Frankfurter Gemeine Zeitung

HARTZ IV Poem

Mein Heute
gleicht dem Gestern.
Das Morgen wird verdrängt.
Was bleibt zum Leben?
Frühstück
Toast mit Marmelade
Grüner Tee
Frische Brötchen sind nicht drin.
Tageszeitung lesen
im Schaukasten der Redaktion.
Abo kostet drei Tage essen.
Morgen hat die Tafel geöffnet.

DEU Soziales Armut Tafel

Traurig
Die sonst strahlenden
Augen meiner Frau.
Ihr Leuchten
Behördlicherseits
durch Arroganz und Willkür
gelöscht.
Mitarbeiter der Arge
verschanzen sich hinter
Arbeitsanweisungen und SGB.
Ängstlich um ihre nach Vorschrift
gefalteten Ärsche besorgt.
Von Securityschergen abgeschirmt
machen sie sich täglich
schuldig als Handlanger
des Unrechtssystems.
Ihr hattet die Wahl.
Jetzt habt ihr Angst.
Mit Recht.

Wut
im Bauch.
Farblose Politikervisagen
künden mit übelriechendem Atem
soziale Ausgewogenheit.
Ignorant verlogen versaut.
Muss kotzen.
Das letzte Paar Schuhe
ist durch.
Mein persönlicher Jakobsweg
fordert Tribut.
Hartz IV Empfänger
haben keine Lobby
saufen eh nur.
Prost.

Jahrzehnte
stumm funktioniert.
Als Mitglied der
großen Legebatterie
harmlos vertrottelt
Kapital und Blutsauger
versorgt.
Als Fäkalie der Gesellschaft
auf den Misthaufen politischer Unfähigkeit
geworfen. Entsorgt.
Was wir
dir nicht geben
brauchst du nicht.
Es reicht!
Die Straße ruft!
Jetzt gnade euch Gott!

von Ronald Hard


Digitale Kriege – Erstschlag

Mit den heißbegehrten Gadgets, die wir auf Schritt und Tritt mit uns führen, die als Mitmieter und dienstbare Lieferanten fungieren, spielen wir und erfahren durch sie die Welt. Unsere Gerätschaften sind fast immer mit einer geheimnisvollen Innenwelt ausgestattet, die inzwischen auf permanente Belagerung eingestellt ist. Die Kameras und Bildschirme, Lautsprecher und Mikrofone, Gehäuse und Tasten bilden die Aussenanlage der installierten kleinen Festungen, von denen aus im Inneren der Apparate das Regiment geführt wird. Sie bilden ein Regiment im buchstäblichen Sinne, das pausenlos in den vielen Laptops und Netbooks, den Navis und DVD-Playern, den Phones und Pads marschiert.

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Ihre Hauptbastion bilden kleine Quader, die im Gehäuse verankerten Chips, in denen elektrische Energie die smarte Truppe auf Trab hält. Ihre beweglichen Regimenter nennen wir „Programme“. Sie sind von Experten schreib- und lesbar und sorgen dafür, dass die Gadgets sich so verhalten, dass wir mit ihnen gut umgehen und sie eine Reihe von Aufgaben erfüllen können.

Seit zwei, drei Jahrzehnten sind besondere Programme in Mode gekommen, deren Aufgabe in der Irritation der smarten Truppen in den Gadgets besteht: sie werden „Viren“ genannt, vermutlich weil wir den Regimentern der kleinen Festungen gerne etwas Lebendigkeit bei der Erfüllung unserer Aufgaben zusprechen. Diese Viren verbreiten sich geschwind elektrisch auf die eine oder andere Weise, gerne über das Web und sind nicht leicht zu verorten. Mit solchen Viren werden die Regimenter krank, erfüllen nicht mehr richtig ihre vorgesehenen Funktionen. Manchmal merken wir das gar nicht und die Viren machen als „trojanische Pferde“ Dinge mit unseren Apparaten, die so gar nicht unseren Wünschen, aber denen anderer entsprechen. Gegen die Belagerung durch die viralen Agenten werden die Festungen hochgerüstet – mit wechselndem Erfolg.

Bild: luftfahrtfotografie.de

Bild: luftfahrtfotografie.de - BIBLIS

Die kleinen Bit-Regimenter besetzen nun nicht nur unsere Nahumgebung, sondern regieren auch die großen Apparate für unsere Versorgung. Maschinen, Anlagen und Kraftwerke, die regionale Infrastrukturen und ganze Ökonomien am Laufen halten sind hochgerüstete Computer-Bastionen mit vielen Festungsbauten und Wach-Regimentern. Sie werden mit gehörigem Aufwand vor digitaler Sabotage geschützt, etwa schon dadurch, dass sie keinen Web-Zugang haben. Bei unserem Vertrauen in Großanlagen wären die allgemeinen Folgen ihres Versagens erheblich. Die Frankfurter wollen sich lieber kein trojanisches Pferd vorstellen, das wildgeworden durch die Leitungen des Atomkraftwerks Biblis galoppiert.

Wenn Institutionen Scharen von IT-Spezialisten für die Herstellung oder den Zusammenbau solcher komplexen digitalen Sabotage-Trupps beschäftigen und sie zum Einsatz bringen, wird das seit Jahren „Cyber-Krieg“ genannt. Der FAZ offenbarte sich vor Tagen sein wirklicher Beginn: „Der digitale Erstschlag ist erfolgt“. Tatsächlich konnte ein besonderes gewitzter Trojaner namens „stuxnet“ vermutlich unentdeckt in die Maschinensoftware der wichtigsten iranischen Atomanlagen eindringen, und die großen Apparaturen in ihrem gefährlichen Tun erheblich durcheinander bringen. Selbst diese großtechnologischen Systeme arbeiten nämlich mit Windows und dessen Manipulationsmöglichkeiten sind Legion. Ein besonderer Erfolg für die westlichen Krieger, selbst via Trojaner in eine solch abgeschottete Anlage einzudringen – vorbei mit lebendigem Gewusel ums Uran herum. Ein nützlicher Nebeneffekt dabei: weil sich die beauftragten Wurm-Bataillone anders als menschliche Soldaten beliebig vermehren, können ganze Scharen nahestehender Maschinen ausfallen, im Iran ist wohl genau das geschehen.

Abseits von den üblichen “Achsen des Bösen”, islamischen Schurken und ihren Gehilfen: dieser digitale kalte Krieg kann uns plastisch verdeutlichen, in welchem Ausmaß unsere eigenen Alltagsverrichtungen und der oberflächliche Umgang mit dem Web inzwischen durch klandestine Truppen und ihre noch besser versteckten Auftraggeber weiträumig steuerbar werden. Die Potentiale von Stör- und Kontroll-Regimes reichen vom Kraftwerk zur Stadt, weiter bis in die Wohnung und an das Phone, gegen einzelne oder viele.

Das nächste Posting wird die Möglichkeiten genau solcher kleinen Kriege gegen uns alle beleuchten.


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