Frankfurter Gemeine Zeitung

Frankfurter Adel: ein Weihnachtsmärchen

Den “König der Hanauer Landstrasse” nennen ihn ehrfurchtsvoll die Lokal-Medien von BILD bis Frankfurter Rundschau, so verehren ihn die kleinen Freiherrn der Rhein-Main Gastronomie, die Landgrafen des Hotelgewerbes, die Halb-Edlen der Musik- und Disco-Branche, der Geldadel aus den Vordertaunus und die Unedlen hoher Frankfurter Dienstleistungskultur rund um Fashion und Event.

Goldman-Frankfurt

Ardi Goldman (FR)

Randständig, hinter den ehemaligen der ehemaligen Frankfurter Metallfertigung Ost findet sich der Königspalast des Herrschers, die “Goldman Holding” des Ardi Goldmans, ungewähltes Oberhaupt des östlichen Frankfurter Konsum-Eldorados, der Hanauer Landstrasse. In seinen Bars, Clubs und Discos treffen sich die Fans aus dem fetteren Umland, die vielen ach so einfallslosen Erben, die gerne hip sein wollen wie er. Sie alle möchten unbedingt wissen: wie schafft man es bloß, nicht nur sein Leben mit dem Millionenerbe der Familie zu gestalten, sondern dabei einen besonderen, “kreativen” Erfolg, einen tollen sozialen Status für sich selbst ganz neu zu erzeugen. Wie schafft man es nur, von einem Scheinriesen zu einem richtigen Frankfurter Rübezahl zu werden – und dabei das einfältige Publikum noch gehörig über den Tisch zu ziehen ?

Ardi Goldman schafft das zuerst – natürlich neben der Hilfe durchs erkleckliche Erbe -  mit der passenden Millieu-Melange, dann mit dem Wandel eines großen Frankfurter Distrikts von der unzeitgemäßen Produktion zur Dienstleistung, weiter den Event- und Style-Bedürfnissen der Gentry und schließlich dem Regional-Konservatismus und Wettbewerbs-Urbanismus eines “Wir-sind-Frankfurt“. Vor allem aber arbeitet Herr Goldman als “Projekt-Entwickler” – wie man gehübscht Immobilienhändler heute  nennt – in einem für ihn geeigneten Stadt-Umfeld, in dem er sich auffällig, agil, bestimmend und in steter Feierlaune durch das aufregende Nachtleben bewegt.

Der in den Clubs meist anwesende Harem des Vermarkters mit dem goldenen Anzug  besteht nicht nur aus passenden Disco-Queens oder schicken Chicks aus dem Speckgürtel, sondern er versammelt auch die Kreativen der Gentry rund ums Geld, die vielen kleinen Winner in einer kleinen Geldmetropole, die sich um Design und Entertainment herum arrangieren  – und dazu den passenden Ort und die passenden Beziehungen benötigen. Hier ist Ardi genau der richtige, bei Bedarf mal so oder anders: Geld, Connections, Projekte und ein bißchen Glitterstatus, ein Geben und Nehmen – so wird man König, wenn auch von einem eher kleinen Reich.

Nun soll das Reich größer werden, nicht nur im Sinne von Geld und Immobilien, sondern auch vom Status und den Einflußzonen her.  “Die Zeit des Hedonismus ist vorbei” meint der König der Locations, er möchte nämlich im “gesetzten Alter eine Art Mäzenatentum betreiben“. Was das wohl heißen mag ?

Ardi hat vermutlich den jüngsten Medienhype um Billy Gates und Peter Sloterdijk mitbekommen, der sich bei beiden aus der simplen Überlegung speist, die Erfolgreichen mögen doch allein selbst entscheiden, was sie mit ihrem vielen Geld machen. Das bringt ihnen nicht nur mehr Entscheidungsmöglichkeiten, besonders an Stellen, wo früher der Staat agierte, sondern auch echte Reputation, für Goldman Status über die regionalen Bars und die Frankfurter Huldiger in den Medien hinaus. Das wirkt vor allem dann, wenn´s um Stiftungen, NGO´s, soziale Hilfe und alles um “Gutmenschentum” geht. Möglichst bis ins Globale hinein.

Deswegen zieht es unseren Ost-Adel jetzt raus aus dem “Eastend” und rein in die “Neustadt”. Historisch kenntnisreich bezeichnet Ari Goldman das einst quirlige Bermudadreieck von Szene-Kneipen nördlich der Zeil um die Alte Gasse “Neustadt”. Er hat dort die “Diamantenbörse” gekauft, gibt als “Projektentwickler” dem an dieser Stelle geplanten Neubau den Namen “MA*” (wie geheimnisvoll kreativ: “wohnen anders“) und möchte dort bis zu 82 Eigentumswohnungen errichten. Es hat sich ja in betuchter Marktnische rumgesprochen: hippe Gegenden, zentrale Lagen, direkte Vernetzung, die Stadtzentren eben, sie gelten heute wieder was beim zahlungskräftigen Erfolgsklientel. Eine Million für die 140 Quadratmeterwohnung bezahlt man da doch locker.

Und nun kommt Ardi: er gibt den selbstlosen Mäzen, aus einem Prozent des Kaufpreises für die in Zukunft vertickerten Eigentumswohnungen soll der Spendenfluß kommen  ! Welch Wandel vom Saulus zum Paulus, 500. 000,- Spenden könnten da zusammenkommen für das ganze Immobilienprojekt. Was könnte der Ardi auf diese Weise an Sozialprojekten anschieben.

Alle grübeln deshalb über Ardi, man kann es auf seiner Projektseite bewundern und mitgrübeln. Alle freuen sich, manche mehr, manche weniger. Im konservativ beherrschten Römer trieft gewiß die Genugtuung von den Schreibtischen ob so viel zeitgemässem Weltbürgertum und Marktklugheit, man kennt sich ja schon lange. Goldmans Projekt-Motto “Wir teilen” ist halt eine gute Werbemasche und schön fürs Gemüt – das braucht der Römer besonders in diesen Zeiten.

Aber Ardi ist auch pfiffig und nicht einfach freigiebig, er ist Geschäftsmann in einer harten, lukrativen Branche, der Stadtvermarktung: nicht nur dass er das eine Prozent im Preisnachlass bei den Verkaufsverhandlungen verwenden kann – oder für eigene Dreingabe als besonderes Schmankerl verargumentieren, wie´s halt beliebt. Er kann das Geschäft den Kunden auch noch mit deren erhöhtem Selbstgefühl und gleichzeitig für sie damit verbundener Steuerersparniss versüssen: gut gemacht vom Steuerberater sind da leicht 50 % drin.

Gleiches gilt für unseren Wohltäter Ardi, seine Goldman Holding selbst. Wenn er den Betrag spendet, hilft auch ihm der Fiskus, vielleicht sogar mit mehr als 50 Prozent. Dann resultierte ein erstaunlicher Effekt für die zuschauende Öffentlichkeit, denn sie hätte für Ardis neustädtische Frankfurter Marketing- und Wohlfühlaktion (“Frankfurt Anders – sind hybride Systeme die Zukunft” – man lasse sich den postmodernen Unsinn auf der Zunge zergehen) nicht nur den größten Teil bezahlt, sondern auch noch draufgelegt.

Ein ideales Verwertungsschema in der Neustrukturierung der Stadt: mit guter Presse, viel gutem Gefühl, viel gutem Geld, und lauter guten Frankfurtern. Und ohne gierige Bankmanager. Vielleicht kommt dann die Stadt sogar auf die Idee, einige ihr noch verbliebene Liegenschaften dem Mäzen, dem Immobiliengutmenschen günstig zu überlassen: auf dass er sein schönes Mäzenatentum weiter pflege und sich alle darüber freuen und sehen, dass Erfolg sich doch lohnt.

Was ist die Welt schön, was haben wir doch edle Herrscher in Frankfurt, und nicht nur hier. Da kann man auch ein bißchen hedonistisch und sozial sein.


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