Frankfurter Gemeine Zeitung

Wie funktioniert Geld? Und wer ist das grüne Alien?

Nach langer Überlegung habe ich beschlossen, die folgenden Videos zum Thema “Wie funktioniert Geld?” hier zu verlinken und zur Diskussion zu stellen, auch um zu zeigen, wie antisemitische Positionen beim Internetpublikum schleichend salonfähig werden.

Ich selbst habe die Videos mehrmals gesehen. Am Anfang habe ich gelacht, später blieb mir das Lachen jedoch im Halse stecken.
Richtig übel fand ich allerdings, dass ich das Video mit mehreren eigentlich politisch links orientierten Personen gesehen habe und außer mir keinem aufgefallen ist, wem diese Art von Kapitalismuskritik eigentlich in die Hände spielt.

Video 1

Video 2

Video 3

(aus urheberrerechtlichen Gründen musste darauf verzichtet werden die Videos einzubetten, s. auch Ende des Artikels)

Problematisch an diesen Videos ist einiges. Zunächst wird das kapitalistische System in einer extrem verkürzten Form dargestellt.

Die Videos begnügen sich damit, den auf Geld beruhenden Handel selbst negativ darzustellen. Die Frage ist natürlich, wohin das führen sollte. Zurück zum Tauschhandel? Dessen Schwierigkeiten und die Notwendigkeit eines universell einsetzbaren Gegenwertes für Waren und Dienstleistungen werden noch erkannt in Teil 1 bei 3:23.

Das Zinssystem hingegen wird als System reiner Ausbeutung dargestellt.

Jedem der sich nur ein Bisschen mit wirtschaftlichen Zusammenhängen beschäftigt hat, dürfte klar sein, dass dies nicht so einfach ist.
Denn wer würde einem Fremden Geld leihen und damit zum Einen das Risiko eines Verlustes eingehen und zum Anderen den Nachteil in Kauf nehmen, dass er sein Geld nicht selbst nutzen kann, wenn er nicht irgendeinen Vorteil davon hätte?
Diesen einfachen Fakt müsste bereits ein Grundschüler begreifen können.

Selbst dort, wo heute noch ein Zinsverbot aufgrund religiöser Vorschriften existiert, namentlich in Ländern mit stark islamisch geprägtem Rechtsverständnis, kommt es zu Umgehungsgeschäften, wie zum Beispiel den Kauf einer Ware und den sofortigen Rückverkauf zu einem niedrigeren Preis.

Das Bedenklichste an den Videos ist allerdings, dass eine historische Kontinuität behauptet wird, für die es keinerlei Beweise gibt. Es ist nämlich, von der Einführung des Geldes, über die Zinswirtschaft, bis hin zu Buchgeld und Zinseszins immer das SELBE Alien, das profitiert.

Dieses Alien steuert die Prozesse bewusst und willentlich in der Absicht, die Menschheit zu versklaven.
Das Video unterstellt also, dass es eine Verschwörung gäbe, deren Akteure seit Einführung der Geldwirtschaft die selben sind.

Verschwörungstheoretiker und insbesondere auch die Antisemiten unter diesen, werden sich bestätigt fühlen.

Wer es für weit hergeholt hält, den Videos zu unterstellen, dass sie antisemitische Tendenzen fördern, der muss nur einmal die Kommentare der User lesen.

Hier nur ein paar Zitate aus den Kommentaren zu Video 1 (Fehler nicht korrigiert):

„Haha Aliens = Juden :D “ vom User aseglkj
„hatten nicht die juden das geld erfunden ?? und ja ich sehe in geld auch nichts gutes menschen werden dafür getötet familien zerstreiten sich wegen etwas papier … es gibt nur sehr wenige menschen die mit geld etwas gutes tun für arme zb …“ vom User Akuma31er

„juden haben tentakel? naja wieso nicht, spielt auch keine rolle mehr :D “ vom User tyrannigr

Richtig schockiert war ich allerdings, dass wohl offensichtlich mehrere der kommentierenden User den Film in der Schule von ihren Lehrern gezeigt bekamen:

„Wir haben das Video für den Unterricht verwendet. Und das Video erklärt sehr gut wie Geld funktioniert. Zumindest im Punkt Unterricht hat sich ja schon was geändert ;-) ” von Partyfotograf
“wir habens in der berufsschule angeguckt “ von Riikkofull

By the way:
Wenn dies inzwischen das Niveau ist, auf dem deutsche Schüler unterrichtet werden, dann braucht sich niemand über das schlechte Abschneiden beim Pisa-Test zu wundern.

Der Fairness halber möchte ich allerdings noch anmerken:

Der Macher der Videos,  Max von Bock,  hat die Einbettungsfunktion bei Youtube sperren lassen, da die Videos bereits des Öfteren auf Seiten politisch fragwürdigen Inhaltes auftauchten.

Er selbst verfolgte wohl keine direkten antisemitischen Absichten.

Die User allerdings, die das Video auch hochgeladen und die Einbettung nicht deaktiviert haben, haben hingegen oft weniger lautere Interessen.

Einer dieser User nennt sich “Wertanlagegold” und ein anderer “Deutschland_erwache”.


5 Kommentare zu “Wie funktioniert Geld? Und wer ist das grüne Alien?”

  1. gaukler

    Na ja, ist sicher problematisch mit den Kommentierern. Geld-Kritik ist nicht mnotwendig antisemitisch, da gibt ne Menge Varianten; Marx hat auch dazugehört.

  2. Florian K.

    Das Problem ist nicht die Kritik am Geld als solche. Wobei ich mir keine fortschrittliche Zivilisation vorstellen könnte, die Waren und Dienstleistungen nicht irgendeine Art von abstraktem Gegenwert gegenüberstellt.

    Problem ist hier vielmehr, dass die historische Kontinuität einer im Geheimen operierenden Herrschaftsschicht behauptet wird, für deren Existenz es keine Beweise gibt.
    Klar ist natürlich, dass jede jeweils herrschende Schicht versucht ihre Macht zu erhalten, so gut es geht. Dabei wird auch intrigiert und es werden Verschwörungen gebildet.

    Nur eben die zentral gesteuerte Weltverschwörung ist eine pure Behauptung, die meines Erachtens auf den Fehlschluss zurückgeht, dass wo immer etwas ist, es JEMAND gemacht haben müsse.
    Wo immer etwas falsch läuft, müsse es einen Schuldigen geben, im Sinne einer Person oder Gruppe.
    (Ist ja auch leichter, als abstrakten Systemen, Gesetzmäßigkeiten oder dem puren Zufall die “Schuld” zu geben)

    Im Beispiel der Videos ist das Alien das Symbol für einen Verschwörer als gleichbleibendem Akteur.

    Für den ungebildeten Betrachter ergibt sich schnell der (natürlich völlig unsinnige) Schluss:
    “Es gibt Verschwörer. Diese beherrschen die Welt durch Geld und vor allem die Zinswirtschaft.
    Zinswirtschaft? Da war doch was? Ach ja… die Juden.
    Juden=Verschwörer”

    Auch wenn es der Autor nicht direkt beabsichtigt hat:
    Irgendwie hätte er absehen können, dass es auf das Internetpublikum diese Wirkung hat…

  3. gaukler

    Sind wir nicht zu streng: die Darstellung erfordert manchmal Personifizierung, das ist noch keine “Verschwörungstheorie”. Die Vorstellung, dass da eine historische Sequenz dargestellt wird, ist nicht ganz zwingend, könnte eine Darstellungfrage sein.
    Gewiß ist aber die Zins-Darstellung sehr fragwürdig, selbst wenn es als “Profit”-Synonym gebraucht wird.
    Halten wir doch mal fest, ohne dem Filmchen zu viel Wert zu geben: die herrschende Lehrbuch-Ökonomie ist nicht in der Lage, existierende wirtschaftliche Prozesse angemessen zu erklären. Trotzdem werden Komponenten daraus permanent als Lebensrezepte für die Bevölkerung angepriesen. Dagegen sind Einsprüche notwendig, vermutlich anspruchsvoller als gesehen, aber vermittelbar.

  4. Florian K.

    Vielleicht hast Du recht: wir sollten nicht zu streng sein…
    Im Gegensatz zu den Userkommentaren sind die Videos ja wirklich witzig anzuschauen.

    Aber gerade mit der Personifizierung habe ich so oft meine Probleme.
    Diese halte ich gewissermaßen für eine Krankheit des unaufgeklärten, unselbständigen Denken.

    Die Masse wählt Gesichter, keine Programme. Die Masse sucht Schuldige statt Ursachen.
    Dies führt dazu, dass viele Personen entgegen ihren tatsächlichen und ureigensten Interessen wählen und entscheiden.
    Wie viel besser könnte eine Demokratie funktionieren, wenn dies nicht so wäre?

    Und ob die Darstellung in diesem Falle tatsächlich eine Personifizierung benötigte, halte ich für fraglich, weil diese eine Fehlinterpretation geradezu aufdrängt.

    Das Problem, dass eine Zinswirtschaft ein Auseinanderdriften der “Schere” bewirkt, besteht natürlich.
    Einfach gesagt: Wer Geld hat bekommt Zinsen, wer Geld leiht bezahlt Zinsen.
    Auch richtig ist, dass die Freiheit der Konkurrenz eine Oligopol- oder Monopolbildung bedingt, insbesondere in Bereichen, in denen der Markteinstieg für neue Akteure schwierig ist.
    (Ich hatte das ja auch satirisch in meinem Artikel “Die Segnungen der Privatisierung” thematisiert)
    Ich würde auch sagen, dass die Freiheit der Ökonomie nicht “unsere” Freiheit ist, anders als uns viele Neo”liberale” das glauben machen wollen.

    Diese Probleme hätte man aber auch ohne ein grünes Alien, welches angeblich die Fäden zieht, verdeutlichen können.

  5. Wallacerhymn

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