Frankfurter Gemeine Zeitung

Franzens Welt

Zum Klima des Romans “Freiheit” von Jonathan Franzen (wohnhaft in New York) mögen die folgenden Zitate aus dem Interview mit dem Autor in der Süddeutschen genügen:

“Als junger Mann fand ich die Bücher von Autoren wie Pynchon, Gaddis oder DeLillo enorm spannend, weil sie von der Welt handelten, in der wir lebten. Es ging um nukleare Waffen, Terrorismus, den militärisch industriellen Komplex. Doch auf der halben Strecke des Lebens kommt man in einen dunklen Wald. Als ich mich einer kaputten Ehe, kranken Eltern, Streit in der Familie und Geldmangel gegenübersah, waren die Postmodernen zu nichts zu gebrauchen. Pynchon hat mir nicht geholfen. So begann ich, mich für menschlichere Formen des Erzählens zu interessieren. Tolstoi und Proust lesen sich, wenn man vierzig ist, ganz anders als mit zwanzig.”

“Und dann gibt es diese falsche Trennung von Leben und Arbeit, die viele Künstler machen. Sie wollen sichergehen, dass das Leben ihrem Werk nicht im Wege steht. Aber kein Leben zu haben vergiftet das Werk.”

“Es geht unübersehbar abwärts. Der Schlüsselmoment war die Wiederwahl von George W. Bush 2004. Damals entschied sich Amerika, dass es kein großes Land mehr sein will, weil das zu anstrengend ist und uns von unseren kindischen Vergnügen abhält. Wir waren einmal erwachsen, jetzt sind wir kreischende Teenager. Vergleichen sie die Debatte über den Vietnamkrieg mit dem heutigen öffentlichen Diskurs! Wir verbringen Wochen damit, über ein islamisches Gemeindezentrum in Manhattan zu streiten. What the fuck!”


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