumm! So hilflos! Warum stellen sich Menschen, die die Opfer meist nicht einmal selbst kannten, hin und trauern öffentlich? Warum sind ihnen all die anderen scheißegal? An einer solch heuchlerischen Selbstdarstellung hat der Höllenfürst doch seinewahre Freude!

Moloch : Da magst Du recht haben. Aber warum nimmst Du Teil an einer Demo zum Rücktritt des Bürgermeisters? Der Bürgermeister ist doch ein geld- und machtgieriges Arschloch, ganz nach dem Bilde unseres höchsten Fürsten.

Belial: Na und? Soll mich das daran hindern auch sein Leben zu ruinieren? Und ist nicht das Suchen nach einem Schuldigen geradezu charakteristisch für diese ungläubigen Zeiten? Ist es nicht ein wahrer Abfall vom Glauben, wenn man nach Kausalitäten sucht, statt an die Macht des göttlichen Schicksals zu glauben? Die Menschen denken, sie könnten alles beherrschen. Und wenn es einmal nicht klappt, wird nach einem Schuldigen gesucht, anstatt das Schicksal in Demut zu akzeptieren. Wunderbar! Einfach köstlich!

Moloch : Da erinnerst Du mich an so eine Menschenfrau. Wie heißt sie noch mal gleich? Eva Hermann. Die sagt fast das Gleiche.

Belial: Ja… ist sie nicht wundervoll? Diese selbsternannte „Stimme der Moral“? Auch ihre Seele gehört uns schon! Denn beschwört sie nicht das Bild eines zornigen, strafenden Gottes herauf, der die Teilnehmer der Loveparade für ihre Gottlosigkeit gestraft habe? Was gäbe es Besseres um das Vertrauen der Menschen in ihren Gott zu erschüttern? Wer mag schon an einen zornigen, rachsüchtigen Gott glauben? Wer an einen solchen glaubt, der glaubt doch in Wahrheit nicht an Gott, sondern an unseren Fürsten! Oder die Leute fallen vom Glauben ab und werden gottlos. Was könnte uns mehr in die Hände spielen, als ein freudloser Glaube voll Angst und Verbote?

Moloch : So langsam verstehe ich Deine Strategie! Nur weiter! Doch warum gibst Du den Menschen dann als Wissenschaftler Rat, wie sie solche Katastrophen in Zukunft vermeiden können?

Belial: Erst stärke ich ihren Glauben daran, dass die Wissenschaft alles beherrschen könnte. Dann brauchen sie keinen Glauben mehr, außer dem Glauben an ihre eigenen Möglichkeiten. Danach gebe ich ihnen den Rat, die Sicherheitsbestimmungen zu verschärfen. Je schärfer die Sicherheitsbestimmungen werden, desto schwieriger wird es, überhaupt noch große Feste zu organisieren. Und ein Stück Lebensfreude wird für immer aus der Welt verschwinden. Denn wenn erstmal ein Sicherheitsgesetz erlassen wurde, dann wird keiner mehr wagen, es jemals wieder aufzuheben. So haben die Menschen immer weniger Freude und immer weniger Freiheit. Und es werden trotzdem Katastrophen passieren. Dann wird man wieder die Gesetze verschärfen, bis niemand mehr irgendetwas darf. So schafft das angebliche Gute den Menschen die Hölle auf Erden.

Moloch : Wirklich ein perfider Plan! Seine Lordschaft wird erfreut sein. Doch an einem Punkt bist Du zu weit gegangen! Wie konntest Du einen Gottesdienst besuchen?

Belial: Warum denn nicht? Was wäre denn die Kirche ohne uns? Die Kirche braucht uns doch, um den Schäfchen Angst zu machen. Und dann verbietet sie ihnen die Sexualität und redet ihnen ein, dass ihr Dasein voll von Sünde wäre. Die Leute zittern vor Angst und sie geben ihr Geld einer Organisation, die doch am meisten ihren Machterhalt im Auge hat. Die Kirche und wir leben in einer jahrtausendealten Symbiose. Ich habe mir neulich sogar eines von diesen schönen Mariengötzenbildern als Halskettchen gekauft.

Moloch : Na gut! Clever bist Du ja… Trotzdem bin ich der bösere von uns beiden!

Belial: Meinst Du?

Moloch : Ja! Neulich habe ich ein paar Jungs im Ferienlager eingeredet, dass sie sich gegenseitig Besenstiele in den Arsch stecken sollen. Das gab eine Empörung!

Belial: Ich habe es mitbekommen. Jetzt setze ich mich dafür ein, dass nur noch geschulte Pädagogen eine Jugendfreizeit leiten dürfen. Dann steigen die Kosten für Jugendfreizeiten und bald können nur noch wenige reiche Kinder überhaupt an so einer Fahrt teilnehmen.

Moloch : Ich habe alleine dieses Jahr bei vielen tausend Kinderpornos Regie geführt!

Belial: Und ich habe eine Initiative zur besseren Überwachung des Internet gegen Kinderpornographie gegründet!

Moloch : Ich sorge dafür, dass überall Drogen produziert und verkauft werden!

Belial: Und ich sorge dafür, dass Drogen illegal bleiben, damit weltweit tausende Leute im Krieg gegen die Drogen getötet werden, damit kriminelle Kartelle die Drogen mit giftigen Stoffen strecken und die Konsumenten verfolgt und ausgegrenzt werden.

Moloch : Ich zettele ein Schulmassaker an!

Belial: Dann sorge ich dafür, dass alle Jugendlichen unter psychologische Aufsicht kommen, damit hyperaktive oder depressive Typen mit Medikamenten zugeballert werden, bis sie zu sabbernden Zombies werden.

Und Paintball kann ich dann auch gleich verbieten!

Moloch : Aber vergiss nicht meinen Geniestreich mit dem World Trade Center!

Belial: Wie könnte ich? Ich konnte dank Dir zwei Kriege anzetteln, ein faschistoides Gesetz namens „Patriot Act“ auf den Weg bringen und zu Guter Letzt sogar noch die „Achse des Guten“ gründen.

Moloch : Ich tue das Böse um seiner selbst willen.

Belial: Ich auch, doch ich verkaufe es den Menschen als etwas Gutes.


Ausgerechnet Du

ausgerechnet
Ich denke mein Leben lang
Ich bin am falschen Ort
Ich suche nach dem Notausgang
Und wünsche mich weit fort

Leute an der Kasse, auf der Terrasse
Auf Meetings mit Kaffeetasse
Niemand, den ich liebe
Niemand, den ich hasse

Alle sehen sich verstohlen an,
alle denken dran:

„Ausgerechnet Du
Ausgerechnet ich
Ausgerechnet wir
Sind heute hier

ich hatte heut was anderes vor
doch dieser Tag kam mir zuvor
noch ein Tag, den ich verlor-
verlor, verlor, verlor“

Manche lieben Spaß
andere Habermas
oder die Hamas
oder Adidas
all das
ist Zufall nur im All
seit dem großen Knall

Das war so bis gerade eben
Doch jetzt würde ich mein Leben
für einen Blick
von Dir geben
wir sehen uns verstohlen an
und denken dran:

“Ausgerechnet Du
Ausgerechnet ich
Ausgerechnet hier
Sind wir

Ich hatte heut was anderes vor
Doch dieser Tag kam mir zuvor
Noch nie kam mir ein Tag
so anders vor so anders vor so anders vor“

Kein Rechenzentrum
Wusste darum
Keine Simulation
des Pentagon

Kein Teleskop, Kein Horoskop
haben vorausgesehen,
dass wir uns heute sehen

Auch die Chaostheorie
Kannte nicht Deine Knie

Ausgerechnet Du
Ausgerechnet ich
Ausgerechnet wir
Sind heute hier

Du hattest heut was anderes vor
Doch dieser Tag kam Dir zuvor
Noch nie kam sich ein Tag
so anders vor


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