Frankfurter Gemeine Zeitung

Bemerkenswertes, Oktober-2

Politik

Uns Frankfurtern fehlt etwas der Durchblick für die feinen Netze der Ländle-Vitamin-B´s. Das gilt auch für die Einzelheiten der Verstrickung von Medien über wohlgefällige Artikelsequenzen zum Geschmäckle bei  großen Deals.

Der Stern bietet uns etwas Hilfestellung in Fahrt auf schwäbischem Filz. Der Artikel zeigt ein übles Gebräu von Hauptakteuren und Nutznießern für Stuttgarts S21 rund um das “Weinberghäuschen”. Eine ähnliche Analyse wünschen wir uns für das Rhein-Main-Gebiet. Hier ist sicher auch einiges an Zusammenspiel zu entdecken.

Zur 20-jährigen Einheit am 3., meinte Präsident Wulf eine besonders gute Idee zu haben, in seiner “Wir”-Rede in Bremen wieder das schöne Werbe-Motto für unser Nationalgefühl und alle Agenda-Kunden aus der Mottenkiste holen zu müssen: “Du bist Deutschland” – jetzt sind wir´s (fast) alle.

 

Also. Gott schütze Deutschland“: Es lebe der Aufschwung !

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Man glaubt es kaum:IWF sieht noch Reformbedarf nach Finanzkrise“.

Genau, das ist exakt die internationale Institution, die von Globalisierungskritikern im operativen Kern der rendite-süchtigen Finanzmärkte situiert wird. Gerade sie fordert tatsächlich die politisch Verantwortlichen auf, neben dem Feiern zur  Rettung der bestehenden Herrschaft über Investitionen und Renditen nicht zu vernachlässigen, Regulationen in eben diese Herrschaft einzubauen. Tja, wer ist denn da nun für was verantwortlich? Eine politische Feuerwehr oder findet man sie unter den Brandstiftern?

Eine Lehre: wir sollten beim nächsten Knick im großen Markt nicht vergessen, wer zusammen mit den passenden Beratern und Lobbyisten die Maschine am Laufen hält: das korporatistische Geflecht um Inverstoren, Leitenden und herrschenden politischen Instanzen.

Siehe zu dem Thema auch: Regulationen in Schweiz und Deutschland.

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Wirklich bemerkenswert sind die Sprüche des badenwürttembergischen Justizminister Goll, der Demonstranten in Suttgart als “wohlstandsverwöhnt” abkanzelt.

Der Mann muß nicht ganz richtig sein! Aus unserer nördlichen Sicht vertritt ja gerade Baden-Württemberg das “Musterländle” deutschen Wohlstands, sozusagen das Eldorado der Verwöhnung. Und die FDP, die Partei Golls ist doch gewiß der Hohepriester des Vollgas-Wohlstands.
Drum: es muß also richtige und falsche Wohlstandsverwöhnte geben.

Kultur

In der Münchner Reithalle herrschte ein Hauch von Sportpalast.

Der Geist der “neuen Bürgerlichkeit”, das meint die Leute, die ihren zählbaren Erfolg durch einen Korpsgeist mit Spiegel und Cicero ergänzen wollen, zeigte sich unverstellt bei einer Versammlung im Literaturhaus in München, von der die Süddeutsche berichtet: “das gediegene Münchner Bürgertum hat sich schrecklich daneben benommen”. Es kamen “gutgekleidete Grauköpfe ins Geifern” als ein Soziologe der Münchner Uni  in der Podiumsdiskussion mit einem gewissem “Sarrazin” wagte, sozialwissenschaftlich informiert eine vorsichtige Kritik an den Thesen ihres Meisters zu üben. “Aufhören”- und “Oberlehrer”-Rufe schallten dem Professor entgegen und als Professor Nassehi dann Thilo Sarrazin einen “Kleinbürger” nannte, der mit einer ungeordneten Welt nicht klar komme, verlor das Publikum endgültig seine Contenance. Den größeren Kontext der Rendite-Verwöhnten hat unser Artikel vor einem Monat hier dargestellt.

Wir nehmen an: mindestens jeder zweite der dort Anwesenden stattet seit Dienstboten-Team muslimisch aus.

Tja: Kultur-Klassenkampf der “Verantwortlichen”.

Stadt

Für unsere Freunde, die lieber Argumente in Videos als in Texten rezipieren und sich für den Kontext von Verkehr, Regionen und Finanzierungen interessieren: Der Kurzfilm »Widerstand gegen den Widerstand« erläutert die Folgen eines Baus von »Stuttgart 21«. Das umstrittene Großprojekt betrifft nicht nur die Bevölkerung vor Ort. Denn der Bau wird erheblich teurer werden als geplant, kritisieren Gegner des Projektes, aber auch Bahnexperten. Zahlen muss sämtliche Mehrkosten der Bund, es trifft also alle Steuerzahler. Dieses Geld fehlt dann an anderer Stelle: bei Bildung, Arbeit, Gesundheit , im sozialen Bereich, in unserer ganzen gemeinsamen Infrastruktur.

Die Überflüssigen“ aus Berlin begreifen sich als diejenigen, “die sich schon lange keine Wohnungen mehr im Berliner Zentrum leisten können und einen Einkauf im Bio Supermarkt erst recht nicht, von denen dennoch gefordert wird, den Gürtel enger zu schnallen” – Aber: sie wollen dagegen halten und sich wohlständig bedienen.
Am 2. 10. gegen 20 Uhr besuchten sie den größten Bio Supermarkt Europas, im Prenzlauer Berg  gelegen. Die ca. 20 Personen betraten die LPG in der Kollwitzstraße und verlasen ein Flugblatt für die umstehenden, sich bewußt ernährenden Anwohner_innen. Gleichzeitig füllten die sonst auf Discounter Angewiesenen sich ihre Körbe an den „üppigen Bio-Fleisch-, Bio-Wurst-, Bio-Feinkost- und Bio-Käsetheken“ und spazierten anschließend unbehelligt aus dem „Bio-Paradies“.

Na so was !

Web


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