Frankfurter Gemeine Zeitung

Vertraulichkeit – lokal und global

Da gibt es einen oder mehrere fragwürdige Gesellen, die ihre technische Kompetenz dazu ausnutzen, freiheitlich-westliche Staaten auszuspähen, ihre diplomatisch-vertraulichen Innereien bloßzustellen und sie gegenüber all ihren Feinden der Waffen zu berauben. So ähnlich geht die Story, die in  den letzten Tagen – vermutlich schon länger – in vielen westlichen Staaten und den mit ihnen befreundeten Regimes posaunt wird. Ziel ist “WikiLeaks“, die Veröffentlichungsplattform, ihr Existenzrecht, ihre Ziele und Vorgehensweise.

Da die FGZ selbst ein Medium im Web ist und weil bisher keine im Web zuerst veröffentlichten Inhalte solche politischen Folgen hatten, scheint mir ein Statement dazu gefordert. Ich möchte ausdrücklich dafür auf die “Ten Theses on Wikileaks” des Internettheoretikers Geert Lovink verweisen, wir stehen seinen Web-Analysen nahe.

wikileaks-logo

Das Statement wird ohne tiefschürfende Argumentation einige Fakten und Erwartungen in 4 Gruppen bewerten.

Zu Beginn der Kontext. Viele Internet-Aktivisten um politische Öffentlichkeit gehen von dem Sachverhalt aus, dass weltweit – und besonders in der liberalen westlichen Welt – in den letzten 2 Jahrzehnten neoliberaler Globalisierung eine enorme Einschränkung kritischer Presse stattfand, sei es aus ökonomischen, sei es aus politischen Gründen. Weit verbreitete Massen-Medien haben eher den Charakter von Legitimationsinstanzen denn eine kritische Stimme. Das betrifft insbesondere ihre hartnäckige und kreative journalistische Verfolgung klandestiner Aktivitäten mit großen Wirkungen für die Bevölkerung.

Anstelle dessen beherrscht eine allgemeine Stimmung der Hinnahme von “Naturhaftigkeit”  und “Sachzwängen” des Geschehens die Medien (“so sind nun mal die Gesetze des Marktes“), seien es die lokalen oder globalen Prozesse für unsere Lebensumstände. Auch ohne Verschwörungstheorien ist erheblicher Zweifel an vielen dafür heruntergebeteten Litaneien berechtigt.

Die gegenwärtige Welt wird andererseits den Bewohnern, dem landläufigen Publikum verkauft als eine Welt des Wissens, der umfassenden Informationsmöglichkeit für alle. Das Wissen soll eine echte, informierte Öffentlichkeit ermöglichen, die zu guten Urteilen in der Lage ist.

Es gibt nun Web-Aktivisten, die in politischen Kontexten diese Ansprüche von Öffentlichkeit im Internet herstellen wollen, zusammen mit geheimen Informanten aus mächtigen Einrichtungen. die deren vertrauliche Papiere preisgeben. Die Akteure und Umstände dieses Geschehens und des Web-Postens sind selbst klandestin.

Der Fokus von Leak-Veröffentlichungen. Man kann sagen, dass in dessen  Hintergrund grundsätzlich Zweifel an der Machtfülle korporativer Netzwerke stehen. Das betrifft lokale wie globale Einheiten staatlich-administrativer, ökonomischer, militärischer, sanktionierender Art, oder eng mit diesen zusammenarbeitenden Korporationen wie NGO´s, Stiftungen oder Verbände.

Unterstellt wird ein allgemeiner modus operandi dieser Organisationen, der wenig oder keiner öffentlichen Kontrolle unterliegt, und dabei vielfältige Aktivitäten betreibt, die mit großer, oft negativer Wirkung für Bevölkerungen sind.

Die Korporationen verwenden für ihren hohen und schnellen Kommunikationsbedarf gerade die Mittel des Internet, um diese verschiedenen Aktivitäten auszubauen. In diesem Sinne empfehlen sie auch der Öffentlichkeit das Web und die Medien als umfassenden Ort der Freiheit. Die technischen und organisatorischen Möglichkeiten zwischen Korporationen und Publikum dafür sind jedoch stark asymmetrisch.

Der zu veröffenlichende Gehalt der korporativen Kommunikationen durch Wikileaks bezieht sich auf geheime Verträge, Anweisungen und Befehle, Absprachen, Geld- und Material-Flüsse sowie Berichte über unbekannte Vernetzungslinien korporativer Netzwerke.

Die Resultate von Veröffentlichungen, Plänen und Ankündigungen. Das betrifft mehrere Ebenen: faktische Veröffentlichungen, staatliche Reaktionen, Verarbeitung in den Medien und die Web-Struktur selbst.

Faktische Veröffentlichungen betreffen oft eine große Zahl von Dateien, seine es Schriftstücke oder Bilder, die Vorselektion ist eher rudimentär, Besucher können sich ein umfassendes Bild selbst verschaffen oder den Kontakt Medien von Wikileaks folgen. Bekannte Veröffentlichungen betreffen besonders Kriegsplanung und -führung sowie politische und administrative Unterlagen. Interne Papiere aus der Bankenwelt sind angekündigt. Herkunftsinstitutionen gehen meistens auf  westliche Länder zurück.

Die staatlichen Reaktionen der USA sind nur hysterisch zu nennen, mit Gefängnis- und Morddrohungen gegenüber Aktivisten, einer Ausweitung der durch 9-11 in den USA bereits eingeschränkten Rechte auf Meinungsfreiheit und massive Eingriffe in Web-Dienste – das ist bekannt geworden. Andere Länder arbeiten mit Verfolgungsmaßnahmen teils absurder Art.

Die Medien-Reaktion ist gespalten, in den USA rufen Mainstream-Medien bisweilen selbst zum Mord an Assange auf. In Deutschland ist die Meinung uneinheitlich: “Liberale” Flagschiffe wie die Zeit sahen WikiLeaks schon seit langem als Bedrohung der liberalen, westlichen Staaten, andere dienen einfach nur als eher gleichgültige Trittbrettfahrer der Plattform, Spiegel mal wieder Vorreiter. Im DLF oder der Frankfurter Rundschau wird WikiLeaks positiver bewertet (Kommentare hier, hier, hier und hier)

Die Rückwirkungen auf das Web selbst sind erheblich: es wird eine Machtkonzentration in den USA sichtbar, die bis in politische Bestimmungsgewalt über große Web-Plattformen wie Amazon oder Paypal zeigt. Diese wie andere Provider schalten Zugänge ab, wobei sich der Witz über Web-Feiheit besonders im Paypal-Fall zeigt: die US-Firma Paypal schließt in Europa eine deutsche Stiftung vom Zahlungsverkehr aus ! Mehr noch: selbst die FAZ veröffentlicht Zweifel am großen, vielgepriesenen Cloud-Konzept des Webs, das Schutz vor Verlust oder Ausfall bieten soll. Und es zeigt sich eine Bereitschaft zur intensiven Sabotage gegenüber den Aktivisten-Servern, die sich vermutlich nicht nur staatlich, sondern auch durch nationalistische oder rechtgerichtete Web-Fachleute speist.

Insgesamt: während die westlichen Medien über Flugeinschränkungen chinesischer Dissidenten weinen, bemühen sich die Nato-Staaten, die bekannten chinesischen Web-Einschränkungen noch zu übertrumpfen. Sie führen ihre eigenen Geschichten über das Welt-Informations-Dorf und unsere schönen, nachahmenswerten Freiheiten darüber ad absurdum.

Als Bedenken gegenüber Wikileaks möchte ich mich auf einige Einsprüche beschränken, die nicht sofort mit “strafwürdigem Geheimnisverrat” argumentieren. “Vertraulichkeit”, “Geheimverträge” und “Mitarbeiterschutz” dienen mächtigen Korporationen fast immer fragwürdigen Zwecken. Es ist kaum zu bestreiten, dass Veröffentlichungen von Geheimabsprachen etwa 2003 bei der Irak-Invasion, 1939 bei der Polenteilung von Hitler und Stalin, der Wannseekonferenz 1941 oder des Atombombenabwurfs 1945 positive Folgen gehabt hätte, die negative ungleich überwiegen. Das betrifft die heute gängigen Verträge rund um kommunale Privatisierungen genauso, um ein weniger dramatisches Beispiel zu nehmen. Besonders kann das Web-Leaking Kontexte herstellen, die solche Vertragsschlüsse von Vorne herein sabotieren – zum Nutzen der Betroffenen in den Gemeinden. Dass nun deutsche Blätter sich eher um den smarten Büroleiter von Westerwelle und diplomatische Ungehörigkeiten kümmern, denn um die offengelegte Kriegsplanung von befreudeten arabischen Diktaturen, sagt einiges über die hier herrschende Medienstruktur.

Die starke Ausrichtung auf singuläre Effekte einzelner Veröffentlichungen (“Medien-Events”) folgt zu sehr dem Muster der herrschenden Medienwelt. Dem ist teilweise zuzustimmen, Wikileaks hat zwar einen guten allgemeinen Fokus, kann das aber nicht in seiner eigenen Veröffentlichungsweise und den Bedingungen ihrer Herstellung nachziehen. Deshalb droht, dass die Wirkung von Veröffentlichungen nicht nachhaltig bleibt, und Wikileaks deswegen keine echte Stütze für kritische politische Bewegungen bildet.

Dem folgt die fehlende Transparenz der Wikileaks-Organisation, die Selektionsweise von Veröffentlichungen und ihre Aufbereitung fordert die Kritik heraus, die Wikileaks selbst an anderen übt. Das ist bedingt richtig, obwohl es Geheimhaltungselemente geben muß: sonst kann jede Veröffentlichung frühzeitig von korporativen Einheiten torpediert werden.

Deswegen muß Wikileaks in einen weiteren Aktivisten-Kontext “eingebettet” werden, betreffend ihrer aktiven Ziele, der Aufbereitung ihrer Dokumente und den Wegweisern dafür, der Absicherung der Aktivisten, der Organisation von Veröffentlichungen über die “Mainstream-Medien” hinaus. Dazu kommt eine Erweiterung der Beteiligten-Basis für folgenreiche Aktivitäten aus den veröffentlichten Erkenntnissen der Plattform heraus. Das schließt sich Einwänden an, die betonen, dass die Effekte von WikkiLeaks die Transparenz der Korporationen nicht erhöhen, sondern reduzieren. Demokratische Bedingungen einer Verbesserung sind allerdings gar nicht durch WikiLeaks zu erreichen, sondern nur durch wirksame politische Initiativen vieler Instanzen und an vielen Orten, die durch öffentliche Wahrnehmung systematischer und schädlicher Geheimhaltung mehr Zulauf erhalten können.

Diese Forderung verlangt einige Überlegungen, wie verschiedene Web- und “Lokal-”Gruppierungen sich so organisieren können, um im Web und mit dessen  Möglichkeiten eine neue demokratische Veröffentlichungsplattform zu entwickeln – mit oder über Wikileaks hinaus. Das kann nicht allein mit Technik, einem bekannten Medien-Kopf und einzelnen Events erreicht werden – diese können aber als eigene taktische Medien” dazu gehören.

Linke Medienaktivisten müssen sich darum kümmern !


Aufruf wider den reaktionären Zeitgeist

Ökonomische Wirklichkeiten

Wir werden seit einiger Zeit Zeugen obszöner Inszenierungen, die im Namen von allen möglichen Sachzwängen, die wahren Interessen der Akteure verschleiern sollen, dabei deren Mundfäule über die Lande speien. Kein Taschenspielertrick, keine Rosstäuscherei, keine Variante einer Milchmädchen-Mathematik ist ihnen zu schade, zu blöde, um ihr Vorhaben voran zu bringen. Geschützt durch die immobile „Mitte“ fühlen sie sich stark genug, einen Generalangriff zu unternehmen. Das wird die Zukunft nicht aufhalten, nicht ein Westentaschen- Virchow und auch keine Domina mit Dauerwelle, auch ein Wirtschaftsminister, der vor allem durch seine vornehme Zurückhaltung punktet, kann die Entwicklung höchstens verzögern, mehr nicht.

exponentielles-wachstum

Es ist höchste Zeit, den Faden der Aufklärung wieder aufzunehmen und der Moderne endlich Gestalt zu verleihen. Lassen wir uns nicht weiter täuschen!

Wie steht es denn mit der Wirklichkeit? Wo werden denn die relevanten Entscheidungen getroffen? Und welches gesellschaftliche Segment stellt heute die Speerspitze der Entwicklung dar?

Die Institution, die unser aller Schicksal – blind gegen den Einzelnen – gleichermassen beeinflusst und lenkt, das Sanctum sanctorum unserer Zeitläufte, ist ohne jeden Zweifel die Börse. Dort und nur dort werden die Massen bewegt, nach denen wir alle streben, von denen wir umschlossen werden wollen – das Geld. Nur dessen Arbeit zählt, egal, was uns diese Phalanx der angeblichen Stützen der Gesellschaft einzureden suchen, die nie über den Horizont der Tischkante ihres Stammtisches hinauskommen, ob in Berlin, Paris, Madrid oder wo auch immer.

Die moralin-saure Aufregung in bester deutscher Befindlichkeit sucht verzweifelt offensichtliche Zusammenhänge niederzuhalten. In ihrer Furcht vor der Zukunft greifen diese Parteigänger überholter Gegenwart zu jedem Mittel, die Speerspitze der globalen Entwicklung, Avantgarde und Hoffnungsträger, als Schuldige für die veränderten Bedingungen und ihre gefühlte Bedrohung hinzustellen. Sie weigern sich, anzuerkennen, dass nicht sie als selbsternannte Leistungsträger, die Voraussetzungen für ein gutes Börsenklima und Hochstimmung der Broker schaffen. Sie hecheln lediglich dem DAX hinterher.

Es ist eine Binsenweisehit: weit mehr als andere Phänomene, als andere Management-Entscheidungen trägt die Ankündigung der Freisetzung von MitarbeiterInnen zu der positiven Entwicklung dieses existentiellen Index bei. Es sei hier an K. Galbraith erinnert, einem untadelig konservativen Ökonomen, er hat die Verdienste der Arbeitslosen gewürdigt und ihre Unterstützung als unverzichtbarer Teil des Systems, Garant seiner kontinuierlichen Entwicklung, gefordert. Man schaue nur in die frohen Gesichter der Börsianer, jener Aufrechten der letzten Tage, wenn eine solche Ankündigung auch nur gerüchteweise die Runde macht.

Dieser Zusammenhang lässt sich folgendermassen formalisieren:

Mehr Arbeitslose Þ mehr Rendite         ( mAL Þ mR ).

Es sei nochmals betont, dass dieser Beitrag in der Regel grösser ist als andere betriebliche Entscheidungen, das lässt sich völlig emotionslos feststellen, zudem diese Massnahmen unmittelbar – zum Teil im Voraus – wirken. Die universale Gültigkeit dieser Beziehung ist weltweit belegt und kann ausserdem an der ihr folgenden Steigerung der Produktivität gut gemessen werden.

Ist nun dieser streng kausale Zusammenhang einmal identifiziert und als notwendiges Element zur Erzielung höherer Rendite wahrgenommen, muss jedem klar sein, dass eine Ignorierung, ja Verächtlichmachung dieser Elemente ein zumindest riskantes, mittelfristig jedoch gefährliches Unterfangen ist, dessen Konsequenzen sich nicht absehen und noch weniger in den Griff bekommen lassen. Wir dürfen den affektierten Eiferern hier nicht nachgeben, sondern versuchen nachzuzeichnen, welche weiteren Wirkungen aus der oben formulierten Gesetzmässigkeit folgen. Die Tatsache, dass gerade die Mittelschichten diesen elementaren ökonomischen Wahrheiten mit Hass und Verachtung, zumindest mit Ignoranz begegnen, kann nicht Grund sein, über sie hinweg zu gehen.

Die sich in vermehrter Rendite ausdrückende gesteigerte Produktivität führen zu vermehrtem Steueraufkommen, zudem dabei Kosten vermieden werden und nicht mittels Investitionen erstmal entstehen, so können wir eine weitere positive Korrelation aufstellen:

mAL Þ mR Þ mST (mST – mehr Steuern)

Somit verzeichnen die öffentlichen Hände mehr Einnahmen. Diese Aussage gilt generell, sie ist unabhängig, wo genau dieses vermehrte Aufkommen schliesslich konsumiert wird.

Also: nicht nur die Lage des jeweiligen Betriebes verbessert sich, über die verbesserte Lage fliessen der Allgemeinheit mehr Mittel zu. Diese können von den öffentlichen Kassen dann den drängend geforderten zukunftsweisenden Infrastrukturbemühungen zugeführt werden. Damit wiederum wird die Attraktivität des Standortes erhöht, wodurch sich dort die Lage insgesamt verbessert, da nicht nur weitere Betriebe versuchen, hier Fuss zu fassen, sondern auch die Nachfrage nach Serviceleistungen steigt. Dadurch kommen nicht nur neue Arbeitskräfte, sondern diese Ausweitung greift gern auf den Pool qualifizierter Kräfte ( gemeinhin dessen, was heute diffamiert wird) zurück. Das ist eine Akzeleration von Wachstum. Wir können demnach ein weiteres Glied in unsere Kausalkette einfügen:

mAL Þ mR Þ mST Þ mW ( mehr Wachstum)

Nun stellen wir heute fest, dass statt der Entfaltung der Produktivkräfte Rechnung zu tragen, eine Diskussion über die Moral eines ihrer Teile vom Zaun gebrochen wird.

Der oben beschriebene Wachstumsschub wird das Schicksal einer Eintagsfliege teilen, wenn er nicht durch Investitionen abgesichert wird, die die  Voraussetzung für weitere Schübe darstellen. Nur so bleibt die bereits gezeigte Flexibilität erhalten und ist für zukünftige Leistungsträger gesorgt.

Gerade weil heute ein allseitiger Konsens besteht, dass der Staat bzw. die öffentlichen Dienste dafür Sorge zu tragen haben, dass die optimalen Rahmenbedingungen für eine wettbewerbsstarke Wirtschaft geschaffen werden, fällt diesen Investitionen – als Zukunftsinvestitionen gesehen – besondere Bedeutung zu. Notwendigerweise haben diese breit angelegt zu sein, damit sie nicht in die Falle tappen, die eine vorschnelle Spezialisierung heute immer öfter darstellt (insbesondere soft skills nehmen eine wichtige Stellung ein).

Wir können nunmehr die Kette um ein weiteres Glied verlängern:

mAL Þ mR Þ mST Þ mW Þ mZI (ZI – Zukunftsinvestitionen)

es ist eine pragmatische Frage, dass im Rahmen der ZI gerade jenes oben beschriebene Segment der Arbeitslosen zu fördern ist, dessen Potential am höchsten und gewinnträchtigsten ist. Dabei ist es unerheblich, ob sich diese Förderung im Einzelnen als eine gefühlte Bedrohung der Wahrung von Besitzständen darstellt, dies gehört zu den nicht zu vermeidenden Reibungsverlusten einer Umstellung. Dieses Segment nicht als zukünftige Führungsspieler anzuerkennen und sie stattdessen sinnlos an der Aussenlinie auf und ab laufen zu lassen, kann schnell zu einer schmerzlichen und trotzdem vermeidbaren Niederlage sich auswachsen.

Jeder Standort- und Verantwortungsbewusste muss endlich begreifen, dass diese Investitionen unumgänglich und dringend sind. Dazu muss das gesamte Potential, das gerade Humanressourcen verkörpern, freien Zugang zu allen Bereichen dieser Investitionen haben, dies muss auf den ersten Blick auf die verschiedenen Haushaltsposten ersichtlich sein. Dass hier lieb gewonnene Vorteile gekappt werden müssen, sollte nicht erschrecken, sondern den Weg frei machen. Gerade der mobilste und flexibelste Teil dieser Humanressourcen, dem in dieser Umbruchsphase der entscheidende Part zufällt, hat Anspruch auf einen adäquaten Zugang.

So kommen wir zu dem letzten Glied, das den Prozess auf dieser Stufe abschliesst, um den Beginn einer neuen zu bilden:

mAL Þ mR Þ mST Þ mW Þ mZI Þ mALG (LG – Arbeitslosengeld)

wir weisen mit allem Nachdruck daraufhin, dass jedes Glied dieser Kettenbeziehung in dieser Reihenfolge unverzichtbar und nicht zu vernachlässigen ist, auch nicht näherungsweise. Allzu deutlich haben wir die Taschenspielertricks vor Augen, die „Staatsschauspieler“ aus dem Ärmel schütteln. Zuerst kommen die semantischen Spielchen: so salopp, Þ (führt zu) heisst dann so viel wie = (ist doch gleich) und schon heisst die Formel mAL = mR. Das ist nicht mehr derselbe Ausdruck. Nun kommt es noch dicker: der Trickser folgert jetzt scheinbar streng logisch mR = mST und daraus wiederum mAL = mST und siehe da, aus der ganzen Ableitung bleibt nur noch Übrig: mAL =  mALG ! Klasse. Zum Beweis führen sie dann an, dass man dies doch sieht und auch überall nachlesen kann. So entsteht die >neue Wahrheit< und nun lässt sich trefflichst polemisieren. Ein fruchtbar Feld für verbitterte alte Männer, eiskalte Engel und überschäumende Aussenminister.

Wir stellen fest:

Eine Gesellschaft ohne Arbeitslose ist nicht flexibel genug und bietet wenig Anreize für zukunftsfähige Investitionen, sie ist in einer Welt globalen Wettbewerbs schlicht ein Anachronismus.

Arbeitslose sind die gewaltige Ressource mittels derer die Entwicklung vorangetrieben und nachhaltig gestaltet wird.

Dies ist insbesondere für rohstoffarme Länder wie die Bundesrepublik von entscheidender Bedeutung.Dem muss endlich Rechnung getragen werden.

Mobil sein mit flexibler Taktik!


Medien-Kompass – Erste Dezemberwoche

Bemerkenswerte Blüten treibt die Umwidmung des öffentlich-rechtlichen Schwarz-Senders “Hessischer Rundfunk” zum BlödFunk ala Radio FFH kaum 100 Tage nach Übernahme des Amtes “Hessischer Ministerpräsident” von Volker Bouffier, einem Spezi des Vorgängers Roland Koch.

Das Qualitäts-Format des Frankfurter Senders heißt “Kulturradio HR2″. Wer am Sonntag Morgen erwartungsvoll dessen Nachrichten vernahm, wurde über die Maßstäbe “kultureller Qualität” erstaunt: die Macher des Radios haben als wichtigste Nachricht auserkoren, dass “der verunglückte Teilnehmer bei Gottschalks ´Wetten dass´ nun doch operiert werden muß”. Gottschalk selbst konnte in der Nachrichtensendung das Wort ergreifen: “wir meinten ja auch, dass es mit dem Überspringen von 4 Autos genug wäre”.

Man nennt das die “konservative Leitkultur“. Wahrlich, der Hessische Rundfunk muß nicht mehr viele Autos überspringen, um RTL auf die Plätze zu verweisen.

-

Der alte, pfiffige Kulturkritiker Forian Rötzer hat in Telepolis eine Studie aus den USA ausgegraben, die eine klassische Alltagsintuition nachzuweisen scheint: arm hat Mitgefühl, reich denkt nur an sich selbst. Reiche und Gebildete aus Mittel- und Oberschicht scheinen ein Defizit zu besitzen, das möglicherweise erklärt, warum sie auch kaum Mitleid gegenüber den ärmeren  Schichten hegen.

Endlich scheints also wissenschaftlich: die Penunzen bestimmen den Gefühlshaushalt. Wieso: unterschiedlicher Umgang miteinander sorgt für unterschiedliche Aufmerksamkeiten: wird mein Kontakt mit anderen hauptsächlich über Geld geregelt, oder spielt das eine geringere Rolle, schon weils einfach nicht da ist: dieser Unterschied steuert die Aufmerksamkeit für andere. Für Leute ohne Geld gibts dann wenig Aufmerksamkeit.

Erschrenkend für die Deutschen: selbst die Amerikaner sind der Meinung, dass es “Klassen” gäbe, ein Begriff der vor kurzer Zeit noch den Sozialdemokrat Müntefering erschaudern und soziologischen Unsinn verdammte.

Ohne zu schnell falsche Schlüsse zu ziehen: die Frankfurter Rundschau legte nach, dass in der Krise besonders der Rechtspopulismus und die Ablehnung Hilfsbedürftiger bei den oberen 20 Prozent der Bevölkerung – man nennt sie gerne “Gutsituierte” – zugenommen hat (“eisigen Jargon der Verachtung durch die Eliten“). Aber: bei den anderen war sie bereits vorher größer.

Weiter sei noch erwähnt, dass wir deswegen bei Arktivitäten Gutsituierter aufmerksam sein sollten, aber die politisch-soziale Welt wird nicht allein durch Gemütszustände geregelt, besonders nicht solchen, die umkehrbar sind.

Aber: die Studie gibt uns doch eine schöne Erklärung dafür, warum der Eintritt in die Politikerkaste, so wie sie bei uns strukturiert ist, schnell bei den Novizen zu Ignoranz gegenüber dem gewöhnlichen Publikum führt und die Aufmerksamekeit für andere Persönlichkeiten rapide wächst.

Und noch etwas anderes fällt uns ein: die Dänen, Schweizer und Niederländer, die reichsten Flächenländer Europas, haben einen besonders starken Drang zu rechtsfgewirkten und fremdenfeindlichen Sanktionen. Hat die reiche Elite vielleicht die Kraft, gerade ihre Vorstellungen öffentlich salonfähig zu machen.

-


Dezember-Wochenende: Frankfurter Kulturachse

DSC00278

Foto: Frankfurter Gemeine Zeitung

-

DSC00280

Foto: Frankfurter Gemeine Zeitung

-

DSC00274

"Morgen im Übermorgenhaus" v. Michel Disque u. Bert Bresgen

-

DSC00271

"Morgen im Übermorgenhaus" v. Michel Disque u. Bert Bresgen in der BASIS


Powered by WordPress • Theme by: BlogPimp/Appelt Mediendesign und tech-a • Beiträge (RSS) und Kommentare (RSS) • Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.