Frankfurter Gemeine Zeitung

Quadratisch, praktisch, gelb- Vom Wert eines Anarchoschwammes

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Er sieht aus wie ein hyperaktiver Schweizer Käse mit Hasenzähnen, ist laut und unglaublich nervtötend. Eltern hassen ihn, Kinder und Kiffer lieben ihn: Die Rede ist von Spongebob Schwammkopf, in Englisch auch Spongebob Squarepants.

Von kaum einer Comicfigur dürfte zur Zeit so viel Merchandise verkauft werden, wie vom kleinen gelben Schwamm. Fast überall grinst er einem entgegen.

Doch worum geht es überhaupt?

Der Serienheld Spongebob Schwammkopf lebt in einer Ananas unter dem Meer und ist optimistisch, ein wenig naiv, fleißig, duldsam und meistens richtig gut drauf. Er beginnt den Tag für gewöhnlich mit dem durchdringenden Schlachtruf „Ich bin bereit! Ich bin bereit! Ich bin bereit!“.

Seinen unterprivilegierten Drecksjob als Burgerbrater im Fastfoodrestaurant „Krosse Krabbe“ liebt er über alles und lässt sich mit Freuden von seinem geldgierigen Chef, Mister Krabs, herumkommandieren.

Seine besten Freunde sind ein rosafarbener Seestern namens Patrick, der der Prototyp des faulen, arbeitslosen Gammlers ist und seine Freundin Sandy, ein hochbegabtes Eichhörnchen, welches unter Wasser einen Raumanzug trägt.

Außerdem gibt es da noch Thaddäus, den spießigen und grundsätzlich schlechtgelaunten Tintenfisch, der als Kassierer in der „Krossen Krabbe“ arbeitet, aber sich zu Hhöherem berufen fühlt und von einem Dasein als Künstler träumt, was aber stets an seinem mangelnden Talent scheitert.

Die bonbonbunte Welt, in der sich die Abenteuer von Spongebob abspielen, ist erfüllt mit absurden, geradezu dadaistischen Elementen und folgt keinen logischen Gesetzen der Physik.

So befindet sich unter Wasser ein Meer mit Strand und Fische, die zu weit hinausschwimmen drohen zu ertrinken, so dass sie vom örtlichen Rettungsschwimmer gerettet werden müssen.

In einer Folge brennt auch Spongebobs unter Wasser befindliche Ananas ab.

Statt Wolken gibt es in Spongebobs Welt bunte Blumen, die aussehen, als ob sie ein Kind mit Wachsmalkreide an eine blaue Tapete gekritzelt hätte.

Eventuell sind diese absurden Elemente auch der Grund warum viele Erwachsene, die gerne „schöne“ Zeichentrickfilme wie das Dschungelbuch von Disney sehen, von Spongebob eher abgeschreckt sind.

Wer allerdings ein paar Folgen von Spongebob gesehen hat, wird der Serie einen hintergründigen und durchaus gesellschaftskritischen Humor nicht absprechen können.

Immer wieder werden aktuelle Probleme, seien sie politischer oder gesellschaftlicher Natur aufgegriffen und durch den Kakao gezogen. Dies geschieht zwar eher unterschwellig, aber mit einem anarchischen Witz, der auch für Erwachsene, die ihn verstehen ansprechend ist.

Zum Beispiel:

In einer Folge geht es um das Problem der „Gated Communities“. In dieser fühlt sich Thaddäus der Tintenfisch von seinem Nachbarn Spongebob derart genervt, dass er beschließt in das sogenannte „Tentakel-Paradies“ umzuziehen. Hierbei handelt es sich um eine Siedlung, die mit einer Mauer umgeben ist und in der ein Sicherheitsdienst dafür sorgt, dass keine unerwünschten Personen (Schwämme und Seesterne) Zutritt erhalten.

Alle Häuser sehen dort gleich aus und die Bewohner sind allesamt Tintenfische, die die exakt gleichen Interessen wie Thaddäus haben.

Irgendwann allerdings ist Thaddäus durch die ihn umgebende Uniformität derart gelangweilt, dass er selbst zum Störenfried wird und er von einem wütenden Mob aus der Stadt gejagt wird.

In einer anderen Folge wird die „Krosse Krabbe“ mitsamt der Angestellten an einen Großinvestor verkauft. Dies hat zur Folge, dass Spongebob und Thaddäus fortan auf Schritt und Tritt von einem aalglatten jungdynamischen Filialleiter überwacht werden.

Die Burger werden dort nicht mehr von Hand und mit Liebe gemacht, sondern aus ekligem Abfall zusammengepresst.

Dies geht so lange, bis Spongebob, Thaddäus und Mister Krabs dort ein heilloses Chaos veranstalten.

Doch auch Episoden, die nicht direkt gesellschaftskritisch sind, ermutigen dazu, nonkonformistisch zu sein und auch kindischen Impulsen freien Lauf zu lassen, wie z.B. die Episode, in der Spongebob versucht „normal“ zu sein, dabei jedoch so erfolgreich ist, dass er für seine Umwelt unerträglich wird.

In mehreren anderen Folgen verändert Spongebob die physische Realität mit nicht mehr, als der optimistischen Kraft seiner Phantasie.

Und genau in diesen mitschwingenden Statements sehe ich den wahren Wert von Spongebob, nämlich:

Die überkommenen Imperative der Vernunft mit der Macht der Absurdität außer Kraft zu setzen und diesen einen bewusst naiven, fröhlichen Subjektivismus entgegenzustellen.

Spongebob agiert lustbetont aber im gleichen Maße auch mitfühlend und idealistisch, wobei die eigentliche Beliebigkeit der Standpunkte immer wieder erkannt,  aufgegriffen und parodiert wird.

(So z.B. in der Folge, in der sich Spongebob von Thaddäus überreden lässt, seinen eigentlich geliebten Arbeitsplatz zu bestreiken und seinen Arbeitsethos plötzlich zugunsten eines übersteigerten politischen Idealismus aufgibt)

Spongebob ist gerade deshalb so sympathisch und erfolgreich, weil er in völliger Missachtung logischer Kausalitäten handelt.

Vielleicht verkennen aus diesem Grunde so viele bürgerliche Eltern seinen wahren Wert, weil ihnen diese Freiheit des Denkens schon lange aberzogen wurde…


6 Kommentare zu “Quadratisch, praktisch, gelb- Vom Wert eines Anarchoschwammes”

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