Frankfurter Gemeine Zeitung

Medien-Kompass – Erste Novemberwoche

Pakete” lautete der mediale Aufreger letzter Woche. Nicht die Verzögerung der Postzustellung sondern die prompte Lieferung von Überraschungspaketen  war der Grund. Absender: Jemen und Griechenland. Bekannt wurde die Quelle von Bedrohung durch wohlinformierte Geheimdienste. Echte Gefahr durch die versandten Geschenke: Umfang unbekannt. (In Athen kursierte der Witz, dass jeder Politiker, der kein solches Paket erhalten habe, über seine politische Wichtigkeit nachdenken müsse).

Im Deutschlandfunk erblödte sich aber die Interviewerin nicht, in der griechischen Bevölkerung nach ihrer Angst vor diesem Terrorismus zu fragen. Antworten an die konsternierte Dame hatten denTenor: “vor diesem bißchen Schwarzpulver sollen wir Angst haben, wir wissen nicht mehr, wie wir wegen der Kürzungen unseren Alltag regeln können, das ist Angst.”

Diese Angst bezieht sich auf die anderen Pakete, die für die europäischen Bevölkerungen die letzten Monate zusammengeschnürt und massenweise an sie verschickt wurden. Deren Explosionen verursachten wenig Aufregung im medialen Zirkus. Vor allen Dingen führten sie nicht zu Forderungen nach Abschuss der Paket-Transporter, wie es CDU-Dumpfbeutel für alle Flugzeuge forderten, die mit den falschen Paketen unsere Freiheit bedrohen. Flaks an den Frankfurter Flughafen – möchte man da schließen, müssen nur die richtigen treffen.

Frankfurt-hat-die-Bombe

Die “Zeit” geht noch weiter, und sieht die gefährliche Linke, genauer das Heer der “Autonomen” uns bedrohen. Sie diagnostiziert ernsthaft, dass sich gefährliche radikalpolitische Banden sammeln, die in großem Maße terroristische Anschläge planen. Mit einem Angriff mit Brandsätzen und Steinen auf die Hamburger Polizeiwache und vielen brennenden Autos in Berlin fing es an, nun gehts mit Bomben auf unser aller Eigenheime weiter. Angeblich, so die kenntnisreichen Autoren, reicht es den Radikalinskis einfach nicht mehr, bloß Karossen abzufackeln.

Uns scheint, dass die Stimmung der Hamburger Medien zwischen den rechten Säulen Bild und Spiegel zur Weiterverbreitung drastischer geistiger Störungen im Zeitungswesen führen kann, wie bei der dort residierenden “Zeit” eben.

Die Süddeutsche hat´s erkannt: nach dem Elend von Rot-Grün und dem Westerwelleschen Schwarz-Gelb kann uns nur noch der Adel – gerne mit von Guttenberg – retten, also die Personifizierung dessen, was man als die zur Zeit populäre “Feudalisierung der Politik” in den westlichen Demokratien erlaben kann. Die SZ sieht mit dem “Halbgott und Biedermeier” eine Chance für die neue Bürgerlichkeit nach Sarrazin: Demnach avanciert also dieser neue Baron-Politiker für jene, die sich selbst als Bürger oder Erfolgselite ausgeben, zum menschgewordenen Stuttgart 21 .

Das resultierende Panoptikum der Leistungswilligen sei von der SZ zitiert. “So sieht das neue Bürger-Deutschland aus: Ursula von der Leyen auf dem Pferd; die Bild-Zeitung, die gelesen wird von den Nachkommen der Leibeigenen, preist den Adel; die CSU gibt sich dem Baron hin, obwohl sie früher eine Partei niederbayerischer Bauernbuben und aufstrebender fränkischer Kleinhäusler war.” Wo die Bürgerlichkeit der SZ sich selbst sieht ist uns nicht ganz klar, wie lässt sich beispielsweise eine passende Figur wie Cem Özdemir interpretieren: vielleicht als “Gutsverwalter” ?

Fast hätten wirs vergessen: die Grünen sind im immerwährenden Aufschwung, wie die Wirtschaft. Vielleicht werden wir noch alle ein Schwabenländle, ein schwarz-grünes… Nein. Bei so vielen Umfrage-Prozenten braucht man die Merkel nicht. Mit der Petra Roth würde man es ja vielleicht machen;  in Frankfurt gibt es nur gute Erfahrungen: gleiche Einstellung und gleiche Politik, Freiheit den Märkten – oder so ähnlich klingts oft in der Stadtverordnetenversammlung und durch die Frankfurter Presse. Ok, hat ja in der Businessstadt Frankfurt auch immer noch Prozente dazu gebracht, selbst das Dichterviertel wird grüne Hochburg, oder ?

Gut, egal wie die Grünen rumschrödern und welche Steuern sie senken: alle wollen sie wählen. Und die Hauptstadt wird eh bald grün regiert. Die machen uns in Frankfurt doch immer alles nach, seit Fischer.

Carta interviewt eine echte Fachfrau und stellt fest: “Auch mit dem Internet ist die Vielfalt der Medien in Gefahr“. Na, das ist nicht wirklich neu: es gibt zwar viel kleines Gewusel im Internet, zu dem auch die FGZ gehört, aber die großen Boulevard-Portale Bild.de und Spiegel-Online beherrschen das Web. Dazu kommen natürlich noch die Markt-Portale, die das Alltags-Interesse der Web-User absorbieren: seien es die für handfeste Waren von Ebay bis Amazon und die des Geschwafels und der Eitelkeiten wie der Plapperdienst Facebook.

Die vielen Potentiale des Webs hängen jedoch davon ab, wie sich die User vom herrschenden Alltagshype, dem Trubel im Geschäft und des Shoppings distanzieren können – und das lernen sie halt nicht durchs Internet allein.


2 Kommentare zu “Medien-Kompass – Erste Novemberwoche”

  1. Wußten Sie, daß 82 % aller Besucher auf CNN indirekt über das Web 2.0 kommen? | Affiliate Wissen News

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