Frankfurter Gemeine Zeitung

Medien-Kompass – Vierte Novemberwoche

In Frankfurt sind wir sensibel fürs Finanzgeschehen, für Finanz-Märkte und die großen Akteure an den Finanzmärkten. Auch medial, denn wir beherbergen einige führende Postillen dafür, die Börsenzeitung zum Beispiel, besonders aber die FAZ. Unsere Postillen haben es nicht so mit der Kritik am Geschehen, deshalb muß man für Stimmungsberichte darüber öfters nach draussen gehen.

Die Süd West Presse (Sud Ouest) aus Bourdeaux sprich von einer Rückkehr des 19. Jahrhunderts, der Situation in Europa, die Victor Hugo mit dem Treiben einiger Magnaten beschrieb, die Lebenswelten der Massen durchpflügten und wegen ihres Profits Elend hinterließen. Selbst die New York Times (kommt ja Frankfurt am nächsten) kommentiert, dass das amerikanische Finanzkapital einen ökonomischen Krige gege die Bevölkerung führe.

Das Elend findet meist hinter verschlossenen Türen statt, im Deutschland nach dem (vorläufigen!) Ausrufen des Krisenendes wird der Kampf um die Plätze weiter zunehmen.

Zur Mobilmachung an der Finanzfront wird aber weder in den USA noch in Europa aufgerufen, vermutlich sind die Bataillone noch zu schwach, es fehlen Mut und echte Kriegsiele. Velierer und Gewinner wohnen oft Tür an Tür, Mechanismen und ihre Erzeuger bleiben meist m Unklaren.

Wir wissen es hier ja eigentlich alle, nur manche glauben nicht, dass sie davon betroffen sind: Frankfurt hat «Top-Zukunftschancen» ! Das Prognos-Institut hat es untersucht (München natürlich vorne…) und unsere Lokalpresse (“Frankfurt geht in eine starke Zukunft“) hat es eifrig nachgebetet.

Eine Frankfurterin, der ich davon erzählte, konterte mir mit ihrem Einstellungsgespräch bei einer Zeitarbeitsfirma (das einzige, was bei der Arbeitsagentur Frankfurt im Angebot ist): “Deutsch, Englisch, Französisch fließend, 15 Jare Erfahrung im Backoffice, na das passt doch super für die Bank”, so das Resümee des Sachberbaiters. Auf die Frage nach dem Gehalt, nannte er 11 Euro Brutto und die völlig konstertierte Entgegnung, dass dies ja kaum mehr sei als die Hälfte 5 Jahre vorher beantwortete er flugs mit: “Tja, die Zeiten haben sich geändert, der Markt bestimmt den Lohn” !

Kann man nur sagen: eine glänzende Zuknft, oder besser mit der Bürgermeisterin oder Kanzlerin oder wem auch immer aus der Riege: der Aufschwung ist da.

Erstaunen kann die politische Naivität des Erinnerungs-Literaten Peter Schneider, der in der Frankfurter Rundschau den “runden Tisch” in Stuttgart doch tatsächlich als “neues Demokratiemodell” feiert.

Das begründet er hauptsächlich mit dem Bonmot, dass im Gegensatz zu 1967, als betrunkenen Revoluzzern schon beim Gedanken an die Organisation des Berliner Bahnhofs die Beine schlotterten, heute echte Fachleute gegenüber sitzen und am runden Tisch Diagramme austauschen. Dieser Austausch von Kenntnissen soll wirklich das Modell für demokratische Mobilisierung bilden ?

Der Geschichtsschriftsteller vergisst dabei, dass runde Tische mediale Ereignisse waren, die in Deutschland besonders bei der Vereiunigung traurig endeten: völlig wirkungslos bei der “Abwicklung” der ostdeutschen Infra- und Sozialstruktur. Und die ausgezeichneten Kenntnisse von Fachleuten etwa der Anti-Atom und Ökologiebewegung wurden auch nicht gestern erfunden, sondern verschafften sich bereits in dn 80ern Gehör.

Na, schaun wir mal, ob diesmal irgendetwas Substantielles aus dem runden Tisch resultiert, was über das Medienevent hinausreicht.


3 Kommentare zu “Medien-Kompass – Vierte Novemberwoche”

  1. Esthernab

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