Frankfurter Gemeine Zeitung

Leistungsdenken? Raus aus unseren Betten!

Immer wieder werde ich Zeuge von Gesprächen, die meist in feuchtfröhlicher Runde geführt werden und zum Thema haben, diese oder jene sei „gut“ oder „schlecht“ im Bett.

Ich bin bei diesen Diskussionen dann meist außen vor, da ich seit mehr als 10 Jahren mit einer festen Partnerin zusammen bin und daher nicht die hohe Zahl an Vergleichswerten vorweisen kann, wie andere Personen aus meinem Freundeskreis.

Umso größer ist dann meine Verwunderung über die geäußerten Auffassungen und darüber, dass sich in diesen scheinbar alle einig sind.

Gut im Bett ist nach dieser Denkungsart eine Frau offensichtlich dann, wenn sie eine „tabulose, immergeile Dreilochstute“ ist, die weder Schamgefühl noch Würgereflex kennt, sich bewegen kann wie eine Mischung aus Schlange und Kaninchen, immer die Socken aus, aber das Licht anlässt und am liebsten Pornos schaut, während sie sich im Doggystyle „bangen“ lässt; mit anderen Worten: Ein Sexmonster.

Dabei scheint es dann auch völlig egal zu sein, ob diese Frau eventuell dumm wie Brot ist, Massen an Makeup trägt, so dass ihre Gesichtszüge aussehen wie eine Hauswand auf die frischer Rauputz aufgetragen wurde oder sie derart penetrant nach Parfüm stinkt, dass man allergische Niesanfälle bekommt.

Vielleicht fehlt mir einfach irgendein Männlichkeitsgen, dass ich mich von solchen Frauen eher abgestoßen fühle? Ist etwa mein Y-Chromosom nur verkümmert ausgefallen?

Vielleicht. Vielleicht bin ich aber auch ein einsamer Rebell gegen eine schädliche und unterdrückerische Auffassung von menschlicher Sexualität.

Was ist mit einer Frau, die eine hochintelligente und liebenswerte Partnerin ist, aber die „altmodische“ Meinung vertritt, ein Penis gehöre nicht in den Mund? Ist sie prüde? Scheiße im Bett?

Nach der vorherrschenden Meinung offensichtlich schon, da sie ja nicht die „allgemein akzeptierten sexuellen Leistungsvorgaben“ erfüllt.

Doch es sind nicht nur die heterosexuellen Herren der Schöpfung, die eine derart leistungsbezogene Auffassung der Sexualität haben. Der Leistungsdruck zieht sich mittlerweile als roter Faden durch die meisten der denkbaren Geschlechtlichkeiten.

Innerhalb der Schwulenszene existiert teilweise ein erbarmungsloser und leistungsorientierter Körperkult.

Auch die heterosexuelle „Frau von heute“ stellt hohe Anforderung an ihren Partner.

Dieser sollte immer können und zwar auf Kommando, aber natürlich nur, wenn die Frau auch darauf Lust hat. Wenn ihr gerade nicht danach ist, sollte er sie möglichst nicht mit seiner Libido belästigen… ungefähr so wie ein batteriebetriebenes Spielzeug. Tabulos sollte er natürlich auch sein, aber trotzdem zärtlich. Stundenlange Wohlfühlmassagen gehören ja schließlich zum absoluten Standardprogramm, das eine moderne Frau erwarten darf.

Wenn es aber zur Sache geht, dann muss er schon ein gewisses Standvermögen beweisen. Nach fünf Minuten fertig sein und einschlafen geht mal gar nicht. Dann ist er ein „egoistischer Machoarsch“ und eine „Niete im Bett“.

Ach ja: Am ganzen Körper rasiert sollte er sein und keine Spur von natürlichem Körpergeruch aufweisen, sondern „angenehm“ nach Chemie duften.

Und es wäre schon besser, wenn er gut bestückt ist, denn „die moderne Frau macht sich zwar nichts aus Größe, aber…“.

Doch woran liegt es, dass der sexuelle Leistungsdruck, welcher sich auch in einem Anpassungsdruck an bestimmte Idealvorstellungen manifestiert, derart um sich greift?

Nach Auffassung von Alice Schwarzer ist die „böse“ Pornographie daran schuld.

Und auf den ersten Blick scheint dies auch nicht ganz von der Hand zu weisen sein. In Pornofilmen sieht man tatsächlich tabulose, immergeile Nymphen, die von durchtrainierten Zuchthengsten mit Riesenlümmeln penetriert werden und es sogar noch geil finden, wenn ihnen jemand seine Faust in den Anus bohrt.

Aber sind wir Menschen wirklich so naiv, dass wir nicht erkennen könnten, dass es sich bei Pornofilmen um reine Fi(c)ktion, um eine inszenierte Sexshow, handelt?

Ich jedenfalls nicht. Ich bin schließlich auch noch nie mit einem Batmanumhang von einem Hochhaus gesprungen.

Doch wenn ich in den Zirkus gehe, dann möchte ich dort Artisten sehen und keine Normalbürger, also eben Profis am Werk.

Bei Pornodarstellern handelt es sich halt um Sexprofis, die gezielt nach Gesichtspunkten wie Tabulosigkeit, sexuelle Ausdauer, Penisgröße u.s.w. ausgewählt werden.

Die vielbeklagte „Pornographisierung“ unserer Gesellschaft halte ich ohnehin für eine Schimäre.

Ich denke, dass das Problem des sexuellen Leistungsdruckes viel tiefere Ursachen hat:

Zum einen gibt es da den Machbarkeits- und Beherrschbarkeitswahn der in den Industrienationen um sich greift.

Frei nach dem Motto „Erektionsprobleme? Dein Arzt kann helfen“, wird Menschen suggeriert, dass sie letztlich an jeder sexuellen Unzulänglichkeit selbst schuld seien.

Die Maschine muss funktionieren, auch wenn vielleicht die Gefühle gar nicht mehr stimmen.

Erektionsprobleme? Dafür gibt es doch Viagra.

Zu früh kommen? Dafür gibt es Kurse, Ratgeber und so ein Zeug aus dem Sexshop, das die Eichel taub macht. Wenn gerade kein Sexshop in der Nähe ist, tut es auch Koks.

Körpergeruch gehört dank „Right Guard“ mit Silberionen sowieso der Vergangenheit an.

Zum anderen gibt es das Problem der oft missverstandenen und noch lange nicht abgeschlossenen sexuellen Revolution.

Im Rahmen der (dringend notwendigen) sexuellen Befreiung und gleichzeitigen Auflösung sexueller Tabus fand gleichzeitig auch eine Normierung sexueller Tabulosigkeit statt, die ihrerseits wiederum zu Zwängen führt.

Ein gutes Beispiel ist der alte Sponti-Spruch „wer zweimal mit der selben pennt, gehört schon zum Establishment“. Ein solches Denken negiert die Möglichkeit sich bewusst für die Sexualität mit nur einem Partner zu entscheiden und ist damit eigentlich selbst wieder eine Form von Prüderie.

Genauso findet eine Herabwertung sexueller Schamhaftigkeit statt, im Sinne von „man muss doch zu seinem Körper stehen“ und ähnlicher Plattitüden wohlmeinender Pädagogen.

Man muss? Nein! Man kann, wenn man will.

Ich befürworte die Befreiung der Sexualität von jeder Art des „Müssens“. Es ist das gute Recht eines Menschen, mit dem Sex bis zur Hochzeitsnacht zu warten, die Socken anzulassen, bei ausgeschaltetem Licht 5 Minuten herumzuwackeln und dann selig zu entschlummern.

Wichtig ist halt, dass beide Partner damit einverstanden sind. Ansonsten muss sich einer von beiden jemand anderen suchen.

Dies hat übrigens überhaupt nichts damit zu tun, ob einer „gut“ oder „schlecht“ im Bett ist.

Es gibt zwar guten oder schlechten Sex aber nicht Personen, die per se gute oder schlechte Liebhaber sind.

Guter Sex entsteht dort, wo sich zwei (oder mehr) Partner einvernehmlich zusammenfinden, offen miteinander umgehen, miteinander über ihre Gefühle und Wünsche kommunizieren und vor allem zusammenpassen.

Und wenn die Partner zusammenpassen, braucht es eben keinen Leistungsvergleich und keine Mindeststandards die erfüllt sein müssen.


5 Kommentare zu “Leistungsdenken? Raus aus unseren Betten!”

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