Frankfurter Gemeine Zeitung

Die Politik des Schnees

 

winter_fahrrad

 I. Der kitschige Schnee
Schnee bringt eine besondere Art des Kitsches hervor. Es sind nicht mehr die Schneekugeln, die hin- und hergeschüttelt winzige und wohlgeordnete, flockendurchwirbelte Welten zeigten. Sie existieren nur noch in Retroausgaben oder ironischer Verfremdung. Die gegenwärtig Lebenden haben für sie zu viel Phantasie- oder zu wenig. Was sind gläserne Schneewelten gegen “Avatar”? Auch verschneite Hexenhäuschen aus Lebkuchen sieht man nur noch selten. Was sich hält ist das Kalendermotiv VERSCHNEITES FAHRRAD als Klischee des Winters. Die Botschaft des Bildes: Die Natur weist uns sanft in die Schranken. Es ist Zeit zu ruhen , zu verharren und dem lautlosen Herabsinken der Schneeflocken zu lauschen, wollen wir nicht mit nasskaltem Hintern ankommen. Tatsächlich kann man zur Zeit kaum Fahrrad fahren in der Stadt. Das liegt einfach daran, dass in Frankfurt nach offizieller Auskunft nur die wirklich “wichtigen Straßen” geräumt werden. Und das bedeutet trotz schwarz-grüner Stadtregierung: keine Fahrradwege oder Nebenstraßen. Auf den “wichtigen Straßen” aber kämpft der Fahrradfahrer gegen die Autofahrer um sein Leben im diesigen Licht und der durch Eisbrocken und Scheeausläufer weiter verknappten Fahrrinne. Also lässt man das Fahrrad lieber stehen und betrachtet wie der Winterhimmel sein Füllhorn ausgießt über die Gel-Sättel, während die gegelten Haare am Kopf fest frieren. Die RMV-Tageskarte für Frankfurt kostet inzwischen so viel wie ein Mittagsmenu: 6,20 €. Es wird häufig kontrolliert zur Zeit, vermutlich weil kluge Kontrolleure wissen, dass momentan viele auf die “Öffentlichen” umsteigen müssen und viele AusländerInnen, die von dem RMV- Kartensystem keine Ahnung haben, wegen des Weihnachtsmarktes in die Stadt fahren. Heute morgen hörte ich, wie eine Kontrolleurin einer erwischten Schwarzfahrerin zum Abschluß : “Merry Christmas” wünschte.

II. Der neoliberale Schnee

schnee 1
Der meistgelesene Begriff zur Zeit: “Schneechaos”, formerly known as: Winter. Baßerstaunt bemerken alle, dass es dieses Jahr schon wieder so viel schneit in Frankfurt, Hessen und Umgebung, wo es das doch letztes Jahr schon getan hat. Und tatsächlich wird jetzt,  1 Tag vor Winteranfang wieder über Salzknappheit spekuliert. Der alte DDR-Witz: “Was sind die vier Hauptfeinde des Sozialismus? Frühling, Sommer, Herbst und Winter.” scheint sich für den Kapitalismus zu wiederholen. Unser hochmoderner Staat ächzt unter Schnee. Tatsächlich spielt die Natur als altgediente Katastrophenmacht aber eine nachgeordnete Rolle. Das Chaos im Schneechaos entsteht durch den Rückzug des Staates und des Gemeinwesens. Im wesentlichen sollen die Leute sehen, wie sie klar kommen. Ein Vertreter der Gemeinden hat geäußert, die Autofahrer sollten sich in Zukunft darauf einstellen, dass man “wie in den skandinavischen Ländern” auch über geschlossene Schneedecke fahren könne, weil den Kommunen für die Schneeräumung zunehmend das Geld fehlt. Immerhin fühlen sich die hiesigen Autofahrer in ihren panzerartigen PKWs und Pseudo-Jeeps sicher genug, um allen Schnee-Warnungen der Radiosender zum Trotz weiter munter in quergestellte LKW´s zu rasen. Samstag Mittag bis Samstag Abend gab es allein in NRW 800 Unfälle. Diese Unfällen werden als etwas naturwüchsiges betrachtet, so als würden die Wagen nicht von Fahrern, sondern vom Geist einer bösen Weihnacht gesteuert. Am Frankfurter Flughafen musste die Polizei am Samstag aufgebrachte, wartende Passagiergruppen voneinander trennen, um Schlägereien zu verhindern. Die, die seit 20 Stunden warten, ärgerten sich über die, die offensichtlich plötzlich fliegen konnten. Flughafenleitung und Fluggesellschaften erteilen den Gestrandeten zwar nur ungenügend Auskunft, haben aber als Engel verkleidete Mitarbeiter und Stelzenläufer eingesetzt, um die Menge zu beruhigen.

flughafen nikolaus dpa

Eine Nikoläusin bespaßt am Frankfurter Flughafen verdächtige Fluggäste. Foto: dpa

Die Bahn, der ja schon der letzte Sommer und Stuttgart 21 so stark zugesetzt hat, wurde vom Schnee kalt erwischt. Bei Tremsbüttel in der Nähe von Hamburg blieb ein Regionalzug vier Stunden vom späten Nachmittag bis zum Abend auf freier Strecke stehen; nach zwei Stunden fielen Heizung und Licht aus. Den Zuggästen wurde keinerlei Auskunft erteilt, da die Sprechanlage ausgefallen war und offenbar war niemand an Bord, der durch den Zug gehen konnte oder wollte, um face-to-face die gewünschte Info zu geben. Vielleicht war auch die Prepaid- Handykarte des Zugführers leer, so das  er keine Hilfe holen konnte. Einige Zuggäste befürchteten einen Terroranschlag, es war aber nur der Winterwind, das himmlische Kind…und ein Kurzschluss an der Oberleitung. Der Zugführer öffnete “aus Sicherheitsgründen” nicht die Türen.Schließlich brach eine Gruppe von Passagieren eine Tür auf (“mehr Eigeninitiative wagen”), sprang auf die Gleise und verständigte die Feuerwehr. Man sieht: Der deutsche Winter 2010 hat schon jetzt das Zeug zum Katastrophenfilm von Roland Emmerich. Halten Sie Ausschau nach dem nächsten Stelzenläufern.

III: Der enthusiastische Schnee
Mehr Schnee! MEHR SCHNEE! Ich wünsche mir meterhohen, immerwährenden Schnee. Möge er so plötzlich wie heute herabfallend zaristische Kolchosen auf die dunklen Frankfurter Strassen zaubern! Und pseudorussische Musik aus dem Bauch bemalter, wimpernloser Mamuschkas herausplatzen lassen, die man nachts auf den Strassenkreuzungen aufstellt als schläfrige Brummkreisel und Bewacherinnen der Stille.


Weil es eigentlich Dir gehört..

Du Hungerst, Du Verdrängst, Und schon manches Mal
Hast Du die Hand aufgehalten, im Bewußtsein, dass alle Menschen Sterne sind, oder zumindest Elektromagnetische Partikel. Die meisten jener sagten: geh` arbeiten.
Nein! Sterne brennen!
Substanzlose Menschen sprechen jeden Tag zu Dir, hoffend, dass Du Dich Ihnen fügst.
Fügung? Schicksal?
Wissenschaft schafft Wissen, das ist nicht schlecht sondern einfach nur da…
Und das tolle an der Astrophysik ist, dass sie zumindest vorläufig Recht hat!
Das ist ja das krude am Dasein. DA sein…als Partikel.
Und Arm sein wäre ohne soziale Ächtung gar nicht so schlimm!
Aber bist Du dann halt jemand anderes Arm
Und nicht der Deine…
Sei arm. Sei servil. Sei Doch unterwerfe Dich nicht!
Denn das sind die Falten, die Dich im Spiegel morgens plagen.

Sieht freiwillig aus

Sieht freiwillig aus


Geld gilt nichts, Macht macht nichts..

Weil ich schon oft arm gewesen bin, ist mir mehr als alles andere bewußt, daß Geld nichts gilt. Wenn Du Geld hast, wird Dein Joch einfach etwas angezogen, und die Trense schmockt nicht mehr so bitter, weil Du Zucker dafür kriegst…
Krieg? Ja! Den Anderen, für meinen Frieden.
Krieg Morgen macht Macht, magst Du mich nicht kriegen, macht mir das nichts aus: das ist Diplomatie! Es geht ja ohnehin nur um die Geld/-tung.
Kurz und Gut oder böse, habe ich ersteres selbiges mir nicht zum Wohlgefallen angehäuft… naja, gehäufelt.
Denn wie ein großer Dichter sagte: „Du knetest den Teig aller irdischen Güter ohne jemals davon zu kosten.“!
Geld gilt nichts mehr, und Macht macht nichts mehr.
Vielleicht ist das auch gut so, oder böse?
Beauty! People!
LSD?


Powered by WordPress • Theme by: BlogPimp/Appelt Mediendesign und tech-a • Beiträge (RSS) und Kommentare (RSS) • Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.