Frankfurter Gemeine Zeitung

Medien-Kompass – Jahreswechsel 2010

Der geheime Star deutscher Mainstream-Medien findet überall Eingang: seien es Presseagenturen oder Tageszeitungen, Wochenjournale oder Radiosender. Selbst der anspruchsvoll und ausgleichend daherkommende Deutschlandfunkt muß ihn immer wieder befragen. Kaum ein Offizieller ist so gefragt wie er, geschweige denn ein “Gewerkschafter”: der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Rainer Wendt.

Obwohl er nur ein Prozent der der deutschen Gewerkschaftsmitglieder vertritt, wird er zu allen Fragen politischen Geschehens in Deutschland befragt, als sei alles Wichtige hierzulande primär polizeilich relevant! Wenn wir von den Hype-Ereignissen auf der Nachrichten-Autobahn absehen (Demonstrationen gegen Atom oder Bahn, Todtrampeln in Duisburg, Nacktscanner, Islamvereinigungen, Vorratsdatenspeicherung, gefährliche Ausländer usw usf.) lassen sich allein in den letzten Woche des Jahres 2010 folgende Äusserungen des großen Polizei-Weisen (“Experte”) aufzählen:

- Die Terror-Gefahr ist noch nicht gebannt, weiter mit der Überwachung

- Das “Profiling” von Fluggästen:“Begrüßenswerter Vorstoß”

- Bundestag ist immer noch Terrorziel

- Natürlich auch für das Wetter zuständig: Lkws ausbremsen.

Vermutlich will Wendt bei passender Gelegenheit den Pranger weiter aktualisieren und nicht “nur” den Aufenthaltsort von freigelassenen Schwerverbrechern im Internet veröffentlichen.

Diese Art von Experte dienen den Medien als Begründung, belehren das Publikum und orientieren Politiker. Ein anti-demokratisches Schauerstück. Bewahre man uns vor solchen Gewerkschaftsführern und den Medien, die ihnen dauernd Platz geben.

Noch eine wichtige Meldung aus dem Stall deutscher Medienstars: der Rechtsaussen-Comedy “Henryk M. Broder” hat seiner Platz beim Spiegel, den er mit unermüdlichem Kampf gegen die links-sozialistische Vorherrschaft in Deutschland bei SPIEGEL erlangen konnte, zum Jahresbeginn 2011 geräumt.

Nein, nicht zum Chefreporter Inland bei ARD wird er, nicht bei Mario Barth in RTL arbeitet er, sondern es geht nur über die Strasse, zur WELT.

Nachdem er uns seit Jahren das nah bringt, was das “Volk wirklich denkt”, findet er bei der Welt einen passenden Einstieg: es geht gegen “die Intellektuellen“, die endlich mal Blödelsendungen mit dicken Titten in Hinterzimmer beim Bier sehen wollen. Na dann Prost, nieder mit dem Sozialismus.

Das rechte “Qualitäts-Blatt” Welt muß sich überlegen, ob es einen gewissen Ausgleich zwischen tobender Frontseite und anspruchsvollerem Feuilleton mit solchem Niveauabsturz noch halten können.

Aber letztlich ist Broder vermutlich die ideale Verfugung einer Medienlandschaft, die gut ins ungarische Modell passt. Und das kann vielleicht auch noch RTL mit Broder in der 6 Uhr Frühsendung erledigen.

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Die Hamburger Print-Luftherrschaft und ihre Homogentät wirft auch ein Licht auf Frankfurt 2010 und den Niedergang dieser kleinen Zeitungsmetropole: die Frankfurter Rundschau wird zu einer Art Zeitungs-Deckblatt mit Gemeinschaftsredaktion für Köln, Berlin und Frankfurt. Sie zeichnet für Frankfurter Eigensinn bloß noch mit einer Lokalredaktion, die sich aber am stärksten aufs Städte-Ranking kapriziert.

So bleibt am Main bloß noch ein Doppel um die Börse: die Börsenzeitung nebst der FAZ, die ihre Finanzportale politisch färbt. Den Rest vernachlässigen wir mal unter “Boulevard”.

Na, da musste doch ein engagiertes Blatt wie die “Frankfurter Gemeine Zeiung” auf die Rhein-Main-Bühne und ins Web treten.


4 Kommentare zu “Medien-Kompass – Jahreswechsel 2010”

  1. Esthernabe

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