Frankfurter Gemeine Zeitung

Der glückliche Prinz ist tot

burkhard neu
Ein inoffizieller Nachruf auf Burkhard Sprenker
Die Besten sterben am frühsten. Diese Allerweltsweisheit in falsch klingenden Superlativen hat sich wieder einmal bestätigt. Nicht um jeden in der Frankfurter Kulturszene wäre es so schade wie um ihn: Burkhard Sprenker, langjähriger Schauspieler, Mentor, Theken-Ausschenker und Regisseur des Kellertheaters. Er starb vor zwei Wochen plötzlich und überraschend an einem Herzleiden. Noch vor kurzem gehörten wir, die Irgendwie-Lebenden und er der gleichen Welt an. Ein Welt, in der die Sonne wie gewohnt auf und untergeht, in der es Schokoladencroissants, Geldprobleme und Liebeskummer gibt. Wir hätten ihm jederzeit begegnen können: in der Bergerstrasse, im Theater, auf der Konstabler Markt. Diese Chance gibt es nicht mehr-es sei denn, Burkhard zieht da, wo er jetzt sein mag, in Erwägung, fürderhin als eine Art Gespenst von Canterville im Kellertheater oder im English Theater herumzuspuken, was ich ihm durchaus zutrauen wäre.
Oft hörte man von ihm sagen, er sei “die Seele des Kellertheaters.”.Das klingt kitschig, trifft aber doch etwas wahres. Zum einen seine starke Präsenz dort, Präsenz durchaus in einem physischen Sinne. Ein großer, die Tanten früherer Tage hätten gesagt: stattlicher Mann mit dröhnender, vergnügter oder betrübter Stimme, ein Mann hinter der Theke, auf der Bühne, auf dem roten Sofa, einer, den jeder im Kellertheater sah. Burkhard Sprenker war der geborene Menschenfischer; er sprach jeden an, motivierte ihn oder sie, wieder an diesen wunderbaren Ort unter der Erde zu kommen. Oder warum es nicht gleich mal mit einem eigenen Programm versuchen? Er konnte einem innerhalb von fünf Minuten das Gefühl geben, außergewöhnlich zu sein, während die meisten Personen sich in diesen neofeudalen Zeiten ja eher bemühen, einem einzubleuen, das man ein Nichts ist. Zweifelsohne hätte er einen wunderbaren Papst abgegeben. Aber das Schicksal und Burkhard Sprenker wollten es anders, und so warb er um die Seelen nicht im Auftrag des Herrn, sondern in dem des Kellertheaters, jener Bühne für Amateure und freie Gruppen, die gelegentlich spannenderes und besser gespieltes zu bieten hat, als die üblichen Pressehypestuben der Stadt. a la “Landungsbrücken”. Während andere sich damit begnügen, sich der verdienstvollen Kunst des Laienspiels im Kreise der Begabtesten anhand unserer großen Autoren hinzugeben, probierte Burkhard Sprenker gerne herum und zog ständig neue Leute hinab in den Keller. Diese Aktivität, diesen Impetus behielt er bis zuletzt, als er daran ging, Vertreter der deutsch-türkischen Community mit ins Boot und auf die Bühne zu holen, in deren räumlicher Nähe sich das Kellertheater seit mehr als 25 Jahren befindet, ohne sich weiter drum zu scheren.
Oft entstanden aus diesen Zusammenarbeiten keine “richtigen Stücke” im eigentlichen Sinne, sondern “Maleens”, einmalig gespielte Performances am letzten Sonntag Abend im Monat um 18 Uhr, knapp vor Tatort. Diese Reihe, die Burkhard zusammen mit Daniela Berger ins Leben gerufen hat, werden die meisten mit ihm verbinden: eine Spielwiese des Neuen, manchmal diletantischen, manchmal genialischen. Das hat ihn nicht daran gehindert, in den letzten Jahren noch nach dem zu greifen, was man in Theaterkreisen noch immer für die Königskrone hält: der Inszenierung abendfüllender Stücke auf großer Bühne, der Arbeit als Regisseur also. Die Stoffe, die er verarbeitete: “Harold und Maude”, “Der Liebhaber” und “Kuss der Spinnenfrau” boten eine typisch Burkhardsche Mischung aus provokanten Beziehungsdramen, Burleskem und Publikumswirksamen: Schwule treffen auf Revolutionäre, alte Frauenauf junge Liebhaber, große Gefühle werden verhandelt. Der ein oder andere altgediente Regisseur im Kellertheater mag sich verwundert die Augen gerieben haben über Burkhards Wandlung von der Thekenschlampe zum Regisseur, denn die Beziehung zwischen Keller und Burkhard Sprenker war wie jede Symbiose nicht immer unproblematisch und manchmal fühlte sich die eine oder die andere Seite nicht richtig verstanden. Um so beeindruckender war es zu sehen, dass sich ein Tag nach dem sich die Nachricht von seinem Tod verbreitete hatte, spontan einhundert Leute im Kellertheater versammelten, um seiner zu gedenken und ihn zu feiern.
Was mir und vielen anderen an Burkhard Sprenker als erstes auffiel, war seine Stimme: ein volltönender, je nach Lage orgelnder, drohender oder säuselnder Bass. In meinem Programm “Terror und Tarot” las Burkhard den berühmten Schwarzmagier Aleister Crowley und schaffte es allein durch die Kraft seiner Stimme bei einigen Zuhörern ein Schaudern zu erzeugen, wie sie mir später sagten. Dennoch hatte dieses machtvolle Organ manchmal etwas verwischtes, scheinbar grundlos stockendes. Vielleicht klang darin ein Riß in seiner Seele an, die eben nicht nur die Seele des Kellertheaters war, sondern auch seine eigene. Der Riß zwischen Narrheit und Alltagsklugheit, Lebenslust und Schwermut, Weiblichem und Männlichem, Machtanspruch und Schüchternheit, Kontaktfreude und Einsamkeit, überlegener Selbstironie und Kränkbarkeit. Oft schien es mir so, als würde er sich zu einem bestimmten Zeitpunkt aus den Dingen, die er tat zurückziehen und sie sich selbst überlassen-so auch aus seinen Inszenierungen und Projekten. Er hatte eine innige Beziehung zum Tod. Lange Zeit wollte er mich dazu überreden, mit ihm ein amüsantes Chanson-Programm über Selbstmord zu schreiben-was nicht ganz meinem Geschmack entsprach. Ein Herzinfarkt vor zwei Jahren kurierte ihn von dieser Koketterie. Er hielt strengste Diät, reduzierte drastisch die Weinschorlen, schwamm und hat vor einigen Wochen einen Tangokurs begonnen. Aber-um es als fiktiven und Burkhard gemäß reißerischen Stückttitel zu formulieren: Der Tod tanzt keinen Tango. Und ich hätte viel lieber mit ihm ein Programm über Selbstmord geschrieben, als seinen Nachruf.. Schwer vorstellbar, dass man nie wieder im Kellertheater wird hören, wie er den Namen Maleen
erklärt: “Musikalisches, Anderes, Lustiges, Ernstes, Eigenes, Neues.” Also eigentlich alles, alles, was das Leben, so es denn ein Leben ist, ausmacht. Daniela Berger hat mir erzählt, dass die Reihe nur so heißt, weil Burkhard zu dem Zeitpunkt , als sie beide das Kind zum Leben erweckten, grade eine Ausbildung zum Märchenerzähler machte und er eben grade dieses Märchen las. Offen gestanden wußte ich nicht, dass man sich zum Märchenerzähler ausbilden lassen kann. Aber sicher hat ihn seine langjährige, aber nicht immer geliebte Tätigkeit in der Finanzbranche darauf gut vorbereitet. Burkhard Sprenker war zweifelsohne ein wunderbarer Märchenerzähler. Und deshalb soll hier am Ende ein Reminszens an ein Märchen stehen, eines der Lieblingsmärchen von Burkhard Sprenker: “Der glückliche Prinz” von Oskar Wilde. Es ist unglaublich sentimental und sehr schön und weil es sehr lang ist, sei es hier kurz nacherzählt..
Es geht darin, um die mit Blattgold überzogene und mit Edelksteinen besetzte Statue eines glücklichen Prinzen, die von aller Welt bewundert wird. Doch erst jetzt da der Prinz eine Statue geworden ist, merkt er, wie traurig es eigentlich in der Stadt zugeht und er bittet eine Schwalbe, bzw. einen Schwälberich- wie es auf Wikipedia überkorrekt heißt, ihm die Saphire aus den Augen zu picken. Diese soll der Vogel einem hilflosen Dichter bringen und einem Mädchen, das seine Streichhölzer in den Rinnstein hat fallen lassen. Kein schlechter Tausch, möchte man anmerken, Streichhölzer gegen Saphire! Da Schwalben in Märchen folgsame Tiere sind, tut der Vogel dies und hilft dem nunmehr blindgewordenen Prinzen mit seinen Schwalbenaugen zu sehen. Als nächstes läßt der Prinz sein Blattgold von dem Schwälberich unter den Armen verteilen, was eine einigermassen anstrengende Angelegenheit ist. Da es überdies Winter geworden ist, erfriert die Schwalbe. Und weil die Statue des Prinzen jetzt ohne Saphiraugen und Blattgold gar nicht mehr schön anzuschauen ist, läßt der Gemeinderat sie einschmelzen. Aber das Herz des Prinzen schmilzt im Feuer nicht. Es wird zum Abfall geworfen, wo schon der tote Schwälberich liegt. Aber natürlich endet das Märchenn nicht so, sondern so: Ein Engel erscheint und bringt das bleierne Herz und den toten Vogel zu Gott.
Niemand weiss, ob Burkhard sich jetzt oder nach einer angemessenen Zeit im Fegefeuer in so vornehmer Gesellschaft befindet.
Er ist an einem Herzleiden gestorben, heißt es.
Aber ich bin sicher, das Feuer wird sein Herz nicht schmelzen.


“Die Vorstellung, ein Recht auf Stadt zu haben, breitet sich aus.”

Wie berichtet galt der alte “Campus Bockenheim” bis vor kurzem als Konkursmasse. Die Gebäude sollten abgerissen und durch Bürotürme ersetzt werden, um Geld in die Kassen der Stiftungsuniversität zu spülen. Doch der Widerstand der Initiativen “Ratschlag Campus Bockenheim” und “Zukunft Bockenheim”  und eine Veränderung der Rahmenbedingungen haben dazu geführt, dass auf dem Areal jetzt die “Hochschule für Musik und darstellende Kunst” angesiedelt werden soll. Über die Hintergründe sprachen wir mit Angelika Wahl von “Ratschlag Campus Bockenheim”.

FGZ: Ich hab mich ein bisschen gewundert, dass der Umzug der “Hochschule für Musik und darstellende Kunst” auf den alten Campus Bockenheim jetzt auf einmal funktioniert, der vorab von offizieller Seite für unmöglich erklärt wurde.

Wahl: Das hat zwei Gründe: einmal die Immobilienkrise, die werden die Flächen nicht mehr so einfach an private Investoren los, zum anderen die mögliche Aufwertung des Stadtteils durch Kreative. Das hat natürlich auch seine Schattenseiten. In bestimmten Städten, wo Quartiere hochgewertet werden mit dem Anstrich “Kreativität”, gibts gleichzeitig eine Verdrängung von freien Künstler-Gruppen und Mietern mit niedrigerem Einkommen.

FGZ: Ihr denkt ja auch daran, das Studierendenhaus beispielsweise für Migrantenvereine zu nutzen; das ist ein etwas anderes Konzept als das der Stadt oder der Kulturszene. Um wen soll es da konkret gehen?

Wahl: Für mich wäre in Bockenheim das Türkische Volkshaus eine wichtige Gruppe. Die sitzen in Räumlichkeiten, wo ältere Leute kaum hoch kommen, also im zweiten Stock. Es ist zu klein und man nimmt es nach außen hin nicht wahr. Die verschiedenen türkischen Gruppierungen sind zahlenmäßig hier sehr stark und bleiben außen vor. Ich kenne eine andere kurdische Gruppierung im Ostend, die sitzt in einem Verschlag. Es ist wichtig, dass die sich mal zusammentun. In der KAV, der Kommunalen Ausländervertretung ,passiert eigentlich nicht mehr viel. Die sind manchmal nicht mal mehr beschlussfähig und das in einer Zeit, wo die Frage der Migration hochgespielt wird, positiv wie negativ. Auf der einen Seite wird viel von Integrationsprojekten erzählt, auf der anderen Seite fehlen die Räumlichkeiten. Nicht nur die Türken, auch die große Gruppe von Marokkanern haben keine Räume.
In früheren Jahren gabs ja mal die “Casa di Cultura” zusammen mit Spaniern und Italienern, das spielt keine Rolle mehr und ich finde es wichtig, dass so ein Kristallisationspunkt da ist. Und bei den Migranten gibt es natürlich auch Künstler und Kreative. Da ist eine Menge Potential, das kaum wahrgenommen wird. Es gibt alle zwei Jahre nur die “Parade der Kulturen”, die aber nicht unbedingt das typische ist.

FGZ…. etwas arg folkloristisch.

Wahl:Genau.

FGZ: Wie hat sich Eure Initiative gegründet?

Wahl: Wir hatten im vergangenen Jahr einen Vortrag im Club Voltaire zur Bebauung des alten “Campus Bockenheim”. Dann kam Annette Münch von der Initiative “Zukunft Bockenheim” dazu, und die Idee wurde geboren: “eine Woche Studierendenhaus” für alle. Nach dieser Woche im Studierendenhaus haben sich dann Leute zusammengefunden, die weitermachen. Wir hatten dann einige Veranstaltungen, auch zum Gängeviertel mit 130 Leuten.

FGZ: Könntest Du noch etwas mehr sagen zum Zusammenhang Stiftungsuniversität und Abwicklung des alten Campusgeländes.

Wahl: Im alten Kulturvertrag steht drin, dass unter bestimmten Voraussetzungen, wenn sich die wirtschaftlichen Bedingungen ändern etc., das Bockenheimer Campus-Gebiet von der Universität an die Stadt zurückgegeben werden kann. Davon ist nach dem Umbau der Universität zur Stiftungsuniversität keine Rede mehr. Viele Vertreter der Wirtschaft sitzen jetzt im Hochschulrat. Der Einfluss geht so weit, dass bestimmte Fachbereiche abgewickelt werden. Es geht z.B. um die Schließung von „Orchideenfächern“, auch andere Institute wie das für Theaterwissenschaften sind davon bedroht. Immer wieder zeigt sich bei der Stiftungsuniversität die Tendenz zur Ökonominierung von Bildung. Und das als Bürger zu finanzieren gefällt mir nicht.

FGZ: Meinst Du, dass Eure Aktivitäten als Bürgerinitiative auch zu dem Meinungsumschwung beigetragen haben?

Wahl: Ja, auf jeden Fall. Die Berichte über die Veranstaltungen, die wir gemacht haben, waren in allen Tageszeitungen drin. Am Anfang wurde jegliche Einbeziehung der Bürger abgelehnt. Ich war im Januar im Planungsausschuss, habe gefordert, die Bürger miteinzubeziehen, das wurde abgelehnt. Genauso im Ortsbeirat. Aber im Laufe der Zeit kams dann tortzdem dazu. Wobei von Seiten der Stadt nicht nur die positive Einstellung zur Bürgerinitiative eine Rolle gespielt hat, sondern sicher auch die Überlegung, die Argumente der Initiative können wir mit nutzen für die Auseinandersetzung mit dem Land. Das Land wollte eigentlich etwas anderes, nämlich möglichst viel Kohle raus holen für die Stiftungsuniversität beim Verkauf des alten Unigeländes.Die Stadt war da schon früher etwas vorsichtiger im Interesse des Stadtteils Bockenheim.

FGZ: Eigentlich ist die Arbeit Eurer Initiative ja bereits eine kleine Erfolgsgeschichte. Gibt es so etwas wie eine neue Städtebewegung?

Wahl: Vor zwei Jahren war der Begriff der Gentrifizierung noch ein Fremdwort. Inzwischen spielt er in vielen Städten eine Rolle. In vielen Städten gibt es jetzt Bürgerbewegungen unter dem Motto “Recht auf Stadt”, die sehr unterschiedlich zusammengesetzt sind. In Hamburg gibt es Leute aus dem liberalen Bereich, aus dem autonomen Bereich, und die vom Gängeviertel, die vermitteln.Es ist es ihnen gelungen, vieles auf die Reihe zu kriegen. In Berlin und Freiburg gibt es ähnliche Bewegungen, in Stuttgart sieht man es jetzt bei Stuttgart 21. Die Vorstellung, ein Recht auf die Stadt zu haben, breitet sich aus.

Interviewer:  Bert Bresgen

 


Blind Dates 27.9.-3.10

Der Koordinierungskreis der Aktion Georg Büchner hat am Freitag, den 24. September in Frankfurt nach mehrstündiger Debatte beschlossen, die Bankenaktion am 18. Oktober abzusagen.

Den Stimmungswandel vor den Sommerferien (›Wir zahlen nicht für eure Krise‹) in die Zeit danach (›Die Krise ist vorbei‹), den auch wir zu spüren bekamen, fällt derzeit vielen AkteurInnen, die gegen das Verarmungsprogramm mobilisieren, in den Rücken – auch wenn die Fakten genau das Gegenteil belegen. Doch die Zeit, diese Verunsicherung auszuräumen, dieses Zögern zu überwinden, lief uns davon. Dass wir uns dieses Mal noch nicht durchringen konnten, den Schritt in die Aktion zu wagen, ist nicht das Ende des Versuchs, zivilen Ungehorsam im Bereich der sozialen Kämpfe zu organisieren. Sowohl Stuttgart 21 als auch die kommenden Castor Proteste zeigen, dass zunehmend mehr Menschen sich auf die Suchen nach Aktionsformen begeben, die den Schritt vom Protest zum Widerstand beschreiten. Wir haben uns verabredet, das gemeinsame Vertrauen und die entstandenen Verbindungen zu nutzen, an unserer Idee eines ›gesellschaftlichen Streiks‹ festzuhalten, sie zur Diskussion zu stellen, in der Hoffnung, dass unsere jetzige Entscheidung nicht das letzte Wort bleibt.
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Frankfurt 22? Das klingt doch nach…Richtig, für Montag den 27.9.2010 um 17.30 Uhr ruft die Verkehrsinitiative Frankfurt 22 unter dem Motto “Frankfurt 22″ zu einer Solidaritätsdemonstration zu Stuttgart 21 auf. Gleichzeitig geht es um die problematischen Auswirkungen dieses Projektes auf die Bahnsituation in Frankfurt und Rhein-Main.

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Im Aufruf heißt es: “Mit Trillerpfeifen, Trommeln, Plakaten etc. gehen wir von der Konstabler Wache zum Frankfurter Hauptbahnhof. Motto: Solidarität mit dem Stuttgarter Kopfbahnhof und seinen mutigen Beschützern. Gegen den erklärten Willen der Mehrheit der Stuttgarter soll das Irrsinnsprojekt durchgezogen werden. Und wir sollen alle dafür bitter mitbezahlen? Das Milliardengrab Stuttgart 21 verhindert nicht nur Bahninfrastrukturprojekte in Baden-Württemberg, sondern auch in Hessen bzw. bundesweit. So stehen auf der Streichliste von Bahnchef Grube die Modernisierung der Zulaufstrecken zum Frankfurter Hauptbahnhof, inklusive der dringend benötigten zweite Bahnbrücke in Niederrad, sowie der Umbau der Strecken am Südbahnhof und in Hanau. Alles Projekte, die der hessische Verkehrsminister Posch vor knapp 10 Jahren versprochen hat, sie sollten dieses Jahr fertig werden! Nichts ist geschehen! Weiter auf der Streichliste steht der Bau der Bahnstrecke nach Mannheim, sowie der Ausbau des Bahnkorridors nach Fulda. Gleichzeitig wird die parallel laufende Autobahn A 66 gerade gebaut! Und wo bleibt die Anbindung der Nordmainischen Bahn, warum lässt man den Ostbahnhof verkommen und verschenkt gleichzeitig eine Kfz-Brücke an die Europäische Zentralbank (EZB)?”

Eventuell geht das ja mit der Initiative der Rundschauanzeige “STUTTGART 21 – WARUM NOCH WARTEN“ zusammen, auf die wir vor Tagen hingewiesen haben.

Der Rödelheimer Verein Zusammen e.V. widmet sich von Dienstag bis Donnerstag den notorischen Thesen Thilo Sarrazins, der Medienreaktion darauf und den geheimen Zusammenhang zu den Sparbeschlüssen der Bundesregierung. Der Verein begründet dies so:  ”Eine Meinung, die über alle Kanäle in hoher Lautstärke verbreitet und verstärkt wird und trotzdem ständig als Beispiel von unterdrückter Meinungsfreiheit genannt wird: Thilo Sarrazin.  Es geht uns nicht nur um Sarrazin, sondern um die Medien, das Gerede um die „gescheiterte Integration“ und auch um den Wunsch der Rechten nach einer neuen Partei. Aus diesem Grund dreht sich vom Di., 28.09. bis Do., 30.09. im Stadtteiltreff alles um den neuesten Angriff auf alle Lohnabhängigen, sowohl durch Sarrazins Hetze, als auch durch das in seinem Windschatten durchgewunkene Sparpaket und die neuen Strafpläne gegen „Integrationsverweigerer“. Der Laden ist an diesen Tagen nur zu dem Zweck geöffnet. Dazu sind natürlich auch Nicht-Mitglieder herzlich eingeladen. ”

Doch nicht nur hier vor Ort beschäftigt man sich in dieser Woche mit den Sparbeschlüssen der Bundesregierung, sondern auch in dieser anderen Stadt, wie heißt sie noch? Fängt mit b an, ah ja, wir lesen…:

Sparpakete stoppen – hier und europaweit!

Aufruf des Berliner Bündnisses “Wir zahlen nicht für eure Krise” zur Demonstration am 29. September 2010 um 17:30 Uhr am Roten Rathaus -  Kundgebung und Bankenaktion 11 Uhr, Wittenbergplatz – Wehren wir uns jetzt gegen die Sparpakete der Bundesregierung!

Nein zu Sparpaket und Gesundheitsreform! Abschaffung von Hartz IV und der Agenda 2010. Stattdessen Mindestsicherung, von der man menschenwürdig leben kann, ohne Sanktionen und bürokratische Schikanen!

10 Euro Mindestlohn! Leiharbeit abschaffen! Stattdessen gesicherte Arbeitsverhältnisse, Löhne hoch!

Arbeitszeitverkürzung statt Arbeitslosigkeit: 30-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich! Weg mit der Rente mit 67! Keine Nullrunden mehr!

Reiche und Verursacher der Krise sollen zahlen!

Verstaatlichung aller Banken unter demokratischer Kontrolle!

Schluss mit der Hetze gegen Menschen mit Migrationshintergrund! Gleiche Rechte für alle!

Keine Kürzungen im Bildungsbereich! Weg mit Studien-, Ausbildungs- und Kita-Gebühren!”

Allesamt prima Forderungen, die wir als FGZ sofort unterschreiben würden- abgesehen davon, dass man nicht nur gegen Kürzungen im Bildungsbereich vorgehen sollte, sondern auch gegen allzu verkürzte Sätze, denn: was bedeutet “Verstaatlichung aller Banken unter demokratischer Kontrolle” genau? Sollen jetzt nur die Banken verstaatlicht werden, die unter demokratischer Kontrolle stehen? Und wäre z.B. “Wir sparen uns das Sparpaket” nicht etwas äh, flotter gewesen, als die immerwährenden Aufrufklassiker: “XYZ stoppen”, “Nein zu…” “Schluss mit…” “Weg mit…” plus 13 Ausrufezeichen. Aber hier gehts um Gesellschaftskritik, nicht um Stilkritik, so lets go to Berlin!

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“Großbanken zerschlagen – Reichtum umverteilen!”

Eine etwas andere Protest-Aktion von  Attac-Frankfurt  am Mittwoch, den 29.September 2010    –   Beginn: 12`30 Uhr auf dem Frankfurter Römerberg

Mit einer Aktion besonderer  Art protestiert Attac-Frankfurt am 29.9.2010  gegen das geplante Sparpaket, mit dem die Bundesregierung die Kosten der Finanzkrise ausgerechnet den ärmsten Teilen der Bevölkerung aufladen will. “Großbanken zerschlagen – Reichtum umverteilen!”, fordern stattdessen die Globalisierungskritiker. Die Aktion findet im Rahmen eines dezentralen bundesweiten Bankenaktionstages statt, zu dem das globalisierungskritische Netzwerk  Attac Deutschland aufruft und an dem sich Menschen in mehr als 50 Städten beteiligen werden.

Europaweit werden am 29. September Bürgerinnen und Bürger gegen unsoziale Krisenpolitik auf die Straße gehen. Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) ruft anlässlich des Treffens der EU-Finanzminister zu einer Demonstration in Brüssel und Aktionen in weiteren Hauptstädten auf. In Griechenland und Spanien sind Generalstreiks geplant.

Attak-Frankfurt macht das mit einem Theaterzug vom Römerberg aus. Von dort geht es über die Neue Kräme, Hauptwache und  Fressgass zum Opernplatz.


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