Frankfurter Gemeine Zeitung

Merkel und Hundt

Ein deutsches Märchenpaar

Es gibt sie, diese kleinen Sternstunden, jene plötzlichen Aha-Eingebungen, solche, in denen einem klar und deutlich vor Augen steht, was in hoch komplexen Diskussionen und tiefschürfenden Analysen sich nicht einstellen wollte.

So ging es mir mit dem Auftritt der Kanzlerin aller Deutschen vor den ebenso deutschen Arbeitgebern.

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Zunächst: sie passte wunderbar in diese Umgebung, alles war auch bester Laune (Geschäftsklima-Index weit oben). Sie liess ihr bekanntes und bekennendes Psalmodieren über Haushalts-Konsolidierung und Zukunftsfähigkeit und Leistungsstärke (protestantische Mantras) vom Stapel und ich begann mich leicht amüsiert abzuwenden und meine Aufmerksamkeit wanderte zu den selbstzufriedenen Gesichtern. Genau in diesem Moment passierte es, ein wahrhaft elektrisierender Satz entsprang diesen – leicht verkniffenen – Lippen, getragen von der ganzen Güte der Patriarchin, die ihresgleichen Zuspruch verheisst.

„Meine Damen und Herren, wir haben die Erleichterungen für kleine und mittlere Einkommen………….doch nicht vergessen.“

Und ein Lächeln ging durch die entzückten Reihen, hier und da ein Nicken, kurzes Aufseufzen einiger, Harmonie im Saal und ein triefendes Verständnis für die darin enthaltenen Nöte.

Na so was. Ich war fasziniert.

Allerdings kann man solch einen Satz so oder so lesen. Wenden wir uns diesem Satz also zu. Was hat diese Frau da gesagt. Haften blieb die wohlausgewogene Mischung aus Nachsicht und leiser Empörung mit diesem Angie-Augenaufschlag, einfach unvergesslich. Diese Zuneigung. Dieses geschickt gesetzte „Doch“, signalisiert es: kommt noch, alles zu seiner Zeit, erst muss aus dem Weg geräumt werden, was dem Vorhaben abträglich, das dauert eben, Geduld.

Ausserdem: was wird mir da unterstellt. Wer diesem Tsunami an Offenheit und Verletzlichkeit nicht unterliegt, dieser Reinheit des Arguments nicht folgen will, hat einfach kein deutsches Gefühlsleben. Gegen diesen warmen Hauch der Befindlichkeit müssen Wünsche erst einmal zurückgestellt werden.

Das „nicht vergessen“ wiederum sollte eigentlich in die gleiche Richtung weisen, lässt jedoch zu, dass unterschiedliche Assoziationen und Interpretationen damit verbunden sein können.

Etwa in der Art:

a)     vor lauter Staatsgeschäften kam sie bislang noch nicht dazu, aber keine Sorge, sie wird sich demnächst des Themas annehmen und eine Lösung präsentieren. Kennen wir, das entspricht dem längst versprochenen Besuch der Go-Kart Bahn, der in letzter Minute wegen wichtiger Umstände verschoben werden muss

b)     Nervt nicht ständig, sie braucht man nicht darauf hinzuweisen, was alles noch ansteht, doch eines nach dem anderen, damit es auch gut wird. Wenn alles so einfach wäre, hätte sie das längst erledigt. Also: Mami muss erst einkaufen, dann kann Kuchen gebacken werden.

c)      Klar war das einmal als Möglichkeit erwähnt, ein netter Zug. Aber die Verhältnisse sind gerade nicht danach, da hilft kein Gejammer, erst muss man durch. Wenn das Haus abbezahlt ist, können wir über Urlaub reden, aber erst dann.

Entscheidend erscheint hier, dass die Rede von bewussten Entscheidungen ist und die Lage bestimmte Dinge momentan nicht hergibt, ohne diese auch nur eine Minute zu vergessen, eine kurze Unterweisung in der Rangliste der zu leistenden Aufgaben. Hätte das Volk den vollen Durchblick und die dazu nötige Einsicht, so würde es dies auch rückhaltlos unterstützen. So muss allerdings reichen, dass sie es nicht vergessen hat und deshalb: ruhig bleiben, abwarten bis die Massnahmen greifen. Wann das so weit ist, macht dieses Sätzchen klar, wird bekannt gegeben. Ehrenwort.

Und wie im Märchen folgt sofort der Prinz, der Traumpartner eilt in dezent blau schimmernder Rüstung ans Podium, Herr Hundt. Keine Aufregung verkündet er, UNS geht es prima und da gibt es selbstverständlich Nachschlag für die treuen Kleinen. Seht her, wie wir Wohlverhalten belohnen, an unserem Tisch wird jeder bedient. So verkündet der Arbeitgeber-Präside Lohnerhöhungen für die Braven. Auf nun Gewerkschafter rennt offene Türen ein. Klingt gut und stärkt das WIR-Gefühl. Das ist das echte, das wahre Deutschland. Deutsche Leid-Kultur.

Diese umreisst jene Bereitschaft, zurückzustecken, die Ärmel aufzukrempeln und aus dem Weg zu räumen, was dem deutschen Traum entgegensteht, dann und erst dann geht es um die kleinen Egoismen. Das muss einfach belohnt werden, ohne wenn und aber. In diesem Leiden liegt Erfüllung, drückt sich Wertvolles, Zu Bewahrendes aus. Hier steht er nun, der Hundt, und kann nicht anders, Anerkennung, Respekt – Liebe.

Zusammen sind sie einfach unerträglich, wie Papi und Mami, wenn sie voller Stolz auf sich selbst, die bestandene Prüfung ihrer Sprösslinge feiern und dies der Welt auch mitteilen.

Seht her, so ist es gut gerichtet, ihr opfert und rackert, wir ernten, auf dass das Haus gut bestellt sei.

Sie kümmern sich, trotz aller globalen Fährnisse sind wir nicht vergessen und ein Zubrot gibt es auch noch. Unter sich, zufrieden und satt, läuft ihnen schon mal der Mund über, muss man verstehen, bei dem Unmass der Geschäftsbücher.

Da passt es gut, dass die Bild-Zeitung Anfang der Woche mal deutlich die „bittere Wahrheit über Ausländer und Hartz IV“ ans Licht gezerrt hat. Die Libanesen (90%) und die Sarazin-Türken (26%), die verzehren den deutschen Reichtum. Natürlich wollen sie alle auf diese Insel der Glückseligen (Exportweltmeister), schaut euch nur um: Großbritannien, Irland, Portugal, Griechenland, nicht lange mehr und dann kommen Spanien und Italien, da weiß man, was man haben könnte. Wünschen wir unserem Märchenpaar ein langes erfülltes Leben.

Angesichts dieses Ausmasses an Philanthropie fällt es mir schwer, mich ungetrübter Freude hinzugeben, wie ein Damokles-Schwert fühle ich die Bedrohung jenseits der Grenzen über mir schweben. Papi und Mami könnten sich jederzeit gezwungen sehen, die Versprechungen hintan stellen zu müssen, um erst Schaden abzuwehren und das Haus zu sichern. Da muss die Familie zusammenrücken und darf sich nicht in zahllosen Protesten verzetteln, gegen was auch. Ist doch sowieso alles Fortschritt.

Zudem möchte ich auch nicht undankbar erscheinen, in einem Moment, indem mir so deutlich vor Augen steht, in welchem Masse hier in Deutschland Verantwortung getragen und Brüderlichkeit – und Schwesterlichkeit – gelebt wird.

Weihnachten ist auch bald. Freuet euch!


4 Kommentare zu “Merkel und Hundt”

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