Frankfurter Gemeine Zeitung

Bemerkenswertes, Oktober-1

Politik

Zum bundesweiten “Bankenaktionstag” veranstaltete Attac Frankfurt eine Theater-Performance in der Innenstadt. Mit Schafsmasken und in weißen Anzügen zogen die Aktivistinnen und Aktivisten als “Opferlämmer” durch die Strassen. Auf Schildern und Transparenten wurde schlagwortartig benannt, was den Banken geopfert wird.
Eine “Financial Crimes“, die der FTD ähnelte kam unters Volk; der Fake, der an Aktionen der “YES MAN” mit der New York Times erinnert, ist auch im Web: hier.

In Berlin wurde gleich eine große Filiale der Deutschen Bank besetzt. Da hätte man bei uns in Frankfurt aber viel mehr Auswahl !

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Die gewohnten Herrschaften haben unwidersprochen das Sagen. Ein Meeting der Deutschen Bank AG in Berlin führte deren Herren mit ihren Aussendienstmitarbeitern zusammen, nämlich Bundestagsabgeordneten und Parteivertretern. Vergessen das Gewäsch von gestern, im Atrium der Deutschen Bank nahe dem Bundestag, diktierte man die Regeln: Sparen im Sozialetat ist angesagt, die Staatsknete ist ja verbraucht. Zum Beispiel zur Stützung der Deutschen Bank.
Wie man heute weiß, hat die Regierung bei HartzIV diese Richtlinien ordnungsgemäß erfüllt.

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Na gut, die SPD ist in der Opposition, jetzt wird sie einem “linken Block” zugeschlagen. Und die Umfragen geben ihr inzwischen ein paar Wahlprozentchen dazu, wie den alten Kumpels, den Grünen. Jetzt schimpfen sie sogar noch über Ungerechtigkeit. Haben selbst gar nix mit HartzIV zu tun, bringen Aufreger über niedrige Sätze.

Klappt aber noch nicht immer richtig bei den geschönten Wendehälsen Gabriel und Steinmeier, den Mitgliedern der rot-grünen Schröderregierung. Selbst Haupakteure der Einführung der Armendrangsalierung, möchten sie auch beim Immigranten-Bashing nicht hinten stehen. Wehe: falls diese Truppe wieder drankommt, erinnere man sich an Rot-Grün im letzten Jahrzehnt. Bei etwas Gedächtnis ist man dann wirklich abgeschreckt. Trotz Getöne auf dem Parteitag. So nicht!

Kultur

Wir können nicht weiter über unsere Verhältnisse leben”, sagte der neue Bürgermeister Christoph Ahlhaus (CDU) am Ende der Kabinettssitzung – ein schwarz-grüner Senat, Vorbild für Deutschland, wie wir hier in Frankfurt. Ein trauriges Vorbild, das der grünen Basis zu denken geben sollte.

Hamburg schafft gerade seine Theater und Museen ab, Hauptsache der Staat ist nicht “überschuldet” und es kommt der gewerblichen Förderung nicht in die Quere.

Stadt

In der Plenarsitzung des Hess. Landtags wird in dieser Woche höchtswahrscheinlich der Teilverkauf vom Campus Bockenheim beschlossen, um die Finanzierung der “Stiftungsuniversität” auf dem Camps Westend zu sichern.
Nach den Plänen der Hess. Landesregierung soll das Studierendenhaus (KoZ, Festsaal, Trakt mit AStA-Räumen) auf dem Campus Bockenheim der Hochschule für Musik und darstellende Kunst übergeben und die bisherige öffentliche Nutzung aufgegeben werden. Dem Studentenwohnheim, der Uni-Kita, der Kirche am Campus droht der Abriss.
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Die Frankfurter Rundschau jubelt, sollen wir es im Angesicht solchen Geschehens auch? Es lebt sich einfach toll in Frankfurt und drum herum. Meint zumindest eine Umfrage im Rahmen der Hertie-Stiftung. Sogar Berlin muß dagegen hinten anstehen. Nur ein bißchen teuer hier, aber es geht ja hauptsächlich ums Städte-Ranking: kommt alle her ihr “Kreativen”. Was sind wir doch alle glücklich hier!

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Über 300 Teilnehmer_innen kamen am Wochenende zur Summer Factory des Instituts Solidarische Moderne nach Frankfurt, um in den 17 Workshops mit 70 Bildungsexpert_innen über bildungspolitische Probleme und Herausforderungen zu diskutieren und gemeinsam Kernthesen zu formulieren.

Zum Kampf der Mainstream-Presse gegen das Institut lese man hier. Jedes noch so kleine Abdriften wird dort sofort aggressiv angegriffen.

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Der Film “Water makes money” ist angelaufen. Er zeigt, wie man aus der öffentlichen Wasserversorgung in PPP-Projekten richtig Geld kassieren kann: von allen Bewohnern möglichst viel in wenige private Taschen.

In Frankfurt hat es kein Kino geschafft, beim Start letzte Woche mitzumachen. Wir fühlen uns vermutlich hier zu toll für sowas. Aber das wird nachgeholt: am 13. 10. wird der Film vom Kino Naxos-Halle (im Depot 1899) gezeigt.

Web

Spät und in Berlin: Am 30. September und 1. Oktober 2010 geht „Verwaltung trifft Social Media“ in die 2. Runde und läd Experten und Interessierte aus Politik, Verwaltung, NGOs, Wissenschaft und Wirtschaft zum Government 2.0 Camp 2010 nach Berlin ein. Unter dem Motto Lernen aus der Praxis: Neuland Web 2.0 wollen sie in diesem Jahr noch näher an die Praxis ran und dazu nicht nur deutsche und internationalen Best Practice Projekte, Ideen und Tools für Kommunen, Länder und Bund zeigen sondern auch konkrete Anwendungsideen mit Politik und Verwaltung entwickeln und diskutieren.

Gestiftet ist es aber von Bertelsmann: so sollte man die Diskussionen, die es sicher auch als Stream gibt, aufmerksam und vorsichtig verfolgen. Zum Hintergrund lese man den interessanten Artikel: “Die partizipative Avantgarde

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Passend zu unserer kleinen Serie “Digitale Kriege“: Die USA wollen Internet-Firmen dazu zwingen, eine Hintertür in ihre Dienste einzubauen – die Behörden das Mitlesen ermöglicht. Die Ikone der demokratischen “Liberalen”, Obama möchte möglichst alle Web-User der Welt abhören können. Natürlich hält sie auch Verschlüsselung davon nicht ab. Facebook ist ebenfalles eine gute Quelle.

“Er bringt das Verhältnis von Sicherheit und Privatsphäre völlig aus dem Gleichgewicht”, sagt Rüdiger Spies, IT-Experte beim Marktforscher IDC und seit 25 Jahren Beobachter der Branche. “Schon heute ist es möglich, Telefongespräche über das Internet mittels Sprache-zu-Text-Software zu transkribieren und diese Transkripte durch Filter laufen zu lassen, die sie auf verdächtige Formulierungen scannen. Wäre es künftig legal, auch verschlüsselte Gespräche und Chats so zu scannen, würde ein Großteil der über das Internet geführten Kommunikation künftig abgehört. Verkürzt gesagt: Obama versucht, die Welt abzuhören.”(Spiegel)

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Es lässt sich ja einiges denken über Web-Strategien, die Deutsche Bahn jedefalls fährt eine plumpe: um im Meinungskampf des Social Webs bestehen zu können, hat sie einfach Marketing-Agenturen engagiert, die ihre Meinung zu Stuttgart21 im Web vertreten können. Natürlich posten die nicht als DB, sondern als “Befürworter“. Was muß man doch alles so treiben, um ein Unternehmen im Sinne der Märkte profitabel zu machen.


Der glückliche Prinz ist tot

burkhard neu
Ein inoffizieller Nachruf auf Burkhard Sprenker
Die Besten sterben am frühsten. Diese Allerweltsweisheit in falsch klingenden Superlativen hat sich wieder einmal bestätigt. Nicht um jeden in der Frankfurter Kulturszene wäre es so schade wie um ihn: Burkhard Sprenker, langjähriger Schauspieler, Mentor, Theken-Ausschenker und Regisseur des Kellertheaters. Er starb vor zwei Wochen plötzlich und überraschend an einem Herzleiden. Noch vor kurzem gehörten wir, die Irgendwie-Lebenden und er der gleichen Welt an. Ein Welt, in der die Sonne wie gewohnt auf und untergeht, in der es Schokoladencroissants, Geldprobleme und Liebeskummer gibt. Wir hätten ihm jederzeit begegnen können: in der Bergerstrasse, im Theater, auf der Konstabler Markt. Diese Chance gibt es nicht mehr-es sei denn, Burkhard zieht da, wo er jetzt sein mag, in Erwägung, fürderhin als eine Art Gespenst von Canterville im Kellertheater oder im English Theater herumzuspuken, was ich ihm durchaus zutrauen wäre.
Oft hörte man von ihm sagen, er sei “die Seele des Kellertheaters.”.Das klingt kitschig, trifft aber doch etwas wahres. Zum einen seine starke Präsenz dort, Präsenz durchaus in einem physischen Sinne. Ein großer, die Tanten früherer Tage hätten gesagt: stattlicher Mann mit dröhnender, vergnügter oder betrübter Stimme, ein Mann hinter der Theke, auf der Bühne, auf dem roten Sofa, einer, den jeder im Kellertheater sah. Burkhard Sprenker war der geborene Menschenfischer; er sprach jeden an, motivierte ihn oder sie, wieder an diesen wunderbaren Ort unter der Erde zu kommen. Oder warum es nicht gleich mal mit einem eigenen Programm versuchen? Er konnte einem innerhalb von fünf Minuten das Gefühl geben, außergewöhnlich zu sein, während die meisten Personen sich in diesen neofeudalen Zeiten ja eher bemühen, einem einzubleuen, das man ein Nichts ist. Zweifelsohne hätte er einen wunderbaren Papst abgegeben. Aber das Schicksal und Burkhard Sprenker wollten es anders, und so warb er um die Seelen nicht im Auftrag des Herrn, sondern in dem des Kellertheaters, jener Bühne für Amateure und freie Gruppen, die gelegentlich spannenderes und besser gespieltes zu bieten hat, als die üblichen Pressehypestuben der Stadt. a la “Landungsbrücken”. Während andere sich damit begnügen, sich der verdienstvollen Kunst des Laienspiels im Kreise der Begabtesten anhand unserer großen Autoren hinzugeben, probierte Burkhard Sprenker gerne herum und zog ständig neue Leute hinab in den Keller. Diese Aktivität, diesen Impetus behielt er bis zuletzt, als er daran ging, Vertreter der deutsch-türkischen Community mit ins Boot und auf die Bühne zu holen, in deren räumlicher Nähe sich das Kellertheater seit mehr als 25 Jahren befindet, ohne sich weiter drum zu scheren.
Oft entstanden aus diesen Zusammenarbeiten keine “richtigen Stücke” im eigentlichen Sinne, sondern “Maleens”, einmalig gespielte Performances am letzten Sonntag Abend im Monat um 18 Uhr, knapp vor Tatort. Diese Reihe, die Burkhard zusammen mit Daniela Berger ins Leben gerufen hat, werden die meisten mit ihm verbinden: eine Spielwiese des Neuen, manchmal diletantischen, manchmal genialischen. Das hat ihn nicht daran gehindert, in den letzten Jahren noch nach dem zu greifen, was man in Theaterkreisen noch immer für die Königskrone hält: der Inszenierung abendfüllender Stücke auf großer Bühne, der Arbeit als Regisseur also. Die Stoffe, die er verarbeitete: “Harold und Maude”, “Der Liebhaber” und “Kuss der Spinnenfrau” boten eine typisch Burkhardsche Mischung aus provokanten Beziehungsdramen, Burleskem und Publikumswirksamen: Schwule treffen auf Revolutionäre, alte Frauenauf junge Liebhaber, große Gefühle werden verhandelt. Der ein oder andere altgediente Regisseur im Kellertheater mag sich verwundert die Augen gerieben haben über Burkhards Wandlung von der Thekenschlampe zum Regisseur, denn die Beziehung zwischen Keller und Burkhard Sprenker war wie jede Symbiose nicht immer unproblematisch und manchmal fühlte sich die eine oder die andere Seite nicht richtig verstanden. Um so beeindruckender war es zu sehen, dass sich ein Tag nach dem sich die Nachricht von seinem Tod verbreitete hatte, spontan einhundert Leute im Kellertheater versammelten, um seiner zu gedenken und ihn zu feiern.
Was mir und vielen anderen an Burkhard Sprenker als erstes auffiel, war seine Stimme: ein volltönender, je nach Lage orgelnder, drohender oder säuselnder Bass. In meinem Programm “Terror und Tarot” las Burkhard den berühmten Schwarzmagier Aleister Crowley und schaffte es allein durch die Kraft seiner Stimme bei einigen Zuhörern ein Schaudern zu erzeugen, wie sie mir später sagten. Dennoch hatte dieses machtvolle Organ manchmal etwas verwischtes, scheinbar grundlos stockendes. Vielleicht klang darin ein Riß in seiner Seele an, die eben nicht nur die Seele des Kellertheaters war, sondern auch seine eigene. Der Riß zwischen Narrheit und Alltagsklugheit, Lebenslust und Schwermut, Weiblichem und Männlichem, Machtanspruch und Schüchternheit, Kontaktfreude und Einsamkeit, überlegener Selbstironie und Kränkbarkeit. Oft schien es mir so, als würde er sich zu einem bestimmten Zeitpunkt aus den Dingen, die er tat zurückziehen und sie sich selbst überlassen-so auch aus seinen Inszenierungen und Projekten. Er hatte eine innige Beziehung zum Tod. Lange Zeit wollte er mich dazu überreden, mit ihm ein amüsantes Chanson-Programm über Selbstmord zu schreiben-was nicht ganz meinem Geschmack entsprach. Ein Herzinfarkt vor zwei Jahren kurierte ihn von dieser Koketterie. Er hielt strengste Diät, reduzierte drastisch die Weinschorlen, schwamm und hat vor einigen Wochen einen Tangokurs begonnen. Aber-um es als fiktiven und Burkhard gemäß reißerischen Stückttitel zu formulieren: Der Tod tanzt keinen Tango. Und ich hätte viel lieber mit ihm ein Programm über Selbstmord geschrieben, als seinen Nachruf.. Schwer vorstellbar, dass man nie wieder im Kellertheater wird hören, wie er den Namen Maleen
erklärt: “Musikalisches, Anderes, Lustiges, Ernstes, Eigenes, Neues.” Also eigentlich alles, alles, was das Leben, so es denn ein Leben ist, ausmacht. Daniela Berger hat mir erzählt, dass die Reihe nur so heißt, weil Burkhard zu dem Zeitpunkt , als sie beide das Kind zum Leben erweckten, grade eine Ausbildung zum Märchenerzähler machte und er eben grade dieses Märchen las. Offen gestanden wußte ich nicht, dass man sich zum Märchenerzähler ausbilden lassen kann. Aber sicher hat ihn seine langjährige, aber nicht immer geliebte Tätigkeit in der Finanzbranche darauf gut vorbereitet. Burkhard Sprenker war zweifelsohne ein wunderbarer Märchenerzähler. Und deshalb soll hier am Ende ein Reminszens an ein Märchen stehen, eines der Lieblingsmärchen von Burkhard Sprenker: “Der glückliche Prinz” von Oskar Wilde. Es ist unglaublich sentimental und sehr schön und weil es sehr lang ist, sei es hier kurz nacherzählt..
Es geht darin, um die mit Blattgold überzogene und mit Edelksteinen besetzte Statue eines glücklichen Prinzen, die von aller Welt bewundert wird. Doch erst jetzt da der Prinz eine Statue geworden ist, merkt er, wie traurig es eigentlich in der Stadt zugeht und er bittet eine Schwalbe, bzw. einen Schwälberich- wie es auf Wikipedia überkorrekt heißt, ihm die Saphire aus den Augen zu picken. Diese soll der Vogel einem hilflosen Dichter bringen und einem Mädchen, das seine Streichhölzer in den Rinnstein hat fallen lassen. Kein schlechter Tausch, möchte man anmerken, Streichhölzer gegen Saphire! Da Schwalben in Märchen folgsame Tiere sind, tut der Vogel dies und hilft dem nunmehr blindgewordenen Prinzen mit seinen Schwalbenaugen zu sehen. Als nächstes läßt der Prinz sein Blattgold von dem Schwälberich unter den Armen verteilen, was eine einigermassen anstrengende Angelegenheit ist. Da es überdies Winter geworden ist, erfriert die Schwalbe. Und weil die Statue des Prinzen jetzt ohne Saphiraugen und Blattgold gar nicht mehr schön anzuschauen ist, läßt der Gemeinderat sie einschmelzen. Aber das Herz des Prinzen schmilzt im Feuer nicht. Es wird zum Abfall geworfen, wo schon der tote Schwälberich liegt. Aber natürlich endet das Märchenn nicht so, sondern so: Ein Engel erscheint und bringt das bleierne Herz und den toten Vogel zu Gott.
Niemand weiss, ob Burkhard sich jetzt oder nach einer angemessenen Zeit im Fegefeuer in so vornehmer Gesellschaft befindet.
Er ist an einem Herzleiden gestorben, heißt es.
Aber ich bin sicher, das Feuer wird sein Herz nicht schmelzen.


“Die Vorstellung, ein Recht auf Stadt zu haben, breitet sich aus.”

Wie berichtet galt der alte “Campus Bockenheim” bis vor kurzem als Konkursmasse. Die Gebäude sollten abgerissen und durch Bürotürme ersetzt werden, um Geld in die Kassen der Stiftungsuniversität zu spülen. Doch der Widerstand der Initiativen “Ratschlag Campus Bockenheim” und “Zukunft Bockenheim”  und eine Veränderung der Rahmenbedingungen haben dazu geführt, dass auf dem Areal jetzt die “Hochschule für Musik und darstellende Kunst” angesiedelt werden soll. Über die Hintergründe sprachen wir mit Angelika Wahl von “Ratschlag Campus Bockenheim”.

FGZ: Ich hab mich ein bisschen gewundert, dass der Umzug der “Hochschule für Musik und darstellende Kunst” auf den alten Campus Bockenheim jetzt auf einmal funktioniert, der vorab von offizieller Seite für unmöglich erklärt wurde.

Wahl: Das hat zwei Gründe: einmal die Immobilienkrise, die werden die Flächen nicht mehr so einfach an private Investoren los, zum anderen die mögliche Aufwertung des Stadtteils durch Kreative. Das hat natürlich auch seine Schattenseiten. In bestimmten Städten, wo Quartiere hochgewertet werden mit dem Anstrich “Kreativität”, gibts gleichzeitig eine Verdrängung von freien Künstler-Gruppen und Mietern mit niedrigerem Einkommen.

FGZ: Ihr denkt ja auch daran, das Studierendenhaus beispielsweise für Migrantenvereine zu nutzen; das ist ein etwas anderes Konzept als das der Stadt oder der Kulturszene. Um wen soll es da konkret gehen?

Wahl: Für mich wäre in Bockenheim das Türkische Volkshaus eine wichtige Gruppe. Die sitzen in Räumlichkeiten, wo ältere Leute kaum hoch kommen, also im zweiten Stock. Es ist zu klein und man nimmt es nach außen hin nicht wahr. Die verschiedenen türkischen Gruppierungen sind zahlenmäßig hier sehr stark und bleiben außen vor. Ich kenne eine andere kurdische Gruppierung im Ostend, die sitzt in einem Verschlag. Es ist wichtig, dass die sich mal zusammentun. In der KAV, der Kommunalen Ausländervertretung ,passiert eigentlich nicht mehr viel. Die sind manchmal nicht mal mehr beschlussfähig und das in einer Zeit, wo die Frage der Migration hochgespielt wird, positiv wie negativ. Auf der einen Seite wird viel von Integrationsprojekten erzählt, auf der anderen Seite fehlen die Räumlichkeiten. Nicht nur die Türken, auch die große Gruppe von Marokkanern haben keine Räume.
In früheren Jahren gabs ja mal die “Casa di Cultura” zusammen mit Spaniern und Italienern, das spielt keine Rolle mehr und ich finde es wichtig, dass so ein Kristallisationspunkt da ist. Und bei den Migranten gibt es natürlich auch Künstler und Kreative. Da ist eine Menge Potential, das kaum wahrgenommen wird. Es gibt alle zwei Jahre nur die “Parade der Kulturen”, die aber nicht unbedingt das typische ist.

FGZ…. etwas arg folkloristisch.

Wahl:Genau.

FGZ: Wie hat sich Eure Initiative gegründet?

Wahl: Wir hatten im vergangenen Jahr einen Vortrag im Club Voltaire zur Bebauung des alten “Campus Bockenheim”. Dann kam Annette Münch von der Initiative “Zukunft Bockenheim” dazu, und die Idee wurde geboren: “eine Woche Studierendenhaus” für alle. Nach dieser Woche im Studierendenhaus haben sich dann Leute zusammengefunden, die weitermachen. Wir hatten dann einige Veranstaltungen, auch zum Gängeviertel mit 130 Leuten.

FGZ: Könntest Du noch etwas mehr sagen zum Zusammenhang Stiftungsuniversität und Abwicklung des alten Campusgeländes.

Wahl: Im alten Kulturvertrag steht drin, dass unter bestimmten Voraussetzungen, wenn sich die wirtschaftlichen Bedingungen ändern etc., das Bockenheimer Campus-Gebiet von der Universität an die Stadt zurückgegeben werden kann. Davon ist nach dem Umbau der Universität zur Stiftungsuniversität keine Rede mehr. Viele Vertreter der Wirtschaft sitzen jetzt im Hochschulrat. Der Einfluss geht so weit, dass bestimmte Fachbereiche abgewickelt werden. Es geht z.B. um die Schließung von „Orchideenfächern“, auch andere Institute wie das für Theaterwissenschaften sind davon bedroht. Immer wieder zeigt sich bei der Stiftungsuniversität die Tendenz zur Ökonominierung von Bildung. Und das als Bürger zu finanzieren gefällt mir nicht.

FGZ: Meinst Du, dass Eure Aktivitäten als Bürgerinitiative auch zu dem Meinungsumschwung beigetragen haben?

Wahl: Ja, auf jeden Fall. Die Berichte über die Veranstaltungen, die wir gemacht haben, waren in allen Tageszeitungen drin. Am Anfang wurde jegliche Einbeziehung der Bürger abgelehnt. Ich war im Januar im Planungsausschuss, habe gefordert, die Bürger miteinzubeziehen, das wurde abgelehnt. Genauso im Ortsbeirat. Aber im Laufe der Zeit kams dann tortzdem dazu. Wobei von Seiten der Stadt nicht nur die positive Einstellung zur Bürgerinitiative eine Rolle gespielt hat, sondern sicher auch die Überlegung, die Argumente der Initiative können wir mit nutzen für die Auseinandersetzung mit dem Land. Das Land wollte eigentlich etwas anderes, nämlich möglichst viel Kohle raus holen für die Stiftungsuniversität beim Verkauf des alten Unigeländes.Die Stadt war da schon früher etwas vorsichtiger im Interesse des Stadtteils Bockenheim.

FGZ: Eigentlich ist die Arbeit Eurer Initiative ja bereits eine kleine Erfolgsgeschichte. Gibt es so etwas wie eine neue Städtebewegung?

Wahl: Vor zwei Jahren war der Begriff der Gentrifizierung noch ein Fremdwort. Inzwischen spielt er in vielen Städten eine Rolle. In vielen Städten gibt es jetzt Bürgerbewegungen unter dem Motto “Recht auf Stadt”, die sehr unterschiedlich zusammengesetzt sind. In Hamburg gibt es Leute aus dem liberalen Bereich, aus dem autonomen Bereich, und die vom Gängeviertel, die vermitteln.Es ist es ihnen gelungen, vieles auf die Reihe zu kriegen. In Berlin und Freiburg gibt es ähnliche Bewegungen, in Stuttgart sieht man es jetzt bei Stuttgart 21. Die Vorstellung, ein Recht auf die Stadt zu haben, breitet sich aus.

Interviewer:  Bert Bresgen

 


Blind Dates 27.9.-3.10

Der Koordinierungskreis der Aktion Georg Büchner hat am Freitag, den 24. September in Frankfurt nach mehrstündiger Debatte beschlossen, die Bankenaktion am 18. Oktober abzusagen.

Den Stimmungswandel vor den Sommerferien (›Wir zahlen nicht für eure Krise‹) in die Zeit danach (›Die Krise ist vorbei‹), den auch wir zu spüren bekamen, fällt derzeit vielen AkteurInnen, die gegen das Verarmungsprogramm mobilisieren, in den Rücken – auch wenn die Fakten genau das Gegenteil belegen. Doch die Zeit, diese Verunsicherung auszuräumen, dieses Zögern zu überwinden, lief uns davon. Dass wir uns dieses Mal noch nicht durchringen konnten, den Schritt in die Aktion zu wagen, ist nicht das Ende des Versuchs, zivilen Ungehorsam im Bereich der sozialen Kämpfe zu organisieren. Sowohl Stuttgart 21 als auch die kommenden Castor Proteste zeigen, dass zunehmend mehr Menschen sich auf die Suchen nach Aktionsformen begeben, die den Schritt vom Protest zum Widerstand beschreiten. Wir haben uns verabredet, das gemeinsame Vertrauen und die entstandenen Verbindungen zu nutzen, an unserer Idee eines ›gesellschaftlichen Streiks‹ festzuhalten, sie zur Diskussion zu stellen, in der Hoffnung, dass unsere jetzige Entscheidung nicht das letzte Wort bleibt.
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Frankfurt 22? Das klingt doch nach…Richtig, für Montag den 27.9.2010 um 17.30 Uhr ruft die Verkehrsinitiative Frankfurt 22 unter dem Motto “Frankfurt 22″ zu einer Solidaritätsdemonstration zu Stuttgart 21 auf. Gleichzeitig geht es um die problematischen Auswirkungen dieses Projektes auf die Bahnsituation in Frankfurt und Rhein-Main.

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Im Aufruf heißt es: “Mit Trillerpfeifen, Trommeln, Plakaten etc. gehen wir von der Konstabler Wache zum Frankfurter Hauptbahnhof. Motto: Solidarität mit dem Stuttgarter Kopfbahnhof und seinen mutigen Beschützern. Gegen den erklärten Willen der Mehrheit der Stuttgarter soll das Irrsinnsprojekt durchgezogen werden. Und wir sollen alle dafür bitter mitbezahlen? Das Milliardengrab Stuttgart 21 verhindert nicht nur Bahninfrastrukturprojekte in Baden-Württemberg, sondern auch in Hessen bzw. bundesweit. So stehen auf der Streichliste von Bahnchef Grube die Modernisierung der Zulaufstrecken zum Frankfurter Hauptbahnhof, inklusive der dringend benötigten zweite Bahnbrücke in Niederrad, sowie der Umbau der Strecken am Südbahnhof und in Hanau. Alles Projekte, die der hessische Verkehrsminister Posch vor knapp 10 Jahren versprochen hat, sie sollten dieses Jahr fertig werden! Nichts ist geschehen! Weiter auf der Streichliste steht der Bau der Bahnstrecke nach Mannheim, sowie der Ausbau des Bahnkorridors nach Fulda. Gleichzeitig wird die parallel laufende Autobahn A 66 gerade gebaut! Und wo bleibt die Anbindung der Nordmainischen Bahn, warum lässt man den Ostbahnhof verkommen und verschenkt gleichzeitig eine Kfz-Brücke an die Europäische Zentralbank (EZB)?”

Eventuell geht das ja mit der Initiative der Rundschauanzeige “STUTTGART 21 – WARUM NOCH WARTEN“ zusammen, auf die wir vor Tagen hingewiesen haben.

Der Rödelheimer Verein Zusammen e.V. widmet sich von Dienstag bis Donnerstag den notorischen Thesen Thilo Sarrazins, der Medienreaktion darauf und den geheimen Zusammenhang zu den Sparbeschlüssen der Bundesregierung. Der Verein begründet dies so:  ”Eine Meinung, die über alle Kanäle in hoher Lautstärke verbreitet und verstärkt wird und trotzdem ständig als Beispiel von unterdrückter Meinungsfreiheit genannt wird: Thilo Sarrazin.  Es geht uns nicht nur um Sarrazin, sondern um die Medien, das Gerede um die „gescheiterte Integration“ und auch um den Wunsch der Rechten nach einer neuen Partei. Aus diesem Grund dreht sich vom Di., 28.09. bis Do., 30.09. im Stadtteiltreff alles um den neuesten Angriff auf alle Lohnabhängigen, sowohl durch Sarrazins Hetze, als auch durch das in seinem Windschatten durchgewunkene Sparpaket und die neuen Strafpläne gegen „Integrationsverweigerer“. Der Laden ist an diesen Tagen nur zu dem Zweck geöffnet. Dazu sind natürlich auch Nicht-Mitglieder herzlich eingeladen. ”

Doch nicht nur hier vor Ort beschäftigt man sich in dieser Woche mit den Sparbeschlüssen der Bundesregierung, sondern auch in dieser anderen Stadt, wie heißt sie noch? Fängt mit b an, ah ja, wir lesen…:

Sparpakete stoppen – hier und europaweit!

Aufruf des Berliner Bündnisses “Wir zahlen nicht für eure Krise” zur Demonstration am 29. September 2010 um 17:30 Uhr am Roten Rathaus -  Kundgebung und Bankenaktion 11 Uhr, Wittenbergplatz – Wehren wir uns jetzt gegen die Sparpakete der Bundesregierung!

Nein zu Sparpaket und Gesundheitsreform! Abschaffung von Hartz IV und der Agenda 2010. Stattdessen Mindestsicherung, von der man menschenwürdig leben kann, ohne Sanktionen und bürokratische Schikanen!

10 Euro Mindestlohn! Leiharbeit abschaffen! Stattdessen gesicherte Arbeitsverhältnisse, Löhne hoch!

Arbeitszeitverkürzung statt Arbeitslosigkeit: 30-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich! Weg mit der Rente mit 67! Keine Nullrunden mehr!

Reiche und Verursacher der Krise sollen zahlen!

Verstaatlichung aller Banken unter demokratischer Kontrolle!

Schluss mit der Hetze gegen Menschen mit Migrationshintergrund! Gleiche Rechte für alle!

Keine Kürzungen im Bildungsbereich! Weg mit Studien-, Ausbildungs- und Kita-Gebühren!”

Allesamt prima Forderungen, die wir als FGZ sofort unterschreiben würden- abgesehen davon, dass man nicht nur gegen Kürzungen im Bildungsbereich vorgehen sollte, sondern auch gegen allzu verkürzte Sätze, denn: was bedeutet “Verstaatlichung aller Banken unter demokratischer Kontrolle” genau? Sollen jetzt nur die Banken verstaatlicht werden, die unter demokratischer Kontrolle stehen? Und wäre z.B. “Wir sparen uns das Sparpaket” nicht etwas äh, flotter gewesen, als die immerwährenden Aufrufklassiker: “XYZ stoppen”, “Nein zu…” “Schluss mit…” “Weg mit…” plus 13 Ausrufezeichen. Aber hier gehts um Gesellschaftskritik, nicht um Stilkritik, so lets go to Berlin!

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“Großbanken zerschlagen – Reichtum umverteilen!”

Eine etwas andere Protest-Aktion von  Attac-Frankfurt  am Mittwoch, den 29.September 2010    –   Beginn: 12`30 Uhr auf dem Frankfurter Römerberg

Mit einer Aktion besonderer  Art protestiert Attac-Frankfurt am 29.9.2010  gegen das geplante Sparpaket, mit dem die Bundesregierung die Kosten der Finanzkrise ausgerechnet den ärmsten Teilen der Bevölkerung aufladen will. “Großbanken zerschlagen – Reichtum umverteilen!”, fordern stattdessen die Globalisierungskritiker. Die Aktion findet im Rahmen eines dezentralen bundesweiten Bankenaktionstages statt, zu dem das globalisierungskritische Netzwerk  Attac Deutschland aufruft und an dem sich Menschen in mehr als 50 Städten beteiligen werden.

Europaweit werden am 29. September Bürgerinnen und Bürger gegen unsoziale Krisenpolitik auf die Straße gehen. Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) ruft anlässlich des Treffens der EU-Finanzminister zu einer Demonstration in Brüssel und Aktionen in weiteren Hauptstädten auf. In Griechenland und Spanien sind Generalstreiks geplant.

Attak-Frankfurt macht das mit einem Theaterzug vom Römerberg aus. Von dort geht es über die Neue Kräme, Hauptwache und  Fressgass zum Opernplatz.


HARTZ IV Poem

Mein Heute gleicht dem Gestern. Das Morgen wird verdrängt. Was bleibt zum Leben? Frühstück Toast mit Marmelade Grüner Tee Frische Brötchen sind nicht drin. Tageszeitung lesen im Schaukasten der Redaktion. Abo kostet drei Tage essen. Morgen hat die Tafel geöffnet. Traurig Die sonst strahlenden Augen meiner Frau. Ihr Leuchten Behördlicherseits durch Arroganz und Willkür gelöscht. [...]

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Digitale Kriege – Erstschlag

Mit den heißbegehrten Gadgets, die wir auf Schritt und Tritt mit uns führen, die als Mitmieter und dienstbare Lieferanten fungieren, spielen wir und erfahren durch sie die Welt. Unsere Gerätschaften sind fast immer mit einer geheimnisvollen Innenwelt ausgestattet, die inzwischen auf permanente Belagerung eingestellt ist. Die Kameras und Bildschirme, Lautsprecher und Mikrofone, Gehäuse und Tasten bilden die Aussenanlage der installierten kleinen Festungen, von denen aus im Inneren der Apparate das Regiment geführt wird. Sie bilden ein Regiment im buchstäblichen Sinne, das pausenlos in den vielen Laptops und Netbooks, den Navis und DVD-Playern, den Phones und Pads marschiert.

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Ihre Hauptbastion bilden kleine Quader, die im Gehäuse verankerten Chips, in denen elektrische Energie die smarte Truppe auf Trab hält. Ihre beweglichen Regimenter nennen wir „Programme“. Sie sind von Experten schreib- und lesbar und sorgen dafür, dass die Gadgets sich so verhalten, dass wir mit ihnen gut umgehen und sie eine Reihe von Aufgaben erfüllen können.

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The New Old Shit: Peer Steinbrück als Retter

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Erinnern sich sich noch an den Gauck? Den Mann, den vor kurzem noch alle Medien zum nächsten Präsidenten kürten? Der es eigentlich schon war? “Präsident der Herzen”- das erstreckte sich von den chronisch herzlosen Gazetten Spiegel, FAZ, Zeit, Bild bis hin zum grundguten, sich in seinen Grasswurzeln verfangenden Facebook. Warum? Na, weil…weil Gauck so TURMHOCH über den politischen Niederungen stand, wie einstmals Siegfried über den Niebelungen und sein Haupt diese formidablen, präsentablen, präsidentablen Charakterfalten aufweist. Ein Kopf wie ein fleischgewordener runder Tisch, an dem endlich GANZ Deutschland sitzt. Bis auf die Teile, die hinten runter fallen und mit denen man sowieso lieber nicht am Tisch sitzt.
Ja, so war´s, aber es reichte nicht am Ende bei der Abstimmung…und jetzt interessiert sich keine Mediens-Sau mehr ERNSTHAFT für den alten Mann, auch wenn er noch das ein oder andere Interview abkriegt.
Gauck is Gone with the Wind. Und die neue Sau, die durchs Dorf getrieben wird, “The New Shit” wie Marilyn Manson sie besungen hat, IST: Peer! Stein!Brück! Wer? Der? Aber den hatten wir doch schon…war das nicht “Uns Gerhard” vom Currywurstverhafteten ins Volkswirtschaftliche gewendet? Richtig…ebenso wie Gauck zählt

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Bemerkenswertes, September-4

Politik Die Witz-Meldung der Woche stammt doch von der Gruppe um RWE und E.On, die tatsächlich darüber klagen, dass sie die nächsten Jahre so hohe Belastungen haben. Können sie tatsächlich doch nur 100 MILLIARDEN GEWINN zusätzlich für diesen Zeitraum verbuchen, die Armen. Vielleicht noch ein bißchen mehr bei HartzIV streichen, die Arbeitgeber ganz von den [...]

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FGZ am 20.9. im Klabunt

Gestern war es soweit, der Sprung raus aus der Matrix, rein in die Realwelt, oder umgekehrt. Einige unserer wichtigsten RedakteurInnen präsenierten sich dem Bornheimer Publikum. Wir hatten noch viel mehr Texte vorgesehen, aber nach 2 Stunden genügte es, wir wollten auch dann in die begeisterte Schar der Fans und vielen künftigen Autoren eintauchen.

Um einen kleinen Eindruck zu geben ein paar Bilder. Vergessene bitten wir um Nachsicht, die Faszination für den Vortrag hat die Aufmerksamkeit fürs Shooting manchmal getrübt.

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Ernsthaftes Doppel-Team

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Vision

Da hock ich nun in diesem Bauch Und bin so klug Und hungrig auch Mami muss für zwei jetzt essen Denn Papi hat´s Kondom vergessen Mami will mich, ungelogen Und Papi? Ist halt so erzogen Ach, hätten sie mich abgetrieben Müsste keiner keinen lieben So aber geht´s allen schlecht Und später um mein Sorgerecht Bei [...]

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Ortsgebunden

Ach, wärst du gerade nicht in Wien Wir würden um die Häuser zieh´n Starteten ´ne Demo: Pro Studiengebühren Um im Anschluss Johannes B. zu entführen Entlockten ihm Geheimnisse von Anvertrauten Hängten ihn auf einem Spielplatz vor Plattenbauten Machten Middach bei Dinea Äßen Hot Dogs bei Ikea Oder Biofleisch von tegut Ach, wärst Du gerade nicht [...]

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Man

Und das Schönste ist Familie
Und man liebt ja seine Kinder
Aber Drogen nicht so viele
Man wird ja nicht gesünder
Und gegen Ausländer hat man ja nichts aber…
Aber Politiker, die und ihr Gelaber
Doch sympathisch findet man ja gerade die Versager
Die 6 Richtigen sind natürlich auch ohne Gewähr
Doch die Kohle reicht noch für Geschlechtsverkehr
Und man darf auch mal weit geh´n
Doch man kann auch widersteh´n
Und auch Schweineherzen bluten
Und man kann ja nur vermuten…

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Wetterauer Ethologie

Wetterau heißt ein Gebiet in der Rhein-Main-Metropolenregion, nordöstlich von Frankfurt gelegen, der Länge nach mißt es ungefähr 40 bis 50 Kilometer, die man auf dem Weg in den Vogelsberg eher schnell hinter sich bringen möchte. Vom Metropolenschub hat die Wetterau nicht viel abbekommen, hauptsächlich Pendlerstaus, steigende Preise in den Einfamilienhauskarrees und verödende Dörfer.

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Stuttgart 21 – warum noch warten

Eine Initiative Frankfurter Bürger veröffentlichte in der heutigen Frankfurter Rundschau eine viertelseitige Anzeige unter dem Titel “STUTTGART 21 – WARUM NOCH WARTEN“:

stuttgart 21

Das Ansinnnen der Unterzeichner, die aus dem verbliebenen Rest kritischer Zivilgesellschaft stammen, möchten wir grundsätzlich unterstützen. Das gilt besonders für politische Formen zivilen Ungehorsams im Rahmen der vielfältigen Belagerungen von Städten durch gewinn-und konkurrenz-orientierte Kommunalpolitik, bundesstaatliches Durchregieren oder Firmen-Politik-Klüngel hinter verschlossenen Türen.

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Ich hab doch nichts zu verbergen!

webswatching

„Ich hab doch nichts zu verbergen“ ist wohl das Lieblingsargument aller vertrauensseligen Mitbürger, die überhaupt kein Problem damit haben, dass ihr Name und Bild auf Facebook und bald auch ihr Haus auf Gooogle-Streetview zu sehen sind.

Ist doch alles nicht weiter schlimm, denken manche, schließlich leben wir in einer Demokratie und „was sollte wohl schon einer mit meinem Bild anfangen können“.

Doch ich selbst hatte neulich erst die Ehre einer Veganerin vorführen zu drüfen, dass dies eben nicht so einfach ist.

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Am Campus Bockenheim bleibt das Denkmal zu, aber die Zukunft offen

Es war aber auch eine zu schöne Idee: Am “Tag des offenen Denkmals” vergangenen Sonntag wollten die Initiativen “Ratschlag Campus Bockenheim” und “Zukunft Bockenheim” durch das abgeriegelte mehrgeschossige Philosophicum in der Gräfstrasse führen. Das Philosophicum gilt als eines der Hauptwerke des Architekten Ferdinand Kramer, den Unidirektor Max Horkheimer aus dem Exil nach Frankfurt holte. In seiner kühlen Sachlichkeit stellt der Bau eine “demokratische Antwort auf die monumentalen Architekturinszenierungen der NS-Zeit dar” (Bartetzko 2002). Inzwischen setzt man im “Campus Westend” wieder

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Zirkusjubiläum

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Anreise. Der „Platz der Republik“ wird gemeinhin unterschätzt: er bildet nicht nur die Nabe der Globalisierung Frankfurts, sondern gleich noch die größte Verkehrs-Kreuzung des Stadtgebiets. Dafür bleibt als Platz nicht viel übrig, doch das lieben die Frankfurter. Nabe für zwei Achsen gibt er ab, eine die der Infrastruktur, vom Hauptbahnhof zum Messegelände, die andere, für uns wichtigere bietet eine Promenade der Financial Corporations nach Nordwesten, die Mainzer entlang. Auf ihr bewegen wir uns.

Nach Soll und Haben, den Öko-Türmen der Deutsche Bank AG, etwa auf der Höhe der Alten Oper knickt die Strasse nach Norden ab.

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Franzens Welt

Zum Klima des Romans “Freiheit” von Jonathan Franzen (wohnhaft in New York) mögen die folgenden Zitate aus dem Interview mit dem Autor in der Süddeutschen genügen: “Als junger Mann fand ich die Bücher von Autoren wie Pynchon, Gaddis oder DeLillo enorm spannend, weil sie von der Welt handelten, in der wir lebten. Es ging um [...]

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Rhein-Main: Privatisierung des Öffentlichen

Privatisierung öffentlichen Eigentums wird als Allheilmittel gegen leere öffentliche Kassen angepriesen, meist macht sie aber stattdessen die Konten der daran beteiligten Privatfirmen voll. Das Privatisierungsschema durchzieht seit über einem Jahrzehnt auch unsere Region, unter wechselnden Namen und Konzepten wie: „Cross-Border-Leasing“, direkte Privatisierung von Immobilien und kommunalen Firmen oder dem „Public Private Partnership“ (PPP). Mit letzterem lässt sich vieles in Jahrzehnte arbeitende, öffentlich bezahlte, gut abgesicherte Geldmaschinen verwandeln: es betrifft Krankenhäuser und Schulen, Rathäuser und Brücken, den Kern kommunaler Infrastruktur.

PPP-Kritik

(Foto: attac)

Über den sehr zweifelhaften öffentlichen Nutzen dieser Geschäfte informierte am Donnerstag, dem 9. September die „Bündnis gegen Privatisierung“ auf einer Veranstaltung im Haus Gallus. 40 bis 50 meist gut informierten Zuhörer nahmen besonders aufmerksam den Bericht von Karsten Arendt (ver.di Offenbach) auf, der über das PPP-Projekt für Schulen im Landkreis Offenbach berichtete.

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Lauschangriff

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Zur “Freiheit-statt-Angst”-Demo am Samstag in Berlin gibt es nun den Sampler “Lauschangriff” (zip) mit überwachungskritischen Songs verschiedener Genres, der frei heruntergeladen und unter CC-Lizenz verteilt werden kann.

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Der letzte Universalgelehrte

Man dachte fast sie seien ausgestorben, ja in der heutigen Zeit gar nicht mehr denkbar, aber wie mir scheint gibt es sie doch noch: Die Universalgelehrten.

Zumindest einen davon gibt es wieder, obwohl man aufgrund seines fortschreitenden Alters sagen sollte: Es gibt ihn noch.

Aber alles er Reihe nach:

Unter den Antiken griechischen Philosophen gehörte die Universalgelehrtenschaft ja gewissermaßen zum guten Ton.

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Aufgemerkt: FGZ-AutorInnen am 11.9. im “Blauen Haus” und am 20.9 im “Klabunt”!

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Was ist das höchste aller Gefühle, die die Postpostmoderne zu bieten haben? Das Web in die Wirklichkeit überführt zu sehen, der MATRIX-Effekt sozusagen. Dazu gibt es am Samstag, den 11.9. ab 21 Uhr die Möglichkeit im “Blauen Haus” am Niederräder Ufer 2. Im Rahmen der Singer/Songwriter u. PoetryslamNacht Stimmenfang treten dort alleine DREI FGZ-AutoriInnen auf, nämlich Yunus Konrat, Norma Schneider und Bert Bresgen. Außerdem noch haufenweise andere Höchstbegabte wie die Schreiber Fatima Kamboua und ErVolk, die Singer/Songwriter Linda Bender, Le Monopole u.a. Außerdem natürlich KLINSCH, die Poetry-Soul-Band von dem spiritus reaktor, nein spiritus rector des Events, Phillip Haines. (Das ist dem Phillip Haines saines!) It will be a aufregender Abend. Und damit nicht genug: Ein special Abend der Frankfurter Gemeinen Zeitung findet 9 Tage später, nämlich am 20.9. ab 21 Uhr im Bornheimer Klabunt, Bergerstrasse 228 statt: Weitere FGZlerInnen wie Florian K. u. Gaukler, noch mehr (und noch bessere?) Texte. It will be delicious!

Also: Hört, Hört! Kommt! Kommt!

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Anspruchsloses Web

Neue Technologien wie die großflächige Einführung der Eisenbahn, die Verbreitung der Elektrizität über städtische Straßenbeleuchtungen, das Fernsehen als massenhafte Freizeitbeschäftigung und schließlich allgegenwärtige PC- und Web-Nutzung bringen massive öffentliche Streitigkeiten über die Interpretation ihrer Folgen mit sich. Das betrifft besonders Medien wie Fernsehen und Web, deren Nutzung zur täglichen Gewohnheit wurde und die ganz anders als die Straßenbeleuchtung Symbole und Geschichten unters Volk bringen.
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Besonders die Internetnutzung erstreckt sich über die eigene Wohnung hinaus in viele Tätigkeitsbereiche, reicht oft tief in unsere Verhaltensgewohnheiten hinein

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Eine andere Stadt wäre möglich-Zwei Events für glücklich Glokalisierte

Es gilt Frankfurt zurückzuerobern! Nicht etwa aus den Fängen kinderwagenbewaffneter Kopftuchträgerinnen, sondern aus denen der Blackberry-Junkies und anzüglichen Anzugträger. Nicht nur, dass deren gebräunte Präsenz auf sämtlichen öffentlichen Plätzen im Rahmen angeblicher “Sommerfeste” das Stadtbild ästhetisch beeinträchtigt- schwerer wiegt, dass ihre naturgemäße Neigung zum Auf-Teufel-komm-rein-Investieren, Derrivatdealen und Bandenbilden immer stärker das Städtische in der Stadt zurückdrängt. Ein gutes Beispiel für Aktivitäten dieser Art bezeichnet der Begriff PPP. Ausgeschrieben “Public Private Partnership” gelten diese drei Buchstaben immer noch manchen als Zauberformel für gebeutelte Kommunen und auch im objektivitätsheischenden Wikipedia werden von interessierter Seite die Ergebnisse dieser ungleichen Partnerschaft geschönt, was Bernhards Weblog kürzlich enthüllt hat. (Allerdings ringen die Wikis grade um den Artikel)Fakt ist: Die gleichen Kreise, deren Wirtschaftspolitik und Steuertricks die Kommunen verarmen lassen, profitieren dann noch einmal, indem sie sich für Aufgaben, die die ächzenden Städte nicht mehr schaffen, großzügig als Investoren zur Verfügung stellen. Die Stadt muss dabei nichts weiter tun. Na ja… sie muss halt jahrzehntelang an ihre privaten Gläubiger abzahlen und kann nicht mehr so

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Die FGZ im Klabunt

Lesung der schönsten Texte aus der FGZ ab 21 Uhr am Montag, 20. September im Klabunt, Berger Straße 228 in Frankfurt-Bornheim

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Der Erlkönig lost in translation

Dieser Artikel ist einem der meistunterschätzten Dichter unserer Zeit gewidmet, von dem ich ein jüngeres Werk hiermit veröffentlichen möchte.

Der Künstler den ich hier vorstelle, ist deshalb so bemerkenswert, da er die erste künstliche Intelligenz ist, die eigenständige Interpretationen bekannter literarischer und lyrischer Werke in einer eigens von ihr entwickelten Metasprache liefern kann.

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Die Entmachtung des Stammtischs

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Angesichts der indirekten, parlamentarischen Demokratie in der Bundesrepublik Deutschland fühlt sich der Bürger geradezu seiner Stimme beraubt.

Welche Wohltat ist es da, wenn ein schwerreicher ehemaliger Bundesbankvorstand mal endlich ganz gewaltig mit der Faust auf den Tisch haut. Offensichtlich traf er damit einen Akkupressurpunkt der deutschen Seele, was Allerorten zu einer plötzlichen Entspannung des geistigen Enddarms und gleichzeitigem Ausstoß, in diesem Umfang selten dagewesener, geistiger Blähungen führte. 

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Baut es!

Ich hatte neulich mal wieder das zweifelhafte Vergnügen, über Minarettverbote und den geplanten Bau eines muslimischen Kommunikationszentrums in der Nähe des Ground-Zero zu diskutieren. Und natürlich wurde ich dabei auch mit dem vermeintlichen Totschlagargument konfrontiert, welches sich bei näherer Betrachtung wohl eher als Doofsackargument entpuppt. Es lautet: „Im Iran darf man auch keine Kirchen bauen.“ Tatsächlich hätte jemand, der dort eine hübsche gotische Kathedrale mit Glockenturm errichten wollte, wohl ein Problem, von den dortigen Glaubenswächtern eine Baugenehmigung zu bekommen. Doch ist dies tatsächlich ein Argument?

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Stadtfauna – 4

Viel Gutes aus dem Menschenpark Endlich bin ich mal fündig geworden. Es geht ja auch nicht an, dass nur noch schlecht berichtet wird über das, was uns so ins Haus steht. Und ich werde den Verdacht nicht los, dass hier und da der sehnsuchtsvoll erwartete neue Mensch unter uns wandelt. (Ausserdem habe ich, glaube ich [...]

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Symptom: Bankvorstand

Was haben wir ein Glück. Die Zeiten ändern sich doch, Frankfurter Bankvorstände kommunizieren plötzlich nicht bloß isoliert in oberen Etagen. Volksferne in den Bankpalästen argwöhnen Frankfurts Bewohner seit Jahrzehnten, trotz prächtigem Opernball und Empfängen im Kaisersaal des Römers. Besonders die europaweit als Heiligkeit verehrte „Bundesbank“, das finanztechnische Scharnier zwischen politischer und ökonomischer Führung scheint nicht über den Alleenring in die Stadt zu gelangen, derart neutral gibt sie sich öffentlich.

Trinkhalle

Nun ist alles anders, jetzt ist es raus. Der Vorstand und Beamte in Sachen Wirtschaft und Politik hat sich selbst zur Frankfurter Institution, den Wasserhäuschen rund um sein Institut begeben um auf Augenhöhe die verzweifelte Lage der Nation zu beklagen.

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