Frankfurter Gemeine Zeitung

Bemerkenswertes – Dritte Novemberwoche

Diesmal haben wir was aus der Frankfurter Bankenwelt. Zuerst das “Merging” von UBS und Roland Koch. Der umgarnte Ex-Ministerpräsident (“brutalstmöglich”) und konservative Fahnenträger hat einen weiteren lukrativen Job bei der Schweizer Großbank erhalten.

Woran muß man denn bloß bei der Nennung ihres Namens denken? Genau: Steuerhinterziehung für Anlagen, die “Swiss-Connection”. Und an was muss man bei den Aktivitäten von Koch bezüglich des Frankfurter Finanzplatzes denken: an das (illegitime) Schassen von Steuerfahndern, die in Frankfurter Großbanken versuchen, der Steuerhinterziehung dieser Institute hinterher zu jagen. Für was wird Koch nun belohnt ?

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Die zweite Meldung aus dem Bankenviertel betrifft ein Prestigeprojekt des “Bankers des Jahres”. Von wem, natürlich Ackermann der Frankfurt mit einem großen Ökoprojekt beglückt: seine Türme “Soll und Haben” an der Taunusanlage wurden als “Greentowers“  (“globales Vorbild”) umgebaut, gemäß einem Motto, das die Deutsche Bank in ihrem Marketing verwendet – das “Banking on Green“. Wer müsste da nicht lachen.

Nun empfanden ein paar Störer das Werbemotto des Finanzgiganten nicht nur lachhaft, sondern provokativ. Deshalb wollten sie das Bankhaus noch näher an die Natur heranführen und setzten es unter Wasser. Naja, solche exzessive Gewaltanwendung wollen wir auch nicht, sind wir mit den Anwohnern froh, dass der jahrelange Krach im Westend vorbei ist und die Deutsche Bank für Grüne Kunden noc attaktiver geworden ist.

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TERROR beherrschte die Woche, Warnungen aus Berlin, die Gewerkschaft der Polizei – die einzig relevante Gewerkschaft in Deutschland – hat Dauersendezeit in den Medien, ein Koffer in Namibia, und der Abschuß von Verkehrsflugzeugen bei falschem Fluggepäck – alles passend zur Innenministerkonferenz. Nun: Verschärfung der Gesetzgebung sei angesagt.

Im Altersheim um die Ecke diskutiert man über den Anschlag am 22., wird er am Hauptbahnhof oder am Flughafen stattfinden? An den letzten Anschlag in Deutschland kann sich niemand mehr richtig erinnern, muß wohl Jahrzehnte her sein. Sehen wir mal von den vielen rechtsradikalen Anschlägen und Morden ab – aber das ist ja was ganz anderes.

Gut, die Medien wussten in Windeseile von dem bombiger Koffer in Namibia, die staatlichen Organe brauchten wohl Tage, um herauszufinden, dass der mit “Test” beschriftete Koffer keinen Sprengstoff enhielt. Es ist zum Lachen und zum Weinen.

Den Vogel schoß mal wieder die SPD ab – in Berlin scheint sich rund um Sarrazin ein ganzer Hort von Partei-Verblödung zu versammeln: Innensenator Körting forderte auf: „Wenn wir in der Nachbarschaft irgendetwas wahrnehmen, dass da plötzlich drei etwas seltsam aussehende Menschen eingezogen sind, die sich nie blicken lassen oder ähnlich, und die nur Arabisch oder eine Fremdsprache sprechen, die wir nicht verstehen, dann sollte man glaube ich schon mal gucken, dass man die Behörden unterrichtet, was da los ist.“ Das gleiche gelte für stehen gelassene Koffer oder Aktentaschen. Hatte schon Wirkung: ein Koffer in Berlin erzeugte fast Panik…

Bemerkenswertes auch von den Öffentlichen dazu, hier der SWR, Korrespondent Becker, der die Berlusconisierung der Medien ganz besonders dümmlich zum Ausdruck bringt:

Arg traurig auch, wie die (“linksliberale”) Süddeutsche Zeitung schon beim kleinsten Drohszenario durchdreht, und bei dem Test-Koffer in Namibia von “Schrecken ohne Grenzen” schwafelt. Als hätte es die öffentlichen Einsichten der US-Medien rund um 9/11 und Irak nie gegeben. Das lässt erahnen was in Deutschland los sein wird, wenn es tatsächlich mal knallt.

Die FGZ-Redaktion wartet währenddessen darauf, dass bald findige Versicherungsmakler der deutschen Bevölkerung in ihrer enormen Terror-Gefährdung passende Versicherungspakete verkaufen. Das Feld dafür ist vorbereitet.


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