Frankfurter Gemeine Zeitung

Medien-Kompass – Zweite Dezemberwoche

Diesmal bewegt sich der Medien-Kompass nochmal um Wikileaks, die Folgen im Web und die Rezeption in den Medien. Es scheinen dabei einige Neubewertungen des Webs Fuß zu fassen.

Die FGZ hat sich in verschiedenen Artikeln mit der Ideologie des Webs als “freier Raum” auseinander gesetzt und darauf hingewiesen (z. B. hier, hier , eine ganz aktuelle kritische Bewertung von anderer Seite liest man hier), das es doch eher einer Shopping Mall ähnelt, bei der eine Reihe von Zugangsbeschränkungen existieren – besonders solche ökonomischer Art. Selbst dem eher unbedarften User  ist klar, dass Provider Geld kosten und die Portale, auf denen man sich meistens umsieht, entweder Shops sind oder Firmen, die auf andere Weise mit unsereinem Geld verdienen.

Es gibt Ausnahmen und eine bekannte Ausnahme, nämlich WikiLeaks musste genau diese Machtverhältnisse im Web auch erfahren: Amazon ist eine Firma, die Server vermietet und Wikileaks abschaltete; dessen Finanzierung über Zahlungskanäle wurde mit PayPal, Mastercard und Visa abgeschnitten, eine gefährliche Situation für alle  politischen Web-Aktivisten. Das Web allein machts halt nicht.

Wie geht das mediale Geschäft nach Mordaufrufen, Abschaltungen und Blockaden weiter, welcher Schutz wird der Bevölkerung vor solchen geistigen Bombenanschlägen geboten ?

Die Reaktionen wütender Web-Aktivisten zielten mit Portal-Blockaden auf diese Intitutionen, sei es wegen deren Opportunismus, sei es wegen deren eigener Einstellungen. Da war dann Amazon mal kurzzeitig schwer erreichbar.

Die Hetze europäischer Presse näherte sich manchen amerikanischen Attituden und schreckte auch nicht davor zurück, deren Protagonisten als Opfer hinzustellen. Sarah Palin z. B., die eher minderbemittelte aber wirkungsvolle US-Politikerin  hatte Wikileaks-Gründer Assange als „antiamerikanischen Agenten mit Blut an seinen Händen“ bezeichnet und ihn mit dem im Untergrund lebenden Al-Kaida-Führer Osama bin Laden verglichen. Von den Mordaufrufen gegen ihn ganz zu schweigen.

Clouds” sind ganze Wolken von Rechnern oder Servern, deren Zusammenarbeit im Web eine Menge leisten soll, sie gelten als der letzte Schrei des Internets. Die Daten, auch wenn es ganz viele sind, sollen verteilt sein, weit über das Web und der Nutzer oder Mieter braucht nicht zu wissen wo sie sind.

Nur zum Vorteil für uns: das Cloud-Computing wird als besonders sicher, beweglich und erweiterbar verkauft. Und die großen Heroes des Web-Geschäfts tummeln sich da: Amazon (mit dem EC2-(„Elastic Cloud Compute“)-Dienst), Google und Microsoft sind Anbieter.

Ausfalls-Sicherheit und weg vom Server vor Ort: seit Amazon WikiLeaks letzte Woche rausgeschmissen hat sehen wir, was von virtuellen Märchen wirklich zu halten ist. Die Server liegen bei Multis, und die können die Cloud schell zumachen – wenn jemand nicht passt. (siehe Freitag)

An Absurdität kaum zu übertreffen ist die Pressemitteilung der US-Regierung, genauer von Philip J. Crowley, seines Zeichens Assistant Secretary, Bureau of Public Affairs: sie möchten doch 2011 einen “World Press Freedom Day” ausrichten !

Die bigotten Verhaltensweisen der Regierungen der westlichen Welt zeigen sich auf diesem Hintergrund in den schönen Reden zum chinesischen Friedensnobelpreis und der gleichzeitig stattfndenden Medienhetze um Wikileaks.

Ein passender Kommentar dazu findet sich in Telepolis, der daran erinnert, dass bei Verhaftungen von Presse-Vertretern üblicherweise die westliche Weltpresse empört aufschreit, ganze Staatspräsidentenclubs die Freiheit fordern aber bei Wikileaks Schweigen im Walde herrscht.

So ist das mit den “Terroristen”und den Leit-Medien, im Osten wie im Westen.



2 Kommentare zu “Medien-Kompass – Zweite Dezemberwoche”

  1. Bert Bresgen

    Interessanterweise gibts von FAZ-Net auch eine Kritik an der Cloud-politik von Amazon im Zusammenhang mit Wikileaks, natürlich aus unternehmerischer Perspektive: faz.net

  2. hwsvwq

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