Frankfurter Gemeine Zeitung

Die Frankfurter Pizza-Connection: “Verändere Deine Stadt! ” und die McKinseys

“Verändere deine Stadt!! Lasst uns Frankfurt zur Youth Changemaker City machen!”
Dieser Slogan durchzieht grade diverse, vornehmlich Anzeigenfinanzierte Stadtgazetten. Kingt gut klingonisch, oder? Denn wer möchte nicht “seine” Stadt verändern, auch wenn sie ihm gar nicht wirklich gehört. Und dieses “Lasst uns…. “: halb Demo, halb Kirchentag,
Okay, das imperiale Zwangs-Geduze, das von irgendwelchen Companies und Groß-Institutionen als Aufforderung an einen herandröhnt und von Plakatwänden, aus dem Planet-Radio und Zeitungsseiten an einen heran schleimt (“Du bist Deutschland”) erinnert vielleicht unangenehm an den Sozialkundelehrer verflossener Tage.
Aber, hey: DU WILLST ES DOCH AUCH, ODER? DIE STADT VERÄNDERN?  Und eben dieses Ziel verfolgt nach eigenen Angaben die Jugendorganisation “Ashoka“. Und deshalb hat Ashoka in den vergangenen Wochen die Jugendorganisationen der Parteien und den StadtSchülerInnenRat (SSR) Franfurt zu einem ‘Youth City Changemaker’ – Event am 30. Oktober 2010 in Frankfurt eingeladen unter ebendiesem Motto: „Verändere deine Stadt! Lasst uns Frankfurt am Main zur Youth Changemaker City machen!“
Dabei, man muss es leider sagen, kam es zu einem Mißbrauchsfall: es wurde ein „Kompetenz-Team“ gebildet!

Warum das so war, warum sich die SchülervertreterInnen DARAUF eingelassen haben-keine Ahnung. Meine Mutter z.B. hat mich immer davor gewarnt, mit Fremden ins Auto zu steigen und ein Kompetenzteam zu bilden, denn sie WUSSTE, wohin das führt. In diesem Fall führte es dazu, dass „Ashoka“ mit dem Logo des Stadtschülerinnenrates für die Veranstaltung wirbt ohne dessen Einverständnis.
Bei der Vollversammlung des StadtSchülerInnenRates am 23.9.2010 machte ein Mensch namens Matthias Scheffelmeier (Hauptamtlicher Mitarbeiter von “Ashoka“) den versammelten SchülerInnen den Event am 30.Oktober schmackhaft und versprach, sie bei der Umsetzung von “eigenen Ideen für verstärktes Jugendengagement” zu unterstützen. Dazu gab es kostenlosen Getränke. Und PIZZA. Lecker. Auf der homepage ist als Ziel formuliert, „in einer Stadt die Entwicklung einer Problemlöser-Kultur zu ermöglichen, bei der innovativer und unternehmerischer gesellschaftlicher Wandel von jedem Mensch ausgehen kann.“ (siehe hier)
Auch das ist doch irgendwie sehr schön, und IHR seid sicher schon neugierig, was es dafür gibt. Dafür gibt es, und ihr dürft jetzt WIRKLICH nicht ausflippen, das MÜSST ihr mir versprechen: 800 Euro! In Worten: ACHTHUNDERT!! EURO!!!
Ist das nicht megamegaMEGA? Achthundert bar auf die Kralle für Eure Changemakerideen! Das sind übersetzt: 160 mal Pizza Margerita in der Pizzeria Eurer Wahl. Da kann auch schon mal eine mit Ruccola oder Lachs dabei sein, das könnt ihr immer noch changen!!
800! Euro!! werden in Aussicht gestellt, wenn eine Jury, deren Zusammensetzung bisher nicht bekannt gegeben wurde, Ideen der eingeladenen Jugendlichen für unterstützenswert hält. Und ihr fragt Euch sicher alle, WER steckt hinter diesem Supersupersuperangebot? Kann das “Ashoka” alleine stemmen? Kriegen die das hin? Nein, dahinter stecken immer ein paar kluge Köpfe mehr, in diesem Fall die der Beraterfirma McKinsey. (Siehe: http://germany.ashoka.org/partner) : Die Jugendinitiative und das Beratungunternehmen sind ECHTE PARTNER und deshalb wohnen die auch zusammen. “Ashoka” hat die gleiche Adresse wie das Beratungsunternehmen: Taunus Tor 2 in Frankfurt.
Ihr fragt Euch jetzt vielleicht: McKinsey? Wer ist das? Das sind BeraterInnen und sie beraten gerne. Sie empfehlen den Firmen, Gemeinden, Kommunen, Politikern, Universitäten,Kliniken usw. eigentlich mmer das gleiche, nämlich: Personalabbau wg. “Kostenersparnis”. Sie selbst hingegen haben natürlich sehr, sehr viel Personal, vornehmlich bestehend aus ebenso frischschexaminierten, wie lebensunerfahrenen BetriebswirtschaftlerInnen mit Pickeln und Perlenketten plus ein paar graumelierten Gurus. Und alle kosten Unsummen. McKinsey ist wie Scientology ohne Tom Cruise, aber mit mehr Pickeln, Perlenketten und Prestige.
Die “Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft”, die erwähnten SozialkundelehrerInnen verflossener Zeiten, schreiben über M. in einer Presseerklärung zu Ashoka:
“McKinsey als einer der Hintermänner der Initiative übt als Berater bei politischen Entscheidungen erheblichen negatinen Einfluss aus: bei Hartz-Gesetzen, bei den Beschlüssen der Herzog-Kommission zum „Umbau“ des Sozialstaates, beim sogenannten Rettungsschirm für die Banken. Der ehemalige McKinsey Chef Jürgen Kluge schlug die Einführung von Studiengebühren ebenso vor wie eine Bildungsreform, bei der Schulen nach marktwirtschaftlichen Prinzipien geführt werden sollen: „Besonders schwache Schulen werden unter ‚Special Measures’ gestellt – verbunden mit häufigen Kontrollen, intensiven Fördermaßnahmen etc. Bleibt dies ohne Erfolg, wird die Schule geschlossen und mit ausgetauschten Lehrern neu eröffnet: ‚Fresh Start’”.

Das ist böse, aber wahr, und das Wort “negatin” klingt viel schöner als “negativ”, selbst wenn es falsch ist, wie ich an dieser Stelle mahnend den aufrechten Lehrerinnen in ihr wohlverdientes Stammbuch  schreibe.
Allerdings fehlt da einiges an INFO für den Unwissenden,  nämlich z. B. dass McKinsey all die Leute berät, denen die Stadt tatsächlich gehört. Und das seid nicht “ihr”; das sind nicht “wir”. Noch nicht.

Oder: dass die McKinseys als Berater für die Produktion immerimmerimmergleichen Ideen nicht “800 Euro” bekommen, sondern “800 Millionen”-um mal McKinseygleich irgendeine Pseudo-präzise, unbewiesene Zahl in den Raum zu stellen. Also: keine Pizza, sondern: “beim Italiener”.

Oder: dass die McKinseys in der Tat tagtäglich die Städte verändern. Aber nur, damit alles für immer beim Alten bleibt.

But it won´t.

Die Zeiten ändern sich.

Diese Problemlöser sind Teil des Problems.
it´s not my problem.

Eine Pizza mit Sardellen für eine Idee, wie man McKinsey in Frankfurt los wird.


2 Kommentare zu “Die Frankfurter Pizza-Connection: “Verändere Deine Stadt! ” und die McKinseys”

  1. gaukler

    Dazu gehören fließende Übergänge zwischen kommunaler Politik und Beratungsfirmen. Der letzte große Berufswechsel zeigt das mentale Gefüge schwarz-grüner Stadtregierungen: Ole von Beust wechselte als Consultant zur Beratungsfirma Roland Berger ! (http://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2010-09/von-beust-roland-berger)
    Tja, wer hat bei kommunalen Entscheidungen wirklich das Sagen ?

  2. ulsdfm

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