Frankfurter Gemeine Zeitung

Medien-Kompass – Zweite Novemberwoche

Beginnen wir bei den Kleinen, von denen es hierzulande ja immer weniger gibt, und die deswegen besonders umsorgt werden müssen. Das dachten sich auch die Verbraucher-Zentralen bei ihrer jüngst veröffentlichten Kampagne “Konsumkompetenz frühzeitig fördern – mehr Verbraucherbildung in die Schulen!

Da möchte doch niemand widersprechen: man darf die Jüngsten nicht den ganzen Wechselfällen der Märkte überlassen, deswegen müssen wir ihnen gutes Konsumieren beibringen. Das erinnert allerdings an die besonders bei Finanzberatern beliebte “Finanzkompetenz“, die in Deutschland mit dem Aktienrausch der Internetblase propagiert wurde: das Kaufen richtiger Finanz-Produkte lernen. Natürlich: so treibt man die Leute gleichzeitig in die Finanzmärkte !

Beeindruckend sind in diesem Kontext die Erkenntnisse des “Spiegel“: das finanzielle Analphabetentum (“Nation der Ahnungslosen”) ist an allem Schuld, besonders an der Finanzkrise. Na wer sagt´s denn: ein Kurs im Vermögenscenter von Deutscher Bank oder UBS (Koch!) und alles läuft wie geschmiert. Das geht beim Spiegel soweit: “Finanzielle Bildung als Bürgerrecht” – na, das wär´s dann ja wohl, Westerwelles Weltformel ist angekommen.

Kaufrausch

Wäre eine Alternative nicht in schrittweise Rücknahmen von Vermarktlichung zu suchen, der Begrenzung überbordender Marktbewertungen für immer mehr unserer Aktivitäten ? Vielleicht sollten die Kleinen eher dafür Kompetenzen erwerben?

-

Viele Medien reden von angeblich “neuer Protestkultur”, alles um die “Grünen” herum zwischen Stuttgart und Frankfurt. Die kamen vor Jahrzehnten schließlich aus den “sozialen Bewegungen”, lang ist´s her.  Telepolis bemängelt nicht ganz zu Unrecht, dass andere, manchmal mit viel mehr Teilnehmern besetzte “alte Protestkultur” (sogar in Frankfurt) kaum mehr wahrgenommen wird. Sie sollten ja den heißen Herbst temperieren, der sich gegen den vehementen Sozialabbau rund um die Bewahrung der Finanzordnung wendet.

Oder gibt es da Bewegungs-Konkurrenzen, und Brückenbau zwischen den Geschehen sollte möglichst verhindert werden? Werden gar die Grünen als Partei der Mitte besonders goutiert ?

-

Auf ein Business-Highlights der digitalen Welt möchte wir schon jetzt hinweisen, es wird 2011 ausgetragen und ist von der Burda-Familie installiert, einem der Platzhirsche im deutschen Mediengeschäft: es geht um “Digital – Life – Design“, buchstäblich. Die kreative Klasse soll interdisziplinär auf gute Geschäfte der Veranstalter ausgerichtet werden. Ein Gefüge von Think-Tanks und sozialen Netzen soll entstehen, das neue Ideen und Produkte profitabel konstruiert.

Bemerkenswert ist die dichte Bindung von Medien, IT-Firmen, Beratern und Think-Tanks, die  “Kreativen” mit schönen digitalen Träumen an die internationale Konzernwelt anbinden soll.

-

Zuletzt sei auf die mediale Begeisterung allerorts über unsere aktuellen Exportsiege hingewiesen, oder wie es die Kanzlerin sagt: wir lassen uns unser Made in Germany nicht nehmen. Sollen die anderen doch auch versuchen, es uns nachzumachen.

Wie das abgesehen von technischer Kompetenz weltweit gehen soll, bleibt offen: irgend jemand muß ja auch importieren, igendwo muß soviel Nachfrage da sein – bei uns ist sie ja nicht.


Ein Kommentar zu “Medien-Kompass – Zweite Novemberwoche”

  1. ManuelGilla

    pharmacy online

Einen Kommentar schreiben

Comment moderation is enabled. Your comment may take some time to appear.

 

Powered by WordPress • Theme by: BlogPimp/Appelt Mediendesign und tech-a • Beiträge (RSS) und Kommentare (RSS) • Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.