Frankfurter Gemeine Zeitung

Das Begräbnis des Herrn M.

Man kann es in der Zeitung lesen

Der Herr M. der ist verstorben

Er hatte ein erfülltes Leben

Achtzig Jahr ist er geworden


Es trauern Kinder und die Witwe

Die Verwandten Onkel, Tanten

Alle die ihn mochten, liebten

und die andren die ihn kannten


Wir werden sein Andenken ehren

Ihn niemals als Mensch vergessen

Beileid, Geld und fromme Sprüche

Bitte an die Kondolenzadresse


Man kann ihn jetzt sogar besuchen

Am Friedhof ist er aufgebahrt

Und wird dort schon seit drei, vier Tagen

Bei sieben Grad Celsius aufbewahrt


Nun liegt er da umringt von Blumen

ein totes Ding so wie ein Schnitzel

und leise flüstert mein Gewissen

“Mit so was macht man keine Witze”


Er sieht jetzt so unwirklich aus

So klein, so dürr und leicht geschminkt

Und zwischen uns steht eine Scheibe

Damit er nicht nach Leiche stinkt


Nun künden es die Totenglocken

Der Herr M. der ist verstorben

Dahingerafft von schwerer Krankheit

Achtzig Jahr ist er geworden


Die Kapelle voller Menschen,

alle schweigen, manche gähnen

auch ein Priester ist zugegen,

doch es fließen wenig Tränen


Der Priester sagt, dass seine Seele

Nun in der Hand des Herren liegt

Groß ist die Zahl der Trauergäste

Weil es etwas zu Erben gibt


Schwarz verschleiert ist die Witwe,

sie hat ihn bis zum Tod gepflegt,

was sollte sie auch andres machen,

sie hat von seinem Brot gelebt


Seine Kinder sind erwachsen

Haben studiert von seinem Geld

Und ihn danach links liegenlassen

Sind ausgezogen in die Welt


Sein früherer Chef ist nicht gekommen

Der hat bloß einen Kranz gebracht

Und darauf steht eine Floskel

Die dem Anlass angebracht


Langsam geht der Trauerzug

Der Herr M. wird nun begraben

Von vier Männern wird sein Sarg

Recht würdevoll vorangetragen


Alle Blicke sind gesenkt

Nur jene die als letzte gehen

Schauen sich verschämt um nach Verstecken

Und wollen sich Zigaretten drehen


Das Grab ist repräsentativ

Bekommt auch einen großen Stein

Er war zu Lebzeit sehr vermögend

Drum soll er´s auch im Tode sein


Der Eichensarg zeigt seinen Gästen,

Dass er stets nur das Beste hatte,

doch unterm Edelholzfurnier

versteckt sich eine Pressspanplatte


Nun ziehen sie ab die Trauergäste

Und feiern ein Familienfest

Doch in der Erde liegt ein Körper

Den die Seele nie verlässt


Vergessen heißt´s und weiterleben

Der Herr M. ist nun begraben

Lasst uns ihm ein paar Blumen bringen

An manchen Sonn- und Feiertagen


Ein Kommentar zu “Das Begräbnis des Herrn M.”

  1. nzkgaa

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