Frankfurter Gemeine Zeitung

Die Vergewaltiger sind los!

Deutschland ist in Angst! Mal wieder. Eigentlich ist das auch nichts Neues, sondern eher ein Dauerzustand. Gequält stöhnt der aufgeklärtere Zeitgenosse da: „Warum denn jetzt schon wieder?“

Und mit panikgeweiteten Augen antwortet ihm der Bildleser: „Ja liest Du denn keine Zeitung? Jetzt gehen doch die Vergewaltiger um!“

Darauf würde ihm der aufgeklärtere Zeitgenosse antworten: „Und was soll daran schlimm sein? Die gehen doch immer um. Es gibt halt Verrückte und daran kann niemand etwas ändern.“

Aber diesmal ist die Situation anders: Immerhin sind es da um die 300 die da freigelassen werden sollen.

Naja, kann man sich auch denken. Wenn jeder von diesen Leuten innerhalb eines Jahres einmal rückfällig würde (was eher unwahrscheinlich ist), dann gäbe es 300 Opfer.

Die gleiche Zahl an Menschen dürfte innerhalb dieses Jahres auch ihrer Heuallergie erliegen.

Im Vergleich zur Zahl der jährlichen schweren verkehrs- und Sportunfälle wäre selbst das beschriebene Worst-Case-Scenario eine Lappalie, die kaum der Erwähnung in einer Randnotiz wert ist.

Allerdings ist es höchst unwahrscheinlich, dass allzu viele dieser Straftäter rückfällig werden, denn immerhin stehen sie unter einer dermaßen ausgeprägten öffentlichen Beobachtung, dass sie kaum aufs Klo gehen können, ohne damit das Interesse der Polizei und der alarmierten Bürger zu erregen.

Man darf mich nicht falsch verstehen: Jeder einzelne Fall von Vergewaltigung ist schlimm und auch durch nichts zu rechtfertigen.

Ein Grund zur nationalen Panikmache sind die Freilassungen allerdings nicht.

Aber wenn es um den Umgang mit Sexualstraftätern geht, ist die Mehrheit unserer Landsleute nicht mehr zu rationalem Denken fähig.

Da sah man doch in der Montags-Ausgabe der Blöd-Zeitung mehrere junge Mädchen, die gegen die bösen Vergewaltiger protestierten und damit den miefigen Blähgasen dummdeutschen Volkszorns, die sich in ihren Gedärmen regten, einmal ordentlich Luft zu machten.

Eine trug ein Transparent mit der Aufschrift: „Keine Menschenrechte für VERGEWALTIGER“.

Aber sollte es dann etwa Menschenrechte für IdiotInnen geben?

Ja natürlich sollte es! Genauso, wie für Vergewaltiger oder sogar Osama Bin Laden, wenn man seiner habhaft werden könnte.

Denn genau dadurch zeichnet sich ein Rechtsstaat eben aus, dass er die grundlegenden Menschenrechte unterschiedslos gewährt.

Und ein elementares Kennzeichen eines Rechtsstaates ist eben auch, keine Strafen ohne ein entsprechendes Gesetz zu verhängen.

Dies aber ist mit der rückwirkenden Ausweitung der Sicherheitsverwahrung von zehn Jahren auf lebenslänglich geschehen.

Überhaupt war die Praxis zur Verhängung der Sicherheitsverwahrung vor dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte immer weiter ausgeufert und betraf beileibe nicht nur unheilbare Sextäter oder mordende Soziopathen.

Man konnte von einem Missbrauch sprechen, der rechtsstaatlichen Grundsätzen eindeutig zuwiderlief und ich muss zugeben, dass ich heilfroh bin, dass der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte diesem bundesdeutschen Dummfug einen Dämpfer erteilt hat.

Die Frage ist natürlich, was man jetzt mit den frei herumlaufenden Verrückten macht.

Ich hätte da einen Vorschlag:

Es gibt offensichtlich genug Polizisten, die nichts Besseres zu tun haben, als harmlose Kiffer herumzuschubsen. Dies sieht man an der hohen Zahl der Cannabis-Delikte in der Kriminalstatistik.

Diese Beamten würden sich auch freuen, endlich einmal etwas sinnvolles zu tun!

So wäre allen gedient: Den Menschenrechten, den harmlosen Kiffern, der sicherheitsbedürftigen Bevölkerung und sogar den Straftätern selbst, die ja ihre Schuld inzwischen verbüßt und damit eigentlich ein Anrecht auf ihre Freiheit haben.

Außerdem könnte man die Sicherheitsverwahrung ja auch so menschlich umgestalten, dass sie fortan keinen Strafcharakter mehr hat. Dann wäre die ganze Sache ohnehin kein Fall mehr für den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.


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