Frankfurter Gemeine Zeitung

Die Ponys meiner Töchter weiden auf selteneren Weiden

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Im Gegensatz zu unserem Autor Florian K. in “Tötet die deutsche Sprache!” glaube ich ganz und gar nicht, dass sich “fast alle einig sind, dass die deutsche Sprache gerettet werden muss”. Denn: Die LAUTSPRECHER, ob Medien, Wirtschaft, Werbung oder Schulhöfe produzieren tagtäglich Denglisch, Kanaksprach etc.- ohne überhaupt noch weiter darüber zu diskutieren oder nachzudenken. Das ist die “normative Kraft des Faktischen” wie good old Max Weber das nannte.Yeah!

Insofern stirbt die “Deutsche Sprache” bereits eines natürlichen Todes; sie zu töten hieße und heißt: to flog a dead horse, “wie der Engländer sagt”-wie man früher gesagt hätte. Oder wie die Sex Pistols es bei der Veröffentlichung einer völlig überflüssigen Kompilation als Titel wählten. Das war dereinst, als man noch Worte wie “dereinst” wählte.

Nichtsdestotrotz ist klar, dass es bei den “Rettet die deutsche Sprache” -Kampagnen a la “ZEIT” und “FAZ” um die Beschwörung der Bourdieuschen “feinen Unterschiede” durch die Neobürgerlichen geht, die sich vergewissern wollen, dass ihre Ziel sich nicht nur im “Mehrgeldverdienen” plus “Geigenunterricht” plus “MEHR PONYS FÜR UNSERE TÖCHTER!”  erschöpfen, sondern schon noch irgendwie einem höheren Allgemeinen dienen. Fuck Them. Die Ponys meiner Töchter weiden auf selteneren Weiden.

Dass Problem ist keine “Überfremdung” des Deutschen , sondern die phantastische Phantasiearmut und Unter/Unter/Unterkomplexität der Gegenwartssprache, sei es im Netz, sei es in der sogenannten realen Welt,  scheißegal, ob Deutsch, Englisch oder Esperanto. Kann man sich vorstellen, dass der Wortreichtum von Shakespeare vor einem halben Jahrtausend im Globe theater auf “normales Publikum” (=Unterschichtenfernsehen) niederprasselte? 

EINE WELTSPRACHE, ein Welt-Pidgin, dessen Hauptkennzeichen lediglich “unbegrenzte Anpassungsfähigkeit” ist, wie das Florian K. das utopisch beschwört, ist ein Albtraum. Sie spiegelt bloß die generelle Anforderung an den arbeitenden Menschen durch das globalisierten Kapital. “So what?” würde da der unbegrenzt anpassungsfähige Herrenmensch erwiedern. Denn: Die, die “etwas zu sagen haben”, immer und immer und überall, sprechen auch “als Deutsche” oder “Schwytzer” bereits jetzt unentwegt “Buisnessenglish”. Sie sind erfolgreiche Emigranten ihrer Sprache.

Die Deutsche Sprache wird deshalb vielleicht gar nicht zum Hort der herrschenden Elite werden wie Florian das ironisch beschwört. Eher zum Ausdruck des Loosertums, wie sich das bereits in einem alten Song des -I think- Amis Beck angekündigt hat, in “Looser ” eben, in dem irgendwann gegen Ende, fast unhörbar deutsch gesprochene Zeile “Sprechen sie deutsch, baby?” auftaucht. 

I´m sorry, dieses Video kann hier nicht gezeigt in your country werden, denn dieser Inhalt gehört UMG Records

Aber die Sprache, the language, THE LANGUAGE wird auch das überleben, wie Stephen Fry das schon vor einiger Zeit bewiesen hat.

 


2 Kommentare zu “Die Ponys meiner Töchter weiden auf selteneren Weiden”

  1. Dussel

    Neobürgerlich !? Und dann der Tochter nur ein Pony?

  2. takeawalk

    like! (um mal eine hier nicht angesprochene sprachebene in die diskussion zu werfen).
    und ja, beck ist ami. schöne koinzidenz, der deutsche satz in “loser”!

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